Die Perle des Muldentals – eine Stadt mit Geschichte
Die ersten Menschen, die in dem Gebiet der Stadt siedelten, waren die Slawen. Der Markgraf Otto der Reiche – aus dem Hause Wettin – wusste die gute Lage an der Mulde zu schätzen und ließ hier 1170 eine Stadt gründen und eine erste Brücke über die Mulde bauen. Der ursprüngliche Bau des Schlosses wurde zwischen 1210 und 1230 von den Markgrafen Dietrich und Heinrich von Meißen als Burg errichtet. Markgraf Wilhelm I. ließ es dann von 1389 bis 1402 umbauen.
Das Schloss Grimma wird auch als Geburtshaus Sachsens bezeichnet. Hier wurde 1443 Albrecht der Beherzte geboren. Nach der „Leipziger Teilung“ 1485, die einige Jahre des Streites zwischen ihm und seinem Bruder Ernst beilegen sollte, erhielt Albrecht der Beherzte das Gebiet, welches in etwa das heutige Sachsen ausmacht. Der „Grimmaer Machtspruch“ beendete 1531 die Streitigkeiten endgültig und regelte auch die Münz- und Bergbau-Angelegenheiten. Bis zum Einzug des Amtsgerichtes 1880 wurde das Schloss noch mehrfach umgebaut.
Grimma darf sich seit 1218 Stadt nennen und damit auch Märkte abhalten. Seitdem siedelten sich immer mehr Kaufleute und Handwerker – wie Schuh- und Tuchmacher oder Wollweber – an. Dank dieses Aufschwungs konnte man Gebäude, wie die Frauenkirche (um 1240) oder 1305 das Rathaus auf dem Markt errichten. Dieses fiel 1442 dem Stadtbrand zu Opfer und wurde im 16. Jahrhundert umgestaltet. In dieser Gestalt zählt es heute zu einem der schönsten Renaissance-Häuser in Sachsen.
Die aufblühende Stadt zog auch Geistliche an. So siedelten sich im 13. Jahrhundert zunächst die Zisterzienserinnen aus Torgau in Nimbschen und etwas später der Orden der Bettelbrüder Augustiner in Grimma an. Nach der Reformation werden beide Klöster aufgelöst, so dass einige Gebäude des Klosters Nimbschen verfielen und das Augustinerkloster als sächsische Landesschule genutzt wurde.
Weitere markante Begebenheiten in der Geschichte von Grimma waren die Belagerung durch die Schweden (1632) während des Dreißigjährigen Krieges, die Entstehung der Muldebrücke (1716/ 1719) nach den Plänen des kursächsischen Oberlandbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann (die Vorgängerbrücke wurde bei der schwedischen Belagerung zerstört) oder die Anbindung an das Eisenbahnnetz (1866).
Eine Stadt mit vielen Attraktionen und Ausflugsmöglichkeiten
Denkt man an Grimma, fallen den meisten Personen die Bilder von überfluteten Straßen und beschädigten Häusern ein. Doch nach den Hochwassern 2002 und 2013 wurden die Schäden behoben, so dass man wieder durch eine liebevoll sanierte Altstadt spazieren kann. Außerdem wurde 2019 die Hochwasserschutzanlage fertig gestellt.
Vom Markt – mit dem historischen Rathaus und dem 1912 von Paul Pilz geschaffenen Eva-Brunnen – führen kleine Straßen, in denen man viele Geschäfte, Cafés, Restaurants und allerlei Dienstleister findet, durch die Altstadt. In südlicher Richtung erreicht man die Grimmaer Frauenkirche mit ihren zwei spitzen Türmen, die schon von weiten zu sehen sind.
Das Grimma von heute hat – neben der Altstadt – auch jüngere Stadtteile mit vielen Kultur- sowie Sportangeboten. Und durch die direkte Anbindung an die Autobahn findet man auch Firmen in Grimma, wie FAUN Viatec GmbH, die Kehrmaschinen und Müllfahrzeuge herstellt oder ESA Elektroschaltanlagen Grimma GmbH, bekannt für die Produktion von Niederspannungs- und Verteilungsanlagen.
Sehr sehenswert ist das Göschenhaus in Grimma-Hohnstädt. Es ist Deutschlands einziges Verlegermuseum und der ehemalige Sommersitz des berühmten Verlegers Georg Joachim Göschen (1752–1828). Göschen, der u.a. Werke von Goethe, Schiller und Klopstock druckte, lebte hier und arbeitete mit dem Schriftsteller Johann Gottfried Seume zusammen. Joachim Göschen gab 1813 die erste Zeitung in Grimma heraus. Das Göschenhaus beherbergt heute die Seume-Gedenkstätte und zeigt Einblicke in die Wohnkultur des Biedermeier sowie in die Literaturgeschichte um 1800. Ein Highlight ist der klassizistische Garten.
Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist Gasthaus „Zur Wassermühle“ Höfgen. Das vor 1800 errichtete Gebäude bietet gutbürgerliche Küche und rund 150 Plätze in liebevoll gestalteten Erlebnisbereichen. In der Nachbarschaft befindet sich die 1721 erstmals urkundlich erwähnte Wassermühle Höfgen, die heute als Museum genutzt wird.
Im Grimmaer Ortsteil Nerchau wird Bio-Bier gebraut. Darunter ist auch eine längst vergessene Sorte, das Pumpernickel-Bier. Dürrweitzschen ist ein weiterer bekannter Ortsteil von Grimma. Hier hat die Obstland Dürrweitzschen AG ihren Sitz. In weiten Teilen um Grimma bis Döbeln und Oschatz findet man die Obstplantagen. Dort werden verschiedene Obstsorten angebaut und von Sachsenobst verkauft oder zu Saft und anderen Getränken verarbeitet. Durch das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Sachsens führt die Obstland-Radroute, ein 67 Kilometer langer Rad- und Wanderrundweg. Zum wandern laden auch andere Wege durch die Ortsteile von Grimma ein. Darunter sind zwei Abschnitte des Lutherweges Sachsen. Im Ortsteil Beiersdorf lädt seit kurzen der Freizeitpark ArkaZien zum Entdecken einer verwunschenen Erlebniswelt ein.
Die Persönlichkeiten einer Stadt
In Grimma lebten und wirkten viele Personen, die ihre Spuren in der Geschichte hinterließen. Eine der Bekanntesten ist Katharina von Bora (1499-1552), die Nonne im Kloster Nimbschen war, bevor sie die Frau von Martin Luther wurde. Ein bedeutender Kirchenliederdichter Paul Gerhardt (1607-1676) verbrachte seine Schuljahre in Grimma. Sein bekanntestes Werk ist das Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“.
Neben Georg Joachim Göschen hinterließ ein weiterer Verleger seine Spuren. Carl Christoph Traugott Tauchnitz (1761-1836) wurde im heutigen Ortsteil Großbardau geboren und war der erste deutsche Drucker, der die Stereotypie einsetzte und damit hohe Auflagen zu geringeren Preisen anfertigen konnte. Der Redakteur Dr. Ferdinand Stolle (1806-1872) war einer der Gründer der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ (1853). Er zog 1834 nach Grimma.
Den Chemiker Wilhelm Ostwald (1853–1932) zog es 1906 von Leipzig, wo er an der Universität unterrichtete, nach Großbothen (heute ein Ortsteil). Neben den Wohnräumen richtete er sich auch ein Labor für seine Farbforschung ein. Als freier Forscher beschäftigte er sich u.a. mit der Naturphilosophie und der Wissenschaftsorganisation. 1909 wurde Wilhelm Ostwald mit dem Nobelpreis für Chemie für seine Forschung im Gebiet der Katalyse ausgezeichnet.
Stand: 20.10.2025














