Ohne die Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie würde dem Zoo Leipzig eine Attraktion fehlen. Sie suchen in den 1990er Jahren einen Partnerzoo, der Erfahrungen in der Haltung von Menschenaffen hat. Die kann der Leipziger Zoo bieten, die Haltung von Orang-Utans, Schimpansen und Gorillas hat dort eine lange Tradition. Es ist wie ein „Sechser im Lotto“ für die Leipziger, als 1999 der Bau einer riesigen Menschenaffenanlage auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern startet. Das Max-Planck-Institut übernimmt 90 Prozent der Baukosten, die 30 Millionen D-Mark betragen. Pongoland, wie das Projekt heißt, ist zugleich eine Initialzündung für die Messestadt, die seit 2000 ihren „Zoo der Zukunft“ entwickelt.
Publikumsattraktion und Forscher-Arbeitsplatz zugleich
Pongoland wird am 1. April 2001 eröffnet. Es ist eine Umgebung, die den natürlichen Lebensbedingungen der bedrohten Menschenaffen nahekommt. Für die Tiere entstehen Felsen, Gräben, Flussläufe, Kletterseile. Schnell wird Pongoland eine große Publikumsattraktion. Es ist zugleich ein Arbeitsplatz für Forscher aus der ganzen Welt. Rund um die Uhr können die Wissenschaftler dort die 60 Gorillas, Schimpansen, Bonobos (Zwergschimpansen) und Orang-Utans beobachten und deren Kommunikation erforschen.
In rückwärtigen Räumen machen die Wissenschaftler mit den Tieren Tests zum Verhalten und zur Wahrnehmungsfähigkeit. Die Tests sind freiwillig und laufen nach dem Belohnungs-Prinzip. Manchmal bekommen die Tiere Aufgaben am Touchscreen zu lösen. So sollen sie beispielsweise verstecktes Futter wie Äpfel, Trauben und Bananen finden. Zur Belohnung gibt es dann echtes Obst. Einmalig ist, dass im Leipziger Zoo vergleichende Studien zwischen allen vier Menschenaffenarten durchgeführt werden können.
Neugierige können bei Forschung oft zusehen
Die Ergebnisse werden in den renommiertesten wissenschaftlichen Zeitschriften der Welt veröffentlicht. Wann immer es möglich ist, lassen die Forscher sich bei ihrer Arbeit von den Zoo-Besuchern über die Schulter schauen. Vor allem in den ruhigen Vormittagsstunden können Neugierige beobachten, was in den Forschungsräumen passiert. Falls der Andrang vor der Scheibe allerdings zu groß wird und die Affen abgelenkt werden, gehen die Jalousien herunter.
In freier Wildbahn würden sich die vier Arten nie begegnen. Ihre Lebensräume sind weit voneinander entfernt: So leben die Gorillas im westlichen und mittleren Afrika, Orang-Utans in Indonesien, Schimpansen in Zentralafrika, Bonobos (Zwergschimpansen) in der Demokratischen Republik Kongo.
Besucher verbringen viel Zeit im Pongoland
Pongoland gehört zu jenen Zoobereichen, in denen die Besucher die meiste Zeit verbringen. Vor allem wenn Nachwuchs da ist, gibt es viel zu sehen. In dieser Zeit geht es besonders lebhaft zu. An verschiedenen Entdeckerstationen in Pongoland können die Gäste selbst zum Forscher werden. Der Leipziger Zoo vermeldet regelmäßige Erfolge bei der Zucht. Allerdings gibt es auch Rückschläge, wie im Frühjahr 2025. Zwei Gorillas sind plötzlich gestorben. Die pathologische Untersuchung ergibt, dass beide Tiere massive Darmschäden und eine Sepsis hatten, die durch sogenannte Escherichia coli-Bakterien verursacht wurden. Vorsorglich wurde der Boden in der Gorilla-Anlage ausgetauscht.
Stand: 20.11.2025














