Foto: Leipzig - Connewitz

Connewitz

Leipzig | Ortsteil: Connewitz
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Audiobeitrag: Connewitz

Es ist ein urbaner, kulturell vielseitiger Stadtteil. Die Wohnqualität in Connewitz ist ziemlich hoch. Prächtige Villen und die Nähe zum Auwald mit dem Wildpark Connewitz prägen das Antlitz des Stadtteils ebenso wie eindrucksvolle, leider oft mit Graffiti beschmierte Wohnanlagen. Das St. Elisabeth-Krankenhaus, das Werk 2, das Conne Island, der Geutebrück-Bau der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur sowie Kirchen und Schulen gehören zu einem lebendigen Viertel, das einige oft auf die leidlichen Krawalle Linksautonomer reduzieren. Dabei hat Connewitz viel zu bieten. Mit einem besonders großen Anteil am Leipziger Auenwald ist es sogar der waldreichste Leipziger Stadtteil.

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Wo einst die Pferde weiden


Pferde sind in Connewitz heute eher selten zu sehen. Dabei geben diese dem heutigen Stadtteil von Leipzig einst seinen Namen. „Konowiza“ – der „Ort, wo die Pferde weiden“. So heißt jenes Gebiet, das aus drei ehemaligen slawischen Weihern entstanden ist. Andere Quellen sprechen auch von „Kunawic“. Wie dem auch sei: Connewitz wird 1277 erstmals in den Chroniken erwähnt. Damals geht es in den Besitz des
Augustiner-Chorherren-Stifts zu St. Thomae über. Wenig christlich delegieren die „Thomasherren“, die sich selbst nicht als Mönche bezeichnen und auch nicht so auftreten, ihre neuen Untertanen zur Arbeit.

Der Ursprung von Connewitz befindet sich nicht an jener Weggabelung, an der Ende des 15. Jahrhunderts ein hölzernes Kreuz errichtet wird, das später aus Stein ersetzt wird. Jenes Weichbildzeichen – bekannt als Connewitzer Kreuz – zeigt einst das Ende der städtischen Gerichtsbarkeit an. Eine Kopie dieser Wegmarkierung steht noch heute an der Stelle des Connewitzer Kreuzes, an der sich Bornaische Straße, Wolfgang-Heinze-Straße und Karl-Liebknecht-Straße begegnen.

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Schwere Schäden in der Völkerschlacht


Der Ursprung von Connewitz ist ein Dorfplatz mit Gehöften an einer Stelle, an der heute die Probstheidaer und die Prinz-Eugen-Straße aufeinandertreffen. Die Siedlung dehnt sich von dort Richtung
Mühlpleiße aus, wobei das Fischerdörfchen Döbschütz vereinnahmt wird. Ausführlich wird die Entwicklung im Buch „Connewitz. Vom Werden eines Stadtteils“ von Michael Liebmann beschrieben, welches durch den Verein Pro Leipzig 2015 veröffentlicht wird. Jenes 1277 erstmals in den Chroniken erwähnte Kloster des Augustiner-Chorherren-Stifts kauft schließlich ein Rittergut. Nach der Säkularisierung geht es durch Ankauf in den Besitz der Stadt Leipzig über, die dort 1545 vier Dreschgüter einrichtet.

Bei Plünderungen und Brandschatzungen im Dreißigjährigen Krieg und in der Völkerschlacht bei Leipzig hat das Dorf viel leiden müssen. Napoleons Truppen besetzen Connewitz 1813 als strategisch wichtigen Punkt und verbarrikadieren sich dort. Erbitterte Kämpfe führen zu schweren Schäden. Aus jener Zeit stammt wohl der Kinderreim, den es in verschiedenen Varianten gibt: „In Connewitz, da hat’s geblitzt, da hab‘ n die Franzosen Blut geschwitzt. Da hatten sie sich ein Haus gebaut, von Leberwurst und Sauerkraut. Da ist es wieder eingekracht, da haben sie sich halbtot gelacht.“

Selbstständig als Gemeinde wird Connewitz 1838 mit eigenem Gemeinderat. Die hier lebenden Menschen sind – vielleicht bis auf wenige Bauern mit größerem Besitz – ziemlich arm. 1888 hat die Gemeinde daher nahezu darum gefleht, nach Leipzig eingemeindet zu werden. Die Ortsverwaltung versucht auf diesem Weg, ihre Finanzprobleme in den Griff zu bekommen. Zur Eingemeindung kommt es allerdings erst 1891.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdecken wohlhabende Leipziger Bürger die idyllische Lage des Ortes. Damals entstehen „in einem der schönsten Dörfer Sachsens“, wie es ein zeitgenössisches Lexikon beschreibt, viele Landhäuser. Interessant wird der Ort vor den Toren der Stadt für die Industrie. Ab 1848 entstehen hier Fabriken. Die erste und bekannteste ist die von Eduard Siry gegründete Gasmesserfabrik am Kreuz. Heute ist das Gebäude als Kulturfabrik Werk 2 bekannt.

Ortskern wird das Connewitzer Kreuz


Nahezu automatisch verlagert sich der Ortskern durch die Ansiedlungen ins Areal rund ums Connewitzer Kreuz. Die eigentliche alte Handelsstraße führt über die heutige Kochstraße in die Innenstadt Leipzigs. Doch das ändert sich. 1877 wird die Südstraße (heute: Karl-Liebknecht-Straße) als geradlinige Verbindung fertig gestellt. Gewerbe siedelt sich an, Häuser werden gebaut, durch die vielen Ausflügler expandiert die Gastronomie entlang der Mühlpleiße. Connewitz erhält eine eigene Bahnstation für die Verbindung nach
Plagwitz, die erste elektrische Straßenbahn fährt im April 1896 nach Gohlis. Um 1900 wird die Paul-Gerhardt-Kirche eingeweiht. Verwaltungsgebäude wie die Teutonia-Versicherung und die Oberpostdirektion folgen ebenso wie neue Wohngebiete sowie das St.-Elisabeth-Krankenhaus.

Das Viertel gedeiht – bis zu den schweren Schäden bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg. Da werden viele Wohnhäuser zerstört, verschiedene Baulücken dann zwar in den 1950er und 1960-er Jahren wieder geschlossen. Doch notwendige Investitionen in die oft marode Bausubstanz bleiben in den folgenden Jahrzehnten aus. Das erklärt den Verfall vieler Häuser, der mit dem Ende der DDR immer auffälliger wird.

Ein großflächiger Abriss von Häusern wird gestoppt


Bereits 1988 gibt es für das Areal an der Biedermannstraße ein Sanierungskonzept. Geplant ist ein großflächiger Abriss, um neue Häuser in Plattenbauweise zu errichten. Einige Häuser werden in der Wendezeit besetzt. Künstler, Hippies, Punks, Gruftis – ein Sammelsurium vieler Lebensideale siedelt sich 1989/90 rund um die Stockartstraße an, die damals noch Stöckartstraße
heißt. Ein Verein Connewitzer Alternative gründet sich, will das Viertel vor dem weiteren Abriss bewahren. Nach der Friedlichen Revolution verfügt der im Januar 1990 einberufene Volksbaukongress einen Abrissstop – die Stadt erklärt das Areal an der Biedermannstraße schließlich zum Sanierungsgebiet. Seitdem sind ganze Straßenzüge mit maroden Altbauten saniert und durch Neubauten ergänzt sowie neue Wohngebiete erschlossen worden.

Szene-Stadtteil, linksalternative Hochburg, rechtsfreier Raum – für den Stadtteil Connewitz gibt es viele Synonyme. Doch der Stadtteil ist bunt und heterogen. Hier wohnen und leben viele verschiedene Menschen unterschiedlichster Altersgruppen, ob nun Szene oder bürgerlich. Neben der Südvorstadt ist Connewitz seit den 1990er-Jahren ein extremes Zuzugsgebiet – vor allem für Familien.

Ein spannender Kultur- und Szeneort


Connewitz ist heute bekannt für die vielen vegetarischen Restaurants, urigen Kneipen und Spätis, sowie eine aktive Graffiti-Szene. Der Stadtteil hat sich zum spannenden Kultur- und Szeneort entwickelt. Angebote wie Konzerte im Werk 2, dem Conne Island oder im
UT Connewitz, Leipzigs ältestem Kino, gibt es viele. Und auch das Panometer von Yadegar Asisi, ein umgebauter Gasometer in der Richard-Lehmann-Straße, liegt noch am Rande von Connewitz. Ebenso bedeutend für den Stadtteil sind das Haus der Demokratie in der Bernhard-Göring-Straße als Domizil vieler Vereine und Initiativen, das Tanzcafé Ilses Erika und die Kinobar Prager Frühling. Seit 1992 wird rund um die Paul-Gerhardt-Kirche und die Selneckerstraße einmal im Jahr an einem Sonntag im Mai das Connewitzer Straßenfest gefeiert. Höhepunkt ist dabei eine Kaffeetütenmodenschau. Connewitz ist einer der lebendigsten Stadtteile Leipzigs.

Stand: 15.06.2025

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Historisches Bildmaterial - Connewitz

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