Das frühere Planschbecken ist abgerissen, Platten aus dem Sandstein der Wege geborgen und zwischengelagert. Die zu DDR-Zeiten lange Zeit gepflegten Rosenrabatten sind ohnehin längst Geschichte. Nun will die Stadt Leipzig dem Siegfriedplatz wieder mehr Aufenthaltsqualität verleihen. Das ist Teil ihres Stadtplatzprogramms, das bis 2030 umgesetzt werden soll. Der Siegfriedplatz ist das Herz des Rundlings, der gern fotografierten und einzigartigen denkmalgeschützten Wohnanlage in Leipzig-Lößnig.
Vier abgerundete Häuserblöcke umschließen den Platz, vier kleine Straßen durchschneiden das Ensemble in jede Himmelsrichtung und münden so in einen Rundweg vor den Häusern. Sie sind nach der Nibelungensage benannt, denn offiziell trägt der Rundling den Namen Nibelungenring. Heute gehört das Wohnquartier der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB), die es auch saniert hat. Seit den 1980er Jahren steht das Ensemble unter Denkmalschutz.
Ritter entwirft Wohnanlage auf unbebautem Hügel
Konzipiert hat es der Architekt und Stadtbaurat Hubert Ritter. Es ist eine Antwort Leipzigs auf die große Wohnungsnot in den Jahren 1929/30. Der Architekt orientiert sich an Formen des „Neuen Bauens“. Ritter entwirft ein großes Wohnquartier mit 609 Wohnungen, das in drei parallelen Ringen um den zentralen Siegfriedplatz in leichter Hügellage gebaut wird. Auf einem unbebauten Hügel entsteht so die damals größte städtische Wohnanlage Leipzigs.
Ein besonderer Effekt wird dadurch erzielt, dass der innere Ring um den Siegfriedplatz viergeschossig ist. Damit ist er ein Stockwerk höher als die Häuser in den beiden äußeren Ringen. An der Westseite – dem eigentlichen Zugang zur Wohnanlage – entstehen Kopfbauten mit Verkaufseinrichtungen. Bei seiner Planung verzichtet Ritter ganz im Sinne des „Neuen Bauens“ darauf, Steildächer zu errichten. Dadurch kommt mehr Licht und Luft in die Häuser hinein, auch Treppenaufgänge werden teilweise verglast.
Helle Räume, grüne Höfe und Planschbecken
Seine Vision: Die Bewohner sollen sich in dem Ensemble wohlfühlen. Das gelingt durch helle Räume, grüne Höfe, Spielgelegenheiten für Kinder sowie Bänke zum Ausruhen. Im Rondell auf dem Siegfriedplatz gibt es sogar ein Planschbecken. Im Zweiten Weltkrieg muss die Anlage bei den Bombenangriffen der Alliierten auf Leipzig schwere Schäden verkraften. Fünf der insgesamt 24 Gebäude werden zerstört, manche nach Kriegsende notdürftig hergerichtet. 1965/66 beginnt der teilweise Wiederaufbau.
LWB erhält Preis für die Sanierung
Erst nach der deutschen Wiedervereinigung kann die LWB den Rundling sanieren. Das erfolgt in den Jahren 1993 bis 1997. Seitdem ist das Ensemble wieder vollständig, da die LWB damals Baulücken geschlossen und die fünf fehlenden Gebäude denkmalgerecht ersetzt hat. Für die Sanierung des Rundlings erhält das städtische Unternehmen den „Deutschen Bauherrenpreis“ auf der Baufachmesse 1996 in Essen.
Mit der Sanierung haben sich die Grundrisse der Wohnungen kaum verändert. Sie sind zwischen 45 und 90 Quadratmeter groß. Statt der damals üblichen Kohleheizung gibt es nun Fernwärme. Diese Bandbreite an Wohnungsgrößen ist gut für eine ausgewogene Sozialstruktur innerhalb der Siedlung – vom Single-Haushalt bis zum Familienwohnen ist hier vieles möglich. Der Rundling ist laut LWB ein sehr begehrtes Quartier.
Stand: 16.01.2025














