Teiche, Wasserspiele, ein Musentempel, lebensgroße sandsteinerne Plastiken – der agra-Park zwischen Markkleeberg und Dölitz ist ein Natur-Kleinod und Gartendenkmal. Erholungssuchende gehen dort gern spazieren und radeln. Die Idylle ist jedoch ein wenig getrübt. Das liegt an der Hochstraße, die das Naherholungsgebiet regelrecht zerschneidet. Die vielbefahrene Bundesstraße 2/95 ist im Groben die Grenze zwischen den Städten Leipzig und Markkleeberg, denen der agra-Park gehört. Der historisch gewachsene Park dehnt sich seit 1895 aus, umfasst inzwischen verschiedene Teile wie den ehemaligen Herfurthschen Park, die Ausstellungsflächen und Hallen an der Bornaischen Straße, das Dölitzer Holz und den Goethepark einschließlich der Dölitzer Wassermühle.
Seit vielen Jahren gibt es zwar Bemühungen und Forderungen, die Bundesstraße in einen Tunnel zu verlegen. Dafür engagiert sich das Bürgerbündnis Pro agra-Park. Doch das ist nun wohl endgültig vom Tisch. Die Brücke ist seit vielen Jahren marode – und nach jüngsten Einschätzungen nicht mehr zu reparieren. Es gibt bereits Einschränkungen für den Verkehr. Sie soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Der von vielen bevorzugte Tunnel könnte den Park zwar ruhiger machen und bietet die Möglichkeit, den historischen Staudengarten nahe der 1956 gebauten Parkgaststätte wieder anzulegen. Doch diese Variante wird als zu teuer zu den Akten gelegt.
Wohlhabender Leipziger leistet sich Landsitz
Ausgangspunkt für das heutige Naherholungsgebiet ist der ehemalige Herfurthsche Park mit der im neoklassizistischen Stil gehaltenen Villa, die als Weißes Haus bekannt ist. Für Konzerte, Hochzeiten, Ausstellungen und andere Veranstaltungen wird es heute genutzt. 1889 erwirbt Paul Herfurth aus Leipzig die Wiesen zwischen Pleiße und Raschwitzer Straße. Wie andere wohlhabende Leipziger leistet der Konsul und Zeitungsverleger sich einen Landsitz, um die sommerlichen Tage nicht in der Stadtvilla verbringen zu müssen. Die Gestaltung des Parkes beginnt ab 1890, die Altarme der Pleiße werden in die Parkentwicklung einbezogen.
Bis 1905 entstehen drei Wohngebäude. Eins davon, das „Kleine Haus Raschwitz“, wird im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Villa sowie ein Nebengebäude bleiben erhalten. Der Park mit seinen markanten Baumgruppen, geschwungenen Wegen, Teichen sowie gestalterischen Elementen wie Tempel, Brunnenrondell und Pergola entwickelt sich zu einem ästhetisch ansprechenden Gartenkunstdenkmal. Ein Musentempel wird um 1900 auf einer Insel im Großen Parkteich errichtet. Dadurch soll der Eindruck einer klassischen antiken Landschaft entstehen. Größer wird die Fläche in den 1920er Jahren durch eine Erweiterung entlang des Flusslaufes der Kleinen Pleiße. Es entsteht ebenso eine Verbindung zu den Anlagen des Dölitzer Schlossgartens mit dem heutigen Torhaus Dölitz. Die Herfurthsche Villa wird ein Treffpunkt von Künstlern und Kunstliebhabern. Das endet mit der Enteignung 1945.
DDR-Landwirtschaftsausstellung bringt Parknamen
Nach dem Zweiten Weltkrieg sind Gartenbauausstellungen beliebt. Markkleeberg veranstaltet bereits 1946 eine vor seinem Rathaus. Doch das Areal erweist sich für die Vielzahl der Besucher rasch als zu klein, die Schau zieht in den Herfurthschen Park um. Dort präsentieren sich vor allem ortsansässige Gärtner. Zwischen 1949 und 1959 finden dort die Gartenbauausstellungen der DDR statt. 1960 gibt es einen Einschnitt: Die Internationale Gartenbauausstellung Iga in Erfurt wird gegründet. Die agra bleibt fortan der Landwirtschaft vorbehalten und wächst immer weiter.
Die agra-Landwirtschaftsausstellung der DDR, die in den Folgejahren dann auf dem neu errichteten, benachbarten agra-Ausstellungsgelände durchgeführt wird, etabliert schließlich den Namen agra-Park für das Gesamtareal. Auf der Leistungsschau, die auch als „Universität im Grünen“ bezeichnet wird, werden landwirtschaftliche Geräte, Maschinen, Stallanlagen und Verfahrenstechniken sowie Tierleistungsschauen präsentiert. Ausrichter ist das Ministerium für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft der DDR. Mit der Friedlichen Revolution 1989 kommt das Aus für die alte agra und ihre damals 210 Mitarbeiter.
Die Landwirtschaftsausstellung wird danach in veränderter Rechtsform bis 2003 in Markkleeberg veranstaltet. Danach ist sie auf die Neue Messe im Leipziger Norden umgezogen. Nach der Friedlichen Revolution gliedert Markkleeberg auch den Festanger (früher die nicht öffentlich zugängliche agra-Gärtnerei) ein. Auch der Mönchereiplatz, vorher Vorführplatz für die Traktorenschauen, gehört nun zum Gelände. Er wird heute für Gefechtsdarstellungen beim Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 genutzt.
Schnellstraße zerschneidet den Park
Die 1970er Jahre bringen einschneidende Veränderungen für den agra-Park. Der Energiehunger der DDR-Wirtschaft lässt zwei Großtagebaue immer mehr aufs Stadtgebiet von Markkleeberg vordringen. Straßen wie die ehemalige Fernverkehrsstraße 2 nach Gera und 95 nach Borna müssen weichen. Die Pleiße wird verlegt. Als Ersatz für den Verkehr entsteht ab 1972 die vierspurige Schnellstraße, die auf einer 360 Meter langen und 24 Meter breiten Trasse auf Stelzen mitten durch den Park verläuft und diesen zerschneidet.
Markkleeberg und Leipzig wollen Park entwickeln
Die Städte Leipzig und Markkleeberg verpflichten sich in einem am 16. März 2015 unterzeichneten Kooperationsvertrag zur Umsetzung einer angemessenen Pflege des Gesamtareals sowie zur einheitlichen gestalterischen wie touristischen Parkentwicklung. Teile des Parks sind als Landschaftsschutzgebiet Leipziger Auwald sowie als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Ziel ist, einen wirklichen Landschaftsverbund zu entwickeln. Und Schäden, die der Braunkohletagebau in der Landschaft verursacht hat, zu reparieren. Der agra-Park ist längst zu einem „grünen Tor“ zu den sich entwickelnden Tagebaufolgelandschaften geworden. Auf dem Areal nahe der Gaststätte „Spreewaldschänke“ gibt es auch einen Braunkohlewald. Dort sind Baumarten zu sehen, die an der Braunkohleentstehung im mitteldeutschen Raum beteiligt sind. Im Dölitzer Holz, einem zum agra-Park gehörenden südlichen Ausläufer des Leipziger Auwaldes, gibt es den Goethesteig. Der erinnert an Johann Wolfgang Goethe, der dort zum Landhaus seines Zeichenlehrers Adam Friedrich Oeser zu Fuß unterwegs war. Heute ist es die Verbindungsstraße zwischen Leipzig-Dölitz und Markkleeberg.
Das frühere agra-Ausstellungsgelände wird für Veranstaltungen, Tagungen, Konferenzen und kleinere Messen weiter genutzt. Dazu gehört das Wave-Gotik-Treffen ebenso wie agra-Antikmärkte und die Tattoo- Expo. Die Hallen müssen allerdings dringend saniert werden, um sie in der Zukunft weiter nutzen zu können. Verschiedene Pläne, den Leipziger Teil des Geländes mit Wohnungen, einer Schule oder einem Supermarkt zu bebauen, sind verworfen worden.
Stand: 12.12.2025














