Turnen, Fußball, Pferdesport – die Sportstadt Leipzig verfügt über eine reichhaltige Tradition. Ein eigenes Sportmuseum lässt zwar schon seit vielen Jahren auf sich warten. Dafür hat das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig, zu dem das derzeit geschlossene Sportmuseum gehört, eine Sportroute kreiert. Die soll einmal 22 Aufsteller und Infotafeln im gesamten Stadtgebiet umfassen. In den Sommermonaten bietet das Sportmuseum begleitete Radtouren zur Sportroute an.
Wer möchte, kann sich eigenständig auf die Spuren einer nahezu 200-jährigen Sportgeschichte begeben. Die ersten sieben Tafeln stehen an historischen Orten, die anderen folgen in den nächsten Jahren. Integriert sind QR-Codes, über die Filme abgerufen werden können. Das ist auch über die Internetseite des Stadtgeschichtlichen Museums möglich. Die originalen Schauplätze können unabhängig davon besichtigt werden.
Station 1: Hier steht einst Leipzigs erstes Turnhaus, das 1847 in der Holzgasse (heute Sternwartenstraße) errichtet wird. Es ist das Domizil für den 1845 gegründeten Allgemeinen Turnverein zu Leipzig, der große Bedeutung im Deutschen Reich erlangt. Heute ist an dieser Stelle die Sporthalle Leplaystraße Domizil für verschiedene Sportarten.
Station 2: Auf der Galopprennbahn am Scheibenholz wird an den Leipziger Rennklub erinnert, der mit seiner Gründung 1863 die erste Vereinigung von Fans des Pferderennsports in ganz Mitteldeutschland ist. Bereits vier Jahre später eröffnet der Klub die Rennanlage. 1907 erhält die Galopprennbahn ihre inzwischen restaurierte Holztribüne, die sehr zum besonderen Charme der Anlage beiträgt. Leipzig verfügt am Rennbahnweg 2a über die älteste noch erhaltene Sportstätte in Sachsen.
Station 3: Im Goetzhaus in Lindenau, Lützner Straße 11, hat die Deutsche Turnerschaft ihren Sitz von 1860 bis 1915. Die Geschäfte der damals weltgrößten Sportorganisation führt der Arzt Ferdinand Goetz. Er betreibt dort seine Praxis und richtet hier 1867 Deutschlands erstes Sportarchiv ein.
Station 4: Am Elsterwehr 3/Heilige Brücke ist der Rudersport zuhause. Als seine Geburtsstunde in Leipzig gilt die Gründung der Bootsgesellschaft Germania 1866. An der Heiligen Brücke entsteht 1887 ein erstes Bootshaus des Leipziger Ruder-Vereins von 1876. Bis heute wird das Gelände genutzt. Das Trainingszentrum der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig ist hier ebenfalls zu finden.
Station 5: Im Zoo Leipzig, Pfaffendorfer Straße 29, stellt der radsportbegeisterte Gründer Ernst Pinkert 1882 die mittleren Promenadenwege für ein Hochradrennen zur Verfügung. So entsteht die erste Radrennbahn Mitteldeutschlands.
Station 6: Am Kleinmessegelände Cottaweg, Nähe Jahnallee 59, wird an den 1892 errichteten Sportplatz Leipzig mit seiner Multifunktionsanlage erinnert. 46 Jahre lang ist hier das Zentrum des Sports. Es gibt eine Radrennbahn, die bis in die 1920er Jahre hinein als eine der besten und schnellsten weltweit gilt. Auf dem Gelände neben der Leipziger Kleinmesse befindet sich heute die Trainingsakademie des Fußballvereins RB Leipzig sowie das Motodrom.
Station 7: Auf den Bauernwiesen am Fockeberg spielen Schüler 1883 erstmals Fußball in Leipzig. In Leipzig wird 1900 der Deutsche Fußballbund gegründet. Fußball ist nach wie vor die beliebteste Sportart in Leipzig.
Station 8: Um den Arbeitersport geht es am ehemaligen Gebäude des Arbeiter-Turner-Bund in der Fichtestraße 28. Der 1893 gegründete Arbeiter-Turner-Bund und sein Nachfolger, der Arbeiter-Turn- und Sportbund, haben ihren Sitz in Leipzig. Von 1947 bis 1992 ist das Institut für Körpererziehung der Universität Leipzig in der Fichtestraße ansässig.
Station 9: Um die Sportwissenschaft geht es an der ehemaligen Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK), Jahnallee 59. Seit 1837 streben Mitarbeiter an der Universität Leipzig eine akademische Turnlehrer-Ausbildung an, die Universität Leipzig besetzt 1925 die erste Sportprofessur Deutschlands. Die DHfK wird 1990, nach der Friedlichen Revolution, abgewickelt. 1993 erfolgt die Gründung der Sportwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Leipzig.
Station 10: Mit einem 40 Kilometer-Distanzlauf von Paunsdorf nach Bennewitz am 5. September 1897 schlägt die Geburtsstunde des Marathons in Deutschland. Gestartet wird am ehemaligen Gasthof Paunsdorf, Riesaer Straße 51.
Station 11: Das Sportforum Leipzig, heute mit Red Bull Arena sowie Multifunktionshalle Arena Leipzig, ist das Herz des Leipziger Sports. Die Ära beginnt 1892, als am Frankfurter Torhaus eine Turnhalle der Superlative entsteht. In den 1950er Jahren baut die DDR prestigeträchtige Sport-Großbauten wie das Schwimmstadion (1952), das Zentralstadion (1956) sowie weitere Sportstätten. Bis 1990 ist das Sportforum Schauplatz von Großveranstaltungen im Fußball, Radsport, Schwimmen, Hockey und in der Leichtathletik sowie für acht Turn- und Sportfeste. 2006 war das Stadion Gastgeber für Spiele der Fußball-WM.
Station 12: Auf dem Alexis-Schumann-Platz/Karl-Liebknecht-Straße geht es künftig um Leipzigs Turnfeste, deren Tradition im Jahr 1863 beginnt. Mit dem Allgemeinen Turnverein Leipzig richtet die Stadt das 3. Allgemeine Deutsche Turnfest aus. An der heutigen Kochstraße entsteht damals ein zwölf Hektar großer Festplatz für rund 20.000 Turner und Tausende Zuschauer. Es ist die erste temporäre Großsportanlage in Deutschland.
Station 13: Am Mückenschlösschen in der Waldstraße 86 entsteht 1892 die erste öffentliche Tennisplatzanlage Leipzigs. Das moderne Tennisspiel kommt 1876 nach Deutschland.
Station 14: Im ehemaligen Sportbad am Auensee finden 1921 die Deutschen Schwimmmeisterschaften statt. Am 1913 als Vergnügungspark eröffneten See gibt es neben dem größten Strandbad Leipzigs auch eine vom Militär genutzte Badeanstalt.
Station 15: Am Wasserbassin im Clara-Zetkin-Park wird an Eishockey/ Motorsport erinnert. Der 1897 im damaligen König-Albert-Park angelegte Teich (heute Anton-Bruckner-Allee) erlebt mit Bandy, einer Vorform des Eishockeys, im Winter 1899 seine sportliche Premiere. Das Leipziger Stadtparkrennen (Motorräder und Rennwagen) ist von 1950 bis 1958 ein sportliches Großereignis.
Station 16: Die Sporthalle in der Lessingstraße 27 steht für den Schulsport. Es handelt sich um die die älteste erhaltene Turnhalle in der Stadt (1865). Das Schulturnen in Sachsen wird 1837 an höheren Schulen und 1863 an Volksschulen offiziell eingeführt. 1900 existieren 50 Schulturnhallen in Leipzig, heute sind es nahezu 100.
Station 17: Am Europahaus, Augustusplatz 7, geht es um Golf. Seit 1905 wird in Leipzig Golf gespielt. Der erste Club wird im Weinrestaurant Paege am Markt 8 gegründet. 1925 entsteht eine Fachzeitschrift für den gesamten Golfsport, deren Verlag ab 1928 das neuerbaute Europahaus bezieht.
Station 18: Auf dem ehemaligen Sportplatz des Vereins Bar Kochba, gegenüber der Delitzscher Straße 133, wird an jüdische Sportvereine erinnert. Auf der 1922 errichteten Sportstätte des jüdischen Turn- und Sportvereins wird Fußball, Handball und Leichtathletik betrieben. 1932 und 1935 finden auf dem Platz die Deutschen Makkabi-Meisterschaften in der Leichtathletik statt. Die Mitglieder von Bar Kochba werden Opfer der nationalsozialistischen Politik zur „Arisierung“ Deutschlands. Viele ihrer Mitglieder kommen durch den Holocaust ums Leben. Bar Kochba muss sich 1938 auflösen. Auf seiner Sportstätte werden Baracken für Zwangsarbeiter errichtet. Seit 2005 gibt es mit dem SV Makkabi Leipzig wieder einen jüdischen Sportverein.
Station 19: Das Haus Leipzig, Elsterstraße 22, spielt für das Sportkegeln eine Vorreiterrolle. 1885 entsteht der „Lokalverband der Leipziger Kegler“. 1930 öffnet im heutigen Haus Leipzig das mit 45 Bahnen damals größte deutsche Keglerheim.
Station 20: Als einzige der Leipziger Sporthallen eignet sich zunächst die in der Wittenberger Straße für Handball. Diese Sportart wird 1917 durch die Turnvereine in Deutschland eingeführt, gespielt als Torball auf Fußballfeldern. Um 1935 etabliert sich der Hallenhandball. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt sich Handball zum sportlichen Aushängeschild Leipzigs.
Station 21: Die Landesschule für Hörgeschädigte, Förderzentrum Samuel Heinicke, Karl-Siegismund-Straße 2, steht für Sport mit Behinderungen. 1907 wird mit dem „Taubstummen-Turnverein zu Leipzig“ der erste Sportverein für Menschen mit Behinderungen in der Stadt gegründet. Elf Sportvereine in Leipzig bieten derzeit ihre Offerten für Menschen mit Behinderungen an.
Station 22: Im heutigen Bruno-Plache-Stadion, Connewitzer Straße 21, entsteht 1896 Leipzigs erster Großsportverein. Mit Fußball, Leichtathletik und Tennis ist der Verein für Bewegungsspiele zu Leipzig (VfB) der erste Mehrspartenverein der Stadt. Bald kommen Eishockey, Faustball, Feldhandball und Hockey hinzu. 1900 heben VfB-Mitglieder den Deutschen Fußball-Bund mit aus der Taufe. 1922 erbaut der Verein das Stadion in Probstheida, die heutige Heimstatt des 1. FC Lokomotive Leipzig.
Von der Sportroute sind bis Ende 2025 die Stationen 1, 2, 5, 7, 8, 17, 18 eingeweiht. Im Stadtgeschichtlichen Museum sowie auf der Internetseite des Museums gibt es einen ausführlichen Faltplan, der die Route aufzeigt.
Stand: 08.04.2025













