Bildlexikon Leipzig

Grieg-Begegnungsstätte

Talstraße 10 Ortsteil: Zentrum-Südost

Die Grieg-Begegnungsstätte befindet sich im Gebäude des ehemaligen Leipziger Verlagshauses C. F. Peters. Sie wurde auf Initiative des 1998 gegründeten Vereins Grieg-Begegnungsstätte e.V. am 7. November 2005 feierlich eröffnet und beherbergt neben einer Dauerausstellung zum Leben und Wirken des norwegischen Komponisten den historischen Musiksalon. Edvard Grieg studierte von 1858 bis 1862 am Konservatorium in Leipzig Klavier und Komposition. Seine berühmten Werke wurden vom Leipziger Musikverlag C. F. Peters vertrieben, in dessen Räumlichkeiten Grieg während seiner zahlreichen Leipzig-Aufenthalte sein Domizil hatte. Die Grieg-Begegnungsstätte ist Station 3 auf der Leipziger Notenspur.

Vom hohen Norden nach Leipzig: Start einer Weltkarriere


Norwegens bedeutendster Komponist, Edvard Grieg, war etwa ein halbes Jahrhundert in besonderer Weise mit Leipzig verbunden. Ihn zogen das reiche Musikleben und die Möglichkeit an, von ausgezeichneten Klangkörpern und Virtuosen neue Werke sowie eigene Kompositionen zu hören. Der Norweger war fasziniert von dem geselligen Umgang mit Musikern, musikinteressierten Persönlichkeiten, Komponisten und bedeutenden Interpreten, darunter Peter Tschaikowski und Johannes Brahms, die zu seinen Freunden zählten.

Der am 15. Juni 1843 in Bergen geborene norwegische Komponist kam als 15-jähriger 1858 nach Leipzig, um am von Felix Mendelssohn Bartholdy gegründeten KonservatoriumKlavier und Komposition zu studieren. Grieg wohnte in einem Studentenzimmer in der Dresdner Straße 27. Im Zuge seines vierjährigen Studiums bot sich ihm die Möglichkeit, sich von ausgezeichneten Lehrern wie dem späteren Gewandhauskapellmeister Carl ReineckeLouis PlaídyIgnaz Moscheles oder Ernst Ferdinand Wenzel ausbilden zu lassen. Noch als Student bot Edvard Grieg seine frühen Kompositionen dem Musikverlag von Max Abraham an. Der Leiter des C. F. Peters Verlages, der die große Begabung des Norwegers erkannte, ließ diese drucken und es entwickelte sich zwischen Max Abraham, seinem Nachfolger Henri Hinrichsen und Edvard Grieg ein enges, lebenslanges Freundschaftsverhältnis. Im Jahr 1889 schloss Grieg mit dem Musikverlag C. F. Peters in Leipzig einen Generalvertrag ab, der dem Verlag das alleinige Publikationsrecht seiner Werke einräumte sowie Grieg und seine Frau auf Lebenszeit finanziell absicherte. Während seiner teils monatelangen Aufenthalte in Leipzig in der Konzertsaison konnte er sich stets auf die Gastlichkeit der Leiter des Musikverlages verlassen. Dazu zählten neben der Bereitstellung einer kleinen Wohnung in der dritten Etage des Verlagshauses auch die Organisation von geselligen Zusammenkünften mit Komponisten und Interpreten sowie die Besorgung von Karten für Leipziger Musikaufführungen.

Vom renommierten Musikverlag Peters


Im Gebäude des 1800 in Leipzig gegründeten und weltweit angesehenen Musikverlages C.F. Peters, in dessen oberster Etage Grieg während seiner Leipzig-Aufenthalte logierte, wurde dem berühmten Komponisten mit der Grieg-Begegnungsstätte ein Denkmal geschaffen. Mit dem Bau der großzügigen Gebäudeanlage mit 1.500 Quadratmetern Wohn- und 380 Quadratmetern Gewerbefläche beauftragte Max Abraham 1873/1874 den HofbaumeisterOtto Brückwald, der auch das Bayreuther Festspielhauses errichtete. In Leipzig erbaute er unter anderem die Handelslehranstalt – heute Volkshochschule. Der damalige Eigentümer des Musikverlages C. F. Peters erwarb zu diesem Zeitpunkt die Grundstücke in der Talstraße und in der Lindenstraße, um ein Domizil für den Verlag und Wohnraum für Verleger und Gäste zu schaffen. Der Verlag verlegte neben den Werken Edvard Griegs auch jene der größten zeitgenössischen Komponisten, darunter Johann Sebastian BachGustav MahlerRobert SchumannRichard Wagner und Richard Strauss. Der Nachfolger Max Abrahams, Henri Hinrichsen, arbeitete und lebte in dem Haus gemeinsam mit seiner Familie bis zum Zweiten Weltkrieg. Der Verlag wurde vom Nazi-Regime enteignet sowie Henri Hinrichsen und 14 seiner jüdischen Familienmitglieder verhaftet. Hinrichsen kam 1942 in Auschwitz ums Leben. Zwei seiner Söhne konnten noch emigrieren und gründeten 1938 in London die Hinrichsen Edition Ltd. sowie 1948 in New York die C. F. Peters Corporation. In Deutschland siedelte der Verlag nach dem Krieg nach Frankfurt am Main über, während das Leipziger Stammhaus zum Volkseigenen Betrieb wurde. 1993 wurde das Gebäude an die Rechtsnachfolger der enteigneten Eigentümer zurückgegeben.

Authentische Atmosphäre am historischen Ort: Originaler Musiksalon und Dauerausstellung


Im Jahr 1998, 91 Jahre nach Edward Griegs letztem Leipzig-Aufenthalt, wurde der Verein Grieg Begegnungsstätte e.V. gegründet. Dieser machte es sich zur Aufgabe, im Gebäude des einstigen Musikverlages C. F. Peters in der Talstraße 10 eine Gedenk- und Begegnungsstätte zu Ehren des norwegischen Komponisten mit Ausstellung und Musiksalonzu errichten. Mit diesem Vorhaben folgte man dem Appell Henri Hinrichsens in seiner Verlagschronik, dieser geschichtsträchtige Ort solle zukünftigen Generationen öffentlich zugängig gemacht werden. Die feierliche Eröffnung fand am 7. November 2005 statt. Seither beherbergt die Wohnung in der 1. Etage eine Dauerausstellung zum Leben und Wirken Edvard Griegs. Auf der sogenannten Beletage mit dunkler, originaler Holzvertäfelung, kunstvoller Holzdecke, stilechter Tapete aus England und Kamin befindet sich das Herzstück der Grieg-Begegnungsstätte, der historische Musiksalon um 1900. In diesem original erhaltenen und aufwändig sanierten Raum stellte Grieg seinerzeit den Verlegern Max Abraham und später Henri Hinrichsen seine neuesten Kompositionen vor. Unmittelbar nach der Einweihung der Räumlichkeiten wurde ein historischer Flügel der Firma J. L. Duysen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erworben, welcher regelmäßig bei Konzerten – von Klavier-Rezitalen über Liedermatineen bis hin zu Kammermusikprogrammen – zum Einsatz kommt. Der Musiksalon wird seit 2010 von einer in Porzellan gegossenen Büste Edvard Griegs geziert, welche von der Porzellanmanufaktur Kämmer aus dem thüringischen Rudolstadt-Volkstedt hergestellt und vom Vereinsmitglied Volker Thiel aus Erfurt gesponsert wurde. Im begrünten Innenhof befindet sich die 2009 eingeweihte Grieg-Büste

Neben Konzerten organisiert der Verein Grieg Begegnungsstätte e.V. auch Vorträge, Lesungen und Workshops. Im Mittelpunkt stehen hierbei häufig Norwegen, das Leipziger Musikleben oder die Geschichte des Musikverlages C. F. Peters. In größeren Abständen organisiert der Verein den Internationalen Edvard-Grieg-Kongress, bei welchem Gäste u.a. aus Skandinavien, Großbritannien und den USA begrüßt werden.

Bildergalerie - Grieg-Begegnungsstätte

Historisches Bildmaterial - Grieg-Begegnungsstätte

Sophie Weinhold
Sophie Weinhold
Die gebürtige Leipzigerin studierte in Passau und Marseille Internationales Management und besitzt ein Faible für Fremdsprachen. Neben Englisch und Französisch spricht sie fließend spanisch und italienisch. Bereits als Zwölfjährige führte sie internationale Austauschschüler durch die Stadt und begeisterte sie für Leipzigs Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Die Liebe zu Leipzig bestimmt nach wie vor ihre Freizeitgestaltung. Ob Museumsbesuche, Konzerte oder Fahrradtouren in die Umgebung – die kreative Lokalpatriotin findet immer ausreichend Anregungen, um darüber zu schreiben.
error: Dieser Inhalt ist geschützt! Es ist nicht gestattet, diesen Inhalt zu kopieren. Vielen Dank für Ihr Verständnis.