Es ist ein einmaliges Industriedenkmal, das etwas verloren wirkt. Lange ist es her, dass im Braunkohlenschacht Dölitz in der Friederikenstraße der Brennstoff aus der Tiefe gefördert wird. Bereits 1959 stellt der Betrieb seine Produktion ein, da er unrentabel geworden ist. Danach werden die Schächte verfüllt und verplombt. Auf den Bruchfeldern des Bergwerks entsteht in den 1980er Jahren das Naherholungsgebiet Lößnig-Dölitz. Das einstige Grubenfeld umfasst etwa 380 Hektar.
Blickfang und Wahrzeichen von Dölitz
Seit 1993 ist der Schacht Kulturdenkmal – das Ensemble mit dem Förderturm ist Teil der Mitteldeutschen Straße der Braunkohle. Versucht wird seitdem durch die privaten Besitzer des Areals sowie eine Interessengemeinschaft eine museale oder anderweitige Nutzung zu erreichen. Bislang erfolglos. Aus Sicherheitsgründen ist derzeit eine uneingeschränkte öffentliche Begehbarkeit nicht gestattet. Es sind umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig. Ausnahmen gibt es in den letzten Jahren beim Tag des offenen Denkmals. Doch auch von außen ist die Anlage ein Blickfang und Wahrzeichen von Dölitz.
Die Geschichte des Schachts beginnt um 1894/95. Damals startet der Dölitzer Gutsbesitzer Georg Ernst von Winckler auf seinem Gelände mit Probebohrungen nach Braunkohle. Die von ihm beauftragte Leipziger Firma Gustav Klause erbohrt ein etwa 12 Meter tiefes Braunkohleflöz. Letztlich können zwei Schächte abgeteuft, also senkrechte Hohlräume zur Erschließung errichtet werden. Am 7. Dezember 1902 wird in einer Teufe das obere Kohlenflöz erreicht, die erste Dölitzer Rohbraunkohle kann gefördert werden. Für die Bergleute sind die Bedingungen hart. Die Arbeit wird durch tropfendes Sickerwasser erschwert. Transportiert wird die Kohle zunächst mit Pferdefuhrwerken, später dann mit Lastkraftwagen.
Stadt Leipzig erwirbt Anteile
Der Schacht Dölitz soll der einzige nennenswerte Industriebetrieb in Dölitz bleiben. Betreiber wird ab 1907 eine Aktiengesellschaft namens Gewerkschaft Leipzig-Dölitzer Kohlenwerke. Das historische Herzstück der Anlage bilden die denkmalgeschützten Gebäude, darunter das Schachthaus mit Fördergerüst, ein ehemaliger Kohlebunker, ein Sozialanbau sowie das Maschinen- und Kesselhaus. Durch Ausbau der oberirdischen Anlagen sowie das Abteufen weiterer Schächte wird ab 1906 die Grundlage für die industrielle Kohleförderung gelegt. Die Stadt Leipzig erwirbt 1917 etwa 90 Prozent der Anteile an der Aktiengesellschaft – als Reaktion auf die Kohleknappheit im Ersten Weltkrieg. Selbstabholer stellen sich mit Handwagen an. Dadurch gibt es teilweise lange Schlangen.
Modernisiert wird die Schachtanlage in den Jahren 1920 bis 1930. Dabei wird auch eine Nasspressanlage zur Herstellung von Briketts in Betrieb genommen. Das Fördergerüst wird auf 30,35 Metern erhöht, der Förderbetrieb von Dampfmaschinen- auf Elektroantrieb umgestellt.
Zunächst müssen die etwa 150 Bergleute die Höhenunterschiede über im Schacht angebrachte Leitern bewältigen. Ab August 1927 gibt es im Hauptförderschacht einen Personentransport im Förderkorb per Seilfahrt, der den Alltag der Kumpel erleichtert. Was sie leisten müssen, beschreibt Horst Immisch in einem bei Pro Leipzig erschienenen Buch über die Geschichte von Dölitz.
Drahtseilbahn zum Elektrizitätswerk verschwindet wieder
Ein zumindest optisches Highlight wird zudem eine Drahtseilbahn, mit deren Hilfe 1927 Braunkohle ins Elektrizitätswerk in Lößnig (heute: Heizkraftwerk Leipzig Süd der Stadtwerke Leipzig) befördert wird. Hergestellt hat sie die Firma Adolf Bleichert, der Weltmarktführer für Drahtseilbahnen aus Leipzig. Der Transportweg umfasst etwa 1,5 Kilometer. Auf dem Rückweg transportiert die Seilbahn Asche, die zur Verfüllung der Strecken zu den ausgekohlten Bruchfeldern benötigt wird. Doch es hagelt viele Beschwerden wegen des starken Drecks und der Umweltverschmutzung. Die Bahn stellt daher bereits ein Jahr später ihren Betrieb ein.
1932/33 wird ein weiterer Schacht abgeteuft. Im Zweiten Weltkrieg, zwischen 1941 und 1945, werden Kriegsgefangene als Arbeitskräfte eingesetzt, um die Brennstoffversorgung der Stadt Leipzig abzusichern. Nach Kriegsende werden die Aktionäre enteignet – 1947 wird aus dem Schacht ein volkseigener Betrieb.
Bis zur endgültigen Stilllegung des Schachtes entstehen Erweiterungsbauten. Etwa 150 Bergleute (in den 1950er Jahren sogar ca. 300) haben aus der Grube jährlich etwa 120.000 Tonnen Kohle gefördert. Von 1953 bis 1957 dient der Schacht Dölitz als Lehrgrube für 350 Lehrlinge des Braunkohlebergbaus. Doch der Schacht ist nicht rentabel.
Besitzer wollen Denkmal erhalten
Nach Einstellung der Förderung werden die Tagesanlagen als Büros und Forschungseinrichtungen der Obersten Bergbehörde, zu dem auch das Institut für Bergbausicherheit gehört, genutzt. Beide werden nach der Friedlichen Revolution aufgelöst. Die Schachtanlage verfällt zusehends. Eigentümer wird der Freistaat Sachsen. Seit 2000 erfolgen umfangreiche Reparatur- und Sicherungsarbeiten an den denkmalgeschützten Teilen des Schachtes Dölitz.
Auf dem Betriebsgelände lassen sich nach 1990 Bildungs- und Forschungseinrichtungen nieder. Beispiele sind das Grundbuchamt, die Bergsicherung Leipzig sowie das neu gegründete Institut für Gebirgsmechanik GmbH. Etliche Gebäude des Areals bleiben ungenutzt. Seit 2014 gehört das Areal einer privaten Eigentümergemeinschaft, die sich bemüht, die denkmalgeschützten Objekte zu sanieren und zu erhalten. Dafür soll es Fördermittel vom Bund geben.
Stand: 31.03.2025














