In vielen Geschichtsbüchern sowie in Biografien Napoleons bleibt die Völkerschlacht bei Leipzig unerwähnt. Doch die bis dahin größte Schlacht der Weltgeschichte hat hier stattgefunden. Vor den Toren der Stadt erlebt Napoleon am 18. Oktober 1813 eine entscheidende Niederlage.
Mehr als eine halbe Million Soldaten Napoleons und seiner alliierten Gegner kämpfen vom 16. bis 19. Oktober 1813 auf dem Territorium in und um Leipzig um den Sieg. Apelsteine sowie das 1913 eingeweihte Völkerschlachtdenkmal erinnern an die blutige Schlacht, bei der etwa 90.000 bis 120.000 Menschen ihr Leben lassen müssen. Zu diesem Punkt gibt es allerdings sehr unterschiedliche Quellenangaben.
Fakt ist aber, dass die Region in Schutt und Asche versinkt. Jedes Jahr wird bei Gedenkfeiern in Leipzig an die Völkerschlacht erinnert. Traditionsvereine stellen zudem einzelne Schlachtszenen nach. Inzwischen gibt es mit dem Forum 1813 am Völkerschlachtdenkmal ein Museum. Dort kann auch der Verlauf der Völkerschlacht auf digitalen Karten nachvollzogen werden. Historiker Steffen Poser, der bis 2025 das Völkerschlachtdenkmal und das Forum 1813 leitete, hat zur Völkerschlacht umfangreich publiziert.
Erbitterte Kämpfe vor den Toren Leipzigs
Über Vorgeschichte und Verlauf der Völkerschlacht, bei der es um die Vorherrschaft über Deutschland und Europa geht, sind von Historikern unzählige Bücher geschrieben worden. Bereits im August und September 1813 muss Napoleon Bonaparte, selbsternannter Kaiser der Franzosen, bei Dresden herbe Niederlagen erleiden. Seine Truppen ziehen sich vor die Tore Leipzigs zurück, um sich auf die entscheidende Schlacht vorzubereiten.
Napoleon führt fast 200.000 Soldaten ins Feld. Neben Franzosen sind das Verbündete aus verschiedenen Ländern, darunter Sachsen, Polen, Italiener, Kroaten. Auf der anderen Seite kämpfen die verbündeten Monarchen von Russland, Österreich, Preußen sowie der Kronprinz von Schweden mit mehr als 300.000 Kämpfern.
Am Morgen des 16. Oktober 1813 eröffnen die Alliierten das Gefecht gegen die eingekesselten Franzosen. Es gibt erbitterte Kämpfe, deren Zentren vor allem Wachau im Süden und Möckern im Norden Leipzigs sind. Knapp 80.000 Österreicher, Russen und Preußen greifen die Hauptkräfte Napoleons an, die vor allem auf der Linie Markkleeberg-Wachau-Liebertwolkwitz konzentriert sind.
Schon zwei Tage vorher findet mit dem Gefecht bei Liebertwolkwitz, an dem 15.000 Kavalleristen beteiligt sind, der größte Reiterkampf des Jahres statt. Napoleon gelingt es, mit seiner starken Artillerie mehrfach die alliierten Armeen zu schwächen. Noch am ersten Tag der Schlacht versuchen die Franzosen, die feindlichen Stellungen zu durchbrechen. Die Aktion scheitert aber.
Napoleon entkommt im Westen Leipzigs
Der 17. Oktober 1813 bleibt weitgehend frei von Kämpfen, da sich beide Lager von den großen Anstrengungen erholen müssen. Am 18. Oktober 1813 kommt es dann zur Entscheidung. Die Verbündeten können ihre Truppen zwischenzeitlich verstärken, sind den Franzosen nun zahlenmäßig deutlich überlegen.
Sechs Angriffskolonnen, die unter dem Oberbefehl des österreichischen Feldmarschalls Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg stehen, drängen Napoleons Soldaten in verlustreichen Kämpfen immer weiter zurück. Auch die sächsischen Truppen laufen zu den Verbündeten über, die Niederlage Napoleons ist kaum noch aufzuhalten. Um Dörfer wie Schönefeld, Paunsdorf, Holzhausen und Probstheida wird stundenlang erbittert gekämpft. Zehntausende Kämpfer auf beiden Seiten sterben.
Napoleon verliert wichtige Positionen, gibt schließlich den Befehl zum Rückzug. Die französische Armee wird immer weiter in Richtung Leipzig zurückgedrängt. Gegen 13 Uhr ziehen die verbündeten Monarchen bereits in der Stadt ein, auf dem Markt wird eine Parade veranstaltet. Den französischen Kaiser gelingt es, in den Morgenstunden des 19. Oktober mit einem Teil seiner Armee nach Westen zu entkommen. An diesem Tag nehmen Napoleons Gegner die Stadt Leipzig ein.
Fürst Poniatowski ertrinkt in der Elster
Die Elsterbrücke am Ranstädter Tor wird von den Franzosen zu zeitig gesprengt. Auch der bereits verwundete polnische Fürst Józef Antoni Poniatowski stirbt beim Versuch der Überquerung des Flusses, der gerade Hochwasser führt, in den Fluten. An ihn erinnert in Leipzig das Poniatowski-Denkmal. Napoleon lagert derweil in der Lindenauer Mühle, wo er den endgültigen Rückzug seiner Armee organisiert.
Die Stadt ist nach dem Einmarsch der verbündeten Truppen voller Opfer. Auch tausende Pferdekadaver liegen herum. Deshalb bricht eine Typhus-Epidemie aus, die neben rund 10.000 Soldaten auch 3.000 Leipziger hinwegrafft. Das sind damals zehn Prozent der Bevölkerung.
Im Herbst 2013 verarbeitete Yadegar Asisi die Völkerschlacht in einem 360-Grad-Panorama in seinem Panometer Leipzig. Er zeigt aber keine Schlachtszene, vielmehr das Leben in der belagerten Stadt Leipzig in den Wirren des Krieges. Das kommt in der Stadtgesellschaft sowie bei Touristen gut an. Seitdem wird versucht, eine dauerhafte Lösung für das Panorama zu finden. Bislang vergebens.
Stand: 10.02.2025













