Auf historischen Postkarten und Fotos ist es oft zu sehen: Zwölf Meter hoch ist das Siegesdenkmal, das auf dem Markt gegenüber vom Alten Rathaus sehr majestätisch anmutet. 1888 wird das Monument erbaut, um an den deutschen Triumph im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zu erinnern. Errichtet hat es der Berliner Bildhauer Rudolf Siemering, der durch sein Reiterstandbild Friedrichs des Großen in Berlin berühmt ist. Das Denkmal, so die Idee, soll nach der Reichsgründung 1871 in Leipzig ein sichtbares Zeichen des neuen deutschen Nationalgefühls werden. Mit viel Pomp wird es am 18. August 1888 feierlich enthüllt – mit großem Zeremoniell. Der sächsische König Albert von Sachsen ist ebenso dabei wie zahlreiche Würdenträger. Leipzigs Oberbürgermeister Otto Georgi, der das Denkmal als Zeichen deutscher Einigkeit und Stärke preist, hält die Festrede.
Germania steht auf gewaltigem Sockel
Auf einem gewaltigen Sockel steht die 3,80 Meter hohe Figur der Germania, die mit einem Mantel, Flügelhelm, Schwert und Adlerschild ausgestattet ist. An den Ecken befinden sich jeweils Reiterfiguren: Kaiser Friedrich III., König Albert von Sachsen, Reichskanzler Otto von Bismarck und Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke sind da abgebildet. Zwischen ihnen befinden sich acht Fahnenträger, die verschiedene deutsche Truppenteile und Regionen symbolisieren sollen. Eine überlebensgroße Statue von Kaiser Wilhelm I. mit Lorbeerkranz steht an der Südseite. Finanziert wird das Siegesdenkmal aus dem Nachlass des Leipziger Großkaufmanns Franz Dominic Grassi. Den hat er der Stadt Leipzig hinterlassen, um Kunst und Kultur zu fördern.
Eine Kulisse für Feiern und Aufmärsche
Das Siegesdenkmal wird zur Kulisse für patriotische Feiern und Aufmärsche von Kriegervereinen, im Dritten Reich wird es auch für NS-Veranstaltungen genutzt. Bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg muss Leipzig zwar viele Zerstörungen hinnehmen. Aber anders als beispielsweise das Alte Rathaus übersteht das Denkmal diese nahezu unbeschädigt. Die Leipziger Sozialdemokraten sehen es als „Versinnbildlichung des Militarismus“. Daher stellen sie im September 1945 den Antrag, es zu entfernen. Der Leipziger Rat stimmte dem Ansinnen zu, um ein Zeichen für den demokratischen Neuanfang zu setzen.
Bis Dezember 1946 wird das Denkmal abgetragen, eingeschmolzen und zerschlagen. Was aus den Trümmern wurde, ist nicht bekannt. Lediglich ein Granitblock ist erhalten. Dieser wird für das Heinrich-Heine-Denkmal im Garten am Volkshaus in der Karl-Liebknecht-Straße verwendet.
Heute erinnert nichts mehr an das Siegesdenkmal. Die AfD-Fraktion hatte 2022 im Stadtrat den Antrag gestellt, es wiederzuerrichten. „Jede Rehabilitierung des Denkmals widerspricht dem antifaschistischen Grundkonsens der Nachkriegsordnung und dem Gedanken der europäischen Aussöhnung“, schrieb das Kulturdezernat dazu in einer Stellungnahme. Eine politische Mehrheit für eine Wiedererrichtung gibt es nicht. Für Leipzig ist es ein „verlorener Ort“. Doch dessen politische Symbolik wäre heute ohnehin sehr problematisch.
Stand: 30.11.2025














