Der Name erinnert an einen polnischen König. Stanislaus I. Leszczyński wohnt 1706 im Gasthof Zum Birnbaum in der Hainstraße. Ihm zu Ehren wird der Gasthof dann 1832 in Hôtel de Pologne umbenannt. Das bedeutet eigentlich Hotel Polen. Doch in jener Zeit ist die Sprache in der gehobenen Gesellschaft Französisch.
Ein Hotel ist der Gebäudekomplex in der Hainstraße 16/18 zwar schon lange nicht mehr. Nach seiner Restaurierung ist es aber immer noch eines der schönsten Gebäude Leipzigs mit Festsälen, in denen Kongresse und Hochzeiten stattfinden. Von der Dachterrasse aus haben die Gäste einen wunderschönen Blick auf Leipzigs Innenstadt.
Leipzigs größtes Hotel hat 130 Zimmer
Der Gebäudekomplex besteht ursprünglich aus drei Grundstücken. Christian August Pusch erwirbt 1819 den Gasthof Zum Goldenen Adler, der schon um 1600 erwähnt wird. Vier Jahre später kauft er auch den zwei Grundstücke weiter gelegenen Gasthof zum Birnbaum, in dem der bereits erwähnte polnische König einst nächtigt.
1843 vereint Pusch alle drei Häuser unter dem Namen Hôtel de Pologne. Dabei lässt er vom Architekten Eduard Pötzsch einen reich dekorierten Festsaal einbauen. Dieser wird allerdings bei einem Brand 1846, der alle drei Häuser in Mitleidenschaft zieht, zerstört.
Der Komplex wird ein Jahr später neu gebaut – als einheitliches fünfstöckiges Gebäude. 1848 wird es wieder als Hôtel de Pologne eröffnet. Es ist damals das größte Leipziger Hotel und bietet seinen Gästen 130 Zimmer an. Im ersten Obergeschoss entstehen zwei Festsäle, die bis zu 1.500 Gästen Platz bieten.
Renaissance mit Büros für das Messeamt
Im April 1890 hat der damalige Eigentümer Pläne, eine König-Albert-Passage zwischen Hain- und Katharinenstraße zu errichten. Doch Bauherr Anton Schmidt hat sich verspekuliert und muss Konkurs anmelden. Eine Berliner Bank übernimmt. Sie beauftragt den Leipziger Architekten Arwed Roßbach 1891/92 den Gebäudekomplex komplett zu erneuern. Realisiert wird davon aber nur die Fassade, die an den florentinischen Renaissancestil angelehnt ist. Im Inneren verewigt sich schließlich der Berliner Architekt Ludwig Heim, der in der Hauptstadt große Repräsentationsbauten schuf.
Das Hotelgeschäft floriert bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, dann beginnt der allmähliche Niedergang. Der Betrieb rentiert sich nicht mehr und muss 1917 schließen. Zwischenzeitlich dient das Gebäude auch als Lazarett. Der Saal wird weiterhin für diverse Veranstaltungen wie Kabarett genutzt. Später erlebt das Gebäude eine Renaissance als Messehaus.
Das ehemalige Hotel wird ab 1954 schließlich Bürogebäude des Messeamtes, der Saal wird noch bis 1991 als Betriebsrestaurant genutzt. Danach steht das Gebäude zunächst viele Jahre leer. Es wird schließlich von der Leipziger Stadtbau AG erworben. Als Projektentwickler, Bauträger und Investor lässt die Firma das Baudenkmal sanieren. Historische Elemente, wie die einzigartige Putzfassade, die Marmor-Freitreppe sowie die neobarocken Säle werden originalgetreu restauriert. Der Große Innenhof erhält ein Glasdach. Ursprünglich ist geplant, hier ein modernes Kongresshotel zu eröffnen. Doch dafür erweist sich das Gebäude als nicht mehr geeignet. Es entsteht schließlich ein Veranstaltungs- und Bürogebäude.
Reich ausgestattete Festsäle mit Deckenmalereien
Im Mai 2014 hat Leipzig eine architektonische Perle zurück. Das Hôtel de Pologne wird nach umfangreicher Sanierung neu eröffnet. Die reich ausgestatteten neobarocken Festsäle mit Stuck und aufwändigen Deckenmalereien im 1. Obergeschoss erstrahlen unter dem Namen Salles de Pologne in neuem Glanz.
Betreiber ist die Hotel Michaelis GmbH. Sie vermietet dort den Barocksaal und den Schwanensaal für diverse Galaveranstaltungen und Bälle. Zusätzlich gibt es fünf Konferenzräume sowie eine Dachterrasse. Im Objekt haben auch die Leipziger Foren Holding GmbH ihren Sitz.
Am Haus befindet sich eine Gedenktafel für Martin Luther. Sie wird 1983, anlässlich des 500. Geburtstages des Reformators, angebracht. Sie erinnert daran, dass Martin Luther im Jahr 1519 im Haus des Buchdruckers Melchior Lotter übernachtete. Im späteren Gasthof Zum Birnbaum wohnen Martin Luther und Philipp Melanchthon während der Leipziger Disputation.
Stand: 25.02.2026














