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Colditz

Colditz (Sachsen) | PLZ 04680
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Die Geschichte der Stadt im heutigen Landkreis Leipzig wird hauptsächlich von den Geschehnissen auf dem Schloss derer zu Colditz geprägt. Die erste Besiedlung geht dabei auf das Jahr 1046 zurück. Damals nannte man diese Region Burgwardbezirk „Cholidistcha“. Die daraus entstandene Kaufmannssiedlung wurde 1265 als „civitas“ (Bürgerschaft) zur Stadt erklärt.

1404 verkauften derer von Colditz ihren Besitz an die Wettiner, welcher dadurch als wettinisches Amt in die Markgrafschaft Meißen eingegliedert wurde. In den Jahren 1404 und 1464 zerstörten verheerende Brände die Stadt sowie das Schloss, welches 1506 neu errichtet wurde. Wenig später gestaltete man es so um, so dass Kurfürst August und seine Gemahlin Anna Prinzessin von Dänemark darin leben und Hofstaat zur Jagdsaison abhalten konnten. Etwa zur gleichen Zeit blühte das Tuchmacher- und Leineweber-Handwerk in der Stadt am Fuße des Schlosses.

Anfang des 17. Jahrhunderts diente das Schloss Colditz dann als Wohnsitz der Kurfürstin Sophie, Witwe von Christian I. Kurfürst von Sachsen. Bis zu Beginn des Barock war Colditz Jagdschloss August des Starken. Danach konzentrierte sich der Dresdner Hofstaat auf die zahlreich neugebauten Schlösser in Sachsen und somit blieb in Colditz nur noch die Verwaltung des Amtes. 

Nachdem 1753 der kurfürstliche Hofstaat ein letztes Mal die Stadt Colditz besuchte und dabei das Schloss bewohnte, werden kostbare Bilder und Möbel nach Dresden gebracht und alle restlichen Inventar-Stücke versteigert. Danach gab man das Schloss dem Verfall preis.

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Neue Nutzungen für das Schloss Colditz führen zu einer traurigen Berühmtheit


Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wird es wieder, zunächst als Armen-, etwas später als Landesarbeitshaus, genutzt. Von 1829 bis 1924 brachte man im Schloss unheilbare Geisteskranke unter. 1933/34 diente es als Schutzhaftlager für 600 Antifaschisten und während des Zweiten Weltkrieges als Gefangenenlager für alliierte Offiziere (Oflag IV C). Unter ihnen waren Ingenieure und andere einfallsreiche Personen. So kam es, dass sie aus allerlei einfachen Dingen Nützliches bauten und damit immer wieder Fluchtversuche starteten. Das Bekannteste ist wohl ein Segelflugzeug, welches aber nie zum Einsatz kam.

Die Geschichten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges erzählen – neben dem Schloss Colditz selbst – unter anderen die Filme „The Colditz Story“ (GB 1955) und „Colditz – Flucht in die Freiheit“ (GB 2005) oder die Romane „Colditz: Prisoners of the Castle“ von Ben Macintyre und „The Traitor of Colditz: The Definitive Untold Account of Colditz Castle“ von Robert Verkaik. 1973 erschien sogar das Brettspiel „Escape from Colditz“ in englischer Sprache zum ersten Mal.

Von 1946 bis 1996 nutzte man das Colditzer Schloss wieder als Krankenhaus. Diesmal jedoch als Hals-, Nasen-, Ohren- und Augenklinik. Nach der Sanierung 1997 bis 2005 befindet sich die Europa-Jugendherberge Schloss Colditz (seit 2007) sowie die Landesmusikakademie Sachsen (seit 2010) in den historischen Gebäuden. Heute gehört das Schloss Colditz zum Schlösserland Sachsen.

Seit 17. April 2024 gibt es im Schloss Colditz einen neuen emotionalen Erlebnisrundgang. Auf etwa 1.300 Quadratmeter Fläche sind drei Bereiche des ehemaligen Jagdschlosses erstmals für Gäste zugänglich. Diese können im Kellerhaus, der Schlosskapelle und dem Fürstenhaus über 300 Exponate sehen und immersive Szenen aus 500 Jahren Schlossgeschichte erleben. Nach der Albrechtsburg Meissen und dem Barockschloss Moritzburg wurde Schloss Colditz als drittes sächsisches Schloss mit einem interaktiven Tablet-Guide zum Erlebnis. Die Zeitreise mit dem „HistoPad“ bietet Augmented Reality, 3D-Animationen, einen 360-Grad-Rundumblick und hochaufgelöste Fotos. Acht immersive Erlebnisstationen bieten faszinierende Einblicke in die Vergangenheit.

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Colditz – mehr als das Schloss…


…, denn an dessen Fuß findet der Besucher eine Kleinstadt mit einem historischen Stadtkern. So fällt der erste Blick auf das prächtige Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Daneben säumen noch weitere Häuser, die meist auch aus dieser Zeit stammen, den Markt. Zum Beispiel die im Haus am Markt 3, in dem sich die 1775 von
Ludwig Emanuel Eichenberg gegründete Apotheke „Zum goldenen Engel“ befindet. Diese ist heute noch hier ansässig.

Das Schlosscafé, auf der anderen Seite des Marktes, befindet sich ebenfalls in einem der historischen Gebäude und lädt zum Verweilen ein. Von hier aus kann man den Blick schweifen lassen und entdeckt weitere liebevoll sanierte Gebäude, wie die alte Brauerei oder die Landbäckerei Dietrich gleich nebenan.

Vom Markt aus gelangt man über die Schlosstreppe direkt zum Schloss und über den Kirchberg zur Stadtkirche. Man kann aber auch eine der anderen zahlreichen Gassen nehmen und Colditz zu Fuß erkunden.

Colditz zum Mitnehmen


Die Stadt war zu Zeiten der DDR bekannt für das „Mitropa Geschirr“ – wie es der Volksmund nannte. Die Produktion des Steingut in Colditz begann bereits Anfang des 19. Jahrhunderts. Den dazu benötigten Ton findet man in der näheren Umgebung der Stadt. Er wird schon längere Zeit in der
Meißner Porzellan-Manufaktur verwendet. Das Colditzer Porzellan war – anders als das Meißner – alltagstauglich, so dass man es in vielen Haushalten fand. Neben dem Porzellan wurden unter anderen auch Gummiwaren (Ausgussreiniger, Fußmatten, Gipsbecher und anderes), Pappen- und Kartonagen sowie Schamotte gefertigt.

Heute stellt die Firma Anona Fitness-, Sport- und Lifestyle-Nahrung sowie die Zutaten für Eis in Colditz her. Und auch die „Colditzer Schwarze Sau“ – ein dunkles Bier mit einer über 400 Jahre langen Geschichte – wird heute wieder für einige Geschäfte in Colditz gebraut.

Bekannte Persönlichkeiten der Stadtgeschichte


Es gibt eine ganze Reihe Personen, die in der Stadt geboren wurden, lebten und wirkten. Neben der Kurfürstin Sophie (1568-1622) auch der Architekt
August Hermann Schmidt, der 1858 in Colditz geboren wurde. Er entwarf zahlreiche Gebäude in Leipzig – zum Beispiel den Felsenkeller und das Gesellschaftshaus im Palmengarten. Auch Alfred Hoppe (1906–1985) kam aus Colditz. Er zeichnete vor allem Landkarten für Postkarten. Sie waren zu Zeiten der DDR beliebte Motive für Urlaubsgrüße. Und auch Christian Führer, der während der Friedlichen Revolution 1989 als Pfarrer in der Leipziger Nikolaikirche predigte, war zwischen 1968 und 1980 in Colditz tätig.

Die Stadt und ihr Umland


Die Stadt an der
Mulde musste im Laufe ihrer Geschichte immer wieder mit Hochwasser kämpfen. Das zeigen die historischen Aufzeichnungen ab dem 16. Jahrhundert. Und auch nach den Hochwassern 2002 und 2013 mussten in der Stadt viele Häuser und Straßen repariert bzw. saniert werden. Heute kann man wieder durch die kleinen Gassen bummeln und dabei die Reize von Colditz genießen.

Für Naturfreunde, egal ob mit dem Rad, zu Fuß als Wanderer oder auf dem Wasser, die Umgebung von Colditz hat für jeden etwas zu bieten. So kann man zum Beispiel ein Stück auf dem Lutherweg Sachsen entlanggehen, eine Wanderung zum Heimatturm unternehmen oder auf der Mulde paddeln. Das Wasserschloss Podelwitz lädt zum Einkehren ein und im Dentalmuseum Zschadraß kann man die Technik der Zahnärzte von damals bestaunen.

Stand: 06.10.2025

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Historisches Bildmaterial - Colditz

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