100 Cent kostet der Eintritt am 100. Geburtstag des Sommerbades Südost, das die Leipziger Sportbäder Anfang August 2025 mit einem Badfest und einem großen Geburtstagskuchen für die Gäste feiern. „Es ist ein Familienbad und etwas ruhiger. Das wird von vielen geschätzt“, sagt Martin Gräfe, der Geschäftsführer der Leipziger Sportbäder. Ein Vorteil des Areals an der Oststraße sind die großen, alten Bäume, die besonders bei hohen Sommertemperaturen viel Schatten bieten. Zum Badfest wird ebenfalls eine Tafel enthüllt, auf der die Gäste ein wenig von der Geschichte des Bades erfahren können.
Verein für Leibesübungen eröffnet Freibad
Das Südost-Bad öffnet am 10. Mai 1925. Es ist eine Zeit, in der in Leipzig mehrere Freibäder entstehen. Das Baden in den Flüssen gehört der Vergangenheit an – sie sind einfach zu verschmutzt. Im Südosten gibt es einen Verein für Leibesübungen, der schon 1919 einen Spielplatz errichten will. 1922 stellt er einen Antrag, ein Freibad zu errichten und erhält dafür ein Darlehen von 140.000 Reichsmark von der Stadt Leipzig.
In Eigeninitiative wird das Schwimm-, Licht- und Luftbad durch die Mitglieder des Vereins rasch errichtet. Es gehört zu einer etwa 60.000 Quadratmeter großen Sportanlage im Südosten. Diese umfasst ein Stadion mit 30.000 Plätzen, einen großen Turn- und Fußballplatz, einen Spielplatz für Kinder sowie ein Vereinsheim. Es ist wohl ein Vorzeigeprojekt. So stellt sich das damalige Deutsche Reichsamt für Leibesübungen, das Sportstätten in ganz Deutschland fördert, idealerweise so eine Anlage vor. Der Verein für Leibesübungen Leipzig Südost ist Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. „Arbeiter haben es geschaffen und für die arbeitende Bevölkerung soll es sein“, betont deshalb der damalige Vorsitzende des Vereins für Leibesübungen Geißler in seiner Eröffnungsrede.
Männer und Frauen baden gemeinsam
Das Sommerbad Südost bot seinen Gästen damals ein großes Schwimmbecken an. Es ist 50 Meter lang und 22 Meter breit. Auch einen Sprungturm, von dem die Sportler aus drei und fünf Metern Höhe ins Wasser springen können, gibt es. Auf den Rasenflächen stehen Liegepritschen zur Erholung. Aber auch Turn- und Sportgeräte zum Bewegen. Im Eröffnungsjahr kostet die Eintrittskarte 25 Pfennige für Erwachsene und 10 Pfennige für Kinder.
Die Badegäste nutzen moderne Garderobenräume mit Waschräumen. Anders als im viel früher eröffneten Schreberbad (1866; Frauenbereich ab 1869) gibt es im Südostbad keine separaten Becken für Frauen und Männer mehr. Das ist damals ein Novum. Im Eröffnungsjahr 1925 kann das Südostbad etwa 180.000 Badegäste begrüßen. So ist es auch im Buch „Leipzig geht baden“ aus dem Jahr 2004 vom Verein Pro Leipzig nachzulesen.
1933 muss der Verein für Leibesübungen das Bad abgegeben. Es wird verpachtet. Den Zweiten Weltkrieg übersteht es ohne große Zerstörungen. In den Jahren danach wird es mehrfach umgebaut und modernisiert. Der Holzturm wird beispielsweise durch einen Drei-Meter-Sprungturm ersetzt. 1977 werden Umkleidekabinen sowie der Sanitärtrakt erneuert.
Ein überschattetes Planschbecken für die Jüngsten
Die Stadt Leipzig übergibt 2004 acht Schwimmhallen und fünf Freibäder in die Regie der Sportbäder Leipzig, die zur stadteigenen L-Gruppe gehören. Das Unternehmen nimmt erste Reparaturen vor und saniert das Südostbad im Jahr 2018. Heute teilen sich Schwimmer und Nichtschwimmer ein kombiniertes Becken mit 25-Meter-Bahnen und einer Rutsche. Für die Jüngsten gibt es ein überschattetes Planschbecken. Ein Spielplatz gehört ebenso wie moderne Sanitäreinrichtungen sowie Umkleiden zur Ausstattung. 20 Beschäftigte, darunter ein Großteil Saisonkräfte, sorgen für einen reibungslosen Ablauf im Familienbad.
Stand: 02.08.2025














