Bildlexikon Leipzig

Leibniz-Denkmal

Augustusplatz 10 / Leibnizforum der Universität Leipzig | Ortsteil: Zentrum

Das am 25. Oktober 1883 eingeweihte Leibniz-Denkmal des Dresdner Bildhauers Ernst Hähnel befindet sich im Innenhof des Campus der Universität Leipzig. Es wurde zu Ehren des gebürtigen Leipzigers und Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz geschaffen. Die 3,60 Meter hohe Bronzestatue auf einem Sockel zeigt Leibniz im zeitgenössischen Kostüm.

Die verwehrte Promotion von Leipzigs berühmten Sohn


Der 1646 in Leipzig geborene Gottfried Wilhelm Leibniz gilt als einer der bedeutendsten Philosophen des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts sowie als letzter Universalgelehrter. Im Alter von acht Jahren lernte er ohne einen Lehrer die lateinische und wenig später die griechische Sprache. Seinen Altersgenossen war er intellektuell deutlich überlegen, besuchte die
Alte Nikolaischule und immatrikulierte im Alter von nur 14 Jahren an der Universität Leipzig, wo er Philosophie und Rechtswissenschaften studierte. Da ihm aufgrund seines jungen Alters von 20 Jahren die Promotion in den Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig verwehrt wurde, kehrte er der Stadt den Rücken und ging an die Universität Altdorf bei Nürnberg, wo er 1667 mit exzellenten Resultaten promovierte. Der berühmte Leipziger begründete u.a. die Infinitesimalrechnung, entwickelte eine Rechenmaschine, erfand das Binärprinzip als heutige Basis der modernen Computertechnik, gründete eine Akademie, war Historiker, Diplomat und Bergbauingenieur. Leibniz übte einen starken Einfluss auf die einsetzende Aufklärung, den deutschen Idealismus und die klassische Philosophie aus und formulierte die Maxime der Verstandesmäßigkeit: „Jeder Mensch besitzt die Fähigkeiten zur vernünftigen Lebensführung.“

Von Standortdebatten und verschmähten Bildhauern


Um dem berühmten Sohn ein würdiges Denkmal zu setzen, erließen die Ratsherren Leipzigs und der Akademische Rat der Universität am 11. Juni 1846 einen „Aufruf zu freiwilligen Beiträgen zur Errichtung eines Denkmals für Leibniz in Leipzig“ an die Bürger der Stadt. Die Stadt und die Universität stellten bereits einen Grundstock von je 1.000 Talern zur Verfügung. Nur wenige Tage zuvor hatten das Leipziger Tagesblatt und der Anzeiger in mehrseitigen Beilagen das Leben und Wirken des in Leipzig geborenen Leibniz aufgezeigt und für die Errichtung eines Kulturdenkmals zu Ehren des Frühaufklärers als „moralische Verpflichtung“ plädiert. In dem Aufruf an die Bürger hieß es weiterhin, ein Denkmal würde „die gerechte Würdigung vergangener Größen aussprechen, das lebende Geschlecht geistig erhellen, den kommenden Zeiten die ihnen überlieferte Errungenschaft verkündigen“ und „für eine Volksbildung wirken“. Die Denkmalsinitiative entstand aus Universitätskreisen und ist insbesondere dem Engagement des Mathematikers und Philosophen
Moritz Wilhelm Drobisch zu verdanken. Bereits seit 1845 hatte sich der Gelehrte bei der Stadt für ein Denkmal eingesetzt und sich im Vorfeld von Leibniz‘ 200. Geburtstag mit dem Akademischen Senat verbündet, dem er selbst angehörte. Auf seine Initiative hin wurde anlässlich der akademischen Leibnizfeier in der Aula des Augusteums beim Leipziger Bildhauer Hermann Knaur eine monumentale Leibniz-Büste in Auftrag gegeben. Die letztliche Umsetzung des aus den langsam wachsenden Geldern der Bürgerstiftung finanzierten Denkmals fand allerdings erst 37 Jahre später im Herbst 1869 statt, als dem Rat der Stadt der Stiftungsfond als ausreichend erschien.

Der hochangesehene Dresdner Bildhauer Ernst Hähnel wurde in der Frage zu Rate gezogen, ob die zusammengetragenen Mittel für zwei große Bronzestatuen ausreichen würden. Obwohl dies der Fall war, zogen sich die Debatten um den Standort, die Konzeption und die Wahl des Bildhauers noch jahrelang hin. Während der 1870er Jahre plante man die Aufstellung der beiden Denkmäler für Leibniz und Martin Luther als Pendants zu beiden Seiten des Hauptportals des Augusteums. Da Hähnel bereits von Beginn an für deren Umsetzung bevorzugt wurde, verzichtete man zunächst auf den von ihm empfohlenen Schüler und Vertrauten Johannes Schilling. Letzterer wurde zwar für das Reformationsdenkmal reklamiert, erhielt jedoch erst nach zwischenzeitlicher Absage Hähnels auch den Auftrag für das Leibniz-Denkmal. Die Angebote anderer Bildhauer, darunter Hermann Knaur oder der Berliner Rudolf Siemering, blieben unbeachtet und die Denkmalsausführung wurde letztlich um mehrere Jahre verschoben, um schließlich doch Hähnel für den Auftrag gewinnen zu können. Das Monument wurde von der Kunstgießerei Lenz in Nürnberg gegossen.

Der „weltletzte Universalgelehrte“ zwischen den vier weiblichen Wissenschaften


Gegenstand des Denkmals war nicht der junge Leibniz, der Leipzig mit 20 Jahren verließ, sondern der ältere, um die Vereinigung von Theorie und Praxis in allen Wissenschaftsbereichen bemühte „Fürst der Wissenschaft“ und Initiator mehrerer Akademiegründungen. Der deutsche Philosoph
Max Heinze hielt in der Aula der Universität die Rede zur Denkmalweihe am 25. Oktober 1883, aufgestellt wurde das Denkmal jedoch nicht wie ursprünglich geplant am Augusteum auf dem Augustusplatz, sondern auf dem Thomaskirchhof. Dort musste es 1906 dem von Carl Seffner geschaffenen Bach-Denkmal weichen und wurde zwischenzeitlich an der weniger repräsentativen Stelle im Paulinerhof aufgestellt. Aufgrund der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli und dem Augusteum wurde das Denkmal am 30. Mai 1968 abgebrochen und eingelagert. Im Jahr 1977 erhielt es seinen neuen Platz an der Universität zwischen Hörsaalgebäude und Moritzbastei. Im Zuge der Neugestaltung des Universitätscampus wurde das Denkmal im August 2008 an seinen heutigen Standort im Innenhof des Campus der Universität Leipzig, dem sogenannten Leibnizforum, verlegt.

Die 3,60 Meter große Bronzestatue zeigt Gottfried Wilhelm Leibniz, der sich im zeitgenössischen Kostüm mit Perücke auf einen fast verdeckten Globus als Symbol politischer Macht stützt. In den Händen hält er ein Buch als traditionelles Attribut des Gelehrten. Dabei soll es sich laut historischer Überlieferung um das Manuskript des berühmten „ägyptischen Plans“ handeln, jene 1672 in Paris von ihm persönlich an Ludwig XVI. überreichte Denkschrift, bei der es sich um einen detaillierten Plan zur Eroberung Ägyptens handelte. Damit wollte Leibniz wohl vergeblich Frankreichs Expansionsdrang nach Deutschland in eine andere Richtung dirigieren. Sowohl der Globus als auch das Buch charakterisieren seinen historischen Handlungsspielraum. Um das Ausmaß seiner Bedeutung für die Wissenschaft zu veranschaulichen, stellte der Künstler Leibniz auf einen bronzenen Sockel, auf dessen Seiten die allegorischen Darstellungen der vier Fakultäten Philosophie, Theologie, Jurisprudenz und Medizin abgebildet sind und die Gesamtheit der Wissenschaft verkörpern: An der Vorderseite befindet sich das Sinnbild der Philosophie in Frauengestalt mit einem Spiegel in der erhobenen Rechten, in der Linken eine Rolle umfassend. Links davon befindet sich die Jurisprudenz, ebenfalls in Frauengestalt, die in der Linken ein Buch hält, dessen Deckel eine Waage ziert und mit dem Zeigefinger der Rechten in ein auf den Knien aufgeschlagenes Buch weist. Die Rückseite des Sockels trägt die Inschrift „Errichtet im Jahre 1883“ und bildet das Relief der Theologie in Frauengestalt ab, die in der Rechten ein Kreuz emporhält, während die Linke auf der aufgeschlagenen Bibel liegt. An der rechten Sockelseite befindet sich die Frauengestalt der Medizin mit einer Schale in der Rechten, aus der eine Schlange trinkt, in der Linken trägt sie eine Rolle. 

Täglich strömen tausende Studenten auf dem Weg in die Hörsäle oder in die Mensa an dem Denkmal in exponierter Lage vorbei oder verweilen dort in den Pausen. Einen besseren Standort für den Universalgelehrten gibt es in Leipzig nicht.

Stand 27.09.2023

Bildergalerie - Leibniz-Denkmal

Historisches Bildmaterial - Leibniz-Denkmal

Sophie Weinhold
Sophie Weinhold
Die gebürtige Leipzigerin studierte in Passau und Marseille Internationales Management und besitzt ein Faible für Fremdsprachen. Neben Englisch und Französisch spricht sie fließend spanisch und italienisch. Bereits als Zwölfjährige führte sie internationale Austauschschüler durch die Stadt und begeisterte sie für Leipzigs Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Die Liebe zu Leipzig bestimmt nach wie vor ihre Freizeitgestaltung. Ob Museumsbesuche, Konzerte oder Fahrradtouren in die Umgebung – die kreative Lokalpatriotin findet immer ausreichend Anregungen, um darüber zu schreiben.