Foto: Leipzig – Propsteikirche St. Trinitatis

Propsteikirche St. Trinitatis

Nonnenmühlgasse 2 | Ortsteil: Zentrum-Süd
Inhalt des Beitrags
Audiobeitrag: Propsteikirche St. Trinitatis

Die römisch-katholische Propsteikirche St. Trinitatis befindet sich seit 2015 am Martin-Luther-Ring gegenüber dem Neuen Rathaus, nachdem ihr Vorgängerbau, die Propsteikirche St. Trinitatis am Rosental (Emil-Fuchs-Straße 7), aufgrund des schlechten Baugrunds abgerissen wurde. Nur der Glockenturm lieb erhalten. Die Einweihung des vom Architekturbüro Schulz & Schulz konzipierten und vom Bauleiter Lothar Wolter ausgeführten Neubaus fand am 7. Mai 2015 statt. Das gesamte Bauwerk wurde aus Rochlitzer Porphyr geschaffen.

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Fotogalerie - Propsteikirche St. Trinitatis

Ein Tor zur Leipziger Innenstadt


Der bereits von Weitem sichtbare Kirchturm der Propsteikirche St. Trinitatis prägt seit 2015 die Silhouette entlang des Martin-Luther-Rings und bildet gemeinsam mit dem Turm des benachbarten Neuen Rathauses ein Tor in die Innenstadt. Die Propsteigemeinde besteht seit 1710. Bei der ersten katholischen Propsteikirche handelte es sich um die 1847 in der Rudolphstraße 1-2 geweihte Alte Trinitatiskirche, welche 1943 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt und 1954 abgerissen wurde. Nach der Zerbombung der Kirche war die Gemeinde über 40 Jahre lang zu Gast in evangelischen Gotteshäusern, darunter auch die Universitätskirche. Als im Jahr 1968 ein mit der Sprengung beauftragter DDR-Trupp in der Universitätskirche anrückte, saß der Kantor der Propsteikirche, Kurt Grahl, an der Orgel und spielte eine Bach-Fuge. Mit Aufforderung des Sprengmeisters, das Gebäude zu verlassen, machte Grahl ein Zeichen in der Partitur, an deren Stelle er sein Spiel seitdem immer unterbrochen hatte. Im Jahr 1980 bekam die Propsteigemeinde in der neu errichteten, 1982 geweihten Propsteikirche St. Trinitatis am Rosental, eine neue Heimstätte. Da die Kirche aufgrund des sumpfigen Baugrunds in den Folgejahren schwere Bauschäden aufwies und als nicht mehr sanierungsfähig eingestuft wurde, plante die Gemeinde einen Neubau am Wilhelm-Leuschner-Platz.

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Ausschreibung und Neubau eines umweltgerechten Gotteshauses


Im Rahmen der Deutschen Bischofskonferenz wurde einstimmig beschlossen, für das Projekt am 7. und 8. Februar 2008 in allen katholischen Gemeinden Deutschlands für den Leipziger Bau zu sammeln. Eine bundesweite Kollekte in dieser Form war bis dato einmalig.

Durch einen internationalen Architekturwettbewerb gelangten acht von 50 Architektur-Vorschlägen für den Kirchenneubau in die finale Auswahlrunde. Der Siegerentwurf stammte vom Leipziger Architekturduo Ansgar Schulz und Benedikt Schulz vom Architektenbüro Schulz & Schulz. Der Entwurf überzeugte die Jury nicht nur durch seine Gestaltung, sondern galt auch aus energetischer Sicht als der nachhaltigste. Prämisse war es, den Ansprüchen an ein erstes, komplett umweltgerechtes Gotteshaus in Deutschland gerecht zu werden und dabei alle Möglichkeiten des ökologischen Bauens und Betreibens auszuschöpfen.

Als Baufläche für den größten Kirchenneubau in Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung wurde das dreieckige Grundstück gegenüber dem Neuen Rathaus ausgewählt. Der Bau wurde mit 15 Millionen Euro veranschlagt, wobei das Bistum Dresden-Meißen ca. 8 Millionen Euro beisteuerte. Der ursprünglich zum 300-jährigen Gemeindejubiläum im Herbst 2010 geplante erste Spatenstich verzögerte sich und die Grundsteinlegung der Propsteikirche St. Trinitatis unter Bauleiter Lothar Wolter erfolgte am 27. April 2013. Der Sakralbau wurde am 7. Mai 2015 offiziell eingeweiht.

Traditionsreiche regionale Baukunst trifft auf zeitgenössisches Design


Die Propsteikirche wurde aus Rochlitzer Porphyr geschaffen. Das rötliche schimmernde Vulkangestein, das seit mehr als 1000 Jahren in Rochlitz im Kreis Mittelsachsen abgebaut wird, verwendete seinerzeit bereits Baumeister Hieronymus Lotter beim Mauerwerk des Alten Rathauses. Auch an der Fassade der Thomaskirche, der Alten Nikolaischule, des Grassimuseums und am Eingangsportal des Zoo Leipzig wurde das nahezu unverwüstliche Gestein verwendet. Im Fall der Propsteikirche trifft traditionsreiche regionale Baukunst auf zeitgenössisches Design. Besonders markant ist der 50 Meter hohe Turm der Propsteikirche, auf welchem am 5. April 2014 das sieben Meter hohe Edelstahl-Kreuz aufgesetzt wurde. Schwerpunkt des Gebäudekomplexes ist neben dem Kirchenbaukörper der dazwischen liegende flache Bereich des Gemeindezentrums und -büros. Als entscheidendes städtebauliches Element gilt der bewusst offen und auch für Passanten einladend gestaltete Kirchhof, welcher vom Martin-Luther-Ring sowie vom Nonnenmühlgraben aus erreichbar ist.

Moderner Sakralbau mit künstlerischer Ausstattung


Beim Betreten der Kirche fällt deren Funktionalität und Detailtreue auf. Die Atmosphäre des hohen Kirchensaals wird im Wesentlichen durch das einfallende Tageslicht durch das 22 Meter lange und ca. drei Meter hohe ebenerdige Kirchenfenster bestimmt, das vom Leipziger Künstler
Falk Haberkorn gestaltet wurde. Verstärkt wird es durch das Oberlicht über der Altarrückwand. Mit der ganzflächig auf dem Fenster angebrachten Heiligen Schrift hatte der Künstler die Intention, Gemeindemitglieder, Leipziger und Gäste gleichermaßen zum Näherkommen und Betrachten des Alten und Neuen Testaments der Bibel zu animieren. Dies wird durch mehrere hintereinander liegende und unterschiedlich beleuchtete Fensterscheiben ermöglicht. Gegenüber dem Kirchenfenster befindet sich die Werktagskapelle mit der deutlich auf der Galerie sichtbaren Orgel. Die Gemeinde ist in einem offenen Circumstantes angeordnet, dessen Mitte der Altarraum bildet. Durch den Verzicht auf Stufen gegenüber der Gemeinde öffnet sich der Altarraum optisch als mehrdimensionale Fläche. Der Altarraum ist über fünf Wege mit der Kapelle, dem Tabernakel, dem Portal und dem Taufstein, dem Aufstellort der Madonna sowie dem Kirchenfenster verbunden. Die künstlerische Gestaltung des Kirchinnenraums hatte der in Los Angeles lebende Künstler Jorge Pardo inne. Er entwarf neben dem Altar auch den Taufstein, den Tabernakel und das Altarraumkreuz. Der Künstler sah eine weitgehende Gestaltung des Kircheninventars mit Eichenoberflächen vor, welche mit Intarsien aus Blattgold, Acryl und verschiedenfarbig lackierter Eiche eingelegt sind.

Die historische Glocke von 1937 ist das einzige von der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Alten Trinitatiskirche, was erhalten blieb. Mit den 2017 in Innsbruck gegossenen Bronzestücken wurden zwei weitere Glocken aus der ehemaligen Trinitatiskirche am Rosental in den Kirchturm eingebaut. Seitdem ist das Gotteshaus im Besitz eines fünfstimmigen Geläuts.

Entsprechend der Anforderungen an den Sakralbau in Sachen Nachhaltigkeit wurde ein entsprechendes Konzept beim Bau der Kirche von den Architekten umgesetzt. Konkret nutzt die Kirche im Winter zur Beheizung des Innenraums Erdwärme, welche in den warmen Sommermonaten per Kühlung in den Boden zurückgeführt wird. Zur Erzeugung von Strom aus der Sonnenenergie wurden am Kirchturm sowie auf dem Kirchendach Fotovoltaikanlagen angebracht. Im Kirchturm ist zudem ein Regenwasserspeicher integriert, dessen gesammeltes Wasser für den Kirchenbetrieb genutzt wird.

Ob Liederabend, Kräuterfest oder Familiencafé – mit einem vielseitigen Veranstaltungsangebot lädt die Gemeinde regelmäßig in den modernen Kirchenbau ein.

Stand: 30.04.2023

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Historisches Bildmaterial - Propsteikirche St. Trinitatis

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