Autorennen im Clara-Zetkin-Park, Fahrradrennen im Zoo Leipzig und der erste Marathon Deutschlands – die Stadt Leipzig ist im Laufe ihrer Geschichte sehr oft eine Bühne des Sportes. Unvergessen sind vor allem die Turnfeste. Material über diese und viele andere Ereignisse gibt es genug. Doch die Schätze des deutschen Sports sind größtenteils im Keller versteckt. Mehr als 95.000 Exponate gehören zur Sporthistorischen Sammlung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, das dafür Räume auf dem Gelände des Olympiastützpunktes (Am Sportforum 10) nutzt. Ein eigenes Sportmuseum gibt es nicht mehr. Seit dem 31. August 1991 ist dessen einst im Sportforum untergebrachtes Domizil geschlossen – aus „sparpolitischen Gründen“, wie offiziell zu hören ist. Fakt ist aber, dass die Stadtverordnetenversammlung nach der Friedlichen Revolution die einseitige politische Ausrichtung auf die Erfolge des DDR-Sports stört. Seitdem wird eine Perspektive für die Sammlung gesucht, die stetig wächst und zusehends digital verfügbar wird.
Sporttraditionen der Arbeiterklasse im Zentrum
Die Idee für ein eigenes Museum entsteht bereits im Umfeld des 3. Deutschen Turnfestes 1863 in Leipzig. Damals soll es hauptsächlich ein Turnmuseum werden. 1867 begründet Ferdinand Goetz, der Geschäftsführer der Deutschen Turnerschaft, zwar in seinem Wohnhaus (Lützner Straße 11) die erste sporthistorische Sammlung Deutschlands. Sie überdauert ihn allerdings nur um einige Jahrzehnte. 114 Jahre vergehen, bis es zur Gründung eines Sportmuseums kommt. 1975 legen Sporthistoriker der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) ein Konzept für ein Sportmuseum in Leipzig vor. Die Idee, einen Pavillon zu errichten, wird verworfen.
In einer auf dem Hauptgebäude des Zentralstadions (heute: Red-Bull-Arena) errichteten Zusatzetage wird am 23. Juli 1977 das Sportmuseum als eine Teileinrichtung des Museums für Geschichte der Stadt Leipzig (heute: Stadtgeschichtliches Museum) eröffnet. Schwerpunkte der ständigen Ausstellung mit etwa 3.000 historischen Objekten sind die Sporttraditionen der Arbeiterklasse und die Entwicklung des DDR-Sports. Nach insgesamt 30 Sonderausstellungen ist Schluss. Die Ausstellung „Lasst Kräfte sinnvoll walten“ zum 100-jährigen Jubiläum des Gewichthebens in Deutschland markiert am 31. August 1991 das Aus für das Museum auf der Dammkrone des Zentralstadions.
Ein Interim im Olympiastützpunkt
Noch im gleichen Jahr gründet sich der Förderverein für ein neues Sportmuseum. 1993 fasst der Stadtrat zwar einen Grundsatzbeschluss, die bedeutende Sammlung zu bewahren. Doch ein geeigneter Standort für das neue Sammlungs- und Dokumentationszentrum fehlt. Die historischen Sportgeräte müssen zeitweise in konservatorisch ungeeigneten Räumen wie im Torhaus Dölitz oder in der ehemaligen Iskra-Gedenkstätte in Probstheida untergebracht werden. Schließlich beziehen sie ihr Quartier in ehemaligen Räumlichkeiten für Küche und Speisesaal der DHfK am Sportforum – bekannt auch als Areal des Olympiastützpunktes. Es ist ein Interim ohne Ausstellungsräume, daher auch nicht öffentlich zugänglich. Auch dort sind die Bedingungen nicht die besten.
Seit 2007 existiert zumindest eine Lösung auf dem Papier: Der Stadtrat beschließt, das Museum in der denkmalgeschützten Nordtribüne des abgerissenen Schwimmstadions unterzubringen. Geld ist dafür allerdings nicht vorhanden – das Projekt wird auf die lange Bank geschoben. Neue Hoffnung gibt es, als die Stadt Leipzig gemeinsam mit Fußball-Bundesligist RasenBallsport Leipzig einen Neubau realisieren will. Doch auch diese Pläne scheitern.
Ein lebendiges Haus mit viel Bewegung
Mittlerweile hat die Stadt Leipzig einen Rahmenplan vorgelegt, will das Umfeld der Red Bull Arena und der Quarterback Immobilien Arena völlig neu gestalten. Vorgesehen ist, im Bereich des ehemaligen Schwimmstadions eine große Ballsporthalle sowie ein neues Domizil fürs Sportmuseum zu errichten. Das Team um Aiko Wulff, der das Sportmuseum leitet, arbeitet bereits an einer neuen Ausstellungskonzeption. „Unser Ziel ist es, ein sehr lebendiges Haus zu erschaffen und eine neue Idee vom Sportmuseum zu etablieren, die sich stark am Breitensport orientiert“, gibt Museumsdirektor Anselm Hartinger vom Stadtgeschichtlichen Museum die Richtung vor. Konzipiert ist das neue Domizil als „Campus in Bewegung“. Der avisierte Termin 2029 ist aber nicht mehr zu halten. Die Stadt erhofft sich neuen Schwung durch eine mögliche Olympiabewerbung Deutschlands.
Sammlung wird erweitert und digitalisiert
Die sporthistorische Sammlung wird kontinuierlich erweitert und digital erschlossen. Die Schränke und Regale in den Katakomben im Olympiastützpunkt stecken voller Schätze: Geräte und Bekleidung, Medaillen, Pokale, Plakate, Embleme, Schuhe, Fahnen, Fotos und vieles mehr. Alles ist verpackt, geordnet und katalogisiert. In den vergangenen Jahren sind bei Sonderausstellungen verschiedene Objekte des Sportmuseums zu sehen gewesen. In der Dauerschau „Moderne Zeiten“ im Alten Rathaus gibt es wenigstens einen kleinen Einblick in die Sportgeschichte Leipzigs. Dort steht beispielsweise das Rad von Täve Schur und eine historische Anzani, die auf der einstigen Rennbahn auf dem heutigen Kleinmesseplatz gefahren wurde. Erinnert wird ebenfalls an die Turnfeststadt Leipzig, die Sportwissenschaft samt Dopingforschung sowie den geplatzten Traum von Olympia 2012. Auch die Sportroute, ein Rundgang zu 22 historischen Sportstätten Leipzigs, ist im Aufbau. Bis Ende 2025 wurden sieben Stationen realisiert.
Stand: 12.12.2025













