Foto: Leipzig - Zum Grönländer

Zum Grönländer

Petersstraße 24 | Ortsteil: Zentrum
Inhalt des Beitrags
Audiobeitrag: Zum Grönländer

Das älteste Haus der Petersstraße trägt Familiengeschichte


Der Kaufmann Johann Martin Haugk stammte aus Annaberg und war seit 1746 Meister in der Kramerinnung von Leipzig. Dies war damals ein Zusammenschluss der Kleinhändler, die die Einwohner der Stadt täglich mit benötigten Waren versorgten. Im Jahr 1751 wurde die Familie in den Adelsstand erhoben. Im gleichen Jahr zogen sie in das vom Leipziger Baumeister George Werner errichtete Haus in der
Petersstraße mit der damaligen Hausnummer 13. Das barocke Bürgerhaus ist das älteste der Straße und wurde als eine Vierseitenanlage um einen rechteckigen Hof von 15 mal 7 Metern gebaut. Es verfügt über fünf Geschosse und ist, wie viele Häuser des 18. Jahrhunderts, geziert von einem kunstvollen, dreigeschossigen Kastenerker. Dieser wird von zwei liegenden Figuren über dem Hauptportal flankiert. Sie stellen die Handelstätigkeit der früheren Eigentümer sinnbildlich dar.

Zwischen den Figuren befindet sich seit 1875 eine Relieftafel aus Metall. Diese zeigt einen Kajakfahrer, der auf die Familiengeschichte der Haugks zurückgeht.

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Fotogalerie - Zum Grönländer

Von einem Schiff in Not und einem Engel im Boot


Um das Jahr 1770 herum wollte ein Urenkel der Haugks an der grönländischen Küste zur See fahren. Dort ging er auf Robben- und Walfischfang, da dies damals begehrte und teure Handelsartikel waren. Allerdings kamen heftige Stürme auf. Das Schiff erlitt Schäden und drohte zu kentern. Was danach geschah, fasste der Leipziger Schriftsteller und Journalist
Otto Moser 1880 wie folgt zusammen:

„Schiff und Mannschaft gaben sich verloren, da erschien plötzlich vor den Augen der verzweifelten Seefahrer ein rettender Engel in seiner Person unseres braven Grönländers. In seinem Boote, welches aus Knochen und Haut von Robben zusammengefügt ist, schoß er mit der kaltblütigen bewundernswerthen Gewandtheit durch die Brandung und brachte Hülfe und Rettung“.

Ihm gelang es, das zu kentern drohende Schiff Haugks in eine ruhigere Bucht zu lotsen, wo es wieder seetüchtig gemacht werden konnte. Haugk und seine Mannschaft überlebten und luden nach ihrer Rückkehr den „Grönländer“, der im heutigen Sprachgebrauch wohl eher als Inuit oder Kalaallit bezeichnet wird, nach Leipzig ein. Dieser nahm die Einladung auch an, kam jedoch nie bis Leipzig. Während seiner Reise wurde er krank und verstarb. Der Mann wurde in Lübeck begraben. Sein Boot schaffte es dennoch nach Leipzig, wo es im Haugkschen Haus einige Jahre ausgestellt wurde. Zum Dank und als Andenken an die Rettung ließ Martin Haugk ein Relief anfertigen, das den Inuit in seinem Kajak zeigt. Dies hing zunächst in seinem Büro.

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Ein Kajakfahrer als Werbemaßnahme


Im Jahr 1875 kaufte der Konditormeister
Ernst Richard Kunze das Bürgerhaus der Familie Haugk ab. Er ließ schließlich das goldene Relief des Kajakfahrers an der Hauswand, genauer am Erker über dem Hauptportal anbringen. Der Kajakfahrer wurde zur Werbemaßnahme des Geschäfts- und Handelshauses, das alle aufkommenden Probleme umschiffen würde, so die Werbung. Nachdem es durch die Hinzunahme des Nachbarhauses 1908 zu einem Messehaus umgebaut wurde, etablierte sich der Name „Zum Grönländer“.

Auch den Zweiten Weltkrieg überlebte das Gebäude. Jedoch wurde es danach zum Volkseigentum erklärt und verfiel mit den Jahren nach und nach. So stark, dass Passanten durch ein Massivgerüst vor herunterstürzenden Teilen geschützt werden mussten. Schließlich erwarb ein Geschäftsmann das Haus und ließ es zwischen 1992 und 1994 von Friedrich Gildemeier sanieren. So konnte das historische Äußere des Baudenkmals bewahrt werden. Das Relief verschwand in der DDR und wurde erst später in einem Abrisshaus wiedergefunden.

Heute ist das barocke Portal mit seinem Erker noch sichtbar. Im Inneren sind jedoch lediglich das barocke Treppenhaus und das Gewölbe im hinteren Bereich erhalten geblieben. Der Innenhof erhielt 1994 ein Glasdach. Im Eingangsbereich finden Interessierte heute die ausführliche Geschichte des Kajakfahrers auf zwei historischen Tafeln niedergeschrieben. Das Haus wird als Büro- und Geschäftshaus mit einer Ladenzeile im Erdgeschoss genutzt.

Kleine Randnotiz: Links neben dem Grönländer-Haus befindet sich das Sporergäßchen, die schmalste Gasse der Leipziger Innenstadt.

Stand: 31.08.2023

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Historisches Bildmaterial - Zum Grönländer

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