Foto: Leipzig - Fregehaus

Fregehaus

Katharinenstraße 11 | Ortsteil: Zentrum
Inhalt des Beitrags
Audiobeitrag: Fregehaus

Hier und da gibt es sie doch noch – die richtig alten Häuser Leipzigs. So wie das Fregehaus, das zwischen 1706 und 1707 von dem Leipziger Ratsmaurermeister Johann Gregor Fuchs gemeinsam mit dem Zimmermeister Johann Christian Schmidt erbaut wurde. Das Geschäfts- und Wohnhaus wurde für den Leipziger Kaufmann Gottfried Otto errichtet und vereint den Renaissancestil mit dem Barockstil.

Werbung
Werbung
Fotogalerie - Fregehaus

Von Bankiers und den Toten Hosen


Ein Leipzig ohne Altbauten ist kaum vorstellbar. Und dennoch sind die wenigsten Häuser der Innenstadt über 200 Jahre alt. Doch das kann das Fregehaus mit seinen 500 Jahre alten Gemäuern toppen. Zwar wurde es in seinem heutigen Stil erst 1706 erbaut, jedoch bezog Johann Gregor Fuchs bei seinem Auftrag den Vorgängerbau aus dem 16. Jahrhundert mit ein. So nutzte er den alten Renaissancebau, baute das Vorderhaus um und konzipierte die Seitengebäude neu. Fuchs machte sich bereits schon vorher einen Namen. Nachdem er 1701 auf Empfehlung von
August dem Starken von Dresden nach Leipzig kam, baute er zwischen 1701 und 1704 das Haus für den Bürgermeister Franz Conrad Romanus. Das Romanushaus ist ebenfalls in der Katharinenstraße zu finden.

Nachdem das Fregehaus zunächst für Gottfried Otto errichtet wurde, erwarb es 1782 der Bankier Christian Gottlob Frege. Über Jahrhunderte diente es dem Bankhaus Frege & Co., einem der wichtigsten Geldinstitute Sachsens, als Firmensitz. Berühmte Personen wie Johann Wolfgang Goethe waren hier Kunde. Doch heute wohl bekannter als die Firma ist ein Nachfahre der Bankerfamilie. Andreas Frege steht als Campino der Band „Die Toten Hosen“ in der Öffentlichkeit.

Werbung
Werbung

Die Symbiose aus Renaissance und Barock


Das viergeschossige Gebäude wurde als eine symmetrische, vierflügelige Hausanlage um einen rechtwinkligen großen Innenhof erbaut. Direkt auf den ersten Blick fällt der prächtige Kastenerker auf der Mittelachse der Vorderhausfassade ins Auge. Der Erker ist durch kräftige Wandpfeiler und Gesimse gegliedert, die die einzelnen Etagen hervorheben. Geschmückt ist er mit Ornamenten aus Blumen-, Blättern- und Früchtenranken. Sehr eindrucksvoll ist auch das darunter liegende Portal mit dem sich anschließenden Kreuzgewölbe. Durch diese spätgotisch anmutende Architektur wird der Einbezug des Vorgängerbaus deutlich. Auch die kunstvollen Fenstersäulen im ersten und zweiten Obergeschoss des Vorderhauses verweisen darauf. Wurden sie jahrelang verdeckt, sind sie heute freigelegt und sichtbar. Die Mittelachse mit dem Erker verlängert sich im Dachbereich durch einen Dreiecksgiebel. Das steile Satteldach ist ebenfalls ein Indiz für den ehemaligen Renaissancebau.

Auch im Inneren des Fregehauses blieb einiges erhalten. So ist im zweiten Obergeschoss eine hölzerne Wandtäfelung aus dem Jahr 1792 sichtbar. Darunter wurde eine sogenannte Panneauxtapete, ein Ersatz aus Papier, von 1780 gefunden. Diese wird heute im GRASSI Museum für Angewandte Kunst aufbewahrt. Laut der Nachforschungen muss diese Tapete aus Frankreich stammen, da deutsche Manufakturen zu dieser Zeit vor allem Marmortapeten herstellten. Bei einer Restaurierung in den 1970er Jahren kamen im Treppenhaus Delfter Wandfliesen als Wandverkleidung zum Vorschein. Die Geschichte der alten holländischen Fliesen ging aus der kleinen Produktionsstätte Delft hervor und ist über 300 Jahre alt. Und schließlich erweisen sich auch die von 1700 stammenden bemalten Holzbalkendecken im 3. Stock als Zeugen der Zeit.

Ein Steinrelief als Spottausdruck


Im Innenhof des Fregehauses ist ein auf das Jahr 1535 datiertes Steinrelief mit drei Halbfiguren sichtbar, das sogenannte
Spottrelief. Dem Jahr nach zu urteilen, ist es Bestandteil eines Architekturdetails des Vorgängerhauses und könnte das Baujahr festhalten. Der Hauseigentümer dürfte zu der großen Zahl der Luthergegner gehört haben, der sich triumphierend über den am Boden liegenden Martin Luther darstellt. Das in den 1980er Jahren restaurierte Steinrelief könnte somit ein Spottrelief auf den Reformator sein.

Aus Banknoten werden Blütenknospen und Frühstückseier


Während das Fregehaus noch bis 1976 in Familienbesitz blieb, schlossen sich die Türen der Bankfirma bereits 1945. Heute gibt es hier keine Banknoten mehr, sondern Blütenknospen. Denn unter anderem werden Haus und Hof vom Blumenladen
Saltoflorale genutzt, der es zu dem wohl schönsten Leipziger Innenhof macht. Das historische Ambiente verbindet sich mit dem Duft von alten Rosen, raren Kräutern und dem Bild von farbenfroher Natur mitten in der Innenstadt. Falls noch die passende Vase zum Strauß gesucht wird, kann man im Antiquitätenladen Wendt direkt nebenan fündig werden. Die historischen Raritäten passen zum Ambiente des Hauses.

Seit 2014 beherbergt das Fregehaus außerdem das Hotel Fregehaus im hinteren Teil des Gebäudes. Das Boutique-Hotel lädt in 17 Doppelzimmern und drei Appartements zum Entspannen zwischen historischen Gemäuern ein. Die Inhaberin Sabine Fuchshuber erfüllte sich hier ihren Lebenstraum. Die studierte Architektin geht dabei vorsichtig mit der Geschichte um und sanierte nur das nötigste. So wurde das alte Wohnzimmer der Familie Frege zum neuen Frühstücksraum der Gäste. Die stilvoll eingerichteten Zimmer verbinden den Barock mit der Moderne. Der Blaue Salon lädt auch heute noch zum Verweilen ein und ist ab und zu Veranstaltungsstätte von Lesungen.

Stand: 21.08.2023

Werbung
Werbung
Historisches Bildmaterial - Fregehaus

Hinweis: Die in diesem Beitrag gezeigten Fotos und Bilder sind urheberrechtlich geschützt und nicht frei verwendbar. Für redaktionelle oder kommerzielle Zwecke stehen Lizenzen zur Verfügung; unsere Motive sind zudem als Druck (z. B. Poster, Leinwand, Postkarte, Kalender, FineArt, etc.) erhältlich. Die Nutzung außerhalb der lizenzierten Zwecke ist nicht gestattet.

Quellenangabe bei lizenzierter Nutzung (Bild): © Bildlexikon Leipzig / Fotograf: Name oder „Archiv“ – URL der Beitragsseite
Zitierhinweis (Text): Bildlexikon Leipzig, Autor, „Titel des Artikels“, Link: URL der Beitragsseite

Weitere interessante Beiträge dieser Kategorie
Keine weiteren Beiträge mehr vorhanden.
Abonniere unseren Newsletter
Verpasse keine Neuigkeiten mehr per E-Mail!
Neueste Beiträge im Bildlexikon Leipzig
Keine weiteren Beiträge mehr vorhanden.
Jetzt Werbeflächen in thematisch passenden Beiträgen und Kategorien buchen. Platzierungen, Formate, Preise und alle weiteren Details finden Sie in unseren Mediadaten.
Jetzt Werbeflächen in thematisch passenden Beiträgen und Kategorien buchen. Platzierungen, Formate, Preise und alle weiteren Details finden Sie in unseren Mediadaten.
error: Dieser Inhalt ist geschützt! Es ist nicht gestattet, diesen Inhalt zu kopieren. Vielen Dank für Ihr Verständnis.