Foto: Leipzig – Krystallpalast

Krystallpalast

Wintergartenstraße, Brandenburger Straße | Ortsteil: Zentrum-Ost
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Audiobeitrag: Krystallpalast

Gewaltige Rauchschwaden besiegeln im Jahr 1992 das Ende eines Areals, an dem sich Millionen Menschen einst gut unterhalten haben. Der ehemalige Krystallpalast, zuletzt bekannt als Haus der heiteren Muse, brennt in jenem Jahr bis auf die Grundmauern nieder. Heute wächst dort mit dem Quartier Krystallpalast ein neues Wohn- und Geschäftsviertel. Die Tradition des Ortes lebt im neuen Krystallpalast-Varieté in der Magazingasse im Stadtzentrum weiter. Der alte Krystallpalast – immerhin einst der größte Vergnügungspark Deutschlands – ist hingegen für Leipzig ein verlorener Ort.

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Fotogalerie - Krystallpalast

Ein Palast nach Londoner Vorbild


Bereits 1832 legt der Leipziger Schützenverein den Grundstein für das Areal an der Wintergartenstraße, auf dem zunächst ein
Schützenhaus entsteht. Das wächst über die Jahre beachtlich. So entsteht ein prunkvoll ausgestatteter Festsaal ebenso wie ein Lustgarten mit großer Fontänenanlage. Das Schützenhaus geht allerdings Pfingsten 1881 in Flammen auf – als Folge eines überdimensionierten Feuerwerks.

Ein Jahr später kauft der Unternehmer Eduard Berthold das Anwesen. Er erneuert das ehemalige Schützenhaus samt Trianongarten und lässt nach Vorbild der Londoner Weltausstellung dort den Krystallpalast errichten. Dessen Bau- und Kulturgeschichte hat die Kunsthistorikerin Bettina Baier in einem Buch aufgearbeitet, das 2019 im Leipziger Lehmstedt-Verlag erschienen ist.

Der Leipziger „Krystallpalast“ öffnet 1882. Er ist ein von exotischen Bäumen umgebener Saalbau, der nur aus Glas und Eisen besteht. Der Palast verfügt über einen Theatersaal für 800 Besucher. Im Winter können diese im Trianongarten sogar Schlittschuh laufen, eine Kapelle lädt zum Tanz auf dem Eis. 1887 folgt nebenan noch ein 36 Meter hoher Kuppelbau mit bis zu 3.500 Plätzen. Es ist die nach dem sächsischen König benannte „Alberthalle“. Dabei hat sich der Unternehmer Eduard Berthold wohl auch von ihrem Londoner Vorbild, der „King Albert Hall“ inspirieren lassen. Es ist ein Zentralkuppelbau, den der königliche Baurat Arwed Roßbach entworfen hat.

Die Alberthalle dient als fester Bau für Zirkusunternehmen und als großes Konzerthaus mit hervorragender Akustik. Roßbach legt zusätzlich ein Diorama an – eine Vorform des Kinos, bei dem durch Auswechseln von Bildern unterschiedliche Sujets gezeigt werden können. In der Alberthalle finden Großveranstaltungen wie Versammlungen, Feste und Bälle statt. Fünf Jahre nach dem Bau der Alberthalle wird der Komplex erneut erweitert, um eine Varietéhalle. 

Der gesamte Krystallpalast-Komplex umfasst nach weiteren Um- und Ausbauten eine Fläche von etwa 4.100 Quadratmetern. Er ist ein Wahrzeichen für Leipzig, das auch die Silhouette der Stadt prägt. Der Krystallpalast beherbergt in seiner Glanzzeit in seinen Sälen, Restaurants, Bars, Cafés, Salons und Biergärten nahezu 15.000 Menschen, die sich dort vergnügen möchten. Fast alle bedeutenden Unterhaltungskünstler treten dort auf: ob nun Clown Grock oder die legendäre Tänzerin Josephine Baker.

Das Vergnügen endet im Zweiten Weltkrieg mit dem Luftangriff am 4. Dezember 1943, als der Krystallpalast den Flammen zum Opfer fällt.

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Neues Leben mit dem Zirkus Aeros


Nach dem Zweiten Weltkrieg erweckt der Zirkuskünstler
Cliff Aeros das Haus zu neuem Leben. Er lässt eine Spielstätte aus Holz errichten, in der immerhin 1.600 Menschen Platz finden. Die Programme wechseln einmal im Monat. Das Interesse ist riesig, nach dem Krieg hungern die Menschen nach Ablenkung und Vergnügen, um dem tristen Alltag zu entkommen. Nach dem Tod von Cliff Aeros wird der Zirkus verstaatlicht.

Es entsteht ein neues Zirkushaus aus Stahl mit einem Durchmesser von 40 Metern. Der Bau verfügt über eine freitragende Kuppel. Vom 1. April 1957 an bekommt das Haus den Namen „Aeros-Großvariete‘“.1961 wird das Gebäude zum Haus der heiteren Muse ausgebaut. Ziel ist es, viele Unterhaltungsangebote der leichten Muse zu unterbreiten. Es entwickelt sich zur Mehrzweckhalle ohne erkennbare Ausrichtung. In diesem Rundbau produziert das DDR-Fernsehen fortan beliebte Sendungen wie die Samstagabendshow „Da liegt Musike drin“ oder „Glück muss man haben“. Das Haus bleibt aber ein Provisorium, an dem stets viel repariert werden muss.

Ein neues Wohn- und Geschäftsviertel entsteht


1992 fällt der Rundbau einer Brandstiftung zum Opfer. Danach liegt das Gelände viele Jahre brach, ein kleiner Teil dient als Parkplatz. Viele Projekte, wie ein Erlebniszentrum mit vielen großen Kinosälen, scheitern. Inzwischen ist ein neues Wohn- und Geschäftsviertel im Bau, das zumindest mit dem Namen
Quartier Krystallpalast an die alte Blütezeit erinnert.

Stand: 26.11.2025

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Historisches Bildmaterial - Krystallpalast

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Fotograf, Projektleiter und Initiator „Herzkampf“, Gewinner Leipziger Marketingpreis 2025 | geb. Dezember 1984 in Leipzig

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