Foto: Leipzig – Galerie für Zeitgenössische Kunst

Galerie für Zeitgenössische Kunst

Karl-Tauchnitz-Straße 9-11 | Ortsteil: Zentrum-West
Inhalt des Beitrags
Audiobeitrag: Galerie für Zeitgenössische Kunst

Mikrochips sind längst eine Waffe in geopolitischen Konflikten. Das ist auch in der DDR so, als der volkseigene Elektronik-Betrieb Robotron hochinnovative Computertechnologien entwickelt, dabei jedoch an der krisenhaften sozialistischen Planwirtschaft, einem Wirtschaftsembargo sowie dem eigenen autarken System scheitert. Doch jene Rechentechnik und Kybernetik hat eine eigene Ästhetik entwickelt, die Künstler bis heute inspiriert. „Robotron. Code und Utopie“ nennt die Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst im Winter 2025/2026 eine Sonderschau, die die älteren und neuen Werke rund um die sich rasch verändernde Industrie vorstellt.

Die Galerie rückt mit ihrer Sammlung regelmäßig soziale und politische Prozesse der Nachwendezeit ins Blickfeld. Sie behandelt ebenfalls regionale Themen, die sie mit globalen Entwicklungen in Zusammenhang setzt, und auch das Erbe der DDR. Geboten wird ein breites Spektrum an Ausstellungen, Sammlungen und Vermittlungsangeboten, zu denen verschiedene Workshops sowie eine Upcycling-Werkstatt gehören. Ziel ist es, Neugier zu wecken sowie die Menschen anzuregen, neue Dinge zu erkunden und sich selbst einzubringen und mitzubestimmen.

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Fotogalerie - Galerie für Zeitgenössische Kunst

Die Idee eines Stiftermuseums


Die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig (GfZK) ist ein Ost-West-Projekt nach der
Friedlichen Revolution. Der Kunstwissenschaftler Klaus Werner, der 1974 bis 1981 die Ostberliner Galerie „Arkade“ am Straußberger Platz leitet, entwickelt zwar schon damals die utopische Idee, ein Stiftermuseum für internationale und aktuelle Kunst zu gründen. Er eckt in der DDR jedoch immer wieder an und wird entlassen, zieht später nach Leipzig, um hier freiberuflich zu arbeiten. Dort hält er vor dem Gremium Bildende Kunst des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), der damals die DDR besucht, einen Vortrag, bei dem er von diesem Vorhaben erzählt. Kunstmäzen Arend Oetker, der Mitglied des Kulturkreises ist, findet das spannend.

Realisiert werden kann die Idee aber erst nach der Friedlichen Revolution. Am 10. November 1990 gründen Werner und Oetker den Förderkreis der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst, der bis heute aktiv ist. Es folgen Ausstellungen an verschiedenen Orten, darunter im Romanushaus.

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Herfurthsche Villa wird für Museum aus- und umgebaut


1998 wird die
Herfurthsche Villa an der Karl-Tauchnitz-Straße nach Plänen des Architekten Peter Kulka, der auch den sächsischen Landtag am Elbufer in Dresden sowie den MDR-Kubus am Leipziger Augustusplatz entworfen hat, umgebaut. Das Haus wird ursprünglich 1893 für den Geologen Professor Hermann Credner errichtet.

Am 16. Mai 1998 kann ein eigenes Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst öffnen. Die 1945 enteignete Herfurthsche Villa wird zuvor von medizinischen Einrichtungen der Universitätsklinik sowie später von der Hochschule für Musik genutzt.

Für Ausstellungszwecke sind viele Umbauten nötig – das Haus wird entkernt, topmodern mit Glas und Metallelementen saniert sowie um einen Anbau ergänzt. Die unterschiedlich proportionierten Räume sind im Erdgeschoss, wie in der ersten Etage, in einem Rundgang miteinander verbunden. Denkmalgeschützte Elemente wie Balkone und Balustraden bleiben erhalten.

Auf etwa 800 Quadratmeter werden dort Bilder, Skulpturen und Kunstprojekte gezeigt. Dabei betont der erste Direktor Klaus Werner, dass die Galerie sich vor allem als Werkstatt oder Kunstverein versteht, der Experimente und Projekte anregt. Weniger als Museum. Mehr als Denkfabrik, in der gesellschaftliche Hintergründe reflektiert werden. Zur Eröffnung ist die Gruppenausstellung „Ontom“ zu sehen. Zum Auftakt soll die Gäste eine Performance der italienischen Künstlerin Vanessa Beecroft mit halbnackten Frauen erfreuen. Das soll nicht alle anwesenden Politiker erfreut haben, wird überliefert.

Der erste Museumsbau für eine Galerie in Ostdeutschland wird zum Erfolg. „Hier geht mein großer Traum in Erfüllung“, sagt Arend Oetker damals. 11,5 Millionen Mark werden investiert, auch der Kulturkreis des BDI steuert 5 Millionen Mark sowie 50 Kunstwerke bei. Der Rest wird durch Stadt Leipzig und Freistaat Sachsen sowie vom Förderkreis bezahlt. Der Umbau der Villa erhält 1999 den Architekturpreis der Stadt Leipzig.

Moderne Ausstellungshalle bietet neue Möglichkeiten


Im November 2004 wird die Galerie um eine moderne Ausstellungshalle ergänzt. Sie befindet sich gegenüber der Herfurthschen Villa. Sie ist ganz auf die Bedürfnisse zeitgenössischer Kunst zugeschnitten, ist funktional und kostengünstig. Wie die damalige Direktorin
Barbara Steiner, die das Konzept entwickelt hat, formuliert.

Entstanden ist ein flacher, länglich-verwinkelter, pavillonartiger Neubau, der etwa 1.000 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche bietet. Das Berliner und Wiener Architekturbüro AS-IF um Paul Grundei, Stephanie Kaindl und Christian Teckert hat dieses variable Gebäude entworfen, das durch Glas und Sichtbeton viel Transparenz bietet. Die leichten Zwischenwände im Inneren sind beweglich. Das schafft viele Möglichkeiten für Präsentationen in den Sonderausstellungen. Bis zu 80 verschiedene Konstellationen sollen möglich sein, die den Besuchern je nach Ausstellung neue Pfade erschließen. Raumhohe Fenster ermöglichen den Blick auf die Straße, die Nachbarhäuser und den Clara-Zetkin-Park. Von außen ist immer ein neugieriger Blick möglich.

Cafè und Hotelapartments im Wandel


In der Sammlung sind inzwischen mehr als 500 Künstler vertreten. Der Förderkreis des Museums sorgt auch für Neuerwerbungen. Zur Galerie für Zeitgenössische Kunst gehört ein Café, das verschiedene Künstler in gewissen Abständen neugestalten. Dabei können sich sowohl die Inneneinrichtung als auch der Name des Cafés ändern. Manchmal ebenfalls das gastronomische Angebot. Auf dem Gelände der Galerie gibt es im ehemaligen Kutscherhaus seit 2011 zwei Hotelapartments, die aus Ateliers entstanden sind. Interessiere können in einem Kunstwerk übernachten. Wie das Café werden auch die beiden Apartments immer wieder neugestaltet. Diese Wandelbarkeit gehört zum Konzept der Galerie. Entstanden als gemeinnützige Galerie-GMBH ist sie inzwischen als Stiftung organisiert, der Arend Oetker als Stiftungsratsvorsitzender vorsteht. Sie wird gefördert durch die Stadt Leipzig, den Freistaat Sachsen und den Förderkreis der GfZK Leipzig.

Im Garten sind ebenfalls Kunstwerke zu finden, wie das von Olaf Nicolai geschaffene Labyrinth. Es besteht aus industriell produzierten Plastikbesen, wie sie von der Pariser Stadtreinigung verwendet werden. Das Labyrinth ist besonders bei Kindern beliebt. Zur Galerie gehört ebenfalls eine Bibliothek, die mehr als 27.000 Publikationen umfasst. Gesammelt werden Monografien, Ausstellungskataloge, Zeitschriften und wissenschaftliche Literatur zu Kunst, Architektur und Design im 20. und 21. Jahrhundert.

Stand: 25.11.2025

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Historisches Bildmaterial - Galerie für Zeitgenössische Kunst

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