Von der Prager Straße kommend können die Besucher das Doppel-M passieren. Es zeugt noch von der reichhaltigen Geschichte der Leipziger Messe auf dem Areal am Fuße des Völkerschlachtdenkmals. Die beendet 1996 das Dasein ihrer Technischen Messe am Standort zwischen Prager Straße, Zwickauer Straße und Richard-Lehmann-Straße. Ein Neubeginn auf dem Gelände im Norden Leipzigs steht an. Das Gelände der Alte Messe erfindet sich neu, wird nun ein neues Zentrum für Wirtschaft, Wissenschaft, Handel und Freizeit. Messeaktivitäten gibt es auf der Alten Messe allerdings nicht mehr.
Ein Gelände für die Technische Messe
Die Geschichte des Geländes beginnt am 3. Mai 1913 mit der Internationalen Baufach-Ausstellung (IBA), die bis Oktober 1913 das Bau- und Wohnungswesen vorstellt. Grundlage dafür sind Pläne der Leipziger Architekten Georg Weidenbach und Richard Tschammer, die dafür auch mehrere Bauten auf dem Ausstellungsareal entwerfen. Im folgenden Jahr wird das Areal Schauplatz für die Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik (Bugra). Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist aber zunächst Schluss mit Ausstellungen. Das Gelände wird in dieser Zeit als Lagerplatz für Kriegsmaterial genutzt. Erst mit Beginn der Technischen Messe im Frühjahr 1920 dient es wieder Ausstellungszwecken.
Das Messamt entschließt sich bereits 1918, erstmals eine Technische Messe in der Innenstadt anzubieten. Selbst in der Kongresshalle werden zu jener Zeit Maschinen ausgestellt. Rasch ist aber klar, dass die Messepaläste der Innenstadt für die schweren Erzeugnisse des Maschinenbaus und anderer Branchen gar nicht geeignet sind. Benötigt werden vor allem Hallen mit ebenerdigen Flächen. Deshalb muss ein eigenes Gelände für die Technische Messe her. Da bietet sich das Areal im Süden Leipzigs an, das schon vorher für Ausstellungen genutzt wird.
Ein Schaufenster für die Welt
Älteste Messehalle ist der Kreis’sche Kuppelbau (heute Halle 16), der nach dem Vorbild des Pantheons in Rom gebaut wird. Das Gebäude hat schon auf der IBA 1913 seine Gäste begeistert. Bis 1928 entstehen auf dem Areal 17 Hallen mit insgesamt 130.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Es ist ein Beleg, wie erfolgreich die Leipziger Messe agiert. Im Jahr 1928 kommen 1.273 Aussteller aus 24 Ländern, registriert werden 26.680 europäische Gäste sowie 29.590 Besucher aus Afrika, Amerika, Asien und Australien. Ein Glanzpunkt wird die Internationale Pelzfach-Ausstellung (IPA). Die groß angelegte Fachausstellung der Pelzbranche dauert im Sommer 1930 vier Monate lang.
Beim schweren Bombenangriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943 werden vier Hallen völlig, 14 weitere Hallen teilweise zerstört. Das Gelände ist ein Ziel anglo-amerikanischer Bomber, da die Hallen für Flugzeugbau und -wartung genutzt werden. Auch Kriegsmaterial ist dort gelagert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das Gelände neu aufgebaut, ohne jedoch wieder den Vorkriegsstandard zu erreichen. Zu DDR-Zeiten ist es das Schaufenster für den Ost-West-Handel. Dabei bemühen sich die sozialistischen Länder vor allem um den westdeutschen Markt, aber auch um Länder der Dritten Welt. Die Messe kann sich trotz vieler Schwierigkeiten auch nach der Friedlichen Revolution behaupten. Mit der Frühjahrsmesse 1996 endet jedoch ihre Ära auf dem Gelände im Süden der Stadt.
Messe-Areal wird zum Filetstück bei Immobilien
Danach ist für das rund 50 Hektar große Messeareal ein neues Konzept nötig. Das erstellt die Leipziger Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft (LEVG), eine Tochtergesellschaft der Stadt Leipzig. Ein benachbarter Komplex, zu dem auch die als Kohlrabizirkus bekannte ehemalige Großmarkthalle gehört, wird von der TLG verwaltet. Beide Flächen betrachten die Stadtplaner meist im Zusammenhang.
Die Alte Messe gilt als Filetstück bei den Leipziger Grundstücken. Angesiedelt werden hier Unternehmen aus der Wissenschaft, Banken, Einzelhandel, Kultur und Freizeit. Kern der Ansiedlung ist seit 2003 die Bio City Leipzig. Das ist ein Technologie- und Gründerzentrum im Bereich Biotechnologie. Hier forschen und arbeiten Unternehmen auf insgesamt 20.000 Quadratmetern gemeinsam mit biotechnologisch ausgerichteten Professuren und außeruniversitären Einrichtungen. Start-ups und junge Unternehmen haben sich angesiedelt.
In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der BioCube Leipzig. Dort finden Unternehmen ihr Domizil, die sich nach ihrer Startphase in der Bio City Leipzig weiterentwickeln wollen. Forschungseinrichtungen wie das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, das Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie sowie das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung sind hier ebenfalls beheimatet.
Ein Stadtarchiv unterm Sowjetstern
Der Sport ist durch das Soccerworld-Center (Halle 7) vertreten, in dem Hallenfußball gespielt wird. Es gilt als größte Indoorsoccer-Anlage in Europa. Im Kopfbau der ehemaligen Messehalle 7 öffnete am 30. August 2025 der legendäre Technoclub Distillery wieder seine Türen.
Die Deutsche Bundesbank hat einen Neubau errichtet. In umgebauten und erweiterten ehemaligen Messehallen sind der Möbelmarkt Porta, der Fahrradhändler Stadler, der Hit-Markt sowie der Hornbach-Baumarkt eingezogen.
Eine besondere Geschichte hat die Messehalle 12 (damals Nr. 9), die 1923 als Sitz der Verwaltungs- und Repräsentationsräume der Messe- und Ausstellungs-AG sowie der Maschinenbauindustrie gebaut wird. In den Wintermonaten wird diese auch als Sportpalast genutzt, darunter für Radrennen. Bekannt wird sie in dieser Zeit als Achilleion. 1950 bis 1952 erfolgt der Umbau zum Sowjetischen Pavillon, das Gebäude ziert bis heute eine markante Spitze mit Sowjetstern. Inzwischen ist dort das Stadtarchiv untergebracht, die restliche Messehalle 12 wird als Verwaltungssitz der Stadt Leipzig sowie für die Beherbergung von Sammlungen Leipziger Museen umgebaut.
Aus der Halle 14, die 1985 für den VEB Carl Zeiss Jena als repräsentativer Messesitz entsteht, ist der Pavillon der Hoffnung geworden. Ein Förderverein betreibt hier ein Ökumenisches Zentrum und die August-Hermann-Francke-Grundschule. Dort finden religiöse sowie soziale Veranstaltungen statt.
Der Kreis’sche Kuppelbau (Halle 16) ist für kulturelle Veranstaltungen vorgesehen, eine Zeitlang firmiert er als Volkspalast. In der Kuppelhalle finden bis zu 2.000 Personen Platz. Entlang der Richard-Lehmann-Straße ist außerdem eine Automeile mit verschiedenen Firmen entstanden.
Stand: 31.05.2025














