Aiko Wulff ist Historiker mit Leib und Seele. Das wird schnell deutlich, wenn man sich mit ihm unterhält. Ein Museum zu gestalten, ist seine Passion. Das fällt ihm derzeit allerdings ziemlich schwer. Aiko Wulff ist seit 2020 der Leiter des Leipziger Sportmuseums – und damit, wie er selbst sagt derzeit „ein Museumsleiter ohne Museum“.
Fehlender Rahmen für Sportmuseum
Seitdem am 31. August 1991 die Dauerausstellung geschlossen wurde, wird um ein Konzept für das Sportmuseum gerungen. Bislang konnte allerdings noch keines realisiert werden. „Wir hatten in den letzten Jahren viele Konzepte für das Sportmuseum, konnten aber bislang keines davon umsetzen, weil es einfach keinen Rahmen gibt“, sagt Aiko Wulff und ergänzt: „Man kann auch ein Museum in einer Telefonzelle bauen. Wichtig ist aber, dass der Rahmen bekannt ist, in dem wir uns bewegen können. Dieser fehlende Rahmen bremst uns in unserer Arbeit aus.“
Der aktuelle Rahmenplan für die künftige Gestaltung des Sportforums sieht vor, die Nordtribüne des ehemaligen Schwimmstadions als neues Domizil für das Sportmuseum aufzubauen. Aiko Wulff ist optimistisch, dass der Plan in den kommenden Jahren umgesetzt wird. „Die Stadt möchte das Areal entwickeln und wir als Sportmuseum sind ein guter Kandidat, etwas daraus zu machen. Wir haben eine unglaublich gute Ausstellung, die auch gut präsentiert werden sollte. Mit etwa 100.000 Objekten besitzen wir die größte sporthistorische Sammlung Mitteldeutschlands.“ Nur ein kleiner Teil davon ist in der ständigen Ausstellung „Moderne Zeiten. Von der Industrialisierung bis zur Gegenwart“ im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig im Alten Rathaus zu sehen.
Seit Herbst 2020 arbeitet Aiko Wulff jeden Tag daran, diesen Zustand zu ändern – und er ist sich sicher, dass er gemeinsam mit seinem Team den nötigen „langen Atem“ hat, um eines Tages die Eröffnung des neuen Sportmuseums zu feiern. „Das Sportmuseum Leipzig ist meine Lebensaufgabe. Ich möchte die Eröffnung unbedingt miterleben“, erklärt er überzeugt. Durch die guten Kontakte zum Sportmuseum Berlin könne er sich in den kommenden Jahren auch eine spannende Doppelausstellung mit dem Hauptstadt-Museum vorstellen. Schließlich ist die Geschichte des Berliner Sportmuseums auch sehr eng mit Leipzig verbunden. Aiko Wulff hat also viel vor.
Interesse für die Sportkultur
Auch wenn sein Herz eigentlich für die Kulturgeschichte schlägt, hält er den Sport „für ein überaus spannendes Thema“. „Sport ist ein Thema, dass wirklich jeden betrifft und einfach omnipräsent ist. Es gibt schließlich mehr als nur Leistungssport. Am Sport kann man auch die Gesellschaft erkennen“, sagt Aiko Wulff: „Außerdem kann man aus dem Sport unheimlich viel Kulturgeschichte herausholen.“ Allein aus der Kleidung der Frauen könne man viel ablesen. Als Historiker interessiert sich Akio Wulff nicht unbedingt für Ergebnisse und Titel, sondern vor allem für die Sportkultur.
In der umfangreichen Leipziger Sammlung gibt es laut Aiko Wulff, der bereits seit 1997 in Leipzig wohnt, viele spannende Exponate. Der Schwimmanzug vom ehemaligen US-amerikanischen Schwimmer Michael Phelps gehört ebenso dazu, wie das Kleid von Eiskunstläuferin Katharina Witt, dass sie bei ihrem Olympiasieg 1988 in Calgary trug. „Ein absolutes Lieblingsobjekt herauszugreifen ist allerdings sehr schwer. Jedes Exponat hat seine eigene Faszination und auch seine eigene Geschichte. Wirklich jedes Objekt kennenzulernen, dauert Jahrzehnte. Es kommen ja auch immer neue Objekte hinzu“, sagt der Leiter des Sportmuseums. Kaputte Objekte wie eine Skiausrüstung von den Olympischen Winterspielen 1964 in Innsbruck seien durch ihre Geschichte sogar noch wertvoller als komplett erhaltene Exponate.
Begeisterung für Kunstgeschichte
Ursprünglich wollte Aiko Wulff Journalist werden. Das änderte sich jedoch im Laufe des Studiums. Er schwenkte vom Hauptfach Germanistik um, um sich voll auf die Kulturgeschichte zu konzentrieren. Die Arbeit im Museum hat aus seiner Sicht einen großen Vorteil: „Im Museum kann ich auch mal jahrelang zu verschiedenen Themen recherchieren, weil ich hier einfach die Zeit dazu habe.“ Wichtig sei für ihn, den Menschen im Museum Wissen zu vermitteln. Dabei könne er medial glücklicherweise aus dem Vollen schöpfen. Ein wichtiges Thema sei auch, junge Leute ins Museum zu locken. „Das gelingt vor allem mit spannenden Themen, nicht unbedingt nur mit digitalen Medien. Objekte aus dem Sport ziehen immer auch junge Leute in ihren Bann. Außerdem überlegen wir ständig wieder neu, mit welchem Begleitprogramm wir Kinder und Jugendliche anlocken können.“
Leipzig „die schönste Stadt der Welt“
Das Studium war es auch, dass ihn 1997 nach Leipzig führte. Seitdem ist er hier zu Hause. „Leipzig ist für mich die schönste Stadt der Welt“, sagt er mit einem Lächeln. Bevor er im Herbst 2020 das Sportmuseum in seiner Wahl-Heimatstadt übernommen hat, leitete er einige Jahre lang das Museum im Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels.
Nicht nur der Standort und das Museum sondern auch seine Arbeitsintensität hat Aiko Wulff in den letzten Jahren verändert – und das aus gutem Grund. Der Museumsleiter ist Vater einer inzwischen fünfjährigen Tochter. „Ich mache keine 60-Stunden-Wochen mehr, sondern achte jetzt mehr auf mein Familienleben“, erzählt er. Außerdem versucht der 47-Jährige in seiner Freizeit viel Sport zu machen. Wenn es die Zeit zulässt, rudert er im Verein und geht schwimmen. Außerdem steht seit der Corona-Pandemie eine Hantelbank in seinem Wohnzimmer.
Stand: 03.12.2025














