Bildlexikon Leipzig

Froschbrunnen

Rabensteinplatz | Ortsteil: Zentrum-Südost

Der sich auf dem Rabensteinplatz befindliche Froschbrunnen bildet eine Bronzeplastik in Form eines wasserspeienden und von zwei nackten Knaben flankierten Frosches ab. Bei der von Markus Gläser 2018 geschaffenen Brunnenplastik handelt es sich um eine Nachbildung des 1909 von Werner Stein geschaffenen Vorbildes, welches im Zuge der Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg abgerissen und eingeschmolzen wurde.

Die wechselhafte Geschichte von zwei Knaben und dem Frosch…


An der Stelle, wo vom
Johannisplatz der Täubchenweg und die Dresdner Straße abzweigen, befindet sich eine kleine, dreieckige Parkanlage. Hierbei handelt es sich um den Rabensteinplatz, eine von zwei ehemaligen öffentlichen Hinrichtungsstätten in Leipzig. Die Anlage stellte ein „ovales Gemäuer mit einer Treppe von drei Metern Höhe und einem Behältnis zur Aufnahme der Scharfrichterwerkzeuge“ dar. Nach Abbruch des Galgens auf dem Rabensteinplatz im Jahr 1822 mieden die Bürger den Platz aufgrund seiner ehemaligen Funktion. Erst im Jahr 1843 initiierte Ratsgärtner Otto Wittenberg dessen Umgestaltung zu einer Gartenanlage. In der stiftungsfreudigen Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wurde vom aufstrebenden Bürgertum im Jahr 1869 ein Fontänebrunnen mit einer Brunnenfigur im östlichen Bereich des Rabensteinplatzes finanziert. Das Brunnenbecken sowie das Brunnengewölbe waren im Inneren mit weißen, blauen und goldenen Mosaiksteinen ausgestaltet sowie mit einem bronzenen Ziergeländer eingefasst. Zur Komplettierung des Brunnens durch eine Figurengruppe erwarb die Stadt vom Leipziger Bildhauer Werner Stein im Jahr 1909 die Bronzeplastik „Kinder mit Frosch“. Schließlich wurde 1911 auf dem Rabensteinplatz der sogenannte Froschbrunnen geschaffen. Die bronzene Figurengruppe von Werner Stein bildete einen riesigen wasserspeienden Frosch ab, welcher von zwei nackten Knaben flankiert wird, von denen einer versucht, den Frosch in den Brunnen zu stoßen.

Während des Zeiten Weltkrieges begutachtete eine Kommission metallene Kunstwerke, um festzustellen, ob diese für den Hochofen und somit für die Rüstungsproduktion geeignet waren. Der für Leipzig zuständige Kunstliquidator ordnete den Abriss und die Einschmelzung der Bronzeplastik des Froschbrunnens an. Lediglich das leicht beschädigte Mosaikbecken blieb erhalten, das Geländer wurde gestohlen. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurden lediglich die sichtbaren Teile der Bauwerke auf dem Rabensteinplatz abgebrochen und die Flächen mit Erde bedeckt. Nach Entwürfen des Gartenarchitekten Gerhard Scholz wurde eine dem Zeitgeist entsprechende Grünanlage geschaffen.

Der Frosch spuckt wieder Wasser


Im Mai 2018 erhielt der Rabensteinplatz nach mehr als 70 Jahren seinen Froschbrunnen zurück: Anhand historischer Aufnahmen schuf der Leipziger Bildhauer Markus Gläser eine Nachbildung der bronzenen Figurengruppe von Werner Stein, welche seitdem auf dem Rabensteinplatz begutachtet werden kann. In die Wiederherstellung der Plastik und des Brunnens investierte die Stadt rund 88.000 Euro, davon 36.000 Euro Fördermittel vom Land Sachsen. Zuvor wurde der Rabensteinplatz bereits im Jahr 2017 für 250.000 Euro saniert und neu angelegt. Mit der Wiederherstellung des Froschbrunnens erhielt der zentral gelegene Platz seine einstige Idylle zurück und macht die Anlage wieder zum Anziehungspunkt in direkter Nachbarschaft zum
Grassimuseum.

Stand: 26.09.2023

Bildergalerie - Froschbrunnen

Historisches Bildmaterial - Froschbrunnen

Sophie Weinhold
Sophie Weinhold
Die gebürtige Leipzigerin studierte in Passau und Marseille Internationales Management und besitzt ein Faible für Fremdsprachen. Neben Englisch und Französisch spricht sie fließend spanisch und italienisch. Bereits als Zwölfjährige führte sie internationale Austauschschüler durch die Stadt und begeisterte sie für Leipzigs Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Die Liebe zu Leipzig bestimmt nach wie vor ihre Freizeitgestaltung. Ob Museumsbesuche, Konzerte oder Fahrradtouren in die Umgebung – die kreative Lokalpatriotin findet immer ausreichend Anregungen, um darüber zu schreiben.