22 Meter hoch ist der Ginkgobaum, der für viele eine nahezu magische Anziehungskraft hat. Darunter befindet sich einer der beliebtesten Biergärten in Leipzig. Das Budde-Haus, beheimatet in der historischen Bleichert-Villa direkt neben der S-Bahn-Station in der Lützowstraße in Gohlis, hat jedoch noch viel mehr zu bieten. Das parkähnliche Gelände mit Gartenhaus und Kunstgarten wird bereits seit 1958 als Kulturzentrum genutzt. Im Januar 2017 hat dort nach einer Neuausschreibung durch das städtische Kulturamt der Verein Fairbund die Regie übernommen. Dieser ermöglicht vielfältige Aktivitäten und Veranstaltungen, ob nun Kurse, Lesungen, Filme, Konzerte, Feste, Theater, Vorträge, Ausstellungen, Diskussionen oder Tanz.
Seilbahnbauer Bleichert baut die Villa Hilda
Ursprünglich heißt die Villa Hilda. Abgeleitet ist dies von Hildegard, der Frau von Adolf Bleichert. Ein Schriftzug ist am Gebäude noch heute zu sehen. Der Inhaber der Drahtseilbahnfabrik Adolf Bleichert & Co. kauft das Grundstück gegenüber vom eigenen Betriebsgelände in der Lützowstraße, um darauf eine repräsentative Villa zu errichten. Das bestehende Haus lässt er 1891 abreißen. Leisten kann er sich den Neubau – das Unternehmen floriert. Bleichert gilt als der weltweit erfolgreichste Seilbahnbauer. Entworfen hat die mehrstöckige Villa mit ihren attraktiven Räumen das Leipziger Architekturbüro Pfeifer und Händel. Auch das Treppenhaus wird prächtig gestaltet, beispielsweise mit einem Wandbrunnen.
Das Gartenhaus entsteht nach Plänen des Leipziger Architekten Max Bösenberg. Die Erben der Familie Bleichert verkaufen die Villa im Jahr 1927 an den Kaufmann Karl Mende, der einige Umbauten vornehmen lässt. Im Zweiten Weltkrieg werden der rechte Flügel der Villa und eine Glaskuppel zerstört. 1952 wird Mende enteignet und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Das Haus wird danach zunächst als Internat für Studenten des Bauwesens sowie Kinderheim genutzt. 80 sogenannte schwererziehbare Mädchen leben im Heim. Vier Jahre später wird die Villa an den Volkeigenen Betrieb Verlade- und Transportanlagenbau Leipzig (VTA) als Betriebskulturhaus übergeben. Das ist der Nachfolger der ehemaligen Bleichert-Werke. In dieser Zeit entsteht der Name Klubhaus „Heinrich Budde“.
Stadt nutzt ihr Vorkaufsrecht
Namensträger ist Caspar Heinrich Budde, der mehrere Jahre als Ingenieur in der Drahtseilbahnfabrik Adolf Bleichert & Co. arbeitet. Im Februar 1944 wird er zu sieben Jahren Zuchthaus wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt. Kollegen haben ihn bei der Gestapo angezeigt, nachdem er im Betrieb politische Ansichten äußerte. Das Urteil wird im Oktober 1944 vom Volksgerichtshof zur Todesstrafe umgewandelt, Heinrich Budde im November 1944 hingerichtet. Der Verein Fairbund hat die Patenschaft über die Grabstätte Buddes übernommen, die sich auf dem Nordfriedhof befindet. Ebenso wie jene der Familie Bleichert, die auf dem Friedhof Gohlis am Viertelsweg zu finden ist.
Das Klubhaus macht sich durch viele Veranstaltungen, Musik- und Tanzangebote, aber auch als Ort für Betriebsfeiern und Tagungsstätte für betriebliche Organisationen einen Namen. Eine Gaststätte gibt es damals ebenfalls. Nach der Friedlichen Revolution erhebt die enteignete Familie Mende Anspruch auf das Klubhaus, das ein Erbe verkaufen will.
Sie bekommt es zurück, die Stadt nimmt aber ihr Vorkaufsrecht wahr und erwirbt es im Jahr 1993. Dafür hat sich auch der neu gegründete Bürgerverein Gohlis mit seiner Kampagne „Rettet das Budde-Haus“ eingesetzt. Das Klubhaus wird 1993 als Soziokulturelles Zentrum Heinrich-Budde-Haus wiedereröffnet.
Ein „Haus voller Leben“ in Gohlis
Betreiber wird der Förderverein Heinrich-Budde-Haus. Er baut das Angebot weiter aus. Dem Förderverein gelingt es, Fassade und Balkon zu sanieren sowie das Gartenhaus wiederaufzubauen. 2014 muss er allerdings Insolvenz anmelden, so dass im Jahr 2014 der Verein Fairbund die Regie übernimmt. Heute ist das Zentrum ein „Haus voller Leben“ mit den unterschiedlichsten Angeboten. Dazu gehören Konzerte, Lesungen, Ausstellungen sowie eine Kreativwerkstatt. Ein Ort der Begegnung ist der Kunstgarten geworden. Dort finden in den Sommermonaten zahlreiche Freiluftausstellungen und Open-Flair-Veranstaltungen statt. Der bis 2020 im Buddehaus beheimatete Skulpturengarten des Vereins für Kunst und Kultur ist ins Kunstwerk Monopol in der Haferkornstraße an der Friedenskirche umgezogen.
Im Budde-Haus gibt es regelmäßige Freizeitangebote wie Kurse, Workshops, Proben, Sport und Treffs für Gohliser jeden Alters. Sommerbühne, Gartenmarkt und Weihnachtsmarkt sind fest im Jahresprogramm verankert. Wer Lust hat, kann im History Escape Room „Karls Vermächtnis“ finden und somit Karl Mende näher kennenlernen. Auf dem Gelände sind auch ein schöner Spielplatz sowie ein Tauschschrank entstanden.
„Unser Gelände entwickelt sich immer mehr zum Freizeittreff und zur Ruhezone, auch unabhängig von Veranstaltungen“, so Geschäftsführer Jürgen Schrödl. Vier Mitarbeiter und viele Ehrenamtler sorgen für einen reibungslosen Ablauf und ein gepflegtes Gelände. Der Bürgerverein Gohlis und der Chorverband Leipzig haben ebenfalls ihre Anlaufstelle im Budde-Haus. Das müsste saniert werden – trotz Plänen scheint aber in absehbarer Zeit kein Geld aufzutreiben sein.
Stand: 06.08.2025














