Denkmal der Panzerspuren

Salzgässchen | Ortsteil: Zentrum

Das Denkmal der Panzerspuren befindet sich im Salzgässchen zwischen Riquet-Haus und Markt auf Höhe der Alten Handelsbörse. In den Boden sind unscheinbar und dezent jeweils zwei Meter lange und 40 Zentimeter breite Spuren des sowjetischen Panzers des Typs T-34 in Form von Bronzeplatten eingelassen. Das Mahnmal erinnert an den DDR-Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Bis zu 80.000 Demonstranten strömten an diesem Tag in Leipzig ins Stadtzentrum, wo sie für ihre demokratischen Freiheiten und bessere Lebensbedingungen gegen das Regime protestierten. Der Aufstand wurde von der Polizei und der Sowjetarmee gewaltsam niedergeschlagen. Das Denkmal der Panzerspuren wurde 50 Jahre später am 9. November 2003 von einem eigens für diesen Zweck gegründeten Verein eingeweiht. Seitdem erinnert es an den Mut der Aufbegehrenden von 1953 sowie an den Wert der Freiheit.

Panzerspuren aus Bronze am Alten Rathaus


Die in Bronze gegossenen und auf dem Fußweg in das Pflaster eingelassenen Abdrücke fallen nur bei genauerem Betrachten auf. Bei dem Denkmal der Panzerspuren handelt es sich um eines von Leipzigs unscheinbarsten Denkmälern. Als Mahnmal erinnern die Abdrücke der Panzerketten an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953, bei welchem sowjetische Panzer des Typs T-34 durch die Leipziger Innenstadt rollten. An diesem Tag fanden in mehr als 700 Orten der DDR Protestaktionen gegen das Regime statt. Seit dem Morgen des 17. Juni 1953 strömten in Leipzig zehntausende Demonstranten aus allen Richtungen ins Stadtzentrum, wo sie für ihre demokratischen Freiheiten und bessere Lebensbedingungen protestierten. Das Aufbegehren richtete sich gegen die politische Organisation, welche als Teil des Machtapparats der SED fungierte. Die Demonstranten forderten unter anderem den Wegfall von Zollgrenzen, geheime und freie Wahlen, den Rücktritt
Walter Ulbrichts sowie die Freilassung aller politischen Häftlinge. Es wurden zentrale Verwaltungsgebäude besetzt, darunter die FDJ-Zentrale, einige zum Teil schwer beschädigt. Ein Teil der Demonstranten versuchte, in die Haftanstalt an der Beethovenstraße einzudringen. Der Aufstand fand – entgegen von Behauptungen der DDR-Machführer – ohne zentrale Führung statt und wurde erst in den Abendstunden durch die Präsenz der sowjetischen Panzer unterbunden. Allein in Leipzig kostete das brutale Vorgehen der Polizei und der Sowjetarmee gegen die bis zu 80.000 Demonstranten dreizehn Menschen das Leben, knapp 100 weitere wurden verletzt. Die Todesopfer wurden von der Stasi heimlich eingeäschert und die Urnen im hintersten Winkel des Südfriedhofs unauffällig bestattet.

Das Denkmal der Panzerspuren – auch Panzerkettendenkmal genannt – erinnert noch heute an den Mut der Aufbegehrenden. An der Stelle des Denkmals am Markt befand sich ein Pavillon der Nationalen Front auf einem kriegszerstörten Grundstück im Salzgässchen, welcher von Protestanten angezündet wurde.

Mit dem Ziel der Errichtung eines Denkmals in Erinnerung an den 17. Juni 1953 wurde ein Förderverein gegründet, welcher im Jahr 2003 ein solches Mahnmal installieren ließ: In den Boden gelassene Bronzeplatten symbolisieren seitdem die jeweils zwei Meter langen und 40 Zentimeter breiten Spuren der sowjetischen Panzer, welche das Rohr auf den Markt gerichtet hatten. Das Denkmal wurde 14 Jahre nach der Friedlichen Revolution und 50 Jahre nach dem Volksaufstand am 9. November 2003, dem Tag des Mauerfalls 1989, eingeweiht. Es wurde bewusst dezent gehalten und markiert vergangenes, aber nicht vergessenes Geschehen in Leipzig. Dem ebenerdigen Denkmal liegt der Gedanke zugrunde, dass darauf gesellschaftliches Leben stattfindet. Passanten laufen seither sinnbildlich als freie Menschen ungehindert über die Spuren der Gewalt hinweg. Während der Leipziger Markttage oder des Leipziger Weihnachtsmarktes fällt es zwischen den zahlreichen Hütten gar nicht auf. Die Panzerspur soll jedoch auch künftige Generationen an den Wert der Freiheit erinnern, in der sie heute leben.

Stand: 13.01.2025

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Sophie Weinhold
Die gebürtige Leipzigerin studierte in Passau und Marseille Internationales Management und besitzt ein Faible für Fremdsprachen. Neben Englisch und Französisch spricht sie fließend spanisch und italienisch. Bereits als Zwölfjährige führte sie internationale Austauschschüler durch die Stadt und begeisterte sie für Leipzigs Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Die Liebe zu Leipzig bestimmt nach wie vor ihre Freizeitgestaltung. Ob Museumsbesuche, Konzerte oder Fahrradtouren in die Umgebung – die kreative Lokalpatriotin findet immer ausreichend Anregungen, um darüber zu schreiben.
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