Bildlexikon Leipzig

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The Westin Leipzig

Gerberstraße 15 | Ortsteil: Zentrum-Nord

Hochhäuser sind ja – erkennbar gewollt – nicht gerade reichlich gesät in Leipzig. Doch eines am nördlichen Rand der City verlässt das gängige Muster auf die auftrumpfendste Art, die denkbar ist: das Hotel The Westin Leipzig.

Irgendwie schmückt sich die Fassade mit einer perlmuttgleich schimmernden Fassade. Wer einen spektakulären spätherbstlichen oder frühlingshaften Sonnenuntergang abpasst, sieht den quaderförmigen Baukörper dann für kurze Zeit triumphal feurig strahlen. Aufregender würde in diesem Moment nicht einmal ein New Yorker Wolkenkratzer die zahlreichen, auf den optischen Kick versessenen Spotter, anlocken.

Japaner betonieren den östlichen Aufstiegswillen


Kaum zu glauben, aber der Hotelbau ist ein Kind der späten DDR. Die Fassade musste glänzen, die Gestalt sollte auftrumpfen. Und in Leipzig wurden während der Frühjahrs- und der Herbstmesse die Geschäfte mit dem Westen eingefädelt, von denen es gar nicht genug geben konnte. Nur an passenden Hotels für die anreisende Business-Elite aus der räumlich nahen, geschäftlich fernen Marktwirtschaft mangelte es schmerzlich. Den Befreiungsschlag besorgte ein Gemeinschaftsprojekt mit der Japan-GDR Project Ltd., Tokyo. Der damals systemübergreifende Deal verschaffte Leipzig das erste Hotel mit wirklich internationalem Standard und einen qualitativen Sprung für alle auswärtigen Gäste, die bis dahin mit Interhotel-Eintönigkeit nicht recht glücklich wurden.

Ein passendes Grundstück war schnell gefunden. Die Gerberstraße als nördliches Einfallstor zur Stadt (für alle aus Richtung Flughafen bzw. Autobahn Anreisenden) bot auf einer Brache den geeigneten Platz. Für den 2. September 1978 findet sich die Grundsteinlegung in den Annalen. In der Baugrube präsentierten die japanischen Partner an diesem Tag ein Modell, von dem sich alle Leipziger fast ungläubig angezogen fühlten: Soviel Metropolenglanz in unserer strebsamen, aber irgendwie in ihrem Tatendrang gebremsten Stadt? 

Es wurde wahr. Auf das Richtfest am 28. März 1980 folgte die Übergabe des 96 Meter aufragenden „ersten Hauses am Platze“ am 13.März 1981 – pünktlich zur Frühjahrsmesse, denn ein vergleichbarer Rhythmus galt in dieser Stadt damals nicht. 

Allein schon der japanische Garten mit Wasserspielen und Laternen längs der Gerberstraße war einen Sonntagsspaziergang wert. Und erst das japanische Restaurant Sakura – bereits außerhalb der Leipziger Messen (wenn nicht die Preiskategorie M gleich Messe galt) ein fremdländisches, hoch willkommenes Geschmackserlebnis, mit dem kein Gastgeber etwas falsch machen konnte. Des weiteren das italienische Restaurant (man glaubt es heutzutage kaum, aber damals etwas angenehm Exotisches) und die kleine Bar im Eingangsbereich und und und… In den damals 447 Zimmern des Hotels wohnte ja kein Leipziger, und es wäre auch gar nicht gegangen, denn das Hotel, das nach dem antiken Gott der Händler Merkur getauft wurde, war ein Devisenhotel. Der ewig klamme, kleine ostdeutsche Staat versuchte damit einen Teil der hohen Kosten wieder einzuspielen, die beim Bau angefallen waren. Voll belegt strahlte das Hotel abends genau so, wie sich die Einheimischen den Glanz der weiten Welt erträumten.

Zuverlässige Konstante im geschäftigen Einheits-Deutschland


Acht Jahre nach der Eröffnung des Hotels Merkur hauchte die DDR ihre nur reichlich vierzig Jahre währende Existenz aus. Und damit fluteten erst recht all die Geschäftsleute nach Leipzig, die im Systemwandel ihre einmalige Chance erkannten und unbedingt nutzen wollten. Wenn sie nicht selber zuvor als Messegäste schon einmal „Merkur“-Bekanntschaft gemacht hatten, bekamen sie von Ost-Kundigen garantiert den heißen Tipp „Merkur“. In diesen Wochen erstrahlte das Haus jeden Abend so, wie es jedermann bisher nur aus den legendären Messezeiten kannte. Kaum eine Präsentation der tsunamigleich auf den neuen Markt strebenden Firmen ging ohne „Merkur“ (falls die Markt-Eroberer bereit waren, die hochschnellenden Sonderpreise quasi als Eintrittsgebühr zu bezahlen). Das Bankett- und Kongresszentrum sah täglich neue Stars der Wirtschaftswelt. Manches Hotelzimmer wandelte sich im Handumdrehen zu einer einstweiligen Firmen- oder Bank-Repräsentanz.

Ewig steigt solch eine Welle natürlich nicht. Die Physik des Geschäfts verlangt, Investitionen nachzuschießen. Die Deutsche Interhotel Holding als Eigentümerin des Hauses musste sich 1993 beim Abklingen der anfänglichen heißen deutschen Einheits-Geschäfte nach einem neuen Betreiber umschauen. Aus dem „Merkur“ wurde damals das InterContinental Leipzig. Mit frischem Kapital begannen nach einem knappen Jahrzehnt intensiver Nutzung umfangreiche Renovierungen. Zehn Jahre lang prangte der Schriftzug InterContinental ganz oben am Gebäude. Dann erzwang das wetterwendische Hotel-Business einen erneuten Betreiberwechsel. Auf InterContinental folgte The Westin aus der amerikanischen Unternehmensgruppe Starwood Hotels & Resorts. Daraufhin flossen 2005 fünf Millionen Euro in aufgemöbelte nunmehr 436 Zimmer und weitere dreieinhalb Millionen in das Nobelrestaurant Falco, auf dass im 27. Stock der spektakuläre Blick auf Leipzig trefflich mit internationaler Spitzengastronomie kombiniert werde. Der kulinarische Steilflug brachte zwei Sterne ein. Noch einmal fünf Millionen Euro werteten 2006 die Klasse von Lobby, Hallenbar und Wintergarten auf. The Westin Leipzig zielt vor allem auf Geschäftsreisende.

Ständiges Ringen um den Spitzenplatz

 

Beim Start vor über vierzig Jahren umsorgten 640 Beschäftigte im Hotel Merkur die umworbenen, vor allem internationalen Gäste. Inzwischen wird die gesamte Hotelbranche in einer geschäftigen Stadt wie Leipzig von einem noch hektischeren Geschäft getrieben. Eine Kernmannschaft von rund 200 Mitarbeitern im The Westin kümmert sich heutzutage um sämtliche Belange der anspruchsvollen Kundschaft. Outsourcing hat auch an dieser Stelle vieles möglich gemacht, was für die Kundschaft mit keinerlei Qualitätseinbußen verbunden ist. Im Gegenteil. Einschlägige Rankings bescheinigen dem Leipziger The Westin ununterbrochen einen Stammplatz unter den zehn besten deutschen Business Hotels und die Position des Primus in den östlichen Bundesländern.

Für die Kunden läuft die Identifikation mit einem Haus stets über die angesehene Kette, die es betreibt. Wichtig ist die Marke. Deshalb dürften die Wenigsten mitbekommen haben, dass die Immobilie noch ein paar mehr Wechsel mitgemacht hat, als der Markenname verrät. Die feine Trennung in den Eigentümer des Hauses und den möglichst internationalen Betreiber ist wenig aufregend für eine Gästeschar, die einfach zuverlässig verwöhnt werden möchte. Wer weiß deshalb schon, dass die Immobilie von The Westin seit 2016 dem französischen Konzern Covivio gehört? Geht es nach seinen Plänen, wird das Hochhaus mit seinen Anbauten im Norden durch zwei neue Bürotürme mit einem Übergang zu den 32 variablen Räumen im Kongressbereich ergänzt. Die bisherige Baugeschichte des Hauses an der Gerberstraße findet deshalb wohl eine passende Fortsetzung.

Allein schon die drei aufeinanderfolgenden Namen des Hotels bieten eine vortreffliche Gelegenheit, jüngste vier Jahrzehnte Leipziger Stadtgeschichte in eine plakative Formel zu packen: „Merkur went InterContinental and became The West in Leipzig.“ Wie passend! 

Stand: 25.04.2022

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Historisches Bildmaterial - The Westin Leipzig

Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

Grimmaische Straße 6 | Ortsteil: Zentrum

Wer diesen historischen Zeugenstand betritt, wird mit einem Riesenschritt konfrontiert. Es ist Der Jahrhundertschritt des Leipziger Künstlers Wolfgang Mattheuer aus dem Jahr 1974. Die zweieinhalb Meter hohe Bronzeplastik steht als Schlüssel-Metapher für das zerrissene 20. Jahrhundert. Ein besserer Zugang zum Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, das die deutsche Teilung, den Vereinigungsprozess beider deutscher Staaten ebenso wie die Fortschritte und Hemmnisse des wiedervereinigten Landes thematisiert, ist kaum denkbar.

Scheinbar Selbstverständliches als Schatz bewahren


Bereits im Aufzug werden die Besucher in authentische Tondokumente förmlich eingehüllt. Sie reichen von der selbstreferenziellen, historischen Lüge „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ aus dem Juni 1961 bis zum zehntausendstimmigen „Wir sind das Volk“ aus dem Leipziger Umbruchs-Herbst 1989. 

Die Idee, auf jeden Fall in Leipzig ein Zeitgeschichtliches Forum einzurichten, stammt aus den frühen Einheitsjahren nach 1990. Rasant überstürzten sich damals die Ereignisse, so dass erfahrene Historiker gewissermaßen aus der unmittelbaren Bewegung heraus dringend empfahlen, Erinnerungen und passende Erinnerungsstücke aufzubewahren, damit sie im Sturzbach des Geschehens nicht für immer verloren gehen. Das Zeitgeschichtliche Forum (ZGF) als Filiale des Bonner Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einzurichten, stand fest. Gleichwohl war zu klären, wo im Vergleich mit der beschaulichen Universitätsstadt am Rhein, denn die Dependance im brodelnden Leipzig verortet werden könnte. Entwürfe sprießen zahlreich, und die Entscheidung lief auf einen Neubau hinaus. Es bot sich an, dafür recht symbolträchtig keinen Solitär an einem einsamen Ort zu wählen, sondern einen Lückenschluss im Leipziger Zentrum. Die Grundsatzentscheidung fiel zügig, und gebaut wurde in einem passenden Terminraster. Der zehnte Jahrestag der deutschen Einheit stand als Eröffnungstermin fest und wurde eingehalten.

Exponate auf Dauer und im dauernden Wechsel


Das ZGF heißt aus gutem Grund nicht Museum. Selbstverständlich kommen die beiden Etagen der Dauerausstellung nicht ohne die Präsentation zeitgenössischer Exponate aus der Alltags-, Wirtschafts-, Kultur- und Militärgeschichte aus. Die frühere Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten spielt dabei eine besondere Rolle. Als Zielgruppen wendet sich das Forum sowohl an die Erlebens-Generation der Teilungs-Epoche und des Vereinigungsprozesses als auch in besonderer Weise an junge Menschen, für die all die aufwühlenden Jahre reiner Geschichtsstoff sind, weil sie – gefühlt – unvorstellbar lange zurückzuliegen scheinen. Spätestens hier kommt der Forums-Aspekt unmittelbar zum Tragen. Das dritte Obergeschoss besteht aus einem großen Veranstaltungssaal und bietet Platz für die regelmäßigen Sonderausstellungen. Veranstaltungen des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig sind meist keine Termine des gepflegten, gedämpften akademischen Austauschs, sondern Hochämter des wogenden Meinungsstreits – wenn es um das Wirken der Treuhand geht, die Arbeitsmarktpolitik der frühen 1990er Jahre, den schwierigen Integrationsprozess der Streitkräfte beider deutscher Staaten oder die Deutungshoheit über den „ganz normalen“ Alltag in der DDR. Für den Deutschlandfunk bilden solche Dialog- und Publikumsrunden beliebte Sendeplätze, weil sie förmlich „hineinziehen“ in typische Kontroversen und auf verminte Klischee-Gelände mit Aufmerksamkeits-Garantie leiten. Auch
Leipzig liest, eines der größten europäischen Begegnungsforen zwischen zeitgenössischen Autoren und ihrem sensibilisierten Publikum, verzichtet in den jeweils dafür reservierten vier Tagen im März nie auf eine ganze Abfolge von Lesungen, die Appetit machen auf wichtige Neuerscheinungen des Buchmarktes.

Lehrreiche Blicke nach drüben und draußen


Wahre Renner sind die Sonderausstellungen im Zeitgeschichtlichen Forum. Die gesamte Architektur des Hauses ist auf Rundgänge und die passende Demonstration von Ereignis-Abläufen ausgelegt. Ob es – in jüngster Zeit – um die voneinander abweichende Vorstellung von Luxus in DDR und BRD ging, um die Funktion des Designs, die Auflösung der Nationalen Volksarmee unter dem Titel „Ab morgen Kameraden“ oder die Widerspiegelung des Alltags in verschiedenen Spielfilmproduktionen beider deutscher Staaten – immer sind Spannungsbögen weitab von einer weichgespülten Erinnerungskultur garantiert. Das trifft besonders auch auf jene Themen zu, bei denen die Perspektive von eigenen Erlebnissen und Empfindungen zum Blick nach draußen oder von draußen auf die deutsche Wirklichkeit wechselt, wie in den legendären Sonderausstellungen zur Vertriebenen-Problematik oder zum Verhältnis zu Großbritannien oder den USA.

Aktuell kann ein Zeitgenössisches Forum nur bleiben, wenn es selbst mit der Zeit geht. Wer die Präsentation 1999 erstmals gesehen hat, wird sie heutzutage wohl kaum wiedererkennen. Zu viel ist seither geschehen und wurde für wert befunden, verdientermaßen einen Forumsplatz zu belegen. Umbrüche und ihre Reflexion sind deshalb eine Konstante des Hauses.

Das Vermächtnis des Digedags-Erfinders


Und manchmal sorgen glückliche Zufälle für spektakuläre Bereicherungen der Sammlung. So geschehen, als
Hannes Hegen, den jedes Kind der DDR als Schöpfer der Zeitschrift „Mosaik“ und damit der drei Digedags kennt, der im Westen aber kaum bekannt war, am Ende eines langen, schöpferischen Lebens über einen Vorlass seiner Zeichnungen, der Entwürfe, der Probedrucke und des mediengeschichtlich ungemein aufschlussreichen Briefwechsels mit den Behörden der DDR nachdachte. Hegen beschloss, das alles sei in Leipzig, im ZGF am besten aufgehoben. Er fand Gelegenheit, sich selbst noch davon zu überzeugen, dass diese Entscheidung richtig war. Mittlerweile wurden Teile dieses Fundus der besonderen Art bereits in mehreren Ausstellungen gezeigt und von Workshops begleitet. Das ZGF hütet nach fester Überzeugung aller „Mosaik“-Fans also einen ganz besonderen Schatz, an dem man sich auch nach Jahrzehnten nicht sattsehen kann. Aus Sicht der Verantwortlichen des Zeitgeschichtlichen Forums gehört das „Mosaik“ übrigens in die Kategorie Comic, auch wenn dieser Begriff in der DDR verpönt war. Dort erschien die kostbare Bückware unter der Rubrik Bilderzeitschrift. Deutsch-deutsche Geschichte in Reinkultur.

Stand: 29.01.2023

Torhaus Dölitz und Zinnfigurenmuseum

Helenenstraße 24 | Ortsteil: Dölitz-Dösen

Das Kartenspiel „Rommé Bonaparte“ erzählt viele Details rund um die Epoche des Franzosenkaisers Napoleon und der Völkerschlacht bei Leipzig anno 1813. Der Verband Jahrfeier Völkerschlacht 1813 lässt sich immer wieder etwas einfallen, um die Erinnerung an die Geschehnisse der blutigen Schlacht wachzuhalten. Die tobt 1813 auch am Torhaus Dölitz, das seit vielen Jahren das Zinnfigurenmuseum beherbergt. Am Torhaus verhindern die mit Napoleon verbündeten Polen unter dem Kommando von Fürst Józef Antoni Poniatowski, dass die Österreicher die Pleiße überqueren und somit dem französischen Kaiser Napoleon Bonaparte in den Rücken fallen.

Das älteste Bauwerk in Dölitz


Als Herrensitz hat das
Rittergut Dölitz eine lange Geschichte. 1348/49 wird der Ort Dölitz erstmals urkundlich erwähnt. Einen Herrensitz gibt es da schon. 1550 – Dölitz hat damals etwa 200 Einwohner – wird das Renaissanceschloss erbaut. Knapp ein Jahrhundert später werden Schloss und Rittergut an den Leipziger Kaufmann Georg Winckler verkauft, der es bis 1640 erneuern und umbauen lässt. 1670 bis 1672 wird dann das Torhaus als Übergangsbau im Stil des holländischen Barocks errichtet.1927 kauft die Stadt Leipzig schließlich den Gutskomplex Dölitz. Im Zweiten Weltkrieg wird das Dölitzer Schloss stark beschädigt, die Reste des Gebäudes werden schließlich 1947 gesprengt. Heute ist das Torhaus das älteste Bauwerk in Dölitz. In der Ausstellung ist ein Modell des ehemaligen Rittergutes zu sehen. Anhand von alten Zeichnungen, Fotografien und Grundrissen sind alle Gebäude in Miniatur rekonstruiert. Dazu gehört selbstverständlich das nur noch auf Bildern existierende Schloss. Vom Rittergut sind neben dem Torhaus noch ein baufälliges Verwaltungsgebäude sowie ein von Vereinen genutztes Stallgebäude übrig. Das Modell wird für die museumspädagogische Arbeit genutzt.

Start mit Ehrenamtlichen vom Kulturbund der DDR


Bereits 1957 beginnt eine Gruppe des Kulturbundes der DDR im Torhaus eine Zinnfigurenausstellung einzurichten. Sie knüpft an die Tradition der Leipziger Sammlerschaft an. 1924 hat sich in der Messestadt die Klio gegründet, die Deutsche Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren. Anfangs umfasst die Schau etwa 15 Dioramen, die die Ereignisse der Völkerschlacht, der Stadtgeschichte und des Zeitalters des Preußenkönigs
Friedrich II. darstellen. 1963, zum 150. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, kommen vor allem Schaubilder zu diesem historischen Ereignis hinzu. Bis 1990 bleibt die Ausstellung eine ehrenamtliche Einrichtung, die von Vereinsmitgliedern geleitet, ausgebaut und erweitert wird. Dabei obliegt ihnen nicht nur die inhaltliche Betreuung, sondern sie müssen sich auch um die Bausubstanz des Hauses kümmern. Am 1. Dezember 1990 werden die kulturhistorischen Zinnfiguren dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig zugeordnet. In den folgenden Jahren finden umfangreiche konzeptionelle und bauliche Maßnahmen statt. So wird das Gebäude 1991 bis 1995 trockengelegt und verputzt, das Dach neu gedeckt.

Neuer Schwung durch Verband Jahrfeier Völkerschlacht 


Das Gebäude bleibt allerdings nicht lange in Regie des Museums. Weil die Stadt Leipzig sparen muss, übergibt sie das Torhaus Dölitz 1998 an einen Verein, der mit Fördermitteln aus dem städtischen Haushalt unterstützt wird. Das ist zunächst die AG „Befreiungskrieg 1813“ Finsterwalde, die es in Erbbaupacht übernimmt und eine Betreibergesellschaft gründet. Sie meldet nach einigen Jahren Insolvenz an und löst sich Ende November 2013 auf. Neuer Betreiber wird der Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813, der dem Torhaus sowie dem Museum neuen Schwung verleiht. Der Verband zieht als Mieter in das städtische Gebäude ein.

Großdiorama zur Völkerschlacht ist Highlight


Das Haus wird mit Hilfe des Vereins Zinnfigurenfreunde betrieben, der dort Figuren und Dioramen verschiedener Epochen zeigt. Mittlerweile gehört das Zinnfigurenmuseum zu den größten seiner Art in Europa. Auf drei Etagen werden über 100.000 Zinnfiguren präsentiert. Ein Highlight ist das 25 Quadratmeter umfassende Groß-Diorama mit vielen Tausend Figuren. Es zeigt die Kampfhandlungen am 18. Oktober 1813 auf dem südlichen Schlachtfeld der Völkerschlacht rund um die Ortschaften Dölitz, Probstheida und Holzhausen. Thema der Dioramen ist aber nicht nur die Völkerschlacht. Zu sehen sind beispielsweise Figurengruppen und Einzelfiguren zu Babylon, von Rittern, der türkischen Belagerung Wiens 1683, selbst zum Rokoko. Neu ist ein Diorama mit der Schlacht bei
Connewitz am 16. Oktober 1813. Eine Bilderleiste, um das ehemalige Dorf heute verorten zu können, ist noch im Entstehen.

Eine Rolle spielt ebenfalls die Geschichte Leipzigs sowie die des ehemaligen Dorfes Dölitz, das im Jahr 1910 nach Leipzig eingemeindet wurde. Bei der Gestaltung des Raumes hat der Bürgerverein Dölitz geholfen. Wie Zinnfiguren hergestellt werden, ist ebenso wie ein Ausflug in ihre Geschichte zu bewundern. Regelmäßig gibt es Sonderschauen zu verschiedenen Themen. Dabei werden besondere Dioramen, wie eine Leipziger Trümmerbahn auf dem Augustusplatz, aus dem Fundus geholt. Diese zeigt, wie nach dem Zweiten Weltkrieg die Kriegsschäden beseitigt werden.

Gelände rund ums Torhaus wird entwickelt


Der Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813 hat große Pläne, will auch das Gelände rund ums Torhaus entwickeln. Das erweist sich sowohl finanziell als auch durch das Naturschutzgebiet als schwierig. Das Stallgebäude soll zum kombinierten AusstelIungsgebäude mit Vortragsraum ausgebaut werden. Jährlich im Oktober wird das Areal regelmäßig für Biwaks genutzt. Integriert ist das Torhaus Dölitz
auch ins alljährliche Wave-Gotik-Treffen. Der agra-Park mit seinem Campingplatz dient als Unterkunft der Anhänger der schwarzen Szene. Für sie wurde 2023 erstmals eine edle Künstler-Spielkartenedition „Fantastic Mystic Gothic Rommé“ herausgegeben. Wie das Kartenspiel „Rommé Bonaparte“ hat dieses der Leipziger André Martini gestaltet. Vor dem Torhaus entstehen alljährlich zum Wave-Gotik-Treffen ein Heidnisches Dorf sowie ein großer mittelalterlicher Markt. Die Zinnfigurenfreunde bereiten ein Wave-Gotik-Diorama vor, das 2025 fertig sein soll.

Gearbeitet wird auch an einem „virtuellen Diorama“. Die Idee wurde während der Corona-Schließzeit ausgetüftelt, in der die Einnahmen wegbrachen. Nun wird zu Patenschaften für 12.126 Figuren aufgerufen – so viel hat das große Völkerschlacht-Diorama. Im Oktober 2023 waren es bereits knapp 10.700 Figuren. Geplant ist, ein großes Wimmelbild mit Zinnfiguren aus verschiedenen Epochen vor einem Leipziger Gebäude und eine Tafel mit Namen der Spender zu erstellen. Das Torhaus Dölitz arbeitet in einem Museumsbund mit dem Sanitäts- und Lazarettmuseum Seifertshain, dem Körnerhaus Leipzig-Großzschocher sowie dem Museum Torhaus Markkleeberg.

Stand: 10.01.2024

Bildergalerie - Torhaus Dölitz und Zinnfigurenmuseum

Historisches Bildmaterial - Torhaus Dölitz und Zinnfigurenmuseum

Napoleonstein

Friedhofsweg 1 / An der Tabaksmühle | Ortsteil: Stötteritz

In den Parkanlagen rechts vor dem Eingang zum Areal des Völkerschlachtdenkmals befindet sich der Napoleonstein aus dem Jahr 1857. Der „Verein zur Feier des 19. Oktober“ ließ das Denkmal dort errichten, wo Napoleon am 18. Oktober 1813 seinen Befehlsstand einrichtete und die Völkerschlacht bei Leipzig leitete.

Auf den Spuren Napoleons


Der französische Herrscher Napoleon I. war bis zum Jahr 1812 so erfolgreich wie kein anderer Feldherr seit
Alexander dem Großen. Er ging in zahlreichen Kriegen als Sieger hervor, setzte Bekannte und Verwandte als Könige ein und sicherte sich mit Bündnissen ab. Doch immer mehr regte sich Widerstand gegen die französische Vorherrschaft, so dass Napoleon in den Befreiungskriegen zwischen 1813 und 1815 schließlich auf französisches Gebiet zurückgedrängt wurde.

Die größte und wichtigste Schlacht dieser Befreiungskriege fand vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 rund um Leipzig statt. In dieser Völkerschlacht schlossen sich Preußen, Österreich, Russland und Schweden zusammen und errangen dabei den entscheidenden Sieg über Napoleon. Mit einer Mehrheit von 295.000 Soldaten und 1.360 Geschützen standen sie den 160.000 französischen Kämpfern mit lediglich 630 Geschützen gegenüber. Nach erbitterten Kämpfen erteilte Napoleon schließlich den Befehl zum Rückzug. Zwar konnte er mit einem Teil seiner Armee in den Morgenstunden des 19. Oktobers nach Westen in Richtung Lindenau entkommen, dennoch boten die Alliierten mit diesem Sieg dem Eroberungszug Napoleons durch Europa Einhalt.

Napoleon und die Tabaksmühle


Doch wo hielt sich Napoleon eigentlich während der Schlacht auf? Um einen möglichst guten Blick auf die Schlachtfelder zu haben, suchte er sich die
Marienhöhe aus. Sie lag zwischen den damaligen Dörfern Stötteritz, Probstheida und Connewitz, südöstlich von Leipzig. Hier stand zu diesem Zeitpunkt die Quandtsche Tabaksmühle, die 1743 vom Leipziger Kaufmann Johann Gottfried Quandt errichtet wurde. Die holländische Mühle diente der Verarbeitung von Tabak, der in Stötteritz angebaut wurde. Mit einem hölzernen Tisch, Karten, einem Schemel und großem Wachfeuer bezog Napoleon neben dieser Mühle seinen Posten. Die Mühle sollte jedoch nicht mehr lange dort stehen, da sie bei der Erstürmung Leipzigs zerstört wurde. Von wem, ist bis heute unklar. Die Mühle wurde nie wieder aufgebaut, jedoch erinnert der Name der Straße „An der Tabaksmühle“ noch heute an sie.

Ein kleiner Stein für einen kleinen Mann


Bereits 1832 wurde genau an dieser Stelle in Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig ein simpler Gedenkstein errichtet. Dieser wurde später im Grunde des heutigen Napoleonsteins verankert. Auf Initiative des „Vereins zur Feier des 19. Oktobers“ hin wurde das neue Denkmal am 25. Oktober 1857 errichtet und vom Probstheidaer Pastor Blüher eingeweiht. Das Denkmal besteht aus einem gusseisernen, rötlichen Granitblock mit einem Sockel und einer Deckplatte. Darauf liegt ein Kissen mit Nachbildungen des Zweispitzes sowie des Fernrohrs Napoleons. Leidglich der Degen ist heute nicht mehr in Gänze ersichtlich.

Dass der Stein jenen Ort markiert, von dem aus Napoleon 1813 die Schlacht um Leipzig leitete, darauf verweist die Inschrift auf der Ostseite: „Hier weilte Napoleon am 18. Oktober 1813, die Kämpfe der Völkerschlacht beobachtend.“ 

Die Inschrift der Westseite lautete zunächst „Der Herr ist der rechte Kriegsmann. Herr ist sein Name. 2. Mose 15, 3“. Dieser Bibelauszug wurde jedoch später herausgeschlagen und durch Hinweise auf den Standort der Tabaksmühle ersetzt. So steht hier heute geschrieben: „Standort der ehemaligen Quandtschen Tabaksmühle, Befehlsstand Napoleons“.

Der Wächter und seine Gebeine


Zur Zeit der Erbauung des Napoleonsteins gab es den
Südfriedhof und auch den Stadtteil Marienbrunn noch nicht. Somit lag der Standpunkt sehr weit außerhalb der Stadt, weshalb 1869 ein Wächterhäuschen daneben gestellt wurde. Hier lebte in den 1870er Jahren der Alte Peters, ein Invalide aus dem Krieg 1870/71. Offiziell war er als Denkmalswächter angestellt. Gegen einen Obolus erzählte er Interessierten aber auch Geschichten über die Schlacht. In seinem kleinen Haus befand sich ein Kabinett aus Gebeinen, die Bauern über die Jahre fanden. 1886 wurde schließlich der Südfriedhof errichtet. Damit entfiel die Notwendigkeit eines Wächters. Zur Sicherung umschließt heute ein Gitterzaun mit zwölf Säulen das Denkmal.

Im Schatten des großen Nachbarn


Heute ist der Napoleonstein nicht mehr die erste Anlaufstelle für Besucher. Vielmehr zieht es Interessierte zum Völkerschlachtdenkmal in unmittelbarer Nähe. Das von den Leipzigern liebevoll „Völki“ genannte Denkmal wurde genau 100 Jahre nach der Schlacht, am 18. Oktober 1913, eingeweiht. Der Berliner Architekt
Bruno Schmitz arbeitete dabei gemeinsam mit den Bildhauern Christian Behrens und Franz Metzner. Heute ist das Völkerschlachtdenkmal Aussichtsplattform und Museum zugleich. Es gehört gemeinsam mit dem am Fuße des Denkmals befindlichen Museum Forum 1813 zum Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig.

Stand: 10.01.2024

Bildergalerie - Napoleonstein

Historisches Bildmaterial - Napoleonstein

Mückenschlösschen

Waldstraße 86 | Ortsteil: Zentrum-Nordwest

Das Mückenschlösschen befindet sich unmittelbar am Elstermühlgraben vor dem Rosental. Bei dem Namen handelt es sich um eine Anspielung auf den 1723 von August dem Starken geplanten Bau eines Lustschlosses an heutiger Stelle, welcher aufgrund der Mückenplage scheiterte. Das Mückenschlösschen wurde am 16. September 1892 von Gustav Strauss erbaut. Heute wird in der nach historischem Vorbild sanierten Gaststätte mit großzügigem Biergarten regionale, deutsche Küche angeboten. Die Veranstaltungsräume bieten eine authentische Kulisse für Events verschiedener Art.

Vom Lustschloss des starken Augusts zum Mückenschlösschen


Die Geschichte des Mückenschlösschens reicht bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Genau an der heutigen Stelle des Mückenschlösschens an der Rosentalbrücke am Elstermühlgraben wollte der Kurfürst von Sachsen und König von Polen,
August der Starke, um 1723 ein Lustschloss erbauen lassen. Die Schneisen durch das Rosental waren für dieses Vorhaben bereits geschlagen. Aufgrund der vorherrschenden Mückenplage durch die sumpfige Umgebung bäumte sich das Pferd des Kurfürsten bei einem Besuch jedoch auf und er fiel herunter. Da die Schmach zu groß für ihn war, wich er – sehr zur Freude des Leipziger Stadtrates – von seinem Plan ab und das Schlösschen wurde nicht gebaut. 

Nach Erhalt der Baugenehmigung am 5. Juli 1890 für die Villa Oskar Linker vollendete der Architekt Gustav Strauss den entsprechenden Rohbau am 16. September 1892. Der 1895 unter dem Namen „Waldschlösschen“ eröffnete Gastronomiebetrieb wurde wenig später in Erinnerung an die Geschichte von August dem Starken in „Mückenschlösschen“ umbenannt. Nur vier Jahre nach der Eröffnung erfolgte im Februar 1898 bereits der erste Umbau in Form von zwei zusätzlichen Gästezimmern, einem Buffet-, Kaffee- und Billardzimmer. Im Jahr 1899 wurde der Kaufmann Johannes Meister neuer Eigentümer der Villa. Sein Plan eines Anbaus von Maschinenhaus, Pferdestall und Wirtschaftsgebäude wurde am 15. Juni 1990 von der „Königlichen Gewerbe Inspektion“ genehmigt, jedoch nie umgesetzt. Zwischen 1912 und 1921 wurde das Mückenschlösschen dreimal zwangsversteigert und ging am 23. Februar 1921 schließlich in den Besitz von J. Katzenellenbogen über. Aufgrund der Inflation musste die Villa 1923 schließen. Nach zahlreichen Besitzerwechseln wurde Arthur Beyerlein 1935 neuer Eigentümer des Geländes und nutzte dieses bis 1992 als Postkartenverlag. Ein Jahr später kaufte ein eng mit der Stadt verbundenes Ehepaar das Mückenschlösschen und ließ dieses nach historischen Vorlagen von 1890 von sächsischen Künstlern und Bauhandwerkern restaurieren. Am 1. August 1995 wurde das Gebäude von der Paulaner AG als Restaurant und Ausflugslokal übernommen und 1996 mit großem Biergarten direkt am Elstermühlgraben neu eröffnet. Im Jahr 2005 sanierten die neuen Pächter Josef Hutter und Henrik Dantz das Mückenschlösschen umfangreich. Sie bauten die zweite Etage aus und erweiterten das Lokal 2011 um drei zusätzliche Räume – Weinstube, Kaminzimmer und Rosentalsaal.

Sächsisch-bayerische Küche in historischer Kulisse


Das Mückenschlösschen zeichnet sich durch das authentische Ambiente nach historischem Vorbild aus. Insofern wird nicht nur für kulinarischen Genuss, sondern auch für ein entspanntes Verweilen der Gäste gesorgt. Im Erdgeschoss befindet sich das Restaurant mit kleinem gemütlichem Café sowie Bar und Tresen. Der großzügige Gastraum erinnert an das Ambiente, das vom einst wohlhabenden Bürgertum der Stadt genossen wurde. Er ist mit prachtvollen, original erhaltenen Kassettendecken und Wandvertäfelungen ausgestaltet. Die bei der Restaurierung wiederentdeckten floralen Wandbemalungen im Jugendstil vervollständigen gemeinsam mit der farblich dezent abgestimmten Einrichtung das historische Ambiente. Die Speisekarte des Mückenschlösschens umfasst größtenteils regional bodenständige Speisen mit aus Sachsen stammenden Erzeugnissen. Neben den à la carte Speisen, darunter Sächsische Kartoffelsuppe, gebratenes Zanderfilet und Flammkuchen, werden auch Getränke-Klassiker wie
Leipziger Allasch angeboten. Zum Angebot zählt zudem eine Auswahl an Fassbieren, darunter das Mückenschlösschen Spezialbier, Paulaner Premium Pils und Hefe naturtrüb. Als Traditionsgaststätte der Paulaner-Brauerei umfasst die Speisekarte auch bayerische Schmankerl, wie Gebratenen Leberkäse nach „Oberbayerischer Art“. Das Angebot wird außerdem um wechselnde saisonale Spezialitäten ergänzt. 

Entspannung mitten im Grünen bietet der großzügige, unmittelbar neben dem Elstermühlgraben gelegene Biergarten. Er wird um einen Holzspielplatz, einen hauseigenen Kräutergarten und eine historische Grotte ergänzt. In den Sommermonaten bietet sich auf dem Freisitz zudem die Möglichkeit, Grill-Partys ab 20 Personen zu veranstalten. Hierbei übernimmt das Mückenschlösschen das Einkaufen, Vorbereiten und Aufräumen, während die Gäste entspannt feiern und schlemmen können. 

Die Veranstaltungsräume des Mückenschlösschens bieten einen authentischen Rahmen für Events verschiedener Art, von Hochzeit über Firmenfeier bis Familienessen. Der Rosentalsaal bietet Platz für bis zu 100 Gäste, das Kaminzimmer und das Turmzimmer je bis zu 25 sowie die Weinstube bis zu 30. Die Buffetauswahl reicht von mediterran bis sächsisch. Der Veranstaltungskalender des Mückenschlösschens umfasst zudem auch verschiedene kulturelle Events, darunter Dinnershows, Theater und Kabarett. 

Stand: 10.01.2024

Bildergalerie - Mückenschlösschen

Historisches Bildmaterial - Mückenschlösschen

Moritzbastei

Kurt-Masur-Platz 1 | Ortsteil: Zentrum

Die Moritzbastei wurde von 1551 bis 1553 nach Plänen von Hieronymus Lotter als Wehranlage errichtet und nach dem Auftraggeber, dem Kurfürst Moritz von Sachsen, benannt. Sie ist der letzte erhaltene Teil der ehemaligen mittelalterlichen Stadtbefestigung. Nach der Zerstörung der Moritzbastei im Zweiten Weltkrieg wurde sie ab 1974 in mühevoller Handarbeit von 30.000 Helfern, darunter zahlreiche Leipziger Studenten wie die spätere Bundeskanzlerin  Angela Merkel, von Trümmerschutt befreit. Seit der Eröffnung 1982 gilt die Moritzbastei als größter Studentenclub Europas.

Von der spätmittelalterlichen Wehranlage zu Lagerraum und Arbeitsstätte


Die Moritzbastei ist Leipzigs bekanntestes Kulturzentrum, in dem historische Architektur und modernes Kulturleben miteinander verbunden sind. Sie befindet sich unmittelbar neben dem
Gewandhaus zu Leipzig gegenüber dem City-Hochhaus und der Universität Leipzig am Promenadenring und blickt auf fast 500 Jahre wechselvolle Geschichte zurück.

Während des Schmalkaldischen Krieges wurde Leipzig im Januar 1547 für 21 Tage lang belagert, aber nicht eingenommen. Dennoch erwies sich die 2,5 Kilometer lange Stadtbefestigung im Zuge des versuchten Angriffs und gegen die entwickelte Kriegstechnik als zu schwach. Aus diesem Grund ließ Kurfürst Moritz von Sachsen die Verteidigungslücke zwischen dem Peterstor und dem Grimmaischen Tor schließen und veranlasste anstelle des stark zerstörten Henkersturms den Bau einer massiven Henkersbastei als zukünftige Wehranlage in offener Fünfecksform mit vier Meter dicken und 15 Meter hohen Mauern. Besonders ausgedehnt wurden die Kasematten angelegt, die unterhalb der Bastei als beschussfester Raum für Soldaten und Material dienten. Mit dem Bau der Bastei sollte die bestehende Stadtbefestigung gestärkt und die Kontrolle des Vorfeldes der Stadt sichergestellt werden. 1.200 Bauern mussten die geplante Anlage in Fronarbeit errichten. Für die Beschaffung von Baumaterial wurden nach Beschluss der Stadtväter die Überreste des Nonnenklosters auf dem Petersberg abgetragen. Künftig sollte der Schutz der Stadt durch drei Bastionen gewährleistet werden: Die Ranstädter Bastei im Nordwesten, die Hallesche Bastei im Nordosten und die Henkersbastei an Stelle des zerstörten Henkersturms im Südosten. Mit der Leitung des Baus von 1551 bis 1553 wurde Hieronymus Lotter beauftragt. Durch seine gewissenhafte Arbeit erhielt der spätere Bürgermeister Leipzigs in der Folge weitere Großaufträge in der Stadt sowie in ganz Sachsen, darunter den Umbau des Alten Rathauses und die Bauleitung von Schloss Augustusburg bei Chemnitz. An der Spitze der im stumpfen Winkel zueinanderstehenden, abgeschrägten Seiten der Schildmauer wurde das Kurfürstlich-Sächsische Wappen angebracht, von dem der Bildhauer Markus Gläser im Auftrag des Denkmalschutzes 2011 eine Kopie anfertigte. Das verwitterte Original wird im Innern der Moritzbastei präsentiert. 1554 erhielt das massive Bauwerk zu Ehren von Kurfürst Moritz von Sachsen seinen heutigen Namen „Moritzbastei“.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Leipzig zwischen 1618 und 1648 fünfmal belagert und beschossen. Da sich die Stadt bereits zu dieser Zeit zu einem bedeutenden Handels- und Messezentrum entwickelt hatte, war sie von kaiserlichen und schwedischen Truppen stark umkämpft. Die Stadtbefestigung geriet ab 1631 immer wieder unter Beschuss. Während des Siebenjährigen Krieges von 1756 bis 1763 wurde die Moritzbastei schwer beschädigt. Der Bastionenbau erwies sich als nutzlos, da Leipzig über die Schwachstellen im Mauerwerk zwischen den Basteien eingenommen wurde. Im Anschluss verlor die Moritzbastei ihre militärische Funktion und wurde zu einem Lager für Handelswaren und einer Arbeitsstätte für Buchdrucker, Glockengießer und Schwefelzieher umfunktioniert. Dank der Kasematten in Ziegelbauweise bot deren Tonnengewölbe Platz für Soldatenunterkünfte, die Lagerung von Ausrüstung, Waffen und Munition, während in der Gießerwerkstatt vor Ort Geschütze gegossen werden konnten. Auch ein Weinkeller wurde angelegt.

Vom Schuttberg aus Trümmern zu Europas größtem Studentenclub


Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude umgenutzt: Zwischen 1796 und 1834 errichtete die Stadt auf den Mauern der Moritzbastei die
Erste Leipziger Bürgerschule – deutschlandweit einzigartig. Die klassizistische zweiflügelige Anlage mit ovalem Mittelbau, die den fünfeckigen Grundriss der alten Bastei wieder aufnahm, entstand nach Plänen von Stadtbaudirektor Johann Friedrich Carl Dauthe und wurde nach seinem Tod von Wilhelm Kanne vollendet. Die Anlage nahm in einem Teil des Gebäudes am 2. Januar 1804 mit anfänglich 238 Schülern den Lehrbetrieb auf. Später wurde in den Gemäuern die Annenschule, eine Frauenberufsschule, aufgenommen. Bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg wurde das Schulgebäude in der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1943 schwer zerstört und dessen unterirdische Gewölbe nach 1945 mit Zehntausenden Tonnen Trümmern und Bauschutt befüllt. Von der einstigen Moritzbastei, deren Kasematten fast unversehrt blieben, war fortan nur noch ein Hügel im Park erkennbar.

1974 wurde der mit Bäumen und Sträuchern bewachsene Schuttberg wiederentdeckt und seine zukünftige Nutzung als Studentenclub beschlossen, mit dessen Planung die Architekten Bernd Lauenroth und Reinhard Plewe beauftragt wurden. Der erste Spatenstich erfolgte am 30. März 1974, als die Reste der Moritzbastei den Studenten der Karl-Marx-Universität als Ausbauobjekt Jugendclub übergeben wurden. In mühevoller Handarbeit mit Schaufel und Schubkarre begannen diese mit der Freilegung der zugeschütteten Moritzbastei. Unter den rund 50.000 Universitätshelfern befand sich auch die damalige Physikstudentin Angela Merkel. Aus den unterirdischen Gewölben wurden rund 35.000 Kubikmeter Trümmerschutt entfernt und die ursprüngliche Bauform der Kasematten wiederhergestellt. Der erste Bauabschnitt wurde am 1. Dezember 1979 zur Nutzung freigegeben und das „Jugend- und Studentenzentrum Moritzbastei“ 1982 nach acht Jahren und 150.000 Arbeitsstunden eröffnet. Die Übergabe des fertigen Komplexes erfolgte am 5. Februar 1982 an die Karl-Marx-Universität. Zur Wendezeit um 1989 wurde die Moritzbastei von der FDJ als Zentrum für Begegnungen betrieben, in dem Studenten kulturelle Veranstaltungen, Foren und Runde Tische organisierten. Durch die Hochschulreform in Sachsen 1992 erfolgte die Ausgliederung der Moritzbastei von der Universität. Sie wurde seit 1993 von der Moritzbastei Betriebs GmbH im Auftrag der Stiftung Moritzbastei betrieben unter der Prämisse, die studentische und akademische Kultur in Leipzig voranzutreiben.

Historische Architektur trifft auf modernes Kulturleben in uriger Atmosphäre


Seit den 1990er Jahren ist die Moritzbastei nicht mehr nur für Studenten zugänglich, sondern wird als öffentliches Kulturzentrum bewirtschaftet. Sie entwickelte sich zu einer der wichtigsten subkulturellen Treffs des Leipziger Nachtlebens. Tagsüber werden im Café und Restaurant Barbakane Speisen und Getränke angeboten. Zwei Gasträume, der „Fuchsbau“ und das „Schwalbennest“, wurden nach nicht mehr existierenden Studentenkneipen benannt. Abends sorgen Live-Konzerte nationaler und internationaler Künstler unterschiedlicher Genres von Jazz bis Rock sowie Kabarett, Diskothek und Kneipe für eine angenehme Atmosphäre in den unterirdischen Gewölben, darunter die „Veranstaltungstonne“ mit Bierbar. Durch die regelmäßig stattfindenden Lesungen, Theateraufführungen sowie Diskussionsrunden wie das seit 1996 bestehende
Tourismusfrühstück ist die Moritzbastei fester Bestandteil des Leipziger Kulturlebens. In den wärmeren Monaten wird auf der Sommerbühne im Freien ein vielfältiges Kulturprogramm geboten.

An den militärischen Ursprung des Gebäudes als Verteidigungsanlage erinnert heute die Kugelpyramide am linken Eingang der Moritzbastei, die aus aufgeschichteten Steingeschossen aus dem Dreißigjährigen Krieg besteht. 

Stand: 10.01.2024

Bildergalerie - Moritzbastei

Historisches Bildmaterial - Moritzbastei

Leuchtreklame “Mein Leipzig lob’ ich mir”

Brühl / Am Hallischen Tor | Ortsteil: Zentrum

Bei der denkmalgeschützten Leuchtreklame „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ auf dem Dach des Einkaufszentrums Höfe am Brühl handelt es sich um ein Wahrzeichen der Messestadt. Es wurde 1967 von Gerd Dachse in Zusammenarbeit mit der PGH Elektro Thalheim nach einem Entwurf der Gebrauchsgrafiker Theo Hesselbarth und Jürgen Mau geschaffen. Die 100 Meter breite und bis zu fünf Meter lange Anlage besteht aus einer viersprachigen Grußbotschaft „Willkommen in Leipzig“ und dem Goethe-Zitat „Mein Leipzig lob‘ ich mir“. Aufgrund des Gebäudeabrisses am Brühl wurde die Reklame 2007 demontiert, eingelagert und am 26. Juli 2018 wieder nach historischem Vorbild montiert.

Als leuchtende Neonschriftzüge die Messestadt erhellten…


Das leuchtende
Doppel-M auf dem Dach des Wintergartenhochhauses, die Löffelfamilie neben der Feinkost auf der Karl-Liebknecht-Straße, die Kult-Leuchtwerbung Milchbar Pinguin oder „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ am Brühl: Dabei handelt es sich nur um drei von einst unzähligen Neonwerbeanlagen, welche Leipzig den Ruf der „Hauptstadt der Leuchtreklamen“ verschafften. Zu DDR-Zeiten tauchten vermutlich ca. hundert leuchtende Neonreklamen die Messestadt in bunte Farben. Im Areal rund um den Promenadenring wurden seit den 1950er Jahren Dutzende Leuchtanlagen, nicht zuletzt auf Geheiß von SED-Chef Walter Ulbricht, geschaffen, dem es bei einem Besuch in seiner Heimatstadt zu dunkel und trist gewesen sein soll. In der Folge wurde das nächtliche Stadtbild durch die Leuchtinstallationen aufgewertet und Leipzig somit zur inoffiziellen Hauptstadt der Neonreklamen. Der Höhepunkt dürfte um 1980 erreicht worden sein, als die Straßenbeleuchtung schwach war und die Reklamen von den Dächern und Fassaden umso heller strahlten. Die Leuchtreklamen warben in der Innenstadt und an größeren Ausfallstraßen etwa für prickelnd frisches Mineralwasser, Zellwolle, doppelt konzentrierte Suppen oder die Leipziger Messe. Seit 1990 verschwand eine Vielzahl der Leuchtreklamen, die nicht unter Denkmalschutz standen, aus dem Stadtbild. Wo Häuser neu gebaut oder saniert wurden, wanderten die oftmals vollkommen verrosteten Neon-Blech-Installationen in die Schrottpresse. Um 2000 wurde das Thema von der Denkmalpflege wieder aufgegriffen und die bedeutendsten Anlagen als origineller Bestandteil des Stadtbildes erhalten. Mittlerweile stehen etwa zwanzig Neon-Schriftzüge in Leipzig unter Denkmalschutz. Oftmals ist es privaten Initiativen oder Immobilieninvestoren zu verdanken, dass die Anlagen wieder leuchten. Federführend bei der Sanierung zahlreicher Reklamen war die Leipziger Firma NEL, deren Vorgängerfirma zu DDR-Zeiten zahlreiche Anlagen gebaut hatte.

Ein Stückchen Stadtgeschichte an den Brühl-Arkaden


Seit 1967 wurden Gäste, die aus dem
Hauptbahnhof traten und in Richtung Innenstadt schauten, mit einer viersprachigen Grußbotschaft „Willkommen in Leipzig“ und dem Goethe-Spruch „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ empfangen. Der Satz entstammt Johann Wolfgang Goethes Tragödie „Faust“, in welcher der vorlaute Student Frosch in Auerbachs Keller ruft „Mein Leipzig lob‘ ich mir!? Es ist ein Klein-Paris und bildet seine Leute.“ Dieser Spruch wurde seit dem 19. Jahrhunderts zum geflügelten Wort. Geburtsort dieser und weiterer Leipziger Leuchtreklamen, war das Atelier der Gebrauchsgrafiker Theo Hesselbarth und Jürgen Mau am Lindenauer Markt und später in der Menckestraße direkt neben der Gosenschenke „Ohne Bedenken“. Die von ihnen 1967 gegründete Künstlergruppe „Unda“, lateinisch für „Welle“ oder „Strömung“, war eine der aktivsten Nährböden für die Gestaltung von Neonwerbeanlagen in Leipzig. Mau und Hesselbarth erhielten den Auftrag, für den 1967 am Brühl errichteten Plattenbau eine leuchtende Grußbotschaft für Leipziger Gäste zu entwerfen. Bei dem Goethe-Zitat äußerte die SED zunächst ihre Bedenken, ob ein Vergleich der Messemetropole mit der zu Goethes Zeiten verkommenen französischen Hauptstadt angemessen wäre. Die Debatte dauerte beinahe ein Jahr an, bevor die lokale Parteispitze das Vorhaben schließlich genehmigte. Unda schuf nicht nur den Entwurf für die Leuchtreklame „Mein Leipzig lob‘ ich mir“, sondern auch Entwürfe für viele weitere leuchtende Kunstwerke, welche über Jahrzehnte – und zum Teil noch heute – das Stadtbild prägen. Die Umsetzung des Entwurfes hatte Gerd Dachsel inne, der die Leuchtwerbung mit der damaligen PGH Elektro Thalheim bei Chemnitz herstellte.

Zwischen Einlagerung und Neumontage: Leipzigs Wahrzeichen begrüßt wieder seine Gäste


Bei dem Neonschriftzug handelte es sich um ein Wahrzeichen der Messestadt und zugleich um einen bedeutenden Teil der Stadtgeschichte. Der Dichterspruch prangte in meterhohen Lettern über dem Wohnblock am Innenstadtring. Als die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) im Jahr 2007 ihre Plattenbauten am Brühl abreißen ließ, wurde die denkmalgeschützte Leuchtreklame demontiert und in einer Halle im Landkreis Leipzig eingelagert. Anstelle des früheren Wohnblockes eröffnete am 25. September 2012 das Einkaufszentrum Höfe am Brühl. Nach aufwändiger Sanierung der denkmalgeschützten Leuchtreklame in Höhe von rund 400.000 Euro durch den Essener Brühl-Investor MFI sollte die knapp 100 Meter breite und bis zu fünf Meter hohe Anlage wieder am Dach des Einkaufszentrums montiert werden. Die Sanierungsarbeiten nach historischem Vorbild von 1967 wurden von der Firma Caralux bei Rackwitz in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalschutz ausgeführt. 

Aufgrund eines andauernden Rechtsstreits mit dem benachbarten Leipzig Marriott Hotel ab 2012 verzögerte sich die Montage um mehrere Jahre. Hintergrund war eine Debatte um die Ausrichtung der historischen Leuchtstreifen vis-à-vis dem Hotel und die damit verbundene Befürchtung, dass sich Gäste von der Helligkeit der Reklame bei Nacht gestört fühlen könnten. Schließlich einigte man sich auf eine Installation des Goethe-Zitates in Richtung Innenstadt bzw. Museum der bildenden Künste, wie zuvor bereits 1967. Die Willkommensgrüße in Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch wurden in Richtung Hallisches Tor angebracht, an der Ecke zum Innenstadtring wurden das Leipziger Stadtwappen sowie der Schriftzug „Willkommen in Leipzig“ montiert, der – wie bereits vor 1990 – ankommende Besucher in Leipzig begrüßen soll. 

Seit dem 26. Juli 2018 prangt die Leuchtreklame nach historischem Vorbild am Dach der Höhe am Brühl. 2.200 Meter neueste LED-Neonflex-Schläuche wurden in die knapp 100 Meter lange, fünf Meter hohe und 30 Tonnen schwere Reklame verbaut und lassen den Schriftzug täglich strahlen. 

Stand: 10.01.2024

Bildergalerie - Leuchtreklame “Mein Leipzig lob’ ich mir”

Historisches Bildmaterial - Leuchtreklame “Mein Leipzig lob’ ich mir”

Kupfersaal Leipzig

Kupfergasse 2 | Ortsteil: Zentrum

Strahlkraft erreicht die Kupfergasse im Leipziger Zentrum vor allem dann, wenn ein prominenzverdächtiger roter Teppich vor der breiten Eingangstür zu dem Gebäude im oberen Teil der schmalen Straßenverbindung liegt. Das zugehörige Etablissement erhielt seinen Namen von der vorüberführenden, klassisch gepflasterten Gasse – es ist der Kupfersaal. Baulich und programmatisch schlägt er einen bemerkenswerten Bogen von Leipzigs Vergangenheit in die Gegenwart der Großstadt. Kommerz, Kalorien und Kultur hießen bzw. heißen die Triebkräfte.

Restaurant in einem Messepalast


Kupfergasse von Osten her – das ist der raumfüllende Eindruck von der Fassade des einstigen
Kaufhauses Althoff/Centrum/Karstadt. Kupfergasse von Westen her – das wirkt wie die pure Dominanz des City-Hochhauses. Dazwischen liegt im Erdgeschossbereich der Kupfersaal. Seine Geschichte vollständig aufzuzeichnen, hieße, eine Monographie eines ganzen City-Quartals zu verfassen.

Dicht drängte sich die Bebauung hier immer. Sie war messegetrieben, und aus Leipziger Perspektive ist das meist Erklärung genug für den Wandel, der vom Handel profitierte. Ganze Häuserzeilen fielen, an deren Stelle in den Jahren 1912/13 einer der neuen innerstädtischen Messepaläste emporwuchs. Die Jahre unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg markierten den unbestrittenen Höhepunkt in Leipzigs bürgerlicher Entwicklung, auf die heutzutage gern schwärmerisch zurückgeblickt wird. Die Leipziger Messe brummte, die Vermögen wuchsen, die Stadt nahm einen Spitzenplatz in Deutschland ein. Doch welchen Namen sollte der neue Messepalast zwischen Neumarkt, Kupfergasse und Magazingasse denn passenderweise tragen? Die Bauherren erinnerten sich an das – für den Neubau abgerissene – Gasthaus Dresdner Hof im oberen Teil der Magazingasse und gaben dem ganzen Neubau diesen Namen. Das Messehaus Dresdner Hof, eine Oase der Pharmafirmen und der Kosmetikbranche, öffnete sich mit reich geschmückter Fassade vor allem zum Neumarkt hin, und auf der Seite der Magazingasse entstanden ein repräsentativer Empfangsbereich sowie die Bier- und Speisegaststätte Naumann-Bräu. Hinterer Teil des Dresdner Hofs – das klingt ein bisschen nach Abgeschiedenheit, war es aber nicht. Mit tausend Plätzen rangierte Naumann-Bräu an der Spitze der gesamten Leipziger Innenstadt-Gastronomie. Gedruckte Reiseführer stuften das Restaurant in die Kategorie „Alt-Leipzig“ ein und setzten ein X davor – das signalisierte: mit Unterhaltungsmusik. Namensgeber war die Brauerei Naumann – nach der marktführenden Riebeck-Brauerei einer der Platzhirsche der Brauereiindustrie in der Messestadt. Damit ist die Spur gelegt zu jenem Teil des Hauses, aus dem viele Wechsel und Wenden später der Kupfersaal werden sollte.

Beliebte Mensa der Universität


Durch den Zweiten Weltkrieg, der in der Innenstadt beträchtliche Gebäudeschäden hinterließ, kam der Dresdner Hof vergleichsweise glimpflich davon. Er bewahrte seine Messetradition und bot 500 Ausstellern begehrte Standflächen. An der Ecke Neumarkt/Magazingasse lud das
Filmkunsttheater Casino ein, das heutzutage wohl Programmkino heißen würde, und den Empfangsbereich bespielte ab 1980 das Kabarett academixer als academixer-Keller im klassischen Art deco. Schon Jahre vorher war das ehemalige Naumann-Bräu der Karl-Marx-Universität zugesprochen worden, die darin eine Mensa für die vielen Studenten und Mitarbeiter der innerstädtischen Sektionen und Institute einrichtete. Das „Kind“ bekam einen epochetypischen Namen und hieß fortan Kalinin-Mensa, benannt nach dem formalen sowjetischen Staatsoberhaupt der Vorkriegszeit, Michail Kalinin – soviel symbolische Verbeugung „vor den Freunden“ musste damals sein. Nicht der Name bescherte dieser Mensa außerordentliche Beliebtheit, sondern das schnöde Faktum, dass dort selbst die unspektakulärste Gemeinschaftsverpflegung immer ein bisschen besser schmeckte als in anderen Mensen der Uni, auch wenn es „bloß“ um Bratwurst mit Sauerkraut und Salzkartoffeln ging. Essenmarken für die Kalinin-Mensa im Vorverkauf zu erwerben, war unbedingt ratsam.

Zurück zur Kultur – Location mit City-Flair


Nach 1990 änderte sich für den Dresdner Hof – fast – alles. Die academixer nahmen weiterhin die Zeitläufe auf die Schippe, und hatten dafür allen Grund. Das Filmkunsttheater Casino schloss, die Leipziger Messe verabschiedete sich aus der Innenstadt und hinterließ mit dem einstigen Ausstellungspalast ein grundsolides Gebäude, das sich großenteils in einen Seniorenstift verwandelte. Auch für die Kalinin-Mensa kam das Aus. Der traditionsreiche Saal durchlebte anschließend ein unstetes Interregnum als eine Art Ausweichquartier für allerlei flüchtige Verkaufsaktionen wie den Schreibwarenladen „Pfennigpfeiffer“. 

Aus der attraktiven historischen Hülle ließ sich selbstverständlich mehr machen. Seit 2017 betreibt die Leipziger Philharmonie – anfangs gemeinsam mit dem Lyvelyrix e.V. – den rundum renovierten Saal mit seiner beeindruckenden Akustik. Kreative Wortprogramme und verschiedene Musikgenres dominieren das Programm. Lesungen, Poetry Slam und spannungsgeladene Diskussionen finden ihr Publikum ebenso wie klassische Musik und saisonale Höhepunkte. Die Bühne, die viel größer wirkt, als man ihr das von der Kupfergasse her zutraut, wird außerdem gern durch verschiedene Veranstalter genutzt, die für ein anspruchsvolles Publikum auf der nimmermüden Jagd nach einer „angesagten location“ sind. 560 Besucher finden in dem Saal Platz. Eine Bar im Eingangsbereich wirkt als Magnet und komfortabler Entschleunigungsbereich vor vielen der hierher ziehenden Events. 

Der Kupfersaal tut dem gesamten Gebäude gut, weil er wieder urbanes Leben in die schmale Gasse gebracht hat, um die es viel zu lange so verdächtig still geworden war. 

Stand: 09.02.2022

Bildergalerie - Kupfersaal Leipzig

Historisches Bildmaterial - Kupfersaal Leipzig

Kunstkraftwerk Leipzig

Saalfelder Straße 8b | Ortsteil: Neulindenau

Die Kunst formt nun schon ein paar Jahre lang das Haupt-„Produkt“ dieses Betriebs. Doch als Kraftwerk symbolisierte der Standort lange Zeit gänzlich andere Energien. Sie unterstützten das Aufblühen des Stadtteils Lindenau, und die Fixierung auf Kunst setzt nun Energien des Funktionswandels und der Kreativwirtschaft frei. Das Kunstkraftwerk Leipzig hat eine neue Leitfunktion übernommen. Ein Kraftort zeitgemäßer Energien ist es geblieben.

Pionierrolle in der Stromproduktion für die Straßenbahn


Besuchern begegnet das langgezogene Gelände des Kunstkraftwerks als lässig zugeschnittenes Tortenstück. Im Süden fehlt die Spitze. An dieser Schmalseite fügen sich das geschmiedete Eingangstor und ein kleines Kontorgebäude eng aneinander. Klassisch holpriges Kopfsteinpflaster weist Neugierigen den Weg in eine industrielle Vergangenheit. An der westlichen Grundstückskante schmiegen sich Fabrikhallen an die Fahrzeughallen der
Leipziger Verkehrsbetriebe. Im Osten fällt das Areal hinter einer Baumreihe steil zum Karl-Heine-Kanal, dem künstlichen Wasserweg der Leipziger Hochindustrialisierung, ab. Und im Norden komplettiert der weite Bogen der Eisenbahnstrecke nach Zeitz und Gera die Tortenstückgestalt. Mehr Industrie und Verkehr in einer sich wechselseitig verstärkenden Nachbarschaft war in der Entstehungszeit des Kraftwerks schwer vorstellbar.

Der elektrische Funke zündete in einem Umfeld voller Hoffnung auf ein gutes, neues Jahrhundert im Jahr 1900. Elektrische Straßenbahnen gab es zu diesem Zeitpunkt erst seit vier Jahren in Leipzig. In der Straßenbahngesellschaft lief ein forcierter Netzausbau in die frisch eingemeindeten Stadtteile im Westen. Den erforderlichen Strom bezog sie aus einem eigenen Kraftwerk direkt am Straßenbahndepot. Viel später gelangte die frühe Energiezentrale von den Leipziger Verkehrsbetrieben zum Energiekombinat. Dadurch konnten die betagten Kessel in den 1960er Jahren durch neue ersetzt werden. Es blieben die letzten Investitionen. 1992 erloschen in diesem Betrieb die Feuer.

Kulturelle Erweckung mit Klassikbezug


Lange schlummerten die massiven Backsteingebäude einer ruinösen Zukunft entgegen, ehe der Architekt
Ulrich Maldinger und der Medizinstatistik-Professor an der hiesigen Universität, Markus Löffler, beschlossen, viel Geld und jede Menge Ideen in die gründliche Umgestaltung des Kraftwerks zu investieren. Sie kauften das dringend pflegebedürftige Industriedenkmal. Nach umfangreichen Bauwerksanierungen zog die Kunst ein. Ihr werden vollkommen neue Präsentationsformen geboten.

Besucher betreten das ehemalige Kesselhaus mit seinen hohen Fensterreihen von der Seite her und stoßen zuerst auf weiß gekalkte Wände und eine patriotisch-politische Losung, die ihre Entstehungszeit in der DDR nicht verleugnen kann. Schwere Stahltüren verschließen Seitengänge und den früheren Kohlebunkerschlund. Denkmalatmosphäre rundum. Die eigentliche Arena ist eine klassische Industriehalle von respektablen Ausmaßen und mit typischen, unverputzten Ziegelwänden. Hier standen die mit Kohle beheizten Kessel und nebenan die elektrischen Umformer. Nur ein funktionslos gewordener Portalkran mit einem mächtigen Haken an schwerer Eisenkette weist gegenständlich auf die längst vergangene Nutzung hin.

Das jüngst investierte Kapital steckt in Hochleistungs-Präsentationstechnik mit raffinierten Überblendfunktionen der 360-Grad-Projektoren und in Audiotechnik, die in der Halle Achtung gebietende Halleffekte erzeugt. Reflektiert werden die eingespielten Klänge eben nicht von den edlen Hölzern eines akustisch optimierten modernen Konzertsaals, sondern von den kahlen Wänden einer Werkhalle. Klingt unerhört. Und die Aromenkomposition der Luft lässt sich am besten als dezent würzig mit einem gelegentlichen herben Kohlehauch aus den Poren des geschichtsträchtigen Mauerwerks deuten. 

Über die eher schrundigen und keineswegs glatten Wände laufen rund 20 Minuten lang die mit eindrücklichen Musikstücken untermalten immersiven Präsentationen. Einen fast vollkommenen Eindruck vermittelt die Betrachterposition im Zentrum der Halle. Präsentierte Bewegung findet rundherum statt. Seit 2018 ist das Programm des Kunstkraftwerks deutlich italienisch geprägt. Familiale und familiäre Linien in der Biografie von Markus Löffler haben diese Richtung vorgezeichnet. Italienische Spezialisten stimmten ihre kunsthistorische Sicht gefühlvoll auf die ungewöhnliche Umgebung ab. Renaissance-Kunstwerke von da Vinci, Raffael und Michelangelo beziehen ihren Spannungsbogen aus der unmittelbaren Konfrontation mit Leipziger Industriekultur. Die beiden Ebenen unterschiedlicher Klassik harmonieren perfekt. Die Projektoren holen mit höchster Auflösung aus den Kunstwerken Details hervor, die sich selbst direkt vor den Originalen nicht zwangsläufig erschließen. Ersetzt deshalb ein Besuch im Kunstkraftwerk in Lindenau einen Besuch in den Uffizien in Florenz oder in anderen Weltzentren der Kunst in Italien? Keineswegs, denn es geht eher darum, mit dem unaufdringlich auf Details gerichteten Blick die Lust auf die originalen Gesamtkunstwerke anzufüttern und ein latent vorhandenes Reisefieber weiter anzuheizen.

Energiespender des Kulturkalenders


Das Kunstkraftwerk ist nach kurzer Zeit im geschäftigen Leipziger Kultur- und Event-Spektrum angekommen. Mit staunenswerten Präsentationen, der Teilnahme an diversen Festivals vom Pflichtstück
Leipzig liest bis zum Tag des offenen Denkmals sowie saisonalen Schaueinlagen, wie der Präsentation neapolitanischer Weihnachtskrippen, hat sich das Kunstkraftwerk die Zuneigung einer wachsenden Fan-Gemeinde erobert. Im Jahr 2021 fand erstmals das Bright Festival Connect statt. Internationale Künstler kommen seitdem jährlich für drei Tage nach Leipzig und bieten dem staunenden Publikum immersive Kunst, interaktive Installationen, Live-Performances, virtuelle und augmented Virtuality, Video-Mapping und Lichtdesign. Tagsüber gibt es zusätzlich Workshops und abends Live Sets. 

Mancher Event-Manager weiß außerdem, dass er mit einer stimmungsvollen Firmenfeier in der umfunktionierten Werkhalle nichts falsch machen kann. Und zum Jahr der Industriekultur in Sachsen – 2020 – lief eine spezielle Präsentation Leipziger Industriefotografie aus 140 Jahren. Dem Lichtbildfundus wurde Dynamik eingehaucht. Wer bis dahin annahm, rund um das Kraftwerk die vielgestaltigen Spuren der industriellen Vergangenheit bereits bestens zu kennen, sah sich eines Besseren belehrt. 

Stand: 15.01.2023

Kaiser-Maximilian-Denkmal

Universitätsstraße / Städtisches Kaufhaus | Ortsteil: Zentrum

Kaiser Maximilian I. ist es zu verdanken, dass Leipzig einst das Große Messeprivileg erhielt. Ihm zu Ehren wurde 400 Jahre später, am 31. August 1897, das Kaiser-Maximilian–Denkmal in der Universitätsstraße enthüllt.

Das Messeprivileg für die Messestadt


Bis ins 15. Jahrhundert hinein war Leipzig keineswegs die einzige Stadt, die Messen abhielt. Vielmehr gab es ein gleichrangiges, mehr oder minder abgestimmtes Verhältnis der mitteldeutschen Messen untereinander. Leipzig hatte somit zunächst kein höheres Messeansehen als Erfurt, Halle oder Naumburg. Mit der Gründung der
Universität Leipzig im Jahr 1409 und der Ablösung Freibergs als Finanzzentrum stieg die Bedeutung Leipzigs gegenüber den anderen Städten. Im Sommer 1458 beschloss man wohl im Rathaus, die Gleichrangigkeit mit den anderen Messen aufzubrechen. Zum Streitthema wurde die Neujahrsmesse von Halle, die es zu konkurrieren galt. Somit kam für Leipzig zu den bekannten Frühjahrs- und Herbstmessen eine dritte Messe hinzu, die Neujahrsmesse. Nach ewigem Hin und Her sowie langem Schriftverkehr wurden im Jahr 1497 alle drei Leipziger Messen zu Reichsmessen ernannt. Auf dem Reichstag zu Worms am 20. Juli 1497 verlieh Kaiser Maximilian I. Leipzig damit das bis dahin größte Messeprivileg. Darin stand unter anderem geschrieben, dass in den benachbarten Territorien keine neuen Messen mehr errichtet werden dürfen. Dies galt auch für den halleschen Neujahrsmarkt. Nur ein paar Jahre später, 1507, sprach der Kaiser ein zweites Privileg aus. Dies besagte, dass der absolute Vorrang Leipzigs nun in allen Bezirken im Umkreis von ca. 120 Kilometer galt. Das sogenannte Stapelrecht verpflichtete die Händler dazu, ihre Ware zuerst in Leipzig anzubieten. So wurden Konkurrenten wie Magdeburg und Erfurt ausgeschaltet. 

Dieser Monopolstellung verdankte Leipzig einen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Auch stärkte das die Stadt als wissenschaftlichen Standort.

Der Papst Leo X. bestätigte schließlich 1514 das Reichsmesseprivileg.

Das Städtische Kaufhaus als erstes Haus der Mustermesse


Einige hundert Jahre dauerte dieser Aufschwung an. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich jedoch die Warenmessen mehr und mehr zu Mustermessen. Die Leipziger erkannten früh den Trend und die Geburtsstunde des
Städtischen Kaufhauses war gekommen. Der neue Messepalast wurde zwischen 1893 und 1901 auf dem Areal zwischen Neumarkt, Kupfergasse, Universitätsstraße und Gewandgässchen in drei Abschnitten gebaut. Bauherr war die Stadt Leipzig. Der erste Bauabschnitt widmete sich der barocken Stadtbibliothek am Gewandgässchen. Die Inbetriebnahme dieser Messeräume begann zur Michaelismesse 1894 und diente als Pilotprojekt der neuen Messeform – der Mustermesse. Die erste offizielle Mustermesse fand dann im März 1895 statt. Das positive Ergebnis führte schließlich zu einem weiteren Umbau. So begann der Abbruch des Zeughausflügels des Gewandhauses und der Umbau wurde schließlich durch den dritten Bauabschnitt am Neumarkt 1901 fertiggestellt. Damit vollzog sich der Schritt von der traditionellen Warenmesse zur zukunftsträchtigen Mustermesse, deren erstes zuhause in Leipzig das Städtische Kaufhaus war. Das neue Messehaus folgte dem Prinzip des Zwangsrundgangs. Die Messebesucher mussten dem Rundgang folgen und waren so gezwungen, an allen Händlern vorbeizugehen. 

Die Gestaltung der Fassade geschah in Anlehnung an die Barockfassade der Stadtbibliothek. Neobarocke Formen waren im Wechsel von Putzflächen und hellen Sandsteinelementen zu sehen. Die Entwürfe kamen dabei von den Architekten des Leipziger Hochbauamts Rayher, Korber und Möller.

Des Kaisers neues Denkmal


Das wohl wichtigste Detail der Fassade findet sich in der Universitätsstraße, an der Ostseite des Städtischen Kaufhauses. Mittig der Vorderseite eines hervorspringenden Gebäudeteils ist ein dreigeschossiges Denkmalensemble zu sehen. Über der Toreinfahrt ist zwischen den beiden Fenstern des ersten Geschosses eine gekuppelte Rundnische eingelassen. Hier steht das übermenschlich große Standbild des Kaisers Maximilian I. Auf der Höhe des zweiten Obergeschosses ist eine schlichte Stuckkartusche zu sehen, die die Inschrift „Erbaut 1895 und 1896 unter König Albert 400 Jahre nach der Bestätigung der Leipziger Messen durch Kaiser Max“ trägt. In der dritten Etage, unter dem Traufgesims, befindet sich eine hochovale Wandnische mit einer betongegossenen Konsolbüste des Merkur, dem Gott des Handels. Der Gebäudeteil schließt nach oben mit einem geschweiften Segmentbogengiebel ab. 

Das Hauptstück und Blickfang dieses Arrangements ist die am 31. August 1897 enthüllte Kaiserstatue aus Bronze. Dass der Leipziger Bildhauer Carl Seffner Bronze für seinen Entwurf verwendete, war zu der Zeit von Stein- und Stuckfiguren eher ungewöhnlich. Gefertigt wurde die Statue von der Dresdner Glocken- und Kunstgießerei Albert Bierling. 

Kaiser Maximilian wurde entsprechend der Mode der Zeit in eleganter Renaissancerüstung abgebildet. Er trägt einen charakteristisch kurzen Waffenrock und dazu ein schräg sitzendes Barett. Seine Brust ziert eine Kette mit dem Zeichen des Ordens vom Goldenen Vlies, dessen Souverän er war. In seiner Rechten trägt er ein zusammengerolltes, gesiegeltes Dokument, vermutlich das Messeprivileg. Seine linke Hand ruht auf dem Schwert. Mit einem leicht überheblichen Blick und hängenden Mundwinkeln blickt er auf das Treiben unter ihm. Ihm zu Füßen ist die Inschrift „Kaiser Maximilian I. / Carl Seffner 1897“ zu lesen. Diese wurde nachträglich im Jahr 1997 angebracht. Im Jahr 1989, nachdem die Statue alle Bombenangriffe und jegliche Gefahren überlebte, wurde sie zu Restaurierungszwecken abgenommen und kehrte 1995 nach einem kurzen Zwischenstopp in Wien wieder an ihren Platz zurück.

Der letzte Ritter


Kaiser Maximilian I. stammte aus dem Hause Habsburg und wurde am 22. März 1459 in der Wiener Neustadt geboren. Als einziger Erbe von Kaiser Friedrich III. heiratete er 1477 Maria von Burgund. Im Jahre 1486 wird er zunächst römisch-deutscher König, bevor er 1493 die Regentschaft seines Vaters übernahm. 1508 wurde er schließlich zum römisch-deutschen Kaiser ausgerufen.
Durch seine Vorliebe für Turniere trug er den Beinamen „der letzte Ritter“. Während er Innsbruck zu seinem bevorzugten Aufenthalt erklärte, hatte er Leipzig vermutlich nie gesehen. Kaiser Maximilian I. verstarb am 12. Januar 1519 in Wels auf einer Durchreise von Innsbruck nach Linz. 

Stand: 10.01.2024

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Historisches Bildmaterial - Kaiser-Maximilian-Denkmal

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