Foto: Leipzig – Versöhnungskirche

Versöhnungskirche

Viertelsweg / Franz-Mehring-Straße 44 | Ortsteil: Gohlis-Nord
Inhalt des Beitrags
Audiobeitrag: Versöhnungskirche

Die evangelische Versöhnungskirche im Stadtteil Gohlis wurde von 1930 bis 1932 nach Entwürfen des Leipziger Architekten Hans Heinrich Grotjahn in Stahlbetonbauweise im Stil des Bauhaus und der Klassischen Moderne errichtet. Sie wurde am 6. März 1932 eingeweiht. Der 43 Meter hohe Kirchturm und die kubistische Formensprache prägen das äußere Erscheinungsbild, während die klare Wirkung des Kircheninneren durch ihre Geometrie und Farbe bestimmt wird. Zwischen 2003 und 2016 wurde die Versöhnungskirche umfassend restauriert.

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Fotogalerie - Versöhnungskirche

Eine Kirchgemeinde wird geteilt


Der bereits von Weitem sichtbare, kantige Turm mit nebengelagerten, flacheren Kuben der sogenannten „Weißen Kirche“ dominiert die Dächer von Gohlis. Ausgangspunkt für die dichtere Besiedlung des bis dahin unbebauten Geländes war die Errichtung der Werksanlage der Drahtseilfabrik Bleichert & Co. nördlich der Eisenbahnlinie nach Wahren im Jahr 1881. Da die Bevölkerungszahl in Gohlis bis Anfang des 20. Jahrhunderts deutlich anstieg, wurden erste Überlegungen zur Teilung der Gemeinde der Gohliser Friedenskirche und dem Bau einer eigenen Kirche in der neu entstandenen Gemeinde Gohlis-Nord angestellt. Zur Gemeindeteilung kam es im Jahr 1913. Da keine geeignete Fläche zum Bau einer neuen Kirche vorhanden war und auch die nötigen finanziellen Mittel fehlten, wurde dieser zunächst gestoppt. In der Zwischenzeit wurden die Gottesdienste in einem Schulsaal durchgeführt. Per Beschluss der Leipziger Stadtverordneten 1920 sollte das Gelände am Viertelsweg der Gemeinde als kostenlose Baufläche übergeben werden. Am 6. Juni 1920 erhielt die neue Gemeinde den Namen „Versöhnungsgemeinde“.

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Wenn Bauhaus auf Spiritualität trifft


Knapp 10 Jahre später wurde am 18. Juli 1928 ein Architekturwettbewerb zum Bau einer neuen und modernen, protestantischen Kirche ausgeschrieben, an welchem sich 52 Architekten mit insgesamt 73 Entwürfen beteiligten. Als Gewinner ging der Leipziger Architekt Hans Heinrich Grotjahn aus dem Wettbewerb hervor. Pünktlich zum Beginn des Kirchenbaus am 9. Juli 1930 war die Errichtung des neuen Wohnviertels Gohlis-Nord abgeschlossen. Dieses war geprägt vom für den Bauhaus-Stil typischen Funktionalismus. Nach zwei Jahren Bauzeit wurde die Versöhnungskirche in Stahlbetonbauweise am 6. März 1932 eingeweiht.

Der 43 Meter hohe und mit einem vergoldeten Kreuz bekrönte Kirchturm mit einer begehbaren Plattform verfügt seitlich über vertikal verlaufende Fensterbänder. Der Kirchturm ist seitlich aus der Gebäudeflucht gegenüber dem Eingangsbau herausgerückt. Die flachen Dächer betonen die strenge Form des Bauwerkes. Die Hauptfront mit ihren links und rechts über Freitreppen erreichbaren Eingängen ist geprägt von einem Baukörper mit einem farbig verglasten, monumentalen Betonkreuzfenster, von welchem aus ein tiefer gelagerter Ehrenhof ausgebildet ist. Da die ursprüngliche Ausführung der Kreuzfenster des Berliner Künstlers Odo Tattenbach stark kritisiert wurde, gestaltete der Architekt Matthias Klemm diese im Jahr 1973 neu. Linkerhand an den Hauptkomplex angeschlossen befindet sich der imposante Kirchturm.

Versöhnungskirche wird von kubistischer Formensprache geprägt

Die durch den Stahlbetonbau bedingte architektonische Strenge spiegelt sich auch im Kircheninnenraum wider. Dieser wird von einer vier Meter hohen, von oben durch ein Dachfenster belichteten Christusfigur aus Cottaer Sandstein im schmalen Altarraum geprägt. Die Statue wurde von Max Alfred Brumme geschaffen. Der gesamte Innenraum, inklusive des Altars, den Emporen, der Orgelverkleidung und der Kanzel, ist von einer klaren kubistischen Formensprache geprägt. Der monumentale Gesamteindruck des Kirchensaals wird durch seinen erhöhten Mitteldeckenteil verstärkt, während sich die Neue Sachlichkeit in den streng geometrisch gegliederten, farbigen Fensterelementen widerspiegelt.

Mitsamt der Empore bietet der Kirchensaal insgesamt 700 Sitzplätze. Unterhalb der Orgelempore befindet sich eine kleine Feierabendkirche, welche mit szenisch gestalteten, liturgischen Bleiglasfenstern nach Plänen von Odo Tattenbach und Curt Metze dekoriert ist. Die Fenster bilden verschiedene Stationen im Leben von Jesus Christus ab. In den Jahren 2003 bis 2016 wurde die Versöhnungskirche umfangreich und originalgetreu restauriert.

Traditionell öffnet die Versöhnungskirche zum Tag des offenen Denkmals ihre Türen. Die Besucher erwartet ein interessantes Programm mit stündlichen Führungen und Orgelmusik.

Stand: 31.03.2025

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Historisches Bildmaterial - Versöhnungskirche

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