Foto: Leipzig – Musikbibliothek Peters

Musikbibliothek Peters – Stadtbibliothek

Wilhelm-Leuschner-Platz 10-11 | Ortsteil: Zentrum
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Audiobeitrag: Musikbibliothek Peters – Stadtbibliothek

Es ist ein kulturhistorischer Schatz: Etwa 24.000 Medien, darunter Bücher, Noten, Briefe, eine Porträtsammlung mit Stahlstichen und frühe Fotografien, sind in der Musikbibliothek Peters vereint. Wertvolle Handschriften und Erstausgaben bedeutender Komponisten und Musiker gehören ebenfalls dazu. Aufbewahrt wird die internationale Spezialsammlung in der Leipziger Stadtbibliothek am Wilhelm-Leuschner-Platz. 

Die Bestände sind separat in einem klimatisierten Kompaktmagazin aufgestellt, die wertvollsten Exemplare sind besonders gesichert. Ein Großteil der Schätze ist online erschlossen, auch in der überregionalen Datenbank K10plus präsent. Nach und nach werden sie digitalisiert. Musikern, Wissenschaftlern und einer interessierten Öffentlichkeit ist die Sammlung zugänglich. Interessierte können in der Stadtbibliothek sogar Scans anfordern. Ein Teil mit Bach-Handschriften befindet sich im Bach-Archiv Leipzig am Thomaskirchhof

Die Sammlung ist ein Beispiel für die enge Verbindung von jüdischer Geschichte mit der Musik- und Verlagsgeschichte der Stadt Leipzig. Sie beinhaltet mehr als 300 wertvolle Handschriften und Erstausgaben, darunter von Johann Sebastian Bach und seinen Söhnen, Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn, Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Richard Wagner.

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Ein Musikverlag mit wechselvoller Geschichte


Die Musikbibliothek Peters kann auf eine wechselvolle Geschichte blicken. Gegründet wird sie 1894 vom Musikverleger
Max Abraham, dem späteren Inhaber des Musikverlags C. F. Peters. Seine Ursprünge hat der Verlag allerdings bereits im „Bureau de Musique“ – einer Verbindung aus Verlag, Musikalien- und Instrumentenhandlung, welches Franz Anton Hoffmeister und der Leipziger Organist Ambrosius Kühnel schon am 1. Dezember 1800 gründen. Die Musikbibliothek Peters wird am 2. Januar 1894 in der damaligen Königstraße 26 (heute Goldschmidtstraße) der Öffentlichkeit übergeben.

Nach dem Tod von Max Abraham setzt sich sein Neffe, der deutsch-jüdische Musikalienhändler und Verleger Henri Hinrichsen, für den Erhalt und die Erweiterung der Bibliothek ein. Abraham hat testamentarisch verfügt, dass die Bibliothek als Stiftung zugunsten der Stadt Leipzig verbleibt. Dieses Testament hat er allerdings nie unterschrieben. Sein Neffe und Nachfolger Henri Hinrichsen erkennt es dennoch an. Ab 1900 leitet er die Geschicke des Verlages und unterhält Beziehungen zu allen bedeutenden Komponisten seiner Zeit. Doch während der nationalsozialistischen Herrschaft endet dies jäh.

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Familie Hinrichsen muss aus Deutschland fliehen


Henri Hinrichsen erhält Berufsverbot. Der Musikverlag C. F. Peters wird enteignet. Nach der Reichspogromnacht 1938 folgen der Zwangsverkauf und die „Arisierung“ des Verlags. Die Mitglieder der Familie fliehen aus Deutschland. Henri Hinrichsen wird 1942 von der Gestapo in Brüssel verhaftet und mit 13 anderen Familienmitgliedern in Auschwitz ermordet. Seinen Söhnen
Walter Hinrichsen und Max Hinrichsen gelingt die Flucht nach New York und London, wo sie jeweils neue Verlage aufbauen.

Zweite Enteignung in der DDR


Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt Walter Hinrichsen, inzwischen amerikanischer Staatsbürger, nach Deutschland zurück. Er erhält den Familienbesitz zurück. In Leipzig will er den Verlag wieder aufbauen. Doch nach der Gründung der DDR kommt es anders. Der Musikverlag wird in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt. Die Familie wird damit zum zweiten Mal enteignet. So entsteht im Jahr 1950 der
VEB Verlag Edition Peters, zu dessen Vermögen nun auch die Musikbibliothek Peters gehört. 1950 gründet Walter Hinrichsen zusammen mit seinem Bruder Max in Frankfurt am Main die Edition Peters GmbH. Die Musikbibliothek Peters wird schließlich mit der Städtischen Musikbibliothek und anderen Musikaliensammlungen in Leipzig vereinigt und ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Die damals neu gegründete Musikbibliothek der Stadt Leipzig wird zunächst in einer Villa in der Ferdinand-Lassalle-Straße 21 untergebracht.

Stadt kauft Musikbibliothek von Erben zurück


Nach der
Friedlichen Revolution kann die Familie Hinrichsen die Rückgabe von Peters-Verlag und -Bibliothek erwirken. Diese wird 1993 an Evelyn Hinrichsen, der Ehefrau und Alleinerbin von Walter Hinrichsen, restituiert. Ein 1998 abgeschlossener, unbefristeter Dauerleihvertrag sichert jedoch den Verbleib der wertvollen Musikaliensammlung in Leipzig. Der Vertrag wird allerdings im Jahr 2004 durch die Familie gekündigt. Sie will einzelne besonders wertvolle Stücke in London versteigern lassen. Etwa 400 Medien werden abgeholt und in Berlin bei einer Kunstspedition eingelagert. Dazu gehören bedeutende Objekte wie der Autograph der Partitur der Ersten Walpurgisnacht von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie fünf Bach-Zimelien.

Dieses Ansinnen sorgt in Leipzig für große Irritationen. Befürchtet wird, dass die Sammlung in alle Winde verstreut wird. Der komplizierte Fall mit verschiedenen Erbengruppen beschäftigt die Gerichte. Das Bundesverwaltungsgericht weist im November 2011 eine Klage der Erben zurück, die das Eintragen der Sammlung in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes verhindern wollen. Hinter den Kulissen laufen ab 2005 langwierige Verhandlungen, um die Musikbibliothek Peters für die Stadt Leipzig zu sichern. Das gelingt erst 2013 durch einen Ankauf. Möglich wird dies, da Bund, Land, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung sowie das amerikanische Packard Humanities Institute den Ankauf finanziell unterstützen.

Der Lesesaal der Musikbibliothek trägt inzwischen den Namen von Henri Hinrichsen. Als Erinnerung an sein Wirken stehen dort eine kleine Ausstellung sowie die Büste von Henri Hinrichsen, die der Bildhauer Michael Höppner geschaffen hat. Ebenfalls präsent: eine Büste von Max Abraham, eine Arbeit des Leipziger Bildhauers Carl Seffner.

Die Spezialsammlung wird rege genutzt. Zu ihr gehören auch Büsten von Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart, ebenfalls von Carl Seffner. Über die Geschichte der Musikbibliothek Peters können sich Interessierte auch auf einem Bildschirm informieren. Auf den Verleger und Mäzen Henri Hinrichsen gehen in Leipzig viele Stiftungen, Stipendien und Schenkungen zurück. Nach ihm ist im Waldstraßenviertel die Hinrichsenstraße benannt.

Das Eckhaus Goldschmidtstraße 26, das 1893 bis 1951 die Musikbibliothek Peters aufbewahrte, ist Station 4 der Leipziger Notrenspur. Damit soll an den Rang Leipzigs als Stadt historisch bedeutsamer Bibliotheken und Musiksammlungen erinnert werden. Bedeutend sind vor allem die Universitätsbibliothek, die Stadtbibliothek und die 1912 gegründete Deutsche Bücherei, die heute zur Deutschen Nationalbibliothek gehört und seit 2010 auch das Deutsche Musikarchiv beherbergt.

Stand: 15.11.2024

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Historisches Bildmaterial - Musikbibliothek Peters – Stadtbibliothek

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