Bildlexikon Leipzig

Friedenspark

Liebigstraße 28 | Ortsteil: Zentrum-Südost

Der Friedenspark wurde am 20. Juli 1983 auf 20 Hektar Fläche als öffentlicher Sportpark sowie Freizeit- und Erholungsort eingeweiht. Auf dem Gelände befand sich zuvor der 1846 angelegte Neue Johannisfriedhof als zweiter städtischer Friedhof mit knapp zwanzigtausend Grabstätten. Nach den schweren Beschädigungen durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde die Friedhofsanlage schließlich am 31. Dezember 1970 für die Öffentlichkeit geschlossen. Nach Entwürfen der Landschaftsarchitektin Henriette Krahnstöver plante die Stadt unter dem Arbeitstitel „Johannispark – Park der Jugend“ eine Grünfläche mit Sport- und Freizeitanlagen und stellte diese 1983 fertig. Heute zählen zum Friedenspark diverse Sondergärten, darunter der Apothekergarten sowie der 2007 eröffnete Duft- und Tastgarten. Bemerkenswert sind der alte Baumbestand sowie die zahlreichen Blütensträucher, die den Friedenspark säumen.

Vom Friedhof zum Stadtpark


Im Südosten Leipzigs gelegen zwischen Russischer Gedächtniskirche und Universitätsgelände zählt der Friedensparks zu den bekanntesten Grünanlagen in Leipzig. Neben dem großen Eingangstor an der Nordseite des Parks und den von alten Bäumen gesäumten Hauptalleen lassen vor allem die verwitterten Wandstellengräber auf dessen einstige Funktion schließen. Diese letzten baulichen Relikte befinden sich noch heute in der südlichen Mauer und der Toranlage im Osten der Parkanlage. 

Auf dem Gelände des heutigen Friedensparks wurde im September 1846 auf zwanzig Hektar Fläche der Neue Johannisfriedhof angelegt, welcher sich bald zu Leipzigs bedeutsamstem Begräbnisplatz entwickelte. Dabei handelte es sich nach dem Alten Johannisfriedhof um den zweiten städtischen Friedhof, welcher sich im Besitz des Johannisstifts befand. Die Friedhofsanlage mit knapp zwanzigtausend Grabstätten folgte der Divise einer maximalen Belegung mit Reihengräbern, wobei die privilegierten Erbbegräbnisplätze an den Trenn- und Umfassungsmauern angesiedelt waren. Die Toranlage am östlichen Friedhofseingang stammte ursprünglich vom Johannishospital am Standort des heutigen Grassimuseums und wurde in den 1880er Jahren von Stadtbaurat Hugo Licht umgestaltet. Der Straßenname „Vor dem Hospitaltore“ erinnert noch heute an die ursprüngliche Herkunft des Portals. Im Jahr 1883 wurde nach Plänen von Hugo Licht im westlichen Teil des Areals eine Friedhofskapelle im Neorenaissance-Stil sowie seitlich angesiedelten Kolonnaden und Trauerhallen erbaut. Diese wurden im Zweiten Weltkrieg von einem Bombenanschlag schwer beschädigt, auch der Friedhof trug zahlreiche Kriegsschäden davon.

Seit dem 31. Dezember 1950 wurden keine Neubelegungen mehr gestattet und es fanden keine Begräbnisse mehr statt. Die Friedhofsanlage wurde schließlich am 31. Dezember 1970 für die Öffentlichkeit geschlossen. Die Reste der Mauern, Grüfte, Grabdenkmäler, Einfassungen und Sträucher wurden abgebrochen und zu einem Hügel aufgeschüttelt, welcher später als Rodelberg genutzt werden sollte. Dabei wurde der stadtgeschichtliche und kunsthistorische Wert vollkommen außer Acht gelassen. Umbettungen auf andere Friedhöfe wurden nur vollzogen, wenn die Angehörigen für die Kosten aufkamen. Von den etwa 120 vom Institut für Denkmalpflege nach ihrer kunst- und stadtgeschichtlichen Bedeutung ausgewählten und geborgenen Grabmälern blieben aufgrund von Vandalismus, Diebstahl, ungeschützter Lagerung und unvorsichtigem Transport im Jahr 1990 nur noch 58 übrig. Diese wurden im Lapidarium des Alten Johannisfriedhofs untergebracht. An einst auf dem Neuen Johannisfriedhof begrabene und bedeutsame Leipziger Persönlichkeiten, darunter Arwed Rossbach, Architekt der Universitätsbibliothek, der Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber oder die Verleger-Familien Reclam und Brockhaus, erinnert nach dem radikalen Abbruch in den 1970er Jahren heute kein Grabmal mehr. Die Art der Abräumung, auf welche das zuständige Büro des Chefarchitekten der Stadt Leipzig offenbar keinerlei Einfluss hatte, kritisierte auch die seit 1978 für die Entwurfsplanung des Friedensparks zuständige Landschaftsarchitektin Henriette Krahnstöver. Die Herausforderung bestand darin, nun ohne die zuvor vorhandenen, raumbildenden Mauern und Strauchbepflanzungen sowie unter Einbezug des großen Schuttberges auf der Nordostseite des Parks die Gestaltung vollkommen neu zu konzipieren. Unter dem Arbeitstitel „Johannispark – Park der Jugend“ beinhaltete die Planung, wie in der DDR üblich, diverse Anlagen für Sport und Freizeit. Dazu zählten Fußball-, Basketball- und Volleyballfelder, ebenso wie Areale für Kegeln, Boccia und Minigolf sowie eine Eislauf- und Rollschuhbahn für die Kinder. Um im mittigen Parkbereich großzügigen Raum für Erholung bieten zu können, wurden die Sport- und Freizeitanlagen am Randbereich gruppiert.

Park in Park: Der Friedenspark und seine Sondergärten


Am 20. Juli 1983 wurde die Anlage unter dem Namen „Friedenspark“ eingeweiht. Neben seiner Funktion als öffentlicher Sportpark sollte er auch als Freizeit- und Erholungsort für die Studenten der Universität dienen. In der neuen Parkanlage wurde dem einst rasterförmigen Grundriss bewusst entgegengearbeitet und versucht, eine landschaftliche Struktur zu etablieren. Der Friedenspark wies für diese Zeit einen bemerkenswerten Ausstattungsgrad auf. Dazu zählten mehrere Sportfelder, welche dem umfassenden Funktionsprogramm früherer Pläne entstammten, ebenso wie drei von Manfred Bellinger geschaffene Spielplätze. Auf dem einstigen Trümmerberg wurden Rutschen und eine Holzburg installiert. Besonders markant war der Einbezug von diversen Rundformen im Friedenspark. Darunter befanden sich eine runde Pergola, welche dem Schachspiel diente oder etwa ein Rundplatz mit der 1983 von Irene Markquardt aus Bronze geschaffenen Skulpturengruppe Studentinnen nahe des südlichen Parkeingangs, an dessen Stelle sich zuvor die Friedhofskapelle befand. Die Skulpturen Drei Grazien von Dieter Dietze sowie Lesende von Waleria Bukowiecka zählten ebenfalls zum plastischen Programm der bildkünstlerischen Konzeption des Friedensparks.

Zu den Sondergärten nahe des Friedensparks zählt der in unmittelbarer Nachbarschaft zum Botanischen Garten im Jahr 2001 eingeweihte Apothekergarten sowie der 2007 eröffnete Duft- und Tastgarten. Im westlichen Bereich des Parks befindet sich inmitten einer großzügigen Rasenfläche mit ungewöhnlicher Bepflanzung ein Gedenkort für die verstorbenen Kinder Leipzigs.

Nach einem Entwurf von Antje Schuhmann wurde am 6. Mai 2011 im Friedenspark eine weitere Sonderanlage eingeweiht, der Gedenkort Die Wiese Zittergras. Er erinnert an die Euthanasieopfer.

Bemerkenswert ist der alte Baumbestand des Friedensparks. Die Mehrheit der Gehölze stammt noch aus der Vorgeschichte des Neuen Johannisfriedhofs. Zu den zahlreichen Blütensträuchern, welche das 20 Hektar große Areal säumen, zählen Forsythien, Hecken- und Kornelkirschen, Haselnuss und Hartriegel. Heute konzentrieren sich die Spiel- und Sportareale an den Rändern, während die Mittelpartie des Friedensparks aus einer weitläufigen Rasenfläche besteht.

Stand: 29.11.2023

Bildergalerie - Friedenspark

Sophie Weinhold
Sophie Weinhold
Die gebürtige Leipzigerin studierte in Passau und Marseille Internationales Management und besitzt ein Faible für Fremdsprachen. Neben Englisch und Französisch spricht sie fließend spanisch und italienisch. Bereits als Zwölfjährige führte sie internationale Austauschschüler durch die Stadt und begeisterte sie für Leipzigs Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Die Liebe zu Leipzig bestimmt nach wie vor ihre Freizeitgestaltung. Ob Museumsbesuche, Konzerte oder Fahrradtouren in die Umgebung – die kreative Lokalpatriotin findet immer ausreichend Anregungen, um darüber zu schreiben.
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