Foto: Leipzig – Peterskirche

Peterskirche

Schletterstraße 5 | Ortsteil: Zentrum-Süd
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Audiobeitrag: Peterskirche

Gegenüber den sakralen Bauten in der Leipziger Innenstadt fristet die Peterskirche eher ein Schattendasein. Doch das ist unverdient. Die Architektur des Gotteshauses zwischen Riemannstraße, Gaudigplatz und Schletterstraße ist sehr eindrucksvoll. Das Mittelschiff übertrifft mit seiner Spannweite von 17 Metern selbst den Kölner Dom. Vom umbauten Raum her handelt es sich sogar um die größte Kirche Leipzigs. Sie wird nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für vielfältige Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen und Lesungen genutzt. Der 88 Meter hohe Kirchturm dominiert städtebaulich gesehen die Leipziger Südvorstadt.

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Erster evangelischer Kirchenbau in Leipzig seit Reformation


Am Standort in der Schletterstraße entsteht die Peterskirche Ende des 19. Jahrhunderts neu. Das Gotteshaus wird am 27. Dezember 1885 geweiht. Es ist der erste evangelische Kirchenbau in Leipzig seit der Reformation. Ihr Vorgänger ist die
Alte Peterskirche, die am Rand der Stadtmauer unweit des Peterstores steht. Geweiht wurde sie im Jahr 1507. Es handelt sich um eine einschiffige spätgotische Hallenkirche. Sie erlebt eine wechselvolle Geschichte, wird nach der Reformation gut 150 Jahre sogar als Scheune und Kaserne genutzt. 1710 beschließt der Rat, die Peterskirche grundlegend wiederherzustellen. 1886 wird sie dann abgerissen. Heute erinnern nur noch die Straßennamen Petersstraße und Peterskirchhof an das ehemalige Gotteshaus, für dessen Kirchenmusik in seiner Zeit als Thomaskantor Johann Sebastian Bach verantwortlich ist.

Der Abriss ist eine Folge des Wachstums in Leipzig: Die Gemeinde, die mit der Bebauung der Südvorstadt stetig größer wird, kann die Gläubigen nicht mehr alle unterbringen. Rasch wird daher beschlossen, einen Neubau zu errichten. Das Areal stellt die Stadt bereit. Auf dem ehemaligen Grundstück der Alten Peterskirche entsteht später ein Gebäude für die Reichsbank, das heute von der städtischen Musikschule Leipzig „Johann Sebastian Bach“ genutzt wird.

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Bau der Kirche wird zum Großereignis


Für den Kirchenneubau wird 1877 ein Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem 80 Architekten ihre Entwürfe einreichen. Überzeugt hat die Jury allerdings keine der Arbeiten. Daher beauftragt sie die beiden beteiligten Architekten
August Hartel und Constantin Lipsius, einen gemeinsamen Kompromissentwurf vorzulegen. Sie entwerfen eine dreischiffige Hallenkirche, die im Inneren wie ein Dom wirkt. Schon allein der Bau der Kirche ist für die Messestadt ein Großereignis. Davon zeugen viele Postkarten, die von Leipzig aus in alle Welt versandt werden.

Die Peterskirche verfügt über eine aufwendige kunsthandwerkliche Ausstattung von Bildhauerarbeiten – darunter auch außen am Turm – sowie farbige Bleiglasfenster. Bei den Glasmalereien handelt es sich um qualitativ hochwertige Arbeiten. So ist beispielsweise ein figürlicher Bildzyklus zu sehen, der Szenen aus dem Alten und Neuen Testament enthält. Die helle Natursteinfassade verwittert allerdings stark. Schon beim Bau der Kirche werden verschiedene Fehler gemacht, die zu einer verstärkten Verwitterung des Gesteins und der tragenden Elemente führen. So wird zum Beispiel ein zementhaltiger Fugenmörtel verwendet, der dazu beiträgt, dass die Fugenkanten des Gesteins abreißen.

Schweres Schicksal nach Bombenangriffen


Bereits in den 1930er Jahren ist daher eine erste Sanierung notwendig. Im Zweiten Weltkrieg führen anglo-amerikanische Bombenangriffe auf Leipzig zu schweren Schäden an der Kirche. So wird das Dach vollkommen zerstört, Fassaden, Fenster und Innenräume sind erheblich beschädigt, die beiden Kapellen sehr in Mitleidenschaft gezogen. Es ist ein schwerer Schlag für die Peterskirchgemeinde. Mehr als zehn Jahre muss die Kirchgemeinde ohne Dach auskommen, die wertvolle Sauer-Orgel geht verloren. Sie ist der Witterung ausgesetzt, daher werden 1958 die Orgelpfeifen aus Metall eingeschmolzen und verkauft.

Einen Lichtblick gibt es 1954 mit dem Evangelischen Kirchentag in Leipzig. Die schwedische Kirche hilft dabei, das Dach zu erneuern. 1966 kann die Peterskirche wieder provisorisch genutzt werden. Zwischen 1973 und 1976 erfolgen weitere Reparaturen am Hauptdach sowie am Kapellenkranz. Vieles bleibt aber Provisorium – die Bausubstanz der Kirche verfällt weiter. Sogar der Turm ist damals einsturzgefährdet.

Förderverein will Peterskirche sanieren


1991 gründet sich ein Förderverein, der die Kirche erhalten und erneuern will. Seitdem ist viel gelungen – etwa die Sanierung der äußeren Fassade, der Buntglasfenster und die Restaurierung der reich verzierten Taufkapelle. Planungen und erste Arbeiten zur Sanierung des Schiffes und der übrigen Innenräume der Kirche haben begonnen. Erneuert werden auch die technischen Installationen – das Gotteshaus wird regelmäßig für Veranstaltungen genutzt. Kirchenmusik ist dabei ebenso im Angebot wie andere Genres.

Von der großen Sauer-Orgel geblieben ist der Prospekt, also „das Gesicht“. Der Orgelförderkreis der Peterskirche will eigentlich eine große französische Orgel in der Peterskirche einbauen. Zu diesem Zweck ging er eine Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ ein, die ihre Studenten am Instrument adäquat ausbilden will. Doch das Vorhaben, für das viele Eigenmittel der Gemeinde notwendig sind, erweist sich als sehr teuer.

Musiziert wird derzeit auf einer Jahn-Orgel, die ursprünglich in der Universitätskirche St. Pauli stand. Vor der Sprengung der Kirche im Mai 1968 konnte sie demontiert werden. Die Orgel fand zunächst im Gemeindesaal der Peterskirche eine neue Heimat. Seit 1995 stellt die Universität Leipzig sie der Gemeinde als Dauerleihgabe bereit. Inzwischen ist das Instrument restauriert und vorn im Kirchschiff aufgestellt. Hier finden jeden Donnerstag um 12 Uhr Konzerte unter dem Namen „Orgel-Punkt-Zwölf“ statt.

Eine Besonderheit ist die restaurierte Taufkapelle, die an die einst komplette farbenfrohe Ausmalung der Peterskirche erinnert. Derzeit wird diskutiert, wie die Farbgebung der übrigen Kirche aussehen soll, wenn diese ebenfalls im Inneren saniert wird.

Bei Führungen kann der Kirchturm besichtigt werden. Die Turmbesteigung erfolgt über die höchste freistehende Wendeltreppe Sachsens. Sie geht am Glockenspiel vorbei – in einer Höhe von 51 Metern Höhe kann die Turmspitze von außen umrundet werden. Die Kirche ist zudem Schulkirche des benachbarten Evangelischen Schulzentrums.

Am Westeingang der Peterskirche befindet sich das Kriegerdenkmal Peterskirchgemeinde, das an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder erinnert. Es wurde von Max Alfred Brumme errichtet und am 21. November 1937 eingeweiht.

Stand: 16.04.2025

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Historisches Bildmaterial - Peterskirche

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Fotograf, Projektleiter und Initiator „Herzkampf“, Gewinner Leipziger Marketingpreis 2025 | geb. Dezember 1984 in Leipzig

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