Foto: Leipzig – Filmtheater Capitol

Filmtheater Capitol

Petersstraße 20 | Ortsteil: Zentrum
Inhalt des Beitrags
Audiobeitrag: Filmtheater Capitol

Die Dokfilmwoche macht das Filmtheater Capitol in der Petersstraße 20 weit über die Grenzen Leipzigs hinaus bekannt. Das ändert allerdings nichts daran, dass das Kino 2003 schließen muss. Zur letzten Vorstellung wird auf der 20 mal 8 Meter großen Leinwand ausgerechnet die „Titanic“ versenkt. Mit diesem Blockbuster geht eine Ära zu Ende. Generationen von Menschen haben in diesem traditionsreichen Lichtspielhaus schöne Film- und Feierstunden erlebt.

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Eine Kinoorgel und ein Kinoorchester


Das Filmtheater gehört zum Messehaus
Petershof, das in den Jahren 1927 bis 1929 zwischen Petersstraße und Burgstraße entsteht. Architekt ist Alfred Liebig. Das Kino befindet sich im Keller- und Erdgeschoss des Gebäudes, liegt vier Meter tiefer als die Petersstraße. Das wird so entschieden, um die Ausstellungsfläche im Messehaus nicht einzuschränken. Deshalb wird auf eine Passage, wie bei vielen Gebäuden in der Leipziger Innenstadt üblich, zwischen Peters- und Burgstraße verzichtet. Durch einen Lichthof im Messehaus gelangen die Zuschauer in ein ausgedehntes Foyer. Von dort geht es über Treppen abwärts in den Saal.

Zur Premiere am 1. September 1929 ist der Stummfilm: „Der Günstling von Schönbrunn“ zu sehen. Begleitet wird er mit Musik von einem Kino-Orchester. Damals gibt es 1.700 Plätze, davon 700 auf den Rängen und in Logen. Die Akustik im Saal ist nicht optimal. Darauf wird damals beim Bau von Stummfilm-Kinos nicht viel Wert gelegt. Mit Einführung des Tonfilmes werden akustische Probleme auffällig. Durch Stoffbehänge versuchen die Betreiber, diese zu lösen. Das Capitol verfügt über eine moderne Kinoorgel. So eine Pfeifenorgel hat die Leipziger Klavierbaufirma Ludwig Hupfeld auf der Frühjahrsmesse 1929 vorgestellt. Die Filmbühne erhält so eine Orgel als Werbegeschenk. Das Instrument ist eine Novität – es kann orchestrale Stimmen sowie viele Spezialeffekte erzeugen. Schon nach dreißig Jahren wird sie aber verschrottet und durch eine Hammond-Orgel ersetzt.

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Ufa holt viele Stars zu Premieren


Betrieben wird das Capitol, dessen Namen von einem der sieben Hügel Roms abgeleitet ist, von der Betreibergesellschaft Phöbus sowie später von der Münchner MLK. Im Jahr 1936 übernimmt die Ufa das Lichtspielhaus. Die Kinobesucher erleben viele Premieren mit Stars wie
Hans Albers, Marlene Dietrich sowie Paul Hörbiger. Auch im Zweiten Weltkrieg laufen Filme im Kino. Weil der Saal unter dem sechsstöckigen Messehaus Petershof liegt, ist er vor Bomben weitestgehend geschützt.

1950 übernehmen die Filmtheaterbetriebe Leipzig das Haus. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Bühne lange Zeit durch Oper, Schauspiel und Gewandhaus genutzt, da deren Häuser zerstört sind. Bis zur Einweihung des Opernhauses auf dem damaligen Karl-Marx-Platz (heute: Augustusplatz) im Jahre 1960 erlebt das Capitol die Veranstaltungen zur Eröffnung der Leipziger Messe. Parteien und Organisationen nutzen den Saal ebenfalls für politische Versammlungen und Kundgebungen.

Das größte Filmtheater der DDR


Die Filmtheaterbetriebe Leipzig entwickeln das „Capitol“ zum größten Filmtheater der DDR. Internationalen Ruhm erreicht es durch die Dokfilmwoche (heute:
DOK Leipzig), die dort am 11. November 1955 erstmals veranstaltet wird. Binnen weniger Jahre erarbeitet sich Leipzig einen erstaunlichen Ruf als internationales Festival für politisch engagierte Dokumentar- und Kurzfilme. „Filme der Welt – Für den Frieden der Welt!“ wird das Markenzeichen für ein Festival, das von politischer Einflussnahme allerdings nicht verschont bleibt. Die Texte der Filme werden für ein internationales Publikum in vier Sprachen übersetzt und auf Hörgeräte geschaltet.

Bochumer Firma lässt Kino modernisieren


Das Kino wird mehrmals umgebaut. Seitenränge verschwinden, die Leinwand wird größer, es entstehen Dolmetscherkabinen im Saal. 1970 öffnet das Studiokino Capitol, das von der Burgstraße aus zugänglich ist. Es ist bis 1993 offen.
Organist Hasso Veit spielt im Saal vor fast allen Abendvorstellungen von 1977 bis 1983 auf der Hammondorgel. In den 1990er Jahren erhält das Kino einen neuen Betreiber. Unternehmer Hans-Jürgen Rehs aus Bochum lässt es modernisieren. Dabei entstehen vier Kinosäle. Auch das bisherige Studiokino wird integriert. Rehs erwirbt kurz nach der Friedlichen Revolution rund 45 Kinos im gesamten Regierungsbezirk Leipzig.

Seine Firma meldet 2003 beim Amtsgericht Leipzig Insolvenz an. Erzählt wird, dass sie sich aufgrund der Konkurrenz des neugebauten Cinestar im Petersbogen nicht halten kann. Doch die Firma hat sich wohl übernommen – will ein Multiplex-Kino mit zehn Sälen sowie ein Imax-Kino im Umfeld des Wintergartenhochhauses betreiben. Das Projekt „Wintergarten-Plaza“ der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) bleibt aber eine Vision, es findet sich kein Investor. Vor Gericht wird sogar über Schadenersatz gestritten.

Eine Modekette ersetzt den Filmbetrieb


Der Petershof wird schließlich in den Jahren 2004 bis 2006 saniert, das Gebäude bis auf die Außenhaut entkernt. Nach Fertigstellung zieht eine Modekette ins umgebaute Kino ein. Das Filmtheater „Capitol“ – damals eines der bekanntesten kulturellen Einrichtungen der Messestadt – ist für Leipzig ein „verlorener Ort“. Der Neon-Schriftzug von der Fassade wird im
Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig aufbewahrt.

Stand: 31.05.2025

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Historisches Bildmaterial - Filmtheater Capitol

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