Foto: Leipzig – Tanzschule Jörgens

Tanzschule Jörgens

Volksgartenstraße 55 und Gießerstraße 12 | Ortsteil: Schönefeld und Plagwitz
Inhalt des Beitrags
Audiobeitrag: Tanzschule Jörgens

Ob Ball in der Kongresshalle, Dschungelball im Gondwanaland, Halloween-Party in Schönefeld – der Name Jörgens ist für Generationen von Leipzigern mit der gleichnamigen Tanzschule verbunden. Die nimmt auch an Weltrekordversuchen teil, wie am 8. November 2025 bei der europaweiten Bachata-Kombi vieler Einrichtungen zum Song „Bailar Bachata“. Alles wird gefilmt, anschließend werden die Videos an das „Rekordinstitut für Deutschland“ geschickt. Der Rekord ist auch dank des Jörgens-Engagements gelungen.

Walzer, Tango und Co. stehen bei Jörgens ebenfalls hoch im (Tanz-)Kurs. Aus Bewegung wird Leidenschaft, wirbt das Unternehmen. Es ist ein modernes Unternehmen mit zwei Filialen und etwa zehn Außenstellen. 15 Tanzlehrer bieten viele Kurse, die vom Tanz für Kinder und erwachsene Paare, Singles, Hochzeitspaare bis Tanz für Senioren reicht. Neu ist Tanz-Fit für über 55-Jährige, die sich allein rhythmisch auspowern wollen. Daneben gibt es viele Spezialkurse, wie Salsa, Tango Argentino, Discofox und vieles mehr. Traditionsbewusst und offen für Neues – so lautet das Credo.

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Fotogalerie - Tanzschule Jörgens

Tanzschule ist in vielen Klubs und Sälen zu Gast


Brunhilde und Gert Jörgens, die eigentlich aus dem Turniertanz kommen, haben die Tanzschule 1959/60 gegründet. Das erfolgt in der Goethestraße 1, in der es einen Zentralen Klub der Jugend und Sportler gibt. Die Bezirksleitung der Freien Deutschen Jugend sucht damals Zirkelleiter für Tanzkurse. Gert Jörgens, der eigentlich Rechtswissenschaft studiert, meldet sich. Ebenfalls seine spätere Ehefrau Brunhilde, die sich dort für einen Gesangswettbewerb angemeldet hat. Beide bleiben beim Tanzen, erwerben ihren Abschluss als Lehrer für Gesellschaftstanz. Neben dem Studium, neben der Gründung einer Familie. Das Ehepaar bekommt vier Kinder. Bis 1970 unterrichtet es vor allem Kinder und Jugendliche. Mit ihren Tanzstunden ist es in vielen Vergnügungsstätten zu Gast, die später staatliche Kultur- oder Klubhäuser werden. Viele der alten Ballsäle verlieren inzwischen ihren Charme, weil zu wenig repariert und saniert wird. Manchmal fällt die Heizung aus, die der findige Hausmeister dann wieder in Gang bringen muss. Doch wenn das Licht angeht und die Musik spielt, ist die Mühe vergessen.

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Etikette gehört zum guten Ton


Neben der Kongresshalle wird in vielen anderen Sälen, wie dem
Kulturhaus „Jörgen Schmidtchen“ in Schönefeld (dem legendären „Sack“), der „Lange Reihe“, im Kulturhaus „Alfred Frank“ (bekannt als Mätzschkers Festsäle), der Alten Wollkämmerei und an vielen anderen Leipziger Orten, getanzt. In Erinnerung bleiben auch die Sonntage am Musikpavillon im Clara-Zetkin-Park. Diese werden von April bis Oktober schnell zum Anziehungspunkt für viele Leute.

Gert Jörgens versteht es, auf den Bällen wie ein Entertainer den Raum mit dem Mikro in der Hand zu durchschreiten, die Leute zu unterhalten und zu Walzer, Tango und Co. zu animieren. Und in seinen Kursen predigt er immer wieder „Wer tanzen lernt, muss auch über Etikette Bescheid wissen.“ Ein kleiner Knigge, bei dem jungen Leuten moderne Umgangsformen beigebracht werden, gehört für die Tanzschule zum guten Ton.

Die Zahl der Talente ist groß. Deshalb gründen die Jörgens auch Tanzklubs, etwa im Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft am Dittrichring 21 (heute: Hochschule für Musik und Theater) sowie im Klubhaus „Alfred Frank“ in Plagwitz. Die jungen Leute gewinnen Preise, auch bei DDR-Meisterschaften sowie internationalen Turnieren in den sozialistischen Bruderländern. „Wir hatten das Vergnügen, Zehntausende Leipziger das Welttanzprogramm auf dem Gebiet des Gesellschaftstanzes unterrichten zu dürfen“, blickt Gert Jörgens in einem Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung zurück.

Viele Trophäen für die Turniertänzer


Die eigenen Kinder holen ebenfalls manche Trophäe nach Leipzig. Sehr erfolgreich ist das Geschwisterpaar
Kerstin und Jens Jörgens. Sie werden vielfache DDR-Meister im Turniertanz, gewinnen auch in anderen sozialistischen Ländern. Später wechseln sie erfolgreich ins Profi-Lager und werden Deutsche Meister und Kürweltmeister in Standardtänzen. 1989 werden Ina und Fred Jörgens letzte DDR-Meister in den Standardtänzen.

In den 1980er Jahren ist die Kongresshalle mit dem Bachsaal das „Hauptquartier“ für die Tanzschule. Nach dem Brand und der baupolizeilichen Sperrung muss ein Ausweichobjekt gefunden werden. Es wird die Aula der heutigen Waldorfschule in der Berthastraße 15, in der oft die Heizung ausfällt. Die Situation wird zusehends schwierig. Am 7. Oktober 1989 reicht es der Familie, sie reist aus der DDR aus. Gemeinsam mit Fred führt Ina, die ebenfalls eine Ausbildung zur ADTV-Tanzlehrerin macht, eine Tanzschule in Stade. „Das war die beste Lehre für uns“, sagt Ina Jörgens rückblickend.

Der Traum von eigenen Räumen wird wahr


Doch die Familie zieht es nach der Wiedervereinigung Deutschlands zurück in die alte Heimat. Sie mietet einen Saal in der
Grünen Eiche Lindenau (Demmeringsstraße 22) sowie später im Klubhaus der Leipziger Verkehrsbetriebe an der Angerbrücke. Eine Dauerlösung ist das aber nicht. Deshalb konzentriert sie sich darauf, ein eigenes Unternehmen mit eigenen Räumen aufzubauen.

Dieser Traum wird dann am 1. Dezember 1994 in der Volksgartenstraße in Schönefeld wahr. Die Tanzschule wird gleich mit dem Bau des Einkaufszentrums konzipiert. Neuste Licht- und Tontechnik, Schwingparkett, eine Klimaanlage, eine Bar – die Tänzer sollen es so angenehm wie möglich haben. 2003 kommt in der Nonnenstraße eine weitere Filiale dazu. Doch die erweist sich als zu klein. Die Tanzschule sucht neue Räume und findet sie auf den Kunst- und Gewerbehöfen in Plagwitz. In der Gießerstraße 12 öffnet am 24. Januar 2015 eine zweite Tanzschule. Zu diesem Zeitpunkt ist der Generationswechsel bereits erfolgt. Gert Jörgens und seine Frau Brunhilde geben ihr Lebenswerk schon 2012 in erfahrene Hände weiter. Die neuen Inhaber sind Sohn Fred und Schwiegertochter Ina Jörgens sowie Thomas Meinel, allesamt ausgebildete ADTV-Tanzlehrer.

Meinel stammt aus Grimma und tanzte einst für den Tanzclub Blau-Gelb. Fred Jörgens ist Trainer A im Turniertanzsport sowie Mitglied des Bundestrainer-Teams. Er ist viel unterwegs, bis nach China, und trainiert europaweit Paare. Darunter auch das Leipziger Erfolgspaar Ulrike und Jens Kaiser. Und auch die Jörgens-Tochter Emma macht eine Ausbildung zur Tanzlehrerin. Tanzschulgründer Gert Jörgens starb am 26. August 2022 im Alter von 83 Jahren.

Heute beschäftigt das Unternehmen etwa 15 Mitarbeiter, darunter auch Azubis, und hat zehn Außenstellen bis hin nach Merseburg, Schkeuditz und Groitzsch. Hinzu kommen einige Leipziger Schulen, in denen temporär Kurse angeboten werden. Bei vielen Veranstaltungen in und um Leipzig ist die Tanzschule Jörgens ebenfalls präsent, etwa beim Leipziger Stadtfest, beim Wasserfest am Bagger in Thekla oder beim Tauchscher. Zum Markenzeichen von Jörgens gehören auch historische Tänze, die eine Showtanzgruppe seit mehr als 30 Jahren auf Bällen und Veranstaltungen zeigt. Regelmäßig werden organisierte Tanzfahrten angeboten, etwa ins Schloss Lübbenau im Spreewald.

Stand: 25.02.2026

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Historisches Bildmaterial - Tanzschule Jörgens

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