Bildlexikon Leipzig

Napoleonstein

Friedhofsweg 1 / An der Tabaksmühle | Ortsteil: Stötteritz

In den Parkanlagen rechts vor dem Eingang zum Areal des Völkerschlachtdenkmals befindet sich der Napoleonstein aus dem Jahr 1857. Der „Verein zur Feier des 19. Oktober“ ließ das Denkmal dort errichten, wo Napoleon am 18. Oktober 1813 seinen Befehlsstand einrichtete und die Völkerschlacht bei Leipzig leitete.

Auf den Spuren Napoleons


Der französische Herrscher Napoleon I. war bis zum Jahr 1812 so erfolgreich wie kein anderer Feldherr seit
Alexander dem Großen. Er ging in zahlreichen Kriegen als Sieger hervor, setzte Bekannte und Verwandte als Könige ein und sicherte sich mit Bündnissen ab. Doch immer mehr regte sich Widerstand gegen die französische Vorherrschaft, so dass Napoleon in den Befreiungskriegen zwischen 1813 und 1815 schließlich auf französisches Gebiet zurückgedrängt wurde.

Die größte und wichtigste Schlacht dieser Befreiungskriege fand vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 rund um Leipzig statt. In dieser Völkerschlacht schlossen sich Preußen, Österreich, Russland und Schweden zusammen und errangen dabei den entscheidenden Sieg über Napoleon. Mit einer Mehrheit von 295.000 Soldaten und 1.360 Geschützen standen sie den 160.000 französischen Kämpfern mit lediglich 630 Geschützen gegenüber. Nach erbitterten Kämpfen erteilte Napoleon schließlich den Befehl zum Rückzug. Zwar konnte er mit einem Teil seiner Armee in den Morgenstunden des 19. Oktobers nach Westen in Richtung Lindenau entkommen, dennoch boten die Alliierten mit diesem Sieg dem Eroberungszug Napoleons durch Europa Einhalt.

Napoleon und die Tabaksmühle


Doch wo hielt sich Napoleon eigentlich während der Schlacht auf? Um einen möglichst guten Blick auf die Schlachtfelder zu haben, suchte er sich die
Marienhöhe aus. Sie lag zwischen den damaligen Dörfern Stötteritz, Probstheida und Connewitz, südöstlich von Leipzig. Hier stand zu diesem Zeitpunkt die Quandtsche Tabaksmühle, die 1743 vom Leipziger Kaufmann Johann Gottfried Quandt errichtet wurde. Die holländische Mühle diente der Verarbeitung von Tabak, der in Stötteritz angebaut wurde. Mit einem hölzernen Tisch, Karten, einem Schemel und großem Wachfeuer bezog Napoleon neben dieser Mühle seinen Posten. Die Mühle sollte jedoch nicht mehr lange dort stehen, da sie bei der Erstürmung Leipzigs zerstört wurde. Von wem, ist bis heute unklar. Die Mühle wurde nie wieder aufgebaut, jedoch erinnert der Name der Straße „An der Tabaksmühle“ noch heute an sie.

Ein kleiner Stein für einen kleinen Mann


Bereits 1832 wurde genau an dieser Stelle in Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig ein simpler Gedenkstein errichtet. Dieser wurde später im Grunde des heutigen Napoleonsteins verankert. Auf Initiative des „Vereins zur Feier des 19. Oktobers“ hin wurde das neue Denkmal am 25. Oktober 1857 errichtet und vom Probstheidaer Pastor Blüher eingeweiht. Das Denkmal besteht aus einem gusseisernen, rötlichen Granitblock mit einem Sockel und einer Deckplatte. Darauf liegt ein Kissen mit Nachbildungen des Zweispitzes sowie des Fernrohrs Napoleons. Leidglich der Degen ist heute nicht mehr in Gänze ersichtlich.

Dass der Stein jenen Ort markiert, von dem aus Napoleon 1813 die Schlacht um Leipzig leitete, darauf verweist die Inschrift auf der Ostseite: „Hier weilte Napoleon am 18. Oktober 1813, die Kämpfe der Völkerschlacht beobachtend.“ 

Die Inschrift der Westseite lautete zunächst „Der Herr ist der rechte Kriegsmann. Herr ist sein Name. 2. Mose 15, 3“. Dieser Bibelauszug wurde jedoch später herausgeschlagen und durch Hinweise auf den Standort der Tabaksmühle ersetzt. So steht hier heute geschrieben: „Standort der ehemaligen Quandtschen Tabaksmühle, Befehlsstand Napoleons“.

Der Wächter und seine Gebeine


Zur Zeit der Erbauung des Napoleonsteins gab es den
Südfriedhof und auch den Stadtteil Marienbrunn noch nicht. Somit lag der Standpunkt sehr weit außerhalb der Stadt, weshalb 1869 ein Wächterhäuschen daneben gestellt wurde. Hier lebte in den 1870er Jahren der Alte Peters, ein Invalide aus dem Krieg 1870/71. Offiziell war er als Denkmalswächter angestellt. Gegen einen Obolus erzählte er Interessierten aber auch Geschichten über die Schlacht. In seinem kleinen Haus befand sich ein Kabinett aus Gebeinen, die Bauern über die Jahre fanden. 1886 wurde schließlich der Südfriedhof errichtet. Damit entfiel die Notwendigkeit eines Wächters. Zur Sicherung umschließt heute ein Gitterzaun mit zwölf Säulen das Denkmal.

Im Schatten des großen Nachbarn


Heute ist der Napoleonstein nicht mehr die erste Anlaufstelle für Besucher. Vielmehr zieht es Interessierte zum Völkerschlachtdenkmal in unmittelbarer Nähe. Das von den Leipzigern liebevoll „Völki“ genannte Denkmal wurde genau 100 Jahre nach der Schlacht, am 18. Oktober 1913, eingeweiht. Der Berliner Architekt
Bruno Schmitz arbeitete dabei gemeinsam mit den Bildhauern Christian Behrens und Franz Metzner. Heute ist das Völkerschlachtdenkmal Aussichtsplattform und Museum zugleich. Es gehört gemeinsam mit dem am Fuße des Denkmals befindlichen Museum Forum 1813 zum Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig.

Stand: 10.01.2024

Bildergalerie - Napoleonstein

Historisches Bildmaterial - Napoleonstein

Kaiser-Maximilian-Denkmal

Universitätsstraße / Städtisches Kaufhaus | Ortsteil: Zentrum

Kaiser Maximilian I. ist es zu verdanken, dass Leipzig einst das Große Messeprivileg erhielt. Ihm zu Ehren wurde 400 Jahre später, am 31. August 1897, das Kaiser-Maximilian–Denkmal in der Universitätsstraße enthüllt.

Das Messeprivileg für die Messestadt


Bis ins 15. Jahrhundert hinein war Leipzig keineswegs die einzige Stadt, die Messen abhielt. Vielmehr gab es ein gleichrangiges, mehr oder minder abgestimmtes Verhältnis der mitteldeutschen Messen untereinander. Leipzig hatte somit zunächst kein höheres Messeansehen als Erfurt, Halle oder Naumburg. Mit der Gründung der
Universität Leipzig im Jahr 1409 und der Ablösung Freibergs als Finanzzentrum stieg die Bedeutung Leipzigs gegenüber den anderen Städten. Im Sommer 1458 beschloss man wohl im Rathaus, die Gleichrangigkeit mit den anderen Messen aufzubrechen. Zum Streitthema wurde die Neujahrsmesse von Halle, die es zu konkurrieren galt. Somit kam für Leipzig zu den bekannten Frühjahrs- und Herbstmessen eine dritte Messe hinzu, die Neujahrsmesse. Nach ewigem Hin und Her sowie langem Schriftverkehr wurden im Jahr 1497 alle drei Leipziger Messen zu Reichsmessen ernannt. Auf dem Reichstag zu Worms am 20. Juli 1497 verlieh Kaiser Maximilian I. Leipzig damit das bis dahin größte Messeprivileg. Darin stand unter anderem geschrieben, dass in den benachbarten Territorien keine neuen Messen mehr errichtet werden dürfen. Dies galt auch für den halleschen Neujahrsmarkt. Nur ein paar Jahre später, 1507, sprach der Kaiser ein zweites Privileg aus. Dies besagte, dass der absolute Vorrang Leipzigs nun in allen Bezirken im Umkreis von ca. 120 Kilometer galt. Das sogenannte Stapelrecht verpflichtete die Händler dazu, ihre Ware zuerst in Leipzig anzubieten. So wurden Konkurrenten wie Magdeburg und Erfurt ausgeschaltet. 

Dieser Monopolstellung verdankte Leipzig einen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Auch stärkte das die Stadt als wissenschaftlichen Standort.

Der Papst Leo X. bestätigte schließlich 1514 das Reichsmesseprivileg.

Das Städtische Kaufhaus als erstes Haus der Mustermesse


Einige hundert Jahre dauerte dieser Aufschwung an. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich jedoch die Warenmessen mehr und mehr zu Mustermessen. Die Leipziger erkannten früh den Trend und die Geburtsstunde des
Städtischen Kaufhauses war gekommen. Der neue Messepalast wurde zwischen 1893 und 1901 auf dem Areal zwischen Neumarkt, Kupfergasse, Universitätsstraße und Gewandgässchen in drei Abschnitten gebaut. Bauherr war die Stadt Leipzig. Der erste Bauabschnitt widmete sich der barocken Stadtbibliothek am Gewandgässchen. Die Inbetriebnahme dieser Messeräume begann zur Michaelismesse 1894 und diente als Pilotprojekt der neuen Messeform – der Mustermesse. Die erste offizielle Mustermesse fand dann im März 1895 statt. Das positive Ergebnis führte schließlich zu einem weiteren Umbau. So begann der Abbruch des Zeughausflügels des Gewandhauses und der Umbau wurde schließlich durch den dritten Bauabschnitt am Neumarkt 1901 fertiggestellt. Damit vollzog sich der Schritt von der traditionellen Warenmesse zur zukunftsträchtigen Mustermesse, deren erstes zuhause in Leipzig das Städtische Kaufhaus war. Das neue Messehaus folgte dem Prinzip des Zwangsrundgangs. Die Messebesucher mussten dem Rundgang folgen und waren so gezwungen, an allen Händlern vorbeizugehen. 

Die Gestaltung der Fassade geschah in Anlehnung an die Barockfassade der Stadtbibliothek. Neobarocke Formen waren im Wechsel von Putzflächen und hellen Sandsteinelementen zu sehen. Die Entwürfe kamen dabei von den Architekten des Leipziger Hochbauamts Rayher, Korber und Möller.

Des Kaisers neues Denkmal


Das wohl wichtigste Detail der Fassade findet sich in der Universitätsstraße, an der Ostseite des Städtischen Kaufhauses. Mittig der Vorderseite eines hervorspringenden Gebäudeteils ist ein dreigeschossiges Denkmalensemble zu sehen. Über der Toreinfahrt ist zwischen den beiden Fenstern des ersten Geschosses eine gekuppelte Rundnische eingelassen. Hier steht das übermenschlich große Standbild des Kaisers Maximilian I. Auf der Höhe des zweiten Obergeschosses ist eine schlichte Stuckkartusche zu sehen, die die Inschrift „Erbaut 1895 und 1896 unter König Albert 400 Jahre nach der Bestätigung der Leipziger Messen durch Kaiser Max“ trägt. In der dritten Etage, unter dem Traufgesims, befindet sich eine hochovale Wandnische mit einer betongegossenen Konsolbüste des Merkur, dem Gott des Handels. Der Gebäudeteil schließt nach oben mit einem geschweiften Segmentbogengiebel ab. 

Das Hauptstück und Blickfang dieses Arrangements ist die am 31. August 1897 enthüllte Kaiserstatue aus Bronze. Dass der Leipziger Bildhauer Carl Seffner Bronze für seinen Entwurf verwendete, war zu der Zeit von Stein- und Stuckfiguren eher ungewöhnlich. Gefertigt wurde die Statue von der Dresdner Glocken- und Kunstgießerei Albert Bierling. 

Kaiser Maximilian wurde entsprechend der Mode der Zeit in eleganter Renaissancerüstung abgebildet. Er trägt einen charakteristisch kurzen Waffenrock und dazu ein schräg sitzendes Barett. Seine Brust ziert eine Kette mit dem Zeichen des Ordens vom Goldenen Vlies, dessen Souverän er war. In seiner Rechten trägt er ein zusammengerolltes, gesiegeltes Dokument, vermutlich das Messeprivileg. Seine linke Hand ruht auf dem Schwert. Mit einem leicht überheblichen Blick und hängenden Mundwinkeln blickt er auf das Treiben unter ihm. Ihm zu Füßen ist die Inschrift „Kaiser Maximilian I. / Carl Seffner 1897“ zu lesen. Diese wurde nachträglich im Jahr 1997 angebracht. Im Jahr 1989, nachdem die Statue alle Bombenangriffe und jegliche Gefahren überlebte, wurde sie zu Restaurierungszwecken abgenommen und kehrte 1995 nach einem kurzen Zwischenstopp in Wien wieder an ihren Platz zurück.

Der letzte Ritter


Kaiser Maximilian I. stammte aus dem Hause Habsburg und wurde am 22. März 1459 in der Wiener Neustadt geboren. Als einziger Erbe von Kaiser Friedrich III. heiratete er 1477 Maria von Burgund. Im Jahre 1486 wird er zunächst römisch-deutscher König, bevor er 1493 die Regentschaft seines Vaters übernahm. 1508 wurde er schließlich zum römisch-deutschen Kaiser ausgerufen.
Durch seine Vorliebe für Turniere trug er den Beinamen „der letzte Ritter“. Während er Innsbruck zu seinem bevorzugten Aufenthalt erklärte, hatte er Leipzig vermutlich nie gesehen. Kaiser Maximilian I. verstarb am 12. Januar 1519 in Wels auf einer Durchreise von Innsbruck nach Linz. 

Stand: 10.01.2024

Bildergalerie - Kaiser-Maximilian-Denkmal

Historisches Bildmaterial - Kaiser-Maximilian-Denkmal

Faust-Skulpturen in der Mädler-Passage

Grimmaische Straße 2-4 | Ortsteil: Zentrum

Sobald der Haupteingang der Mädler-Passage von der Grimmaischen Straße kommend passiert ist, fällt der Blick direkt auf die überlebensgroßen Gestalten am Treppenabgang zum Auerbachs Keller. Seit 1913 stehen hier die Faust-Skulpturen – ausdrucksvolle Statuen deutscher Literaturgeschichte.

Auf einen Tanz mit dem Teufel


Die Figurengruppen mit den 2 Meter hohen Bronzefiguren zieren den Eingang zum Restaurant Auerbachs Keller. Einst wurden sie vom Leipziger Bildhauer und Jugendstilkünstler
Mathieu Molitor entworfen. Er gewann den Wettbewerb, der vom Bauherrn der Mädler-Passage, dem Kofferfabrikanten Anton Mädler, initiiert wurde. Gegossen wurden die Figuren schließlich von der Gladenbeck AG Berlin-Friedrichshagen, bevor sie im September 1913 aufgestellt wurden. 

Die Statuen lassen sich in zwei Figurengruppen einteilen. Auf der einen Seite stehen Faust und Mephisto, die sich drei Gesellen gegenübersehen. Während Faust den Arm erhoben hat, beugt sich der mittlere Geselle nach vorn und ballt die Hand zur Faust. Scheinbar nur mühsam lässt er sich von seinen Kollegen abhalten, handgreiflich zu werden. Dieses Schauspiel gibt die Szene aus Johann Wolfgang Goethes Faust I wieder, in der Mephisto die drei Gesellen in seinen Bann zieht und der Wein aus dem Tisch läuft und Feuer fängt. Die Gesellen erwachen genau in diesem Moment aus ihrem Zauberrausch.

Ein bisschen Glück schadet nie


Der Standort der Figuren kommt nicht von ungefähr, war doch Auerbachs Keller neben dem Fassritt Fausts auch der Austragungsort für die dargestellte verwunschene Szene. So dienen die Skulpturen nicht zuletzt auch der Werbung für das Restaurant, das heute zu den berühmtesten fünf Restaurants weltweit gehört. Auffällig ist auch der linke Fuß von Faust, der von einer Vielzahl von Berührungen schon golden glänzt. Ähnlich wie in Verona die Julia-Statue, soll auch hier das Berühren des Fußes Glück bringen.

Stand: 10.01.2024

Bildergalerie - Faust-Skulpturen in der Mädler-Passage

Historisches Bildmaterial - Faust-Skulpturen in der Mädler-Passage

Pusteblumen-Brunnen

Richard-Wagner-Platz | Ortsteil: Zentrum

Auf dem Richard-Wagner-Platz fanden die Pusteblumen-Brunnen vom Leipziger Bildhauer Harry Müller ihr neues Zuhause. Bereits 1972 wurden sie von ihm erbaut und machen mit ihrem originellen Aussehen ihrem Namen alle Ehre.

Der Pusteblumen-Vater


Harry Müller wurde am 29. September 1930 in Leipzig geboren. In den 1950er Jahren absolvierte er die Ausbildung an der Fachhochschule für angewandte Kunst in Leipzig, bevor er ein Studium zur Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißenfels antrat. Seine Leidenschaft widmete er der eher abstrakten Kunst, wodurch er in der DDR zum Einzelgänger wurde. Seine Kunst galt als anders, als fern der üblichen Figur. Das war auch der Grund, weshalb Harry Müller kaum eigene Ausstellungen präsentieren konnte. 

Seinen Aufschwung erlebte Müller schließlich für die von ihm geschaffene Fassade des ehemaligen Konsument-Warenhauses am Brühl. Das von den Leipzigern „Blechbüchse“ genannte Gebäude wurde zwischen 1967 und 1969 erbaut und ist heute noch als anspruchsvolles Entree für die Höfe am Brühl ersichtlich. Die Fassade besteht aus Aluminium und die Paraboloid-Elemente stehen heute unter Denkmalschutz.

1972 vs. 2013 – Drei Pusteblumen ziehen um


Nach der verdienten Anerkennung für die Gestaltung des Warenhauses widmete sich Harry Müller 1972 dem Bau der drei Pusteblumen. Sie bestehen aus jeweils 1.000 Einzelteilen und sind aus Chrom, Nickel und Stahl gefertigt, wodurch sie nicht rostanfällig sind. Die circa drei Meter hohen Plastiken wurden ursprünglich für den ehemaligen
Sachsenplatz errichtet. Dort standen sie in quadratischen Brunnenbecken, bis im Jahr 1999 der Sachsenplatz im Zuge einer Neubebauung weichen musste. Hier befindet sich heute das quaderförmige Museum der bildenden Künste Leipzig mit seinen vier Eckbebauungen. Somit verschwanden auch die Pusteblumen für viele Jahre und wurden auf dem Materialplatz des Tiefbauamtes der Stadt Leipzig gelagert. 

Anfang der 2010er Jahre nahm sich die Firma Stahlbau Werner der Kunstwerke an und sanierte die Pusteblumen. Da Harry Müller großen Wert auf seine Konstruktion legte, begleitete er die Sanierung bei jedem Schritt. Nach einer langen Debatte um den Standort und die Kostenübernahme einigte man sich schließlich auf den damals neu entstehenden Richard-Wagner-Platz. Seit dem Frühjahr 2013 ist dieser nun das Zuhause der drei Pusteblumen, die jeweils einen eigenen Brunnen erhielten. Somit stehen sie ganz in der Nähe ihres ursprünglichen Standorts und sind ein beliebter Treffpunkt, um zu verweilen. 

Von Skatern und Marktschreiern


Die Neukonstruktion des Richard-Wagner-Platzes wurde bereits seit Ende der 2000er Jahre diskutiert. Neben den Pusteblumen-Brunnen sah die Planung auch die Errichtung der Skateranlage vor. Ebenso standen 59 Bäume auf dem Plan, um die Innenstadt grüner werden zu lassen. Auch eine neue Beleuchtung sollte den Platz mit Beginn der Dämmerung in Szene setzen. 

Heute ist der Platz voller Leben. Skater ziehen ihre Bahnen, Menschen sitzen auf dem Rand der Brunnen und sehen dem Wasserspiel zu. Restaurants haben ihre Freisitze aufgestellt und auch für Marktstände ist genug Platz. Denn jeden Samstag findet auf dem Richard-Wagner-Platz von 10 bis 16 Uhr der beliebte Wochenmarkt statt. 

Stand: 17.12.2023

Bildergalerie - Pusteblumen-Brunnen

Historisches Bildmaterial - Pusteblumen-Brunnen

Klassik airleben

Rosental | Ortsteil: Zentrum-Nord

Wenn es tausende Menschen mit Picknickdecken, Proviantkörben und Lust nach Musik ins Leipziger Rosental zieht, dann findet wieder das „Klassik airleben“ statt. Jährlich lässt das Gewandhausorchester bei seinem Open-Air-Festival an zwei Sommerabenden klassische Musik durch die Stadt erklingen.

Ein Festival zum Höhepunkt


Das Musikfestival „Klassik airleben“ bildet den Höhepunkt und zugleich auch Abschluss der Spielzeit des Gewandhausorchesters. Jährlich im Juni oder Juli erklingen an zwei aufeinanderfolgenden Abenden mit einsetzender Dämmerung gegen 20:30 Uhr die Melodien bekannter Stücke. Durch die Lautsprecher und zwei Großleinwände können Interessierte dem kostenlosen Konzert lauschen und entspannt von der Picknickdecke betrachten.

Auch für jüngere Musikbegeisterte hat das Festival viel zu bieten. Jeweils am Samstag gibt es bereits ab 16 Uhr ein Extraprogramm für Kinder. Die sogenannten Zwergenkonzerte warten mit kinderfreundlichen Stücken. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Musiker kennenzulernen und Instrumente auszuprobieren. Zelte mit verschiedenen Bastelstraßen lassen die Kreativität höher leben und auch mit den angebotenen Spiel- und Entdeckungsmöglichkeiten wird es nicht langweilig.

Klassik für Jedermann


Bereits seit 2003 ist das Rosental direkt neben dem
Zoo Leipzig der Veranstaltungsort des Festivals, das vom Gewandhaus zu Leipzig organisiert wird. Zunächst wurde es lediglich als Ausweichmöglichkeit gesehen, da wegen des Baus des neuen City-Tunnels der Markt als Spielstätte nicht nutzbar war. Dies gefiel allen Beteiligten so gut, dass es im nächsten Jahr, 2004, wiederholt wurde und es einen offiziellen Auftakt unter der Leitung des damaligen Gewandhausdirigenten Herbert Blomstedt gab. In den ersten Jahren wurde die Wiese noch umzäunt und Einlasstickets verkauft. Die Open-Air-Veranstaltung entwickelte sich zum festen Bestandteil der Spielzeit des Gewandhausorchesters, musste jedoch zwischenzeitlich durch fehlende Mittel ausfallen.

2014 stieg schließlich die Porsche AG als Hauptsponsor ein und das „Klassik airleben“ konnte, diesmal bei freiem Eintritt, wieder realisiert werden. Seitdem erklingen Meisterwerke großer Komponisten. Dabei wird das Gewandhausorchester von wechselnden Solisten aus der ganzen Welt unterstützt.

Die Gründung des Gewandhausorchesters


Das Gewandhausorchester besteht aus 185 Berufsmusikern. Mit der Gründung der Konzertgesellschaft „Das Große Concert“ im Jahr 1743 ist es das wohl älteste bürgerliche Sinfonieorchester der Welt. Seinen ersten Konzertsaal und den heutigen Namen erhielt das Gewandhausorchester im Jahr 1781 mit dem Umzug in die Gewerbehalle der Tuchmacher, dem Gewandhaus.
Seit 1981 spielt das Gewandhausorchester im Konzerthaus am Augustusplatz in Leipzig.

Stand: 17.12.2023

 

Bildergalerie - Klassik airleben

Gellert-Denkmal

Schillerstraße – Promenadenring | Ortsteil: Zentrum

Dem Dichter Christian Fürchtegott Gellert zu Ehren ließ der Buchhändler Johann Wendler 1774 ein Denkmal errichten. Nur fünf Jahre nach dessen Tod wurde das originale Gellert-Denkmal erbaut, das jedoch weder im Originalzustand noch am Originalplatz heute zu sehen ist.

Das Leben des Christian Fürchtegott Gellert


Christian Fürchtegott Gellert wurde am 4. Juli 1715 als neuntes von dreizehn Geschwistern in Hainichen geboren. Im Jahr 1734 kam er nach Leipzig und studierte dort mit zwischenzeitlicher Unterbrechung Theologie an der
Universität Leipzig. Schließlich wurde Gellert dort Professor für Poesie, Beredsamkeit und Moral, wobei er sich auf Prosa spezialisierte. Ein Schwerpunkt seines Seminars, das auch Johann Wolfgang Goethe seiner Zeit besuchte, war der Briefstil. Daneben schrieb und dichtete er Werke, wovon vor allem seine Fabeln große Bekanntheit erlangten. Aber auch Lustspiele, ein Roman, Lehrgedichte, Erzählungen sowie geistliche Oden und Lieder gehörten dazu. Sein gesamtes Leben in Leipzig wohnte er zurückgezogen und in einfachen Verhältnissen, bis er schließlich am 13. Dezember 1769 starb.

Ein Umzug kommt selten allein


Nur einige Jahre nach Gellerts Tod gab der Buchhändler Johann Wendler, der Gellerts Schriften verlegte, ein Denkmal für Gellert in Auftrag. Die Entwürfe dafür kamen von
Adam Friedrich Oeser, einem Freund Gellerts, und wurden von dessen Schüler, dem Bildhauer Friedrich Samuel Schlegel ausgeführt. Am 6. Februar 1774 wurde schließlich das Original-Denkmal in Wendlers Garten an der Johannisstraße errichtet.

Nach Wendlers Tod wurde das Gellert-Denkmal an die Universität übergeben, wo es seinen Platz im Burscherschen Garten des Paulinums fand. Im Jahr 1842 gab man es an die Stadt weiter, die es auf den Schneckenberg am Schwanenteich stellte. Somit stand es in unmittelbarer Nähe zu Gellerts einstiger Wohnung in der Ritterstraße 14. 

Doch auch dieser Standort sollte noch nicht der letzte gewesen sein, denn 1864 musste das Denkmal dem Bau des Neuen Theaters weichen. Den Abbau überstand das Denkmal jedoch nicht und zerfiel. Übrig blieb nur das Bildnismedaillon, das heute im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig ausgestellt ist. Auch das Modell des Denkmals ist hier verwahrt. Nach diesem Modell wurde das Gellert-Denkmal im Jahr 1909 vom Bildhauer Max Lange nachgebaut. Diese Nachbildung steht heute in den Anlagen des Promenadenrings zwischen Schillerstraße und Universitätsstraße.

Dem Andenken Gellerts gewidmet


Den Sockel des Gellert-Denkmals bildet ein quadratischer Unterbau mit einem Lorbeerkranz, auf dem ein Säulenstumpf nach oben ragt. Während der originale Säulenstumpf aus Sandstein bestand, ist die Nachbildung heute aus Marmor gefertigt. Auf der Säule ist eine geschmückte Urne zu sehen, die von drei Grazien in Kindergestalt geehrt wird und Gellerts Andenken bewahren. Auch ein Bildnisrelief befindet sich hier und zeigt den Dichter im Profil. Zwei der Kinderfiguren neigen sich über die Urne, während die dritte das Bildnisrelief mit einer Girlande schmückt. 

Auf der Rückseite des Sockels befindet sich eine Inschrift: „MEMORIAE/ C.F.GELLERT/ sacrum (dem Andenken Gellerts gewidmet, d.A)“. Das Denkmal hat eine Gesamthöhe von 3,75 Metern.

Drei Denkmäler für Gellert


Neben dem Gellert-Denkmal an der Schillerstraße gibt es noch weitere Andenken an Gellert, die jedoch nicht mehr alle zu sehen sind. So erbaute Oeser 1781 ein weiteres Denkmal, das im Garten des
Gohliser Schlösschens steht. Initiator für das sogenannte Gellert-Sulzer-Denkmal war der Verleger Philipp Erasmus Reich

Einst erinnerte noch ein Gellert-Denkmal im Rosental an den Dichter und Fabelschreiber. Am östlichen Rand des Rosentals stand ein Marmor-Standbild von 1865. Es stammte vom Bildhauer Hermann Knaur und zeigte einen roten Sandsteinsockel mit Sinnsprüchen von Gellert. Allerdings wurde es im Jahr 1919 abgetragen.

Freundeskreis Gellert Leipzig


Um den 300. Geburtstag Gellerts im Jahr 2015 gebührend zu organisieren, gründete sich im Mai 2014 der Freundeskreis Gellert Leipzig. Auf deren Initiative hin wurde an der ehemaligen Wohnstätte in der Ritterstraße 14 eine
Gedenktafel – Christian Fürchtegott Gellert angebracht. Auch das Grab auf dem Südfriedhof wurde neugestaltet und mit einer Stele versehen. Doch dort befand es sich nicht immer, denn Gellert wurde zunächst auf dem Alten Johannisfriedhof begraben. Nach dem Umbau der Johanniskirche wurden seine Gebeine im Jahr 1900 in die Bach-Gellert-Gruft unter den Altarraum umgelagert. Zum gleichen Zeitpunkt setzte man dort auch den ehemaligen Thomaskantor Johann Sebastian Bach bei. 

Nach der Kriegszerstörung der Johanniskirche wurde Gellert 1949 in die Universitätskirche umgebettet, die jedoch 1968 auf Weisung der SED gesprengt wurde. So kamen Gellerts Gebeine 1969 schließlich auf den Südfriedhof, wo er seine bis heute letzte Ruhestätte fand. Johann Sebastian Bachs Gebeine wurden 1949 in die Thomaskirche überführt und im Altarraum beigesetzt.

Die Bach-Gellert-Gruft ist noch heute auf dem Johannisplatz erhalten, wurde aber beim Abriss der Johanniskirche zugeschüttet. Der Johanniskirchturm Verein bemüht sich seit Jahren, diese historisch bedeutende Stätte für Interessierte wieder sichtbar zu machen. 

Stand: 17.12.2023

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Historisches Bildmaterial - Gellert-Denkmal

Altes Bach-Denkmal

Dittrichring (gegenüber Nr. 8) | Ortsteil: Zentrum

Das Alte Bach-Denkmal wurde am 23. April 1843 zu Ehren des einstigen Thomaskantors Johann Sebastian Bach vor der damaligen Thomasschule enthüllt. Heute steht die aus Sandstein gefertigte Säule auf dem Promenadenring zwischen Thomaskirche und Dittrichring und gilt als das weltweit älteste Bachdenkmal.

Ein Mann großer Werke


Ein Leipzig ohne Johann Sebastian Bach kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Nicht umsonst gilt er als einer der wichtigsten Wegbereiter und Begründer Leipzigs als Musikstadt. Geboren am 21. März 1685 in Eisenach, zog es ihn für seine Hauptschaffensperiode nach Leipzig, wo er zwischen 1723 und 1750 als Musikdirektor und Kantor in den vier großen Kirchen wirkte. Vor allem in der Thomaskirche war er sehr aktiv und leitete dort den schon damals weltberühmten
Thomanerchor. Neben der Ausbildung von über 300 Thomanern schuf er jeden Sonntag neue Kantaten und komponierte große Werke wie die berühmte Matthäus-Passion und die Johannes-Passion. Er galt als einer der geistreichsten und größten Klavier- und Orgelspieler und dennoch nahm die Stadt seinen Tod am 28. Juli 1750 kaum zur Kenntnis. Bach wurde im vorderen Teil des Alten Johannisfriedhofs begraben und geriet schnell in Vergessenheit. Grund hierfür war der Wandel des musikalischen Geschmacks, nach dem der Barockstil als altmodisch betitelt wurde. 

Die Bach-Renaissance wird ausgerufen


Wie sehr Bach in Vergessenheit geriet, macht eine Schrift von
Robert Schumann deutlich: „Viele Stunden lang forschte ich kreuz und quer, ich fand keinen J. S. Bach. Als ich den Totengräber darum fragte, schüttelte er über die Obskurität des Mannes den Kopf und meinte, Bachs gäbs viele…“.

Schließlich waren es Vertreter der musikalischen Romantik, die Bach und seine Werke wiederentdeckten. Allen voran war hier der Komponist und spätere Gewandhauskapellmeister Felix Mendelssohn Bartholdy beteiligt. Er war es, der die Musik Johann Sebastian Bachs wieder in die Kirchen und auch auf die Bühnen brachte. Mit seiner Aufführung der Matthäus-Passion 1829 in der Berliner Singakademie löste er eine europaweite Bach-Renaissance aus. Mendelssohn gab auch den Anstoß, Bach durch ein Denkmal in seiner langjährigen Wirkstätte Leipzig zu ehren. Dafür sammelte er selbst Einnahmen aus extra dafür angesetzten Konzerten, natürlich mit Bachs Werken. Darunter war die Matthäus-Passion vertreten, die dadurch am 4. April 1841 erstmals in Leipzig wiederaufgeführt wurde. Die Erlöse der Konzerte flossen in die Umsetzung des Bach-Denkmals. 

Ein Denkmal für Bach


Mit dem Denkmal beauftragt wurde der Dresdner Akademieprofessor
Eduard Bendemann. Unterstützung erhielt er von Julius Hübner und Ernst Rietschel. Die sich nach oben verjüngende Säule aus Sandstein wurde schließlich vom Bildhauer Hermann Knaur und dem Leipziger Steinmetzmeister Friedrich Moritz Hiller realisiert. Der Mittelteil mit seinem Säulenbündel und den vier freistehenden, gewundenen Ecksäulen steht auf einem sechseckigen Sockel. Obenauf befindet sich ein Gehäuse mit vier gotischen Tabernakeln, zu jeder Himmelsrichtung eine. Die Nordseite ist geprägt von der Büste des Komponisten als Halbplastik. Zur Ostseite hin ist ein orgelspielender Genius zu sehen, der Bach als Künstler und Orgelspieler darstellt. Einen Hinweis auf den Komponisten der Kirchenmusik zeigt das Relief zur Südseite. Hier sind zwei Genien abgebildet, mit Palmenzweigen und Dornenkronen. Auf der Westseite ist schließlich ein Schüler unterrichtender Genius zu sehen, der den Lehrer- und Kantorberuf Bachs darstellt. Als Genius wird der persönliche Schutzgeist eines Mannes mit dem Ausdruck seiner Persönlichkeit bezeichnet. Bekrönt wird das Denkmal mit einer Kreuzblume. Ein schmiedeisernes Gitter mit bronzenen Zierteilen umfasst das Kunstwerk, dessen Errichtung sich im Jahr 2035 zum 200. Mal jährt. 

1843 wurde die Säule an seinem Platz, der damals unmittelbar hinter der Thomasschule lag, aufgestellt. Nach einem von Mendelssohn veranstaltetem Konzert im Gewandhaus zu Leipzig wurde es am 23. April 1843 feierlich enthüllt und der Stadt übergeben. Hier war unter anderem auch ein Enkel Bachs, ein 81-jähriger Mann, samt Familie aus Berlin angereist. 

Der Gedenkstein wurde im Laufe der Zeit mehrmals restauriert, jedoch nie beschädigt oder zerstört. Er überstand somit alle gesellschaftlichen Umbrüche und auch Bombenangriffe auf Leipzig. 

Ein Denkmal kommt selten allein


In unmittelbarer Nähe des Alten Bach-Denkmals wurde anlässlich des 200. Geburtstages Johann Sebastian Bachs ein weiteres Denkmal errichtet. Direkt vor dem Südportal der Thomaskirche steht nach einigen Jahren der Planung eine überlebensgroße Statue Bachs aus Bronze. Der Entwurf von
Carl Seffner zeigt Bach als vitalen Kantor und Komponisten vor einer Orgel stehend. Das neue Bach-Denkmal wurde am Kantaten-Sonntag am 17. Mai 1908 eingeweiht. Gemeinsam mit der dahinter liegenden Thomaskirche als Wirkstätte Bachs bot dieser Ort einen historischen Rahmen für die Errichtung des Denkmals. Nicht zuletzt deshalb, weil die vermeintlichen Überreste Bachs in der Thomaskirche unter einer bronzenen Grabplatte ruhen. Direkt gegenüber können Interessierte in das Leben und Wirken Bachs eintauchen. Im 1711 erbauten Bosehaus befindet sich heute das Bach-Museum. Bach verkehrte oft hier, da er mit dem Kaufmann Georg Heinrich Bose und seiner Familie gut befreundet war. Beide Familien musizierten gern miteinander. Im Jahr 1985 zog das Bach-Archiv ins Bosehaus und eröffnete die erste Ausstellung des Bach-Museums. 

Stand 29.11.2023

Bildergalerie - Altes Bach-Denkmal

Historisches Bildmaterial - Altes Bach-Denkmal

Lene-Voigt-Park

Reichpietschstraße | Ortsteil: Reudnitz-Thonberg

Der Lene-Voigt-Park ist eine 10,5 Hektar große Parkanlage im Leipziger Stadtteil Reudnitz-Thonberg. Er befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Eilenburger Bahnhofs etwa zwei Kilometer östlich des Stadtzentrums zwischen Gerichtsweg, Riebeckstraße und Reichpietschstraße. Benannt wurde der Park nach der sächsischen Schriftstellerin und Mundartdichterin Lene Voigt, die um 1920 am damaligen Eilenburger Bahnhof lebte. Das 800 Meter lange und zwischen 80 und 130 Meter breite Arial stellt eine wichtige grüne Oase im einstigen Graphischen Viertel dar.

Die Geschichte eines vergessenen Bahnhofs


In der damals noch selbstständigen Gemeinde Reudnitz lag ab 1872 der Eilenburger Bahnhof als einer der größeren Bahnhöfe Leipzigs. Bis 1942 diente er als Bahnhof für Personenverkehr und verband
Eilenburg mit Leipzig. Zwischen 1874 und 1876 wurde dafür ein Empfangsgebäude errichtet. Der Backsteinbau beherbergte Warte- und Speisesäle und wurde vom Architekten Richard Steche entworfen. 

Im Laufe der Zeit entwickelte sich nördlich und südlich des Bahnhofs das Druckgewerbe und Verlage ließen sich nieder. Dies brachte dem Stadtteil Aufschwung und gab ihm den Namen Graphisches Viertel. Als 1915 der Hauptbahnhof in Betrieb genommen wurde und den Fernverkehr übernahm, sank die Bedeutung des Eilenburger Bahnhofs jedoch. Hier wurden nur noch Personennah- und Güterverkehr entlang geleitet. 

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Stadtviertel schwere Bombenschäden und auch das Empfangsgebäude wurde komplett zerstört. Der bereits 1942 eingestellte Personennahverkehr wurde deshalb nicht mehr aufgenommen. Bis in die 1970er Jahre diente der Eilenburger Bahnhof nur noch zur Güterabfertigung. Danach wurde er als Abstellplatz verwendet, bis er nach und nach verödete.

Vom Lost Place zum Hotspot


Im Jahr 1997 beschloss der Leipziger Stadtrat, auf dem verlassenen Gelände einen Stadtpark zu errichten. Ziel war der Aufschwung des Viertels, dessen Bedeutung seit der deutschen Teilung stark zurückgegangen war. So entstand zwischen 2000 und 2004 eine Grünanlage mit regelmäßigem Charakter nach einem Gesamtkonzept des Berliner Landschaftsbüros Kiefer. Die markante längliche Struktur des ehemaligen Bahnhofs blieb dabei erhalten. Diese wurde in drei wesentliche Parkräume eingeteilt. Auf den früheren Bahnanlagen entstand in Ost-West-Ausrichtung ein langgestrecktes Zentrum aus Grünstreifen und Promenaden. Mit Klinker und Ausschussmaterial gefüllte Drahtkäfige, sogenannte Garbionenmauern, dienen gemeinsam mit integrierten Bänken und einer Birkenbepflanzung als Abgrenzung zu den nördlich liegenden Gartenbereichen. Diese werden als individuelle Bewohnergärten genutzt. Markant sind auf dieser Seite auch die oberirdisch verlaufenden Heizungsrohre, die die Eingänge umfassen. Im Süden entstanden mehrere Funktionsräume, einzeln abgetrennt durch Hainbuchenhecken und Stahlelementen. Diese Aktionsbereiche umfassen Spielplätze und einen Märchenwald, Tischtennisplatten und Beachvolleyballfelder sowie Balancespiele und eine Kletterwand. 

Im Planungsprozess gab es eine breite Bevölkerungsbeteiligung. Durch Bürgerforen, Jugendcamps und Workshops konnten sich die Bürger einbringen. Dank diesem großen Raum für eine bürgerliche Mitwirkung wurde 2002 der Europäische Preis für Landschaftsarchitektur verliehen.

Die Ruinen des Parks


Zwischen parktypischem Getümmel stehen noch immer drei verlassene Gebäuderuinen, denen eher weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. So befinden sich am westlichen Ende des Parks zwei ehemalige Güterabfertigungsgebäude. Hohe Zäune sollen Schaulustige vom Betreten abhalten. Während sich diese dennoch gut sichtbar in das Parkgefüge eingliedern, versteckt sich auf der anderen Seite, am östlichen Ende, der alte Lokschuppen. Dieser ist im Sommer fast vollständig von Grün bedeckt und so kaum einsehbar. Nur der Turm lässt die Ruine erahnen. Direkt daneben befindet sich der Anschluss an den begehbaren Grünzug der
Anger-Crottendorfer Bahnschneise. Der Radweg gehört zu dem Projekt Parkbogen Ost, welches den stillgelegten östlichen S-Bahnbogen erschließen und neu aufnehmen will.

Von Prinzessinnen im Holzschloss und Rittern in Secondhand-Ausrüstung


Der Lene-Voigt-Park bietet verschiedene Möglichkeiten für jedes Alter. Vor allem Kinder bis sechs Jahre sind vom Märchenwald-Spielplatz begeistert. Hier treffen Prinzessinnen im Holzschloss auf den Froschkönig oder doch direkt dem tapferen Ritter. Das Areal ist gut einsehbar und so bei Eltern beliebt. Für ältere Kinder gibt es direkt nebenan einen großen Spielplatz. Hier ist die Hauptattraktion die breite Rutsche. 

Auf dem Weg kann ein Stopp an „Lenes Tauscho“ gemacht werden. Der Schrank aus Stahl und Aluminium dient als Tauschregal und lädt zum Stöbern und Tauschen ein. Nicht mehr gebrauchte Gegenstände können hier abgelegt und nach neuen Fundsachen gesucht werden. So wechseln Kleider, Schuhe aber auch Bücher und Geschirr kostenlos den Besitzer. Das Tauschkonzept erfreut sich großer Beliebtheit, wird allerdings auch häufig Opfer von Randale. So brannte der 2021 erbaute erste Schrank im Mai 2023 vollständig aus. Im Juli 2023 konnte der „Lenes Tauscho“-Betreiber Aaron Krautheim mithilfe von Spendengeldern wieder einen neuen Schrank aufbauen.

Café auf Zack


Ein beliebter Treffpunkt am Lene-Voigt-Park ist das
Espresso Zack Zack. Die Kaffeebar wurde 2015 eröffnet und erfreut seitdem mit Kaffeespezialitäten, Röstkaffee vom Partner Omkafè und frischen Backwaren aus der eigenen Backstube die Kunden. Von Espressomaschinen über Kaffeemühlen, Milchaufschäumkännchen und sonstigen Utensilien gibt es außerdem alles, was zur Kaffeezubereitung im eigenen Heim zu gebrauchen ist.

Lene Voigt: Kabarettistin, Mundart-Dichterin, Leipziger Original


„Unsre alde Lene, so gud wie sie is geene!“ titelte eine Leipziger Tageszeitung am 23. Februar 2002, denn die sächsische Mundart-Dichterin war zu diesem Zeitpunkt auf den Leipziger Bühnen mit sieben Programmen präsent. Die Unsterblichkeit von Lene Voigt setzte jedoch erst in den 1980er Jahren ein. Besonders der Schriftsteller
Wolfgang U. Schütte trug mit seinen jahrzehntelangen Forschungen dazu bei, ihr Werk systematisch zu erschließen. Ab 1983 wurden Voigts Bücher wieder aufgelegt. Erster DDR-Verleger ihrer Werke war Norbert Molkenbur. Vorher war das Leipziger Original – das sächsisch als ihre „Vatersprache“ bezeichnete, denn nur ihr Vater habe Dialekt gesprochen – nahezu vergessen. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden ihre Schriften verboten, da sie den „sächsischen Stamm“ verunglimpften und in linksorientierten Zeitungen veröffentlicht wurden. Während der DDR war sächsisch ebenfalls nicht erwünscht. Heute erfreut sich Lene Voigts Werk jedoch einer umso größeren Beliebtheit.

Stand: 29.11.2023

Bildergalerie - Lene-Voigt-Park

Historisches Bildmaterial - Lene-Voigt-Park

Mägdebrunnen

Roßplatz | Ortsteil: Zentrum-Südost

Der Mägdebrunnen wurde am 31. Mai 1906 von Bildhauer Werner Stein errichtet und macht mit der wassertragenden Mädchenfigur in der Mitte seinem Namen alle Ehre. Anlässlich eines Heimatfestes stifteten auswärtige Leipziger die Mittel zum Bau.

Der Umzug der Wasserträgerin


Mit der Neubebauung des Rings in den 1950er Jahren mussten einige Straßenzüge und Gebäude weichen. Als einziger Rest der historischen Bebauung wurde der Mägdebrunnen in die Pläne mit einbezogen. Stand er bis zum Zweiten Weltkrieg noch vor der Kreishauptmannschaft, fließt sein Wasser nun am Ende des Roßplatzes zwischen
Europahaus und Goldschmidtstraße.

Auf der mittig aufgestellten Säule steht eine überlebensgroße Bronzefigur einer Wasserträgerin. Die Mädchenfigur ist sehr fein und detailreich gestaltet und wurde von der Bronzebildgießerei Brückner und Noack gegossen. Die Säule ist mit plastischen Löwenköpfen verziert und steht in einem sechsseitigen Wasserbecken aus hellem Muschelkalkstein. An drei der Brunnenseiten sind kleine Steinbecken vorgelagert, die mit kaum noch lesbaren Inschriften verziert sind. Hier ist zu lesen: 

„Wer mit will trinken, muss mit klinken / Wasser nimmt alles weg, Nur schlechte Reden nit / Wer rein Wasser will, Muss reine Kannen han“ 

Das Wasserbecken ist von einem kunstvoll geschmiedeten Gitter umgeben. Daran sind Hebelarme befestigt, die das aus den Löwenköpfen sprudelnde Wasser auffangen können. 

Neben Werner Stein haben ebenfalls Baumeister Enke, der Steinmetzmeister Laux und der Bauklempner Wermann an dem Brunnen gearbeitet.

Von Lästereien am Brunnen


Der Mägdebrunnen nimmt Bezug auf die bekannte Brunnenszene aus Goethes
„Faust“. In dieser Szene treffen sich Lieschen und Gretchen zum Wasserholen und Tratschen dabei. Lieschen lästert über Bärbel, da diese unehelich schwanger und nun sitzen gelassen wurde: „Sie füttert zwei, wenn sie nun isst und trinkt. […] So ists ihr endlich recht ergangen“ (V. 3549-4551). Gretchen empfindet jedoch Mitleid und fühlt sich in einer ähnlichen Lage mit ihrer Beziehung zu Faust. 

Dass „Faust“ in Leipzig eine große Rolle spielt, wird auch in der berühmten Szene im Auerbachs Keller deutlich. Während seines Studiums in Leipzig von 1765 bis 1768 verbrachte Johann Wolfgang Goethe viel Zeit in dem Studentenlokal Auerbachs Keller. Hier sah er die beiden um 1625 entstandenen Bilder auf Holz von Dr. Faustus, die ihn zu der Szene inspirierten.

Stand: 29.11.2023

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Märchenbrunnen

Dittrichring 10 | Ortsteil: Zentrum

Der Märchenbrunnen bildet eins der wohl bekanntesten Märchen der Brüder Jakob und Wilhelm Grimm ab. Der Bildhauer Josef Mágr verewigte in einem dreiteiligen Monument von 1906 das Märchen von Hänsel und Gretel und zeigt in verschiedenen Motiven ihre Geschichte.

Hänsel und Gretel verliefen sich im Park


Nur wenige Meter vom
Mendelssohn-Denkmal entfernt erstreckt sich in den Anlagen des Promenadenrings am Dittrichring ein 10 Meter langes Denkmal. Das Zentrum des aus Muschelkalkstein erbauten Monuments bildet ein Brunnen, der einer Grotte ähnelt. Hier sind die lebensgroßen Bronzefiguren von Hänsel und Gretel auf einem Sockel zu sehen. Der Junge ist gerade dabei, Wasser zu schöpfen und seiner knienden Schwester etwas davon zu reichen. Über ihnen befindet sich ein Steinrelief der Knusperhexe, auf deren Kopf ein Rabe thront. 

Zu beiden Seiten der Grotte sind Ruhebänke in den Stein gelassen. Darüber zeigen jeweils Bronzereliefs Motive aus dem Märchen. So sind auf der linken Seite Hänsel und Gretel im Wald zu sehen, die gerade das Knusperhäuschen finden. Über der rechten Bank schließen die Eltern die heimgekehrten Geschwister in ihre Arme. Die Reliefs zeigen also den Anfang und das Ende des Grimms Märchen. 

Die originalen Bronzeteile von 1906 sind heute nicht mehr vorhanden. Sie wurden im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, da sie, wie viele Denkmäler, als „Metallspende des deutschen Volkes“ dienten. Sie wurden jedoch von den Leipziger Künstlerinnen Elfriede Ducke und Hanna Studnitzka im Jahr 1965 erneuert.

Die Gebrüder Grimm in Leipzig


Nachdem die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm ihre Anstellung in Göttingen durch Proteste gegen den Verfassungsbruch des Königs von Hannover verloren hatten, kam die Überlegung auf, nach Leipzig zu ziehen. Dafür reiste Jakob Grimm in die Stadt, um einen Eindruck zu bekommen und Unterkünfte zu besichtigen. In Briefen an seinen Bruder wird jedoch ersichtlich, dass er Leipzig als zu vornehm, zu groß und zu teuer empfand. Durch diesen schlechten Eindruck verwarfen sie Leipzig als möglichen Wohnsitz wieder. Jedoch bekamen sie dennoch Unterstützung von liberalen Leipziger Bürgern, zu denen auch
Karl Reimer und Salomon Hirzel, Inhaber einer Buchhandlung, gehörten. Sie schlugen den Brüdern vor, gemeinsam mit ihnen ein neuhochdeutsches Wörterbuch herauszubringen. Seitdem waren Grimms oft zu Gast in Leipzig und trafen dort auf die Germanisten Moritz Haupt, Rudolf Hildebrand und Friedrich Zarncke sowie auf den Verleger Hermann Härtel. Anfang Mai 1852 kam schließlich die erste Fassung des „Deutschen Wörterbuchs“ heraus.

Von Märchen und Skandalen


Zum Ärger der Gebrüder Grimm waren ihre Märchen oft Opfer von Plagiat. Die Märchen wurden ohne Einverständnis gedruckt und verkauften sich oft besser als die Originale, da Illustrationen eingefügt wurden. Die Klagen gegen diese Veröffentlichungen reichten teilweise bis nach dem Tod der beiden. Im Jahr 1893 erlosch schließlich das Copyright für die Märchen und vor allem Leipziger Verlage erteilten für sie Illustrationsaufträge. Berühmtheit erlangte eine Ausgabe mit Zeichnungen von
Otto Ubbelohde, die 1907 bis 1909 im Turm-Verlag erschien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte man Grimms Märchen in der frühen DDR mitverantwortlich an der Katastrophe des Dritten Reichs. So durfte zum Beispiel Hänsel und Gretel bis Mitte der 1950er Jahre nicht mehr in Kinderbüchern veröffentlicht werden. Begründung hierfür war die Erinnerung der Hexenverbrennung an den Holocaust. 

Leipzigs private Kinderbuchverlage beschränkten sich demnach auf lediglich eine kleine Auswahl von Märchenbilderbüchern, während der Reclam-Verlag ab 1948 wieder für große Texteditionen in seiner „Universalbibliothek“ sorgte. Diesem Schritt folgten immer mehr Verlage, wie der Insel-Verlag oder der Leiv-Verlag.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…


Nicht nur der Märchenbrunnen erinnert heute an das Wirken der Brüder Jakob und Wilhelm Grimm in Leipzig. Auch das von Josef Mágr verzierte
Märchenhaus mit Fabelwesen in der Philipp-Rosenthal-Straße 21 und der Rathausbrunnen, im Volksmund Rattenfängerbrunnen genannt, sind genauso Zeugnisse wie viele Straßennamen im Stadtteil Marienbrunn

Zu Weihnachten im Jahr 1812 erschien zum ersten Mal die Publikation „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Seitdem wurden ihre Märchen in mittlerweile 160 Sprachen veröffentlicht. Anlässlich dessen erschien im Jubiläumsjahr 2012 eine dreibändige Ausgabe des Haffman Verlags.

Stand: 29.11.2023

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