Bildlexikon Leipzig

The Westin Leipzig

Gerberstraße 15 | Ortsteil: Zentrum-Nord

Hochhäuser sind ja – erkennbar gewollt – nicht gerade reichlich gesät in Leipzig. Doch eines am nördlichen Rand der City verlässt das gängige Muster auf die auftrumpfendste Art, die denkbar ist: das Hotel The Westin Leipzig.

Irgendwie schmückt sich die Fassade mit einer perlmuttgleich schimmernden Fassade. Wer einen spektakulären spätherbstlichen oder frühlingshaften Sonnenuntergang abpasst, sieht den quaderförmigen Baukörper dann für kurze Zeit triumphal feurig strahlen. Aufregender würde in diesem Moment nicht einmal ein New Yorker Wolkenkratzer die zahlreichen, auf den optischen Kick versessenen Spotter, anlocken.

Japaner betonieren den östlichen Aufstiegswillen


Kaum zu glauben, aber der Hotelbau ist ein Kind der späten DDR. Die Fassade musste glänzen, die Gestalt sollte auftrumpfen. Und in Leipzig wurden während der Frühjahrs- und der Herbstmesse die Geschäfte mit dem Westen eingefädelt, von denen es gar nicht genug geben konnte. Nur an passenden Hotels für die anreisende Business-Elite aus der räumlich nahen, geschäftlich fernen Marktwirtschaft mangelte es schmerzlich. Den Befreiungsschlag besorgte ein Gemeinschaftsprojekt mit der Japan-GDR Project Ltd., Tokyo. Der damals systemübergreifende Deal verschaffte Leipzig das erste Hotel mit wirklich internationalem Standard und einen qualitativen Sprung für alle auswärtigen Gäste, die bis dahin mit Interhotel-Eintönigkeit nicht recht glücklich wurden.

Ein passendes Grundstück war schnell gefunden. Die Gerberstraße als nördliches Einfallstor zur Stadt (für alle aus Richtung Flughafen bzw. Autobahn Anreisenden) bot auf einer Brache den geeigneten Platz. Für den 2. September 1978 findet sich die Grundsteinlegung in den Annalen. In der Baugrube präsentierten die japanischen Partner an diesem Tag ein Modell, von dem sich alle Leipziger fast ungläubig angezogen fühlten: Soviel Metropolenglanz in unserer strebsamen, aber irgendwie in ihrem Tatendrang gebremsten Stadt? 

Es wurde wahr. Auf das Richtfest am 28. März 1980 folgte die Übergabe des 96 Meter aufragenden „ersten Hauses am Platze“ am 13.März 1981 – pünktlich zur Frühjahrsmesse, denn ein vergleichbarer Rhythmus galt in dieser Stadt damals nicht. 

Allein schon der japanische Garten mit Wasserspielen und Laternen längs der Gerberstraße war einen Sonntagsspaziergang wert. Und erst das japanische Restaurant Sakura – bereits außerhalb der Leipziger Messen (wenn nicht die Preiskategorie M gleich Messe galt) ein fremdländisches, hoch willkommenes Geschmackserlebnis, mit dem kein Gastgeber etwas falsch machen konnte. Des weiteren das italienische Restaurant (man glaubt es heutzutage kaum, aber damals etwas angenehm Exotisches) und die kleine Bar im Eingangsbereich und und und… In den damals 447 Zimmern des Hotels wohnte ja kein Leipziger, und es wäre auch gar nicht gegangen, denn das Hotel, das nach dem antiken Gott der Händler Merkur getauft wurde, war ein Devisenhotel. Der ewig klamme, kleine ostdeutsche Staat versuchte damit einen Teil der hohen Kosten wieder einzuspielen, die beim Bau angefallen waren. Voll belegt strahlte das Hotel abends genau so, wie sich die Einheimischen den Glanz der weiten Welt erträumten.

Zuverlässige Konstante im geschäftigen Einheits-Deutschland


Acht Jahre nach der Eröffnung des Hotels Merkur hauchte die DDR ihre nur reichlich vierzig Jahre währende Existenz aus. Und damit fluteten erst recht all die Geschäftsleute nach Leipzig, die im Systemwandel ihre einmalige Chance erkannten und unbedingt nutzen wollten. Wenn sie nicht selber zuvor als Messegäste schon einmal „Merkur“-Bekanntschaft gemacht hatten, bekamen sie von Ost-Kundigen garantiert den heißen Tipp „Merkur“. In diesen Wochen erstrahlte das Haus jeden Abend so, wie es jedermann bisher nur aus den legendären Messezeiten kannte. Kaum eine Präsentation der tsunamigleich auf den neuen Markt strebenden Firmen ging ohne „Merkur“ (falls die Markt-Eroberer bereit waren, die hochschnellenden Sonderpreise quasi als Eintrittsgebühr zu bezahlen). Das Bankett- und Kongresszentrum sah täglich neue Stars der Wirtschaftswelt. Manches Hotelzimmer wandelte sich im Handumdrehen zu einer einstweiligen Firmen- oder Bank-Repräsentanz.

Ewig steigt solch eine Welle natürlich nicht. Die Physik des Geschäfts verlangt, Investitionen nachzuschießen. Die Deutsche Interhotel Holding als Eigentümerin des Hauses musste sich 1993 beim Abklingen der anfänglichen heißen deutschen Einheits-Geschäfte nach einem neuen Betreiber umschauen. Aus dem „Merkur“ wurde damals das InterContinental Leipzig. Mit frischem Kapital begannen nach einem knappen Jahrzehnt intensiver Nutzung umfangreiche Renovierungen. Zehn Jahre lang prangte der Schriftzug InterContinental ganz oben am Gebäude. Dann erzwang das wetterwendische Hotel-Business einen erneuten Betreiberwechsel. Auf InterContinental folgte The Westin aus der amerikanischen Unternehmensgruppe Starwood Hotels & Resorts. Daraufhin flossen 2005 fünf Millionen Euro in aufgemöbelte nunmehr 436 Zimmer und weitere dreieinhalb Millionen in das Nobelrestaurant Falco, auf dass im 27. Stock der spektakuläre Blick auf Leipzig trefflich mit internationaler Spitzengastronomie kombiniert werde. Der kulinarische Steilflug brachte zwei Sterne ein. Noch einmal fünf Millionen Euro werteten 2006 die Klasse von Lobby, Hallenbar und Wintergarten auf. The Westin Leipzig zielt vor allem auf Geschäftsreisende.

Ständiges Ringen um den Spitzenplatz

 

Beim Start vor über vierzig Jahren umsorgten 640 Beschäftigte im Hotel Merkur die umworbenen, vor allem internationalen Gäste. Inzwischen wird die gesamte Hotelbranche in einer geschäftigen Stadt wie Leipzig von einem noch hektischeren Geschäft getrieben. Eine Kernmannschaft von rund 200 Mitarbeitern im The Westin kümmert sich heutzutage um sämtliche Belange der anspruchsvollen Kundschaft. Outsourcing hat auch an dieser Stelle vieles möglich gemacht, was für die Kundschaft mit keinerlei Qualitätseinbußen verbunden ist. Im Gegenteil. Einschlägige Rankings bescheinigen dem Leipziger The Westin ununterbrochen einen Stammplatz unter den zehn besten deutschen Business Hotels und die Position des Primus in den östlichen Bundesländern.

Für die Kunden läuft die Identifikation mit einem Haus stets über die angesehene Kette, die es betreibt. Wichtig ist die Marke. Deshalb dürften die Wenigsten mitbekommen haben, dass die Immobilie noch ein paar mehr Wechsel mitgemacht hat, als der Markenname verrät. Die feine Trennung in den Eigentümer des Hauses und den möglichst internationalen Betreiber ist wenig aufregend für eine Gästeschar, die einfach zuverlässig verwöhnt werden möchte. Wer weiß deshalb schon, dass die Immobilie von The Westin seit 2016 dem französischen Konzern Covivio gehört? Geht es nach seinen Plänen, wird das Hochhaus mit seinen Anbauten im Norden durch zwei neue Bürotürme mit einem Übergang zu den 32 variablen Räumen im Kongressbereich ergänzt. Die bisherige Baugeschichte des Hauses an der Gerberstraße findet deshalb wohl eine passende Fortsetzung.

Allein schon die drei aufeinanderfolgenden Namen des Hotels bieten eine vortreffliche Gelegenheit, jüngste vier Jahrzehnte Leipziger Stadtgeschichte in eine plakative Formel zu packen: „Merkur went InterContinental and became The West in Leipzig.“ Wie passend! 

Stand: 25.04.2022

Bildergalerie - The Westin Leipzig

Historisches Bildmaterial - The Westin Leipzig

Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

Grimmaische Straße 6 | Ortsteil: Zentrum

Wer diesen historischen Zeugenstand betritt, wird mit einem Riesenschritt konfrontiert. Es ist Der Jahrhundertschritt des Leipziger Künstlers Wolfgang Mattheuer aus dem Jahr 1974. Die zweieinhalb Meter hohe Bronzeplastik steht als Schlüssel-Metapher für das zerrissene 20. Jahrhundert. Ein besserer Zugang zum Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, das die deutsche Teilung, den Vereinigungsprozess beider deutscher Staaten ebenso wie die Fortschritte und Hemmnisse des wiedervereinigten Landes thematisiert, ist kaum denkbar.

Scheinbar Selbstverständliches als Schatz bewahren


Bereits im Aufzug werden die Besucher in authentische Tondokumente förmlich eingehüllt. Sie reichen von der selbstreferenziellen, historischen Lüge „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ aus dem Juni 1961 bis zum zehntausendstimmigen „Wir sind das Volk“ aus dem Leipziger Umbruchs-Herbst 1989. 

Die Idee, auf jeden Fall in Leipzig ein Zeitgeschichtliches Forum einzurichten, stammt aus den frühen Einheitsjahren nach 1990. Rasant überstürzten sich damals die Ereignisse, so dass erfahrene Historiker gewissermaßen aus der unmittelbaren Bewegung heraus dringend empfahlen, Erinnerungen und passende Erinnerungsstücke aufzubewahren, damit sie im Sturzbach des Geschehens nicht für immer verloren gehen. Das Zeitgeschichtliche Forum (ZGF) als Filiale des Bonner Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einzurichten, stand fest. Gleichwohl war zu klären, wo im Vergleich mit der beschaulichen Universitätsstadt am Rhein, denn die Dependance im brodelnden Leipzig verortet werden könnte. Entwürfe sprießen zahlreich, und die Entscheidung lief auf einen Neubau hinaus. Es bot sich an, dafür recht symbolträchtig keinen Solitär an einem einsamen Ort zu wählen, sondern einen Lückenschluss im Leipziger Zentrum. Die Grundsatzentscheidung fiel zügig, und gebaut wurde in einem passenden Terminraster. Der zehnte Jahrestag der deutschen Einheit stand als Eröffnungstermin fest und wurde eingehalten.

Exponate auf Dauer und im dauernden Wechsel


Das ZGF heißt aus gutem Grund nicht Museum. Selbstverständlich kommen die beiden Etagen der Dauerausstellung nicht ohne die Präsentation zeitgenössischer Exponate aus der Alltags-, Wirtschafts-, Kultur- und Militärgeschichte aus. Die frühere Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten spielt dabei eine besondere Rolle. Als Zielgruppen wendet sich das Forum sowohl an die Erlebens-Generation der Teilungs-Epoche und des Vereinigungsprozesses als auch in besonderer Weise an junge Menschen, für die all die aufwühlenden Jahre reiner Geschichtsstoff sind, weil sie – gefühlt – unvorstellbar lange zurückzuliegen scheinen. Spätestens hier kommt der Forums-Aspekt unmittelbar zum Tragen. Das dritte Obergeschoss besteht aus einem großen Veranstaltungssaal und bietet Platz für die regelmäßigen Sonderausstellungen. Veranstaltungen des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig sind meist keine Termine des gepflegten, gedämpften akademischen Austauschs, sondern Hochämter des wogenden Meinungsstreits – wenn es um das Wirken der Treuhand geht, die Arbeitsmarktpolitik der frühen 1990er Jahre, den schwierigen Integrationsprozess der Streitkräfte beider deutscher Staaten oder die Deutungshoheit über den „ganz normalen“ Alltag in der DDR. Für den Deutschlandfunk bilden solche Dialog- und Publikumsrunden beliebte Sendeplätze, weil sie förmlich „hineinziehen“ in typische Kontroversen und auf verminte Klischee-Gelände mit Aufmerksamkeits-Garantie leiten. Auch
Leipzig liest, eines der größten europäischen Begegnungsforen zwischen zeitgenössischen Autoren und ihrem sensibilisierten Publikum, verzichtet in den jeweils dafür reservierten vier Tagen im März nie auf eine ganze Abfolge von Lesungen, die Appetit machen auf wichtige Neuerscheinungen des Buchmarktes.

Lehrreiche Blicke nach drüben und draußen


Wahre Renner sind die Sonderausstellungen im Zeitgeschichtlichen Forum. Die gesamte Architektur des Hauses ist auf Rundgänge und die passende Demonstration von Ereignis-Abläufen ausgelegt. Ob es – in jüngster Zeit – um die voneinander abweichende Vorstellung von Luxus in DDR und BRD ging, um die Funktion des Designs, die Auflösung der Nationalen Volksarmee unter dem Titel „Ab morgen Kameraden“ oder die Widerspiegelung des Alltags in verschiedenen Spielfilmproduktionen beider deutscher Staaten – immer sind Spannungsbögen weitab von einer weichgespülten Erinnerungskultur garantiert. Das trifft besonders auch auf jene Themen zu, bei denen die Perspektive von eigenen Erlebnissen und Empfindungen zum Blick nach draußen oder von draußen auf die deutsche Wirklichkeit wechselt, wie in den legendären Sonderausstellungen zur Vertriebenen-Problematik oder zum Verhältnis zu Großbritannien oder den USA.

Aktuell kann ein Zeitgenössisches Forum nur bleiben, wenn es selbst mit der Zeit geht. Wer die Präsentation 1999 erstmals gesehen hat, wird sie heutzutage wohl kaum wiedererkennen. Zu viel ist seither geschehen und wurde für wert befunden, verdientermaßen einen Forumsplatz zu belegen. Umbrüche und ihre Reflexion sind deshalb eine Konstante des Hauses.

Das Vermächtnis des Digedags-Erfinders


Und manchmal sorgen glückliche Zufälle für spektakuläre Bereicherungen der Sammlung. So geschehen, als
Hannes Hegen, den jedes Kind der DDR als Schöpfer der Zeitschrift „Mosaik“ und damit der drei Digedags kennt, der im Westen aber kaum bekannt war, am Ende eines langen, schöpferischen Lebens über einen Vorlass seiner Zeichnungen, der Entwürfe, der Probedrucke und des mediengeschichtlich ungemein aufschlussreichen Briefwechsels mit den Behörden der DDR nachdachte. Hegen beschloss, das alles sei in Leipzig, im ZGF am besten aufgehoben. Er fand Gelegenheit, sich selbst noch davon zu überzeugen, dass diese Entscheidung richtig war. Mittlerweile wurden Teile dieses Fundus der besonderen Art bereits in mehreren Ausstellungen gezeigt und von Workshops begleitet. Das ZGF hütet nach fester Überzeugung aller „Mosaik“-Fans also einen ganz besonderen Schatz, an dem man sich auch nach Jahrzehnten nicht sattsehen kann. Aus Sicht der Verantwortlichen des Zeitgeschichtlichen Forums gehört das „Mosaik“ übrigens in die Kategorie Comic, auch wenn dieser Begriff in der DDR verpönt war. Dort erschien die kostbare Bückware unter der Rubrik Bilderzeitschrift. Deutsch-deutsche Geschichte in Reinkultur.

Stand: 29.01.2023

Kupfersaal Leipzig

Kupfergasse 2 | Ortsteil: Zentrum

Strahlkraft erreicht die Kupfergasse im Leipziger Zentrum vor allem dann, wenn ein prominenzverdächtiger roter Teppich vor der breiten Eingangstür zu dem Gebäude im oberen Teil der schmalen Straßenverbindung liegt. Das zugehörige Etablissement erhielt seinen Namen von der vorüberführenden, klassisch gepflasterten Gasse – es ist der Kupfersaal. Baulich und programmatisch schlägt er einen bemerkenswerten Bogen von Leipzigs Vergangenheit in die Gegenwart der Großstadt. Kommerz, Kalorien und Kultur hießen bzw. heißen die Triebkräfte.

Restaurant in einem Messepalast


Kupfergasse von Osten her – das ist der raumfüllende Eindruck von der Fassade des einstigen
Kaufhauses Althoff/Centrum/Karstadt. Kupfergasse von Westen her – das wirkt wie die pure Dominanz des City-Hochhauses. Dazwischen liegt im Erdgeschossbereich der Kupfersaal. Seine Geschichte vollständig aufzuzeichnen, hieße, eine Monographie eines ganzen City-Quartals zu verfassen.

Dicht drängte sich die Bebauung hier immer. Sie war messegetrieben, und aus Leipziger Perspektive ist das meist Erklärung genug für den Wandel, der vom Handel profitierte. Ganze Häuserzeilen fielen, an deren Stelle in den Jahren 1912/13 einer der neuen innerstädtischen Messepaläste emporwuchs. Die Jahre unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg markierten den unbestrittenen Höhepunkt in Leipzigs bürgerlicher Entwicklung, auf die heutzutage gern schwärmerisch zurückgeblickt wird. Die Leipziger Messe brummte, die Vermögen wuchsen, die Stadt nahm einen Spitzenplatz in Deutschland ein. Doch welchen Namen sollte der neue Messepalast zwischen Neumarkt, Kupfergasse und Magazingasse denn passenderweise tragen? Die Bauherren erinnerten sich an das – für den Neubau abgerissene – Gasthaus Dresdner Hof im oberen Teil der Magazingasse und gaben dem ganzen Neubau diesen Namen. Das Messehaus Dresdner Hof, eine Oase der Pharmafirmen und der Kosmetikbranche, öffnete sich mit reich geschmückter Fassade vor allem zum Neumarkt hin, und auf der Seite der Magazingasse entstanden ein repräsentativer Empfangsbereich sowie die Bier- und Speisegaststätte Naumann-Bräu. Hinterer Teil des Dresdner Hofs – das klingt ein bisschen nach Abgeschiedenheit, war es aber nicht. Mit tausend Plätzen rangierte Naumann-Bräu an der Spitze der gesamten Leipziger Innenstadt-Gastronomie. Gedruckte Reiseführer stuften das Restaurant in die Kategorie „Alt-Leipzig“ ein und setzten ein X davor – das signalisierte: mit Unterhaltungsmusik. Namensgeber war die Brauerei Naumann – nach der marktführenden Riebeck-Brauerei einer der Platzhirsche der Brauereiindustrie in der Messestadt. Damit ist die Spur gelegt zu jenem Teil des Hauses, aus dem viele Wechsel und Wenden später der Kupfersaal werden sollte.

Beliebte Mensa der Universität


Durch den Zweiten Weltkrieg, der in der Innenstadt beträchtliche Gebäudeschäden hinterließ, kam der Dresdner Hof vergleichsweise glimpflich davon. Er bewahrte seine Messetradition und bot 500 Ausstellern begehrte Standflächen. An der Ecke Neumarkt/Magazingasse lud das
Filmkunsttheater Casino ein, das heutzutage wohl Programmkino heißen würde, und den Empfangsbereich bespielte ab 1980 das Kabarett academixer als academixer-Keller im klassischen Art deco. Schon Jahre vorher war das ehemalige Naumann-Bräu der Karl-Marx-Universität zugesprochen worden, die darin eine Mensa für die vielen Studenten und Mitarbeiter der innerstädtischen Sektionen und Institute einrichtete. Das „Kind“ bekam einen epochetypischen Namen und hieß fortan Kalinin-Mensa, benannt nach dem formalen sowjetischen Staatsoberhaupt der Vorkriegszeit, Michail Kalinin – soviel symbolische Verbeugung „vor den Freunden“ musste damals sein. Nicht der Name bescherte dieser Mensa außerordentliche Beliebtheit, sondern das schnöde Faktum, dass dort selbst die unspektakulärste Gemeinschaftsverpflegung immer ein bisschen besser schmeckte als in anderen Mensen der Uni, auch wenn es „bloß“ um Bratwurst mit Sauerkraut und Salzkartoffeln ging. Essenmarken für die Kalinin-Mensa im Vorverkauf zu erwerben, war unbedingt ratsam.

Zurück zur Kultur – Location mit City-Flair


Nach 1990 änderte sich für den Dresdner Hof – fast – alles. Die academixer nahmen weiterhin die Zeitläufe auf die Schippe, und hatten dafür allen Grund. Das Filmkunsttheater Casino schloss, die Leipziger Messe verabschiedete sich aus der Innenstadt und hinterließ mit dem einstigen Ausstellungspalast ein grundsolides Gebäude, das sich großenteils in einen Seniorenstift verwandelte. Auch für die Kalinin-Mensa kam das Aus. Der traditionsreiche Saal durchlebte anschließend ein unstetes Interregnum als eine Art Ausweichquartier für allerlei flüchtige Verkaufsaktionen wie den Schreibwarenladen „Pfennigpfeiffer“. 

Aus der attraktiven historischen Hülle ließ sich selbstverständlich mehr machen. Seit 2017 betreibt die Leipziger Philharmonie – anfangs gemeinsam mit dem Lyvelyrix e.V. – den rundum renovierten Saal mit seiner beeindruckenden Akustik. Kreative Wortprogramme und verschiedene Musikgenres dominieren das Programm. Lesungen, Poetry Slam und spannungsgeladene Diskussionen finden ihr Publikum ebenso wie klassische Musik und saisonale Höhepunkte. Die Bühne, die viel größer wirkt, als man ihr das von der Kupfergasse her zutraut, wird außerdem gern durch verschiedene Veranstalter genutzt, die für ein anspruchsvolles Publikum auf der nimmermüden Jagd nach einer „angesagten location“ sind. 560 Besucher finden in dem Saal Platz. Eine Bar im Eingangsbereich wirkt als Magnet und komfortabler Entschleunigungsbereich vor vielen der hierher ziehenden Events. 

Der Kupfersaal tut dem gesamten Gebäude gut, weil er wieder urbanes Leben in die schmale Gasse gebracht hat, um die es viel zu lange so verdächtig still geworden war. 

Stand: 09.02.2022

Bildergalerie - Kupfersaal Leipzig

Historisches Bildmaterial - Kupfersaal Leipzig

Kunstkraftwerk Leipzig

Saalfelder Straße 8b | Ortsteil: Neulindenau

Die Kunst formt nun schon ein paar Jahre lang das Haupt-„Produkt“ dieses Betriebs. Doch als Kraftwerk symbolisierte der Standort lange Zeit gänzlich andere Energien. Sie unterstützten das Aufblühen des Stadtteils Lindenau, und die Fixierung auf Kunst setzt nun Energien des Funktionswandels und der Kreativwirtschaft frei. Das Kunstkraftwerk Leipzig hat eine neue Leitfunktion übernommen. Ein Kraftort zeitgemäßer Energien ist es geblieben.

Pionierrolle in der Stromproduktion für die Straßenbahn


Besuchern begegnet das langgezogene Gelände des Kunstkraftwerks als lässig zugeschnittenes Tortenstück. Im Süden fehlt die Spitze. An dieser Schmalseite fügen sich das geschmiedete Eingangstor und ein kleines Kontorgebäude eng aneinander. Klassisch holpriges Kopfsteinpflaster weist Neugierigen den Weg in eine industrielle Vergangenheit. An der westlichen Grundstückskante schmiegen sich Fabrikhallen an die Fahrzeughallen der
Leipziger Verkehrsbetriebe. Im Osten fällt das Areal hinter einer Baumreihe steil zum Karl-Heine-Kanal, dem künstlichen Wasserweg der Leipziger Hochindustrialisierung, ab. Und im Norden komplettiert der weite Bogen der Eisenbahnstrecke nach Zeitz und Gera die Tortenstückgestalt. Mehr Industrie und Verkehr in einer sich wechselseitig verstärkenden Nachbarschaft war in der Entstehungszeit des Kraftwerks schwer vorstellbar.

Der elektrische Funke zündete in einem Umfeld voller Hoffnung auf ein gutes, neues Jahrhundert im Jahr 1900. Elektrische Straßenbahnen gab es zu diesem Zeitpunkt erst seit vier Jahren in Leipzig. In der Straßenbahngesellschaft lief ein forcierter Netzausbau in die frisch eingemeindeten Stadtteile im Westen. Den erforderlichen Strom bezog sie aus einem eigenen Kraftwerk direkt am Straßenbahndepot. Viel später gelangte die frühe Energiezentrale von den Leipziger Verkehrsbetrieben zum Energiekombinat. Dadurch konnten die betagten Kessel in den 1960er Jahren durch neue ersetzt werden. Es blieben die letzten Investitionen. 1992 erloschen in diesem Betrieb die Feuer.

Kulturelle Erweckung mit Klassikbezug


Lange schlummerten die massiven Backsteingebäude einer ruinösen Zukunft entgegen, ehe der Architekt
Ulrich Maldinger und der Medizinstatistik-Professor an der hiesigen Universität, Markus Löffler, beschlossen, viel Geld und jede Menge Ideen in die gründliche Umgestaltung des Kraftwerks zu investieren. Sie kauften das dringend pflegebedürftige Industriedenkmal. Nach umfangreichen Bauwerksanierungen zog die Kunst ein. Ihr werden vollkommen neue Präsentationsformen geboten.

Besucher betreten das ehemalige Kesselhaus mit seinen hohen Fensterreihen von der Seite her und stoßen zuerst auf weiß gekalkte Wände und eine patriotisch-politische Losung, die ihre Entstehungszeit in der DDR nicht verleugnen kann. Schwere Stahltüren verschließen Seitengänge und den früheren Kohlebunkerschlund. Denkmalatmosphäre rundum. Die eigentliche Arena ist eine klassische Industriehalle von respektablen Ausmaßen und mit typischen, unverputzten Ziegelwänden. Hier standen die mit Kohle beheizten Kessel und nebenan die elektrischen Umformer. Nur ein funktionslos gewordener Portalkran mit einem mächtigen Haken an schwerer Eisenkette weist gegenständlich auf die längst vergangene Nutzung hin.

Das jüngst investierte Kapital steckt in Hochleistungs-Präsentationstechnik mit raffinierten Überblendfunktionen der 360-Grad-Projektoren und in Audiotechnik, die in der Halle Achtung gebietende Halleffekte erzeugt. Reflektiert werden die eingespielten Klänge eben nicht von den edlen Hölzern eines akustisch optimierten modernen Konzertsaals, sondern von den kahlen Wänden einer Werkhalle. Klingt unerhört. Und die Aromenkomposition der Luft lässt sich am besten als dezent würzig mit einem gelegentlichen herben Kohlehauch aus den Poren des geschichtsträchtigen Mauerwerks deuten. 

Über die eher schrundigen und keineswegs glatten Wände laufen rund 20 Minuten lang die mit eindrücklichen Musikstücken untermalten immersiven Präsentationen. Einen fast vollkommenen Eindruck vermittelt die Betrachterposition im Zentrum der Halle. Präsentierte Bewegung findet rundherum statt. Seit 2018 ist das Programm des Kunstkraftwerks deutlich italienisch geprägt. Familiale und familiäre Linien in der Biografie von Markus Löffler haben diese Richtung vorgezeichnet. Italienische Spezialisten stimmten ihre kunsthistorische Sicht gefühlvoll auf die ungewöhnliche Umgebung ab. Renaissance-Kunstwerke von da Vinci, Raffael und Michelangelo beziehen ihren Spannungsbogen aus der unmittelbaren Konfrontation mit Leipziger Industriekultur. Die beiden Ebenen unterschiedlicher Klassik harmonieren perfekt. Die Projektoren holen mit höchster Auflösung aus den Kunstwerken Details hervor, die sich selbst direkt vor den Originalen nicht zwangsläufig erschließen. Ersetzt deshalb ein Besuch im Kunstkraftwerk in Lindenau einen Besuch in den Uffizien in Florenz oder in anderen Weltzentren der Kunst in Italien? Keineswegs, denn es geht eher darum, mit dem unaufdringlich auf Details gerichteten Blick die Lust auf die originalen Gesamtkunstwerke anzufüttern und ein latent vorhandenes Reisefieber weiter anzuheizen.

Energiespender des Kulturkalenders


Das Kunstkraftwerk ist nach kurzer Zeit im geschäftigen Leipziger Kultur- und Event-Spektrum angekommen. Mit staunenswerten Präsentationen, der Teilnahme an diversen Festivals vom Pflichtstück
Leipzig liest bis zum Tag des offenen Denkmals sowie saisonalen Schaueinlagen, wie der Präsentation neapolitanischer Weihnachtskrippen, hat sich das Kunstkraftwerk die Zuneigung einer wachsenden Fan-Gemeinde erobert. Im Jahr 2021 fand erstmals das Bright Festival Connect statt. Internationale Künstler kommen seitdem jährlich für drei Tage nach Leipzig und bieten dem staunenden Publikum immersive Kunst, interaktive Installationen, Live-Performances, virtuelle und augmented Virtuality, Video-Mapping und Lichtdesign. Tagsüber gibt es zusätzlich Workshops und abends Live Sets. 

Mancher Event-Manager weiß außerdem, dass er mit einer stimmungsvollen Firmenfeier in der umfunktionierten Werkhalle nichts falsch machen kann. Und zum Jahr der Industriekultur in Sachsen – 2020 – lief eine spezielle Präsentation Leipziger Industriefotografie aus 140 Jahren. Dem Lichtbildfundus wurde Dynamik eingehaucht. Wer bis dahin annahm, rund um das Kraftwerk die vielgestaltigen Spuren der industriellen Vergangenheit bereits bestens zu kennen, sah sich eines Besseren belehrt. 

Stand: 15.01.2023

Sächsische Aufbaubank (SAB)

Gerberstraße 5 | Ortsteil: Zentrum-Nord

Wer baut in Zeiten der „Optimierung des Filialnetzes“ und der Schließung von Geschäftsstellen schon ein neues Hauptquartier für eine Bank? Die Sächsische Aufbaubank (SAB) unternahm 2021 genau diesen bemerkenswerten Schritt und eröffnete ihren neuen Sitz in Leipzig, und zwar in einem Gebäude, das bewusst spektakulär auftrumpfen will.

Keine Bank wie andere auch


Normalerweise wechseln Banken aus internem wirtschaftlichen Kalkül an einen neuen Standort. Im Fall der Sächsischen Aufbaubank war das anders. Nicht der spitze Bleistift der Erfolgsrechnung hinterließ für das öffentlich-rechtliche Institut in Analogie zu den vielen privatwirtschaftlichen Repräsentanten der Kreditwirtschaft eine Präferenz für Leipzig, sondern rein politische Kriterien gaben dafür den Ausschlag. Das sächsische Gesetz zur Neuordnung von Standorten der Verwaltung legte 2012 Leipzig als neuen Hauptsitz der SAB fest. Die Sächsische Aufbaubank ist die Förderbank des Freistaats. Die meisten Aktivitäten drehen sich in diesem Institut um gezielte Mittelzuteilung an Unternehmen mit Potential, nicht um Kontoführung oder Kreditgeschäfte im herkömmlichen Sinn. Klassische Bankschalter oder Geldautomaten braucht die SAB deshalb nicht.

Am 9. September 2021 fand die offizielle Eröffnung des Hauptquartiers dieses besonderen Geldhauses in Anwesenheit des halben sächsischen Kabinetts statt. Das bewusst gewählte Datum war der 30. Jahrestag des Instituts.

Ankunft auf dem einstigen Robotron-Areal


Dem Festakt ging eine lange Baugeschichte voraus. Nach der Festlegung auf Leipzig begann die übliche Grundstückssuche. Verstecken wollte sich die SAB nicht, sondern gezielt an den
Promenadenring und an das geschäftige Zentrum der Stadt heranrücken.

In der Gerberstraße wurden die Immobilien-Pfadfinder fündig. Dort erstreckte sich über fünf Büroetagen seit 1969 das Schulungszentrum des Kombinats Robotron. Erwartungsgemäß stand das quaderförmige Gebäude mit seinem 100 Metern Kantenlänge leer, denn zu schulen gab es hier schon lange niemanden mehr. Über das einstige Vorzeigekombinat Robotron der DDR-Wirtschaft war der eisige Wind des Marktzugangs hinweggefegt. Sollte die Sächsische Aufbaubank ausgerechnet hier einziehen? Sie hätte sich in understatement und Bescheidenheit üben können und entschied sich doch für die glatte Gegenstrategie.

Rasch wurde die äußerlich tintenblaue Robotron-Hinterlassenschaft 2012 abgerissen, um Platz für einen Neubau zu schaffen, der bereits im Modell dadurch auffiel, dass er nur Teile des 10.000-Quadratmeter-Areals in die direkte bürotypische Nutzung einbezog und ansonsten lässig mit einer überaus luftigen Weite spielte. Besucher spüren, hier residiert ein Institut, das es nicht nötig hat, mit penibel belegten Quadratmetern zu geizen.

Eine fast schon verschwenderische Raumnutzung


Der Entwurf für das kühne Ensemble stammt vom Londoner Büro ACME, und das ist ein recht selbstbewusstes Akronym für den Anspruch
A company makes everything. Weitere internationale Büros hätten für die SAB gern ihre visionären Vorstellungen fliegen lassen. Dass die Architekturkritik gebannt auf den umgesetzten Entwurf in Leipzig blickt, ist für die ambitionierten Baumeister von der Themse zumindest schon mal die „halbe Miete“. Und die SAB registriert ihren architektonischen Coup voller Genugtuung. Ihre Ansprechpartner finden SAB-Kunden, die als Fördermittel-Bewerber auftreten müssen, in zwei L-förmig angeordneten, vierstöckigen Bürotrakten im nordwestlichen Teil des Grundstücks. Ein reguläres L deuten die beiden Baukörper nur an, denn an die Stelle des inhärenten rechtwinkligen Knicks jedes L tritt hier ein offener Durchlass, der wie eine schmale städtische Gasse anmutet und einen Weg in Richtung Zoo Leipzig öffnet. 

Jeder der beiden Gebäudetrakte löst sich bewusst von der geradlinigen Strenge klassischer Bankgebäude, und schwingt an der Fassade wie ein riesiger, eilig aufgeschichteter Unterlagenstapel, der seiner korrekten Archivierung harrt. Durch das Innere des SAB-Hauptquartiers weht der Zeitgeist immerwährender Flexibilität: angepasst nutzbare Büros, karge Trennwände, stille Rückzugsräume, eine größere Besprechungs- oder Veranstaltungsarena und viel, viel Licht.

Löhr’s Garten als Referenzpunkt


Allerdings flutet die helle Pracht nicht unabgeblendet bis zu den Arbeitsplätzen, denn vor den Bürotrakten – es wäre verwerflich, diese stolz zur Schau getragene Raum-Verschwendung einen „Hof“ zu nennen – recken sich 251 Säulen zwanzig Meter in die Höhe. Erinnern sie an riesige Blumenstengel? Oder an überdimensionierte schlanke Pilze? Ganz oben weiten sie sich jedenfalls in eleganter Linie zu tellerförmigen Trägern, auf denen ein Dach mit der einzigen klaren Kante am Grundstücksrand des Neubaus ruht: 100 mal 100 Meter – wo der Himmel beginnt, ist das SAB-Areal exakt abgesteckt. 

Besucher sollen die Freiflächen der Bank durchschreiten. Landschaftsgärtner griffen auf einen Wechsel aus Anpflanzungen und kleinen Wasserflächen zurück. Die beschwingte Vielfalt an Natur vor den Glas- und Betonkörpern des Bank-Ensembles will die Erinnerung an Löhr’s Garten wachhalten, der sich hier als Lustgarten am historischen Leipziger Stadtrand erstreckte, ehe die gewerbliche Vereinnahmung des Geländes einsetzte. Übrigens erinnert der Namen des benachbarten Gebäudekomplexes der Sparkasse Leipzig und der Landesbank Baden-Württemberg, Löhrs Carré, noch heute an Leipzigs ersten Bürgergarten. 

Zusätzlich zu den Büroräumen und einer Kantine entstand im Innern ein Auditorium mit 200 Sitzplätzen und ein kleines Konferenz-Zentrum, in dem Fachveranstaltungen durchgeführt werden. 

Und Robotron? Mit großem Aufwand vier Wandbilder mit optimistischen Fortschrittsallegorien aus dem niedersinkenden Schulungszentrum zu retten, war die zentrale Forderung der Denkmalschützer vor der Erteilung der Abrissgenehmigung. Angeblich lässt die Raumkonfiguration des Bank-Neubaus nur die Präsentation von drei der vier Werken zu, so dass für das Wandbild von Rolf Kurth ein anderer Ort in Leipzig gesucht wird. Von der Gerberstraße her sind die drei ausgestellten Gemälde von Arno Rink, Frank Ruddigkeit und Klaus Schwabe für jedermann gut zu sehen. Auch für Betrachter ohne Anspruch auf Fördermittel.

Stand: 25.12.2021

Wolff, Ann-Elisabeth

Festivalleiterin der euro-scene Leipzig | geb. am 14. März 1953 in Halle (Saale)

Theater, Theater – auch das ist Leipzig. Große Spielstätten und kleine Bühnen. Bekannte Stücke und experimentelle Performances. Immer aber: Leidenschaft und brennendes Engagement. So wie bei Ann-Elisabeth Wolff. Sie hat dem Festival euro-scene Leipzig ihren Stempel aufgedrückt. Entschlussbereit, hartnäckig, strahlkräftig.

Künstlerisch ambitioniert, von Anfang an


Die familiäre Herkunft von Ann-Elisabeth Wolff war prägend. Sie wuchs in Leipzig in einer künstlerisch ambitionierten Familie auf. Von 1971 bis 1975 studierte sie Musikwissenschaften an der damaligen
Karl-Marx-Universität. Ihren Berufseinstieg vollzog sie 1975 beim weltberühmten Leipziger Musikverlag Edition Peters. Lektorin blieb sie dort bis 1990. An dieser Stelle muss der Hinweis genügen, dass auch die Edition Peters der gewundenen, teils erratischen Geschichte vieler Leipziger Verlage folgte. Unerschütterlich Geglaubtes galt ab 1990 in der unverhofft wiedererlangten deutschen Einheits-Verlagslandschaft plötzlich nicht mehr. 

Ausgerüstet mit jeder Menge Fachwissen und professioneller, publizistischer Neugier und ausgestattet mit der nötigen Änderungsbereitschaft stieg Ann-Elisabeth Wolff um und gelangte als Stellvertreterin des Theaterwissenschaftlers und Schauspielregisseurs Matthias Renner ab 1991 an die Spitze der neu etablierten euro-scene, eines Leipziger Theaterfestivals. Mitten in den allgegenwärtigen Umbrüchen der Jahre 1990 und 1991 ging die euro-scene als Neugründung aus der Leipziger Schauspielwerkstatt hervor und nannte sich im Untertitel unmissverständlich gleich selbst Festival der europäischen Avantgarde.

Prägende Leiterin der euro-scene Leipzig


Später nahm die euro-scene explizit Bezug auf zeitgenössisches europäisches Theater und Tanz. Da war das experimentierfreudige Treffen unkonventionell agierender Bühnenschaffender längst eine bekannte Marke in der Szene in Europa, Euro-Scene eben. 

Nach dem frühen Tod von Matthias Renner im Jahre 1993 regte der damalige Leipziger Kulturbürgermeister Georg Girardet an, Ann-Elisabeth Wolff solle die Leitung des Festivals übernehmen. Im Leitungskollektiv hatte sie längst die erforderlichen Erfahrungen gesammelt. Und damit bekam die euro-scene in ihrem dritten und den folgenden fast 30 Jahren eine resolute Chefin.

Ann-Elisabeth Wolff ist keine Leiterin vom Büro aus. Sie muss raus, viel unterwegs sein, andere Festivals kennenlernen, Eintrittskarten für Aufführungen ergattern, für die es monatelang schon keine Karten mehr gibt, Kontakte knüpfen, Avantgardisten nach Leipzig locken. Und damit hatte jeder Leipziger Kulturherbst eine Konstante mit enormer Ausstrahlung, die euro-scene. Der europäische Gedanke ist ihr fest eingepflanzt. Als sich immer mehr mittel- und osteuropäische Länder anschickten, Mitglieder der Europäischen Union zu werden, gingen Einladungen nach Leipzig gezielt dorthin. Das Festival und seine Leiterin wirkten als Brückenbauer in Europa, und es gelang ihnen, viele kulturvolle Konstruktionselemente in die verbindenden symbolischen Bauwerke einzufügen.

„Ein Festival ist kein Supermarkt. Es ist ein Rausch“, versuchte Ann-Elisabeth Wolff einem auf unsicherem Terrain wandelndem Nachfrager das Geheimnis der alljährlichen Leipziger Avantgarde-Zusammenkunft zu erschließen. 

Mediale Aufmerksamkeit war dem Theater- und Tanz-Treffen und seiner Leiterin stets sicher. Die euro-scene sei eines der schrillsten europäischen Festivals, befand die Hamburger „Zeit“ und lobte – üblicherweise mit höchster Anerkennung eher geizend – die besondere Qualität der sechs besonderen Leipziger Performance-Tage in jedem November. Da war die euro-scene sehr zur Freude des aufgeschlossenen Publikums längst in der Spitzengruppe der deutschen Theater- und Tanzfestivals angekommen. Das Experimentelle, die kühne Ästhetik waren gefragt und wurden mit Beifall goutiert.

Drei markante Festival-Jahrzehnte


Festivalleiterin Wolff fand im Autokonzern
BMW, der in Leipzig ab dem Jahr 2001 mit einem neuen Werk intensiv Wurzeln zu schlagen begann und Unternehmens-Kultur besonders hochhielt, einen potenten Förderer der euro-scene. Mit diesem Engagement schmückten sich beide Seiten über zehn Jahre hinweg. Doch irgendwann fällt jeder Vorhang. 

Ein Autokonzern greift dem Festival längst nicht mehr als finanzieller Förderer unter die Arme. Diese Aufgabe müssen die Stadt Leipzig und das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus inzwischen allein stemmen.

Wichtiger noch: Im Jahr 2020 sollte Festivalleiterin Wolff den Staffelstab nach dem 30. Jahrgang der euro-scene planmäßig an Christian Watty übergeben. „Planmäßig“ bekam wegen Corona allerdings einen unverschuldet herben Beigeschmack. Festivals waren von den verordneten Einschränkungen öffentlicher Auftritte und Begegnungen mit am härtesten betroffen. Die 30. euro-scene musste abgesagt werden. Auch wenn Ann-Elisabeth Wolff ein öffentlich wirksamerer beruflicher Abschied als vor dem Start der 31. euro-scene unbedingt zu gönnen gewesen wäre, bleibt als ihr finales, fortwirkendes Verdienst doch bestehen, dass sie diesem Festival ein Gesicht, eine klare Handschrift und einen europäischen Zuschnitt gegeben hat. Nachhaltigkeit und die Arbeitswelt umschreiben den inhaltlichen und ästhetischen Kosmos, in dem das Festival weiterhin verortet werden soll.

Ann-Elisabeth Wolff und die euro-scene Leipzig nicht in einem Atemzug zu nennen, das wäre drei Jahrzehnte lang nicht gegangen. Das Festival wird deshalb wohl noch geraume Zeit vom Wirken und den Impulsen seiner langjährigen Leiterin profitieren. Sie wohnt ja mitten in der Stadt und hat es nicht weit bis zu den 12 bis 14 Theater- und Tanzstücken an den sechs Festivaltagen jedes Herbstes.

Stand: 01.04.2022

Bildergalerie - Wolff, Ann-Elisabeth

TBE Engelsdorf

Werkstättenstraße 6 | Ortsteil: Engelsdorf

Dieses originelle Leipziger Lokal im Ortsteil Engelsdorf muss in der Titelzeile allein mit seiner Abkürzung vorlieb nehmen. Die Entschlüsselung für TBE als Traditions- und Begegnungsstätte der Eisenbahner wäre einfach zu lang für eine Überschrift. Dafür ist der Eisenbahnbezug umso enger – mit historischem Brückenschlag. Schon am Eingang grüßten typische Versatzstücke aus der Welt der Lokomotiven und der Bahnsteige, doch eine Garantie, dass der geneigte Besucher davon noch etwas vorfinden wird, kann nicht übernommen werden. Denn alle Aus- und Einrichtungsgegenstände standen zum Verkauf, als die TBE im Januar 2022 schloss. Die Erinnerung an das verschwundene Lokal und seine besondere Rolle in Sachen Eisenbahn-Nostalgie wachzuhalten, ist jedoch allemal eine längere Reminiszenz wert.

Krönung eines Eisenbahnerdorfs


Engelsdorf ist – ohne über Gebühr idealisieren zu wollen – ein Eisenbahnerdorf im Osten von Leipzig. Mitten durch den Ortsteil verläuft die Leipzig-Dresdner Eisenbahn, die erste deutsche Fernbahn seit 1839. Die Strecke wird flankiert vom früheren Rangierbahnhof, dessen Funktion im Jahr 2017 nach Halle verlegt wurde. Zwei Haltepunkte verweisen an den Strecken nach Dresden und Chemnitz auf Engelsdorf. Das frühere Reichsbahn-Ausbesserungswerk und die baulichen Reste des Bahnbetriebswerks haben bessere Tage gesehen. Immerhin ist aber ein Betrieb im Geschäft, der im Bereich des Schienenschweißens als Marktführer auftritt. 

Viele Wohngebäude bilden eine typische Eisenbahnersiedlung, erkennbar an der Symbolik des rollenden Flügelrads an den Fassaden und den Schriftzügen der Wohnungsbaugenossenschaft dieses Berufszweigs. Aber vor allem sind es die unzähligen Eisenbahnerdynastien, die diesem Ort ihr Gepräge gaben. War der Großvater schon „bei der Bahn“, dann war es der Vater unbedingt auch und der Sohn mit großer Wahrscheinlichkeit und möglicherweise wieder der Enkel oder die Enkelin. An einem solchen Ort eine Traditions- und Begegnungsstätte der Eisenbahner einzurichten, sie bewusst nicht „Zum Stellwerk“ oder „Zur Bahnhofsklause“ zu nennen, sondern ihr vielmehr mit gewissem leicht ironischen Hintersinn einen funktionalistisch geprägten Namen, wie sie bei der Bahn schon immer beliebt waren, und die passende Abkürzung TBE zu geben, war folgerichtig – und durchaus alternativlos.

Angebahnte Erlebnisgastronomie


1999 ging die TBE an den Start. Ihr Domizil wurde das Untergeschoss der früheren Poliklinik des Reichsbahn-Ausbesserungswerks. Sehr jung war damals die 1994 mit viel Vorschusslorbeeren gestartete Bahnreform, zu deren Kennzeichen ein eintöniger Dreiklang gehörte: Privatisierung, Privatisierung, Privatisierung. Viele einst dringend benötigte Gebäude standen daraufhin leer. Der öffentlichen Verwaltung war es ausgesprochen lieb, wenn sich ein unternehmerisches Talent bereit erklärte, auf Teilflächen eine neue Nutzung zu beginnen und damit den Leerstand zu senken. So wie
Andreas Schließauf. Ihm war das Eisenbahnerlokal zu verdanken, auch wenn Skeptiker meinten, dass es schwer sein würde, mitten in schwindender Gewerbebauung und ohne umfängliche Wohnumgebung ausgerechnet mit einer Gaststätte zu beginnen.

Andreas Schließauf setzte sich durch. Ihm schwebte ja nicht die x-te Gaststätte nach Schema F vor, sondern eigentlich ein Museum mit integrierter Gastronomie. Wer regelmäßig kam, fand immer wieder etwas Neues an der üppigen Ausstaffierung mit Lokomotivschildern, Warntafeln, Modelleisenbahnen, historischen Fotos, Proviant-Automaten, Fernsprechapparaten aus der Vor-Handy-Urzeit, originalen Sitzbänken ausgedienter Eisenbahnwagen und Drucksachen über Drucksachen vor. Manches Exponat steuerten Gäste als Leihgabe bei, weil sie die TBE in ihr Eisenbahnerherz geschlossen hatten, wie zum Beispiel ein originales Zuglaufschild des „Rossiya“-Express, der auf der Transsibirischen Eisenbahn zwischen Moskau und Wladiwostok verkehrt. Waren die Ausstellungsstücke zu groß für den Innenraum, dann standen sie eben vor dem Eingang, wie die abmontierten Schriftzüge und die analogen Zuganzeiger vom Leipziger Hauptbahnhof oder aus dem nahen Reichsbahn-Ausbesserungswerk renovierte Pumpen, mit deren Hilfe die Dampfloks jahrzehntelang „atmeten“, um brav ihren harten Dienst zu verrichten. 

Fluidum vergänglicher Reisekultur


Traten die Gäste in die TBE ein, wurden sie mit dem strengen Charme des früheren Reichsbahn-Personals begrüßt. „Treten Sie doch endlich von der Bahnsteigkante“ klang zwar seltsam im Vergleich mit der weithin dominierenden „Geht-es-ihnen-gut?“-Beliebigkeit, wurde aber sofort verstanden – und eigentlich erwartet. Und dann erst die Speisekarte: Keine Position in der üppigen Menüfolge, die ohne deutliche Eisenbahn-Normierung auskam. Als Krönung die „Heizerschaufel“. Eigentlich ein herrliches Steak mit reichlich angebratenen Zwiebeln und Bratkartoffeln und serviert auf einer echten Schaufel. Das schmeckte dann nochmal so gut und hätte jeden Lokheizer nach achtstündiger Schwerarbeit satt gemacht (ungeübte Erst-Koster der deftigen Leckerei erst recht). 

Mit reiner Gastronomie ließ es Andreas Schließauf nicht bewenden. Die TBE wurde eine Station auf der Dampfbahn-Route Sachsen, die sich durch den gesamten Freistaat zieht. Außerdem tauschte der Betreiber der gastlichen Stätte nach den ersten Speisen und Getränken seine obligatorische Fahrdienstleiter-Mütze immer mal wieder gegen den drolligen Hut des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, den er ausgezeichnet zu parodieren verstand. Dank dieser Komposition aus Gastronomie und Begleitprogramm hätte die TBE steinalt werden können. Doch dann kam im Jahr 2020 Corona und mit der Pandemie die verordnete mehrmonatige Schließung des beliebten Treffs einer treuen Gemeinde aus Berufs- und Hobby-Eisenbahnern. Den Umsatzausfall und die Mieterhöhung durch den neuen Eigentümer des Hauses hätten nur kapitalkräftigere Unternehmer als Andreas Schließauf verkraften können, die nicht fortlaufend immer wieder vor allem in die Ausstattung der Räume investiert hätten. Wenn also Covid-19 schon lange Geschichte sein wird, werden sich viele an den traurigen Kollateralschaden TBE in Engelsdorf erinnern. Wie an die Rücklichter eines Schnellzugs, die langsam in die Nacht entschwinden.

Stand: 17.01.2022

Schneider, Werner

Physiker, Gründer der Leipziger Notenspur | geb. 1951

Fünf Minuten Dialog mit Werner Schneider überzeugen jeden Gesprächspartner, es mit einem ausgewiesenen Spezialisten für klassische Musik zu tun zu haben. Dieses Wissen über den Leitstern der Musikstadt Leipzig, Johann Sebastian Bach! Soviel exzellente, detaillierte Kenntnisse über all die anderen Komponisten und Orchesterleiter und Musikverlage! Werner Schneider muss ein Musikwissenschaftler sein. Das mit dem Wissenschaftler stimmt. Gleichwohl ist sein Fach die Physik. Die wissenschaftliche Akkuratesse dehnte Werner Schneider dann auf seine Leidenschaft, die Musik, aus, und davon profitiert die gesamte Stadt.

Beharrlich in der Spur für die Musikstadt Leipzig


Werner Schneider spricht leise, vollkommen unaufgeregt. Die hastige, gar aufdringliche Rede ist ihm fremd. Er überzeugt mit Wissen und versteht es, Interessenten für das Thema klassische Musik zu gewinnen.

Der Physiker Werner Schneider arbeitet seit 1992 an der Universität Leipzig, seit dem Jahr 2008 hat er eine Professur an der TU Dresden. Schon immer zogen sich das Interesse an der Musik und die Begeisterung für die Musik durch sein Leben. Was als privater Genuss begann, sollte spürbar auf die gesamte Stadt ausstrahlen. So entstand – inspiriert und bestärkt durch seine Ehefrau – die Idee, aus der teils hervorstechenden, teils ein wenig versteckt schlummernden Präsenz von Stätten der Musikkultur in Leipzig ein sichtbares und hörbares Ganzes zu formen, das allen Interessenten eben wie ein urbanes Gesamtkunstwerk begegnet und Zusammenhänge erschließt, Genuss mit Erkenntnis verbindet.

Die Idee der Leipziger Notenspur war geboren. Der geniale Thomaskantor Bach steht selbstverständlich weit vorn. Richard Wagner wird gewürdigt, ebenso Felix Mendelssohn Bartholdy, Clara Schumann und Robert Schumann, Edvard Grieg und viele andere. Komponistenhäuser, Ausbildungszentren, Musikverlage und Aufführungsstätten erstrecken sich über nahezu das gesamte Leipziger Stadtgebiet. In der Innenstadt sind sie nicht zu übersehen, wenige hundert Meter darüber hinaus sollen Hinweise helfen, Kulturpfade zu weisen und Interessenten behutsam zu führen.

Klassische Wegweiser würden das schaffen, doch so besonders, wie die Notenspur ihren hohen Anspruch pflegt, so ästhetisch soll die räumliche Wegweisung durch eine klangvolle Welt auf sich aufmerksam machen. Dies geschieht mit einer sanft geschwungenen Edelstahl-Intarsie, die in das Pflaster der Fußwege eingelassen ist und deren Spitze die Richtung bis zum nächsten authentischen, kulturellen Leuchtturm entlang der Notenspur anzeigt – von der Thomaskirche zum Gewandhaus, an den erhaltenen Gebäuden weltbekannter Musikverlage in Zentrumsnähe vorbei zum Schumann-Haus und wieder zurück in Richtung City mit ihren Denkmalen für berühmte Persönlichkeiten der Musikstadt Leipzig.

So wird eine beschwingte Verbindung zwischen 23 Orten hergestellt. Ein Audio-Guide unterstützt als klangvoller und hervorragend informierter Begleiter alle, die sich auf den Weg machen, also auf die Spur begeben. Die wunderbare Notenspur-Idee von Werner Schneider überzeugte rasch, doch ihre Umsetzung erforderte einen langen Atem. Mitstreiter mussten gefunden werden, Verstärker und Bekräftiger der Idee und natürlich Ermöglicher in der öffentlichen Verwaltung. Mit nimmermüder Energie, die auf den ersten Blick dem sanft auftretenden und mit wohl gesetzten Worten argumentierenden Werner Schneider vielleicht gar nicht zugetraut wird, wurde der Kampf um die Umsetzung der Notenspur-Idee geführt. Beharrlichkeit nennt Werner Schneider denn auch als die unverzichtbare Grundkonstante beim Werben und Erschließen der Lebenskraft „seiner“ Notenspur. Von seiner imaginären Vorderbühne eines Botschafters des Genusses von Klangfülle ließ er sich nicht vertreiben. Musikalisch übersetzt: Auf den Resonanzboden kommt es an.

Einer Idee Klangfülle verliehen


Eine Bürgerinitiative, die engagiert hinter der Notenspur-Idee steht, gibt es seit 2005. Vier Jahre später stellte die Stadt Leipzig erstmals Mittel für die Notenspur in ihren Haushalt ein, und seit dem Jahr 2011 schwingen sich die metallenen Notenspur-Symbole auf insgesamt fünf Kilometern Wegstrecke durch den traditionsgesättigten Leipziger Straßenraum und 300 Jahre Musikgeschichte dieser einzigartigen Kulturmetropole, die ihre Qualitäten durchaus ebenbürtig mit Wien und Paris zum Klingen bringt. Zum Starttermin waren schon mehr als 100 Mitstreiter für die Notenspur aktiv.

Längst freut sich die Stadtverwaltung, dass es die Notenspur gibt und dass die Bürgerstadt Leipzig auf herausragende Akteure wie Werner Schneider zählen kann. Großes Finale also, Tusch, Verneigung vor dem Arrangeur des musikalisch-architektonisch-historischen Kunstgenusses und – Vorhang? Mitnichten. Beseelt vom Gedanken, eine zündende Idee fortzuschreiben und ihre Wirkmächtigkeit zu steigern, ersann Werner Schneider die Folgeprojekte NotenBogen (weiter nach draußen gehen und weniger spektakuläre, aber wichtige Schaffensorte der Musikkultur erkunden), NotenRad (auf Radwegen Melodie und Rhythmus von Orten der Musikgeschichte erfahren) und NotenWeg (wandernd eine Kulturspur aufnehmen, die sich überzeugend verorten lässt). Immer wieder bedarf es des besonderen Engagements von Werner Schneider, der Stadtgesellschaft und ihren zahlreichen Besuchern etwas anzubieten und zurückzugeben. Vielleicht würde er während der ganzen Zeit lieber zu Hause sitzen und entspannt klassischer Musik lauschen? Diesem Genuss frönt Werner Schneider sowieso, steckt parallel jedoch nimmermüde Energie in seine zu einem großen Kunststück verflochtenen Projekte. Denn seit 2015 gibt es zusätzlich noch die Notenspur-Nacht der Hausmusik. Sie begann mit 60 Spielstätten und über 400 Musikern. So viele Spielstätten an einem Abend? Na klar. Die Idee dahinter: Gut bürgerlich wird in vielen Leipziger Wohnungen Hausmusik gepflegt. Warum nicht zu diesen Treffen engagierter Musikliebhaber eine jeweils überschaubare Gästeschar einladen, die sich in recht kleinen, aber kultivierten privaten Räumen ebenso am Wohlklang erfreuen können?

Europaweit gehört werden


Erstmals 2018 lud darüber hinaus das
Festival Europäische Notenspuren ein. Es trägt den Gedanken der Notenspur weit nach vorn in die Konzertsäle.

Werner Schneider einen begnadeten Netzwerker zu nennen, wäre eindeutig zu wenig. Netzwerken können auch blanke Organisationstalente. Doch ambitioniert konzipierte Strukturen mit einem künstlerischen Anspruch anzureichern und ihnen einen Klang einzupflanzen – das gelingt nur wenigen. Am 13. Juni 2018 wurde das angesehene Europäische Kulturerbe-Siegel an herausragende Leipziger Institutionen verliehen. Eine der begehrten Hinweistafeln hielt Werner Schneider in seinen Händen. Wer sonst?

Für sein Engagement für das Gemeinwohl wurde er am 4. Juli 2020 mit dem Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Den Orden überreichte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im Auftrag des Bundespräsidenten.

Stand: 30.03.2022

Bildergalerie - Schneider, Werner

Richard-Wagner-Denkmal

zwischen Promenadenring und Matthäikirchhof | Ortsteil: Zentrum

Der in Leipzig geborene, jugendliche Richard Wagner in Lebensgröße und dahinter der dunkle, monumentale Schatten des reifen, grandiosen Komponisten – so stellt sich die figürliche Komposition des Richard-Wagner-Denkmals dem Auge des Betrachters. Der farbig bemalte Bronzeguss und der flächige Schatten im Hintergrund ruhen auf einem Marmorsockel, der auf drei Seiten Heroen und Heroinen aus Wagner-Opern zeigt. Ein Stilbruch? Sicher, ein gewollter, denn allzu verschlungen erscheinen aus Leipziger Sicht biographische Details des Komponisten und die Historie des Denkmals.

Wagnerianer wünschen ein Denkmal des Meisters


Zum Entstehungsprozess dieses Denkmals passt nichts besser als der titanisch schwellende Melodienreigen einer Wagner-Oper. 1883, wenige Wochen nach dem Tod des Komponisten im fernen Venedig, fand sich ein Kreis Leipziger Verehrer, um das Andenken des großen Sohnes dieser Stadt wachzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt stand das
Haus zum Roten und Weißen Löwen am Brühl noch, in dem Wagner am 22. Mai 1813, ausgerechnet im Jahr der Völkerschlacht bei Leipzig, geboren wurde. Das betagte Gebäude wurde erst 1886 im Zuge einer der vielen Umgestaltungen der Leipziger Innenstadt abgerissen.

Nicht nach Musealem zwecks Würdigung von Wagners wenigen in Leipzig verbrachten Jugendjahren stand den geschichtsbewussten und geniegeneigten Leipzigern der Sinn. Sie wünschten sich vielmehr ein Denkmal und gründeten dafür ein Komitee. 1903 erging der entsprechende Auftrag an den bekanntesten der damals in Leipzig wirkenden Bildhauer, an Max Klinger. Der Meister wiederum setzte sich, wie es sich für einen angesehenen Vertreter seiner Zunft geziemt, mit dem Auftrag auseinander – schöpferisch, stadtbildbezogen und lang andauernd. Aus der Denkmalweihe im Jahre 1913 wurde jedenfalls nichts, nur die Grundsteinlegung fand zum 100.Geburtstag des Komponisten statt – an der auserwählten Stelle, wo die Elsterniederung unverhofft ansteigt und das Tiefland mit Profil adelt, wo die sagenhafte urs libzi, die Keimzelle der Stadt Leipzig, gestanden haben soll und wo nunmehr eine monumentale Treppenanlage das avisierte Denkmal einnehmend umschlingen sollte. Es folgte ein Jahr später der Beginn des Ersten Weltkriegs, der einen großen künstlerischen Wurf deprimierend blockte, und – im zweiten Friedensjahr nach dem Völkergemetzel – 1920 der Tod von Max Klinger. Immerhin, den Marmorsockel hatte der Meister in Italien in Auftrag gegegen, und die Stadt Leipzig holte daraufhin das Fundament ihres erstrebten Gesamtkunstwerks an Pleiße und Elster, auf dass der Sockel für die nächsten 90 Jahre – die wohl niemand je ernsthaft erwog – sein Interim im beschaulichen Klingerhain finden sollte.

Vergifteter zweiter Anlauf


1934 änderten sich die Zeiten erschreckend. Gut für Leipzig, dass es nun ein Wagner-Nationaldenkmal am östlichen Ufer des
Elsterflutbeckens geben sollte. Schlecht für Leipzig, das Wagner-Fan Adolf Hitler den Grundstein für die Weihestätte legte. Damit war das Ansinnen komplett vergiftet. Doch für den passenden Sockel erging wiederum ein Auftrag, an den zeitgeistig hoch angesehenen Bildhauer Emil Hipp. Dann kam der Zweite Weltkrieg, und der folgende politische Systemwechsel in Leipzig erstickte sämtliche Gelüste auf ein Wagner-Monument in seiner Geburtsstadt. 

Ein Denkmalsockel im stillen Klingerhain, einer in Bayern (durch die Stadt Leipzig wegen der vergifteten Umstände der Entstehungszeit nicht abgeholt, obwohl längst ordentlich bezahlt) und die Treppe am eigentlichen Denkmalort – das war ein Realisierungstorso aus Marmor-Bruchstücken. Zu allem Übel entstand hinter der fertigen Treppenanlage in den 1970er Jahren ein trutzig-düsterer Dienststellen-Klotz des allgegenwärtigen, auf einen eleganten Treppenzugang jedoch keineswegs erpichten Ministeriums für Staatssicherheit. Daraufhin verschwand die Treppenanlage klammheimlich und wich einer abweisenden Umfassungsmauer. Bis zum Anbruch vielversprechender, geänderter Perspektiven nach 1990 änderte sich wenig – abgesehen von der Aufstellung der Richard-Wagner-Büste am Schwanenteich im Jahre 1983, zum 100. Todestag des Komponisten.

Vollendung in Neu-Deutung


Es folgte wieder ein Umbruch. Doch wo waren die Bruchstücke der Treppenanlage? Waren sie ordentlich eingelagert? Oder blieben sie für immer verschollen? Unverhofft stießen Mitarbeiter des städtischen Grünflächenamtes am Rande einer peripheren Deponie auf die Fragmente der Stufen und ihrer künstlerischen Einfassung. Von Einlagerung keine Spur, von Totalverlust glücklicherweise auch nicht. Jetzt hofften die Wagnerianer, dass die Treppenanlage an ihren zugedachten Standort zurückkehren konnte. Eine stadtgeschichtlich neu gepolte Verwaltung hakte sich unter und förderte nach Maßgabe der Vorschriften.

Welches Denkmal sollte an Wagner erinnern, sobald der Klinger-Sockel aus dem Hain an der Elster endlich an seinen geplanten Standort am Promenadenring umgesetzt würde? Vollendung der Klinger-Idee? Oder ein Neuguss des 1934 vorgesehenen, wahrhaft riesigen Standbilds? Im Rückblick behauptet jeder Involvierte, in Kenntnis der drückenden historischen Belastung niemals für den Neuguss gewesen zu sein. Gut so. 

Die Stadt Leipzig und die Verbände der Wagnerianer lobten klugerweise einen künstlerischen Wettbewerb aus. Es gewann Stefan Balkenhol aus Karlsruhe. Er kombinierte das Abbild des jungen Wagner, der all seine Schaffensimpulse in der Jugend in Leipzig erhielt, im Biedermeier-Gewand eines eleganten Gehrocks (farblich akzentuiert) mit dem Schatten der Skulpturen-Idee, wie sie einhundert Jahre zuvor von Max Klinger stammte.

Am 15. Mai 2013 brachte ein Transporter den lebensgroßen Bronze-Wagner nach Leipzig. An diesem strahlenden Maientag blühten ringsum die Rabatten, so als wäre einzig und allein üppiger Blumenschmuck geeignet das Abbild des Komponisten in seiner Geburtsstadt zu begrüßen, und Stefan Balkenhol leitete persönlich die Aufstellung des Denkmals. Am 22. Mai 2013, zum 200. Geburtstag des Künstlers, fand die Einweihung statt. Seither streiten die Leipziger, ob die skulpturale Würdigung gelungen sei. Denn am authentischen Ort findet sich ein Denkmalsockel, der einst eine andere figurale Version tragen sollte, und das alles findet kaum 150 Meter von Wagners Geburtshaus statt, das es nicht mehr gibt. Wenn endlich das dumpfe Büromonster hinter dem Denkmal verschwinden würde, wären wohl alle Betrachter versöhnter als bislang.

Stand: 10.01.2022

Magirius, Friedrich

Theologe, Kommunalpolitiker | geb. am 2. Juni 1930 in Dresden

Friedrich Magirius ist einer der prominentesten evangelisch-lutherischen Theologen, die im Zuge des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs im Herbst 1989 in ein direktes politisches Engagement geradezu hineingezogen wurden und als besonnene Moderatoren der aufgeheizten, meinungsstarken Diskussion breiter bürgerschaftlicher Kreise besonders gefragt waren. Bis heute müsste sich jeder Veranstalter eines einigermaßen gewichtigen Dialogs in Leipzig die Frage gefallen lassen, wo denn Friedrich Magirius sei, falls er im Teilnehmerkreis nicht gleich entdeckt würde.

Karriere in der evangelischen Kirche


Friedrich Magirius kommt aus der Generation, die im jugendlichen Alter das Ende der NS-Diktatur und der Schrecken des Zweiten Weltkriegs miterlebt hat. Aufgewachsen in Radebeul in der bürgerlichen Familie eines Amtsgerichtsrats, erlebte Magirius im Februar 1945 den Untergang seiner Geburtsstadt Dresden im Bombenkrieg mit. 

Auf das Abitur folgte das Theologiestudium von 1948 bis 1950 an der Kirchlichen Hochschule Berlin-Zehlendorf in der Vier-Mächte-Stadt Berlin und von 1950 bis 1953 an der Universität Greifswald. Es folgten erste berufliche Positionen in Einrichtungen der evangelischen Kirche in Sachsen. In der weiteren Karriere des Theologen stehen seine Pfarrstellen zunächst ab 1958 in Einsiedel und anschließend an der Kreuzkirche in Dresden. Einfluss und Anerkennung erwarb sich Magirius in besonderer Weise als Leiter der Aktion Sühnezeichen in der DDR. Dieses Engagement wird bei den polnischen Nachbarn bis heute registriert und geschätzt.

1982 folgte der Wechsel nach Leipzig. Bis zum Erreichen des Pensionsalters 1995 wirkte Magirius als Superintendent des Kirchenbezirks Leipzig Ost. Von seiner Wohnung im Haus der Kirche am Nikolaikirchhof aus fiel sein Blick nicht nur ständig auf dieses Gotteshaus – Magirius nahm als Pfarrer der Nikolaikirche zusammen mit Christian Führer vor allem Einfluss auf die montäglichen Friedensgebete, die seit den frühen 1980er Jahren einen ständig steigenden Zustrom von Leipzigern erfuhren. Die aus heutiger Sicht völlig unspektakuläre Aufforderung „Nikolaikirche – offen für alle“, die als Blechschild an den Fahrradständer der Kirche montiert war, entfaltete damals eine außerordentlich mobilisierende Wirkung.

Die frühen 1980er Jahre waren eine aufgewühlte Zeit. Der Warschauer Vertrag im Osten und die NATO im Westen überboten sich als Speerspitzen der Systemkonfrontation beim Aufstellen von Mittelstreckenraketen, die atomar bestückt werden konnten und im Falle einer militärischen Auseinandersetzung von beiden deutschen Staaten nichts übriggelassen hätten. Vernunft war gefragt – ebenso wie das Herunterkühlen der politischen Temperatur.

Diplomatischer Theologe in der Nikolaikirche


Aus der konkreten Situation heraus, nahmen die Diskussionen in der Nikolaikirche im Verlauf der 1980er Jahre einen immer politischeren Charakter an. Oppositionelle, die gegen die verknöcherten Zustände in der DDR aufbegehrten, fanden hier den Diskussionsort, den sie sich wünschten und der sie in ihren Ansichten weiter bestärkte. Magirius, der zu den publizistisch immer wieder so titulierten „Kirchenoberen“ gehörte, war angesichts der aufgeheizten Situation ein gesuchter Ansprechpartner für diejenigen, die damals in Leipzig die Staatsmacht verkörperten und die aufflammenden Proteste immer weniger bändigen konnten. Ganz Theologe setzte Magirius auf Friedfertigkeit und Ausgleich, auf Diplomatie statt Konfrontation. Damit erzeugte er zugleich Widerspruch bei denjenigen Oppositionellen, die sich einen fordernderen Auftritt gegenüber den offiziellen Stellen wünschten. Denn, dass es weniger das Interesse am Gebet und theologischen Argument als vielmehr der hochkochende Hang zum Protest oder zur beabsichtigten Ausreise aus der DDR war, der montags die Nikolaikirche immer mehr füllte, sahen alle Beteiligten und Beobachter sehr schnell und eindringlich.

Aus dem Abstand von inzwischen über 30 Jahren und nach einem Sturzbach politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen ist die Unerbittlichkeit der Diskussion, die weiterhin anhält, erstaunlich. Immerhin war es Magirius‘ Diplomatie, die der Kirche Spielräume verschaffte und bewahrte, während die Frage spekulativ bleiben muss, ob eine härtere Konfrontation zwischen Oppositionellen und Staatsmacht den widerständigen Anliegen dienlicher gewesen wäre und zeitiger zu einem Umbruch wie dem Herbst 1989 geführt hätte. Es ist wohl eher so, dass Magirius viele derjenigen schützte, die ihn bis heute mehr oder weniger hart kritisieren. Magirius selbst äußerte öffentlich: „Als Christ sitzt man immer zwischen den Stühlen“.

Die Nikolaikirche als Institution und die beiden Pfarrer Magirius und Führer als Personen gerieten 1989 immer mehr in den Strudel des Umbruchs. Aus der Forderung „Wir wollen raus“ wurde das trotzige „Wir bleiben hier“, als sich kommende Veränderungen allmählich andeuteten. Zur Herbstmesse Anfang September 1989 bekamen die in Leipzig versammelten West-Korrespondenten diejenigen Aktionen und Motive vor die Linse, die einem staunenden Publikum in West und Ost verblüffende Eindrücke vermittelten: „Da braut sich was zusammen“.

Stadtpräsident in den Jahren des Umbruchs


Als der Umbruch bereits volle Fahrt aufgenommen hatte, stieg Friedrich Magirius zum Moderator des Leipziger Runden Tisches und damit zum Steuerer des Dialogs und des Verwaltungshandelns zwischen zurückweichenden alten und den drängenden neuen Kräften auf. Die Kommunalwahl im Mai 1990 brachte ein weiteres neues Amt für ihn. Er wurde Stadtpräsident, wie das die demokratische Kommunalverfassung damals vorsah, und damit für weitere vier Jahre der diplomatisch ausgleichende Steuerer der Stadtverordnetenversammlung mit ihren aufwallenden politischen Emotionen, während der neue Oberbürgermeister
Hinrich Lehmann-Grube von Amts wegen die Stadtverwaltung führte. Beide – der Theologe aus dem Osten und der versierte Verwaltungsjurist aus dem Westen – bildeten ein nahezu ideales Gespann, um die Geschicke der gesamten Stadt in dieser aufwühlenden Zeit ausgleichend zu lenken. 

Nach dem Ausscheiden von Friedrich Magirius entfiel das Amt des Stadtpräsidenten. Geblieben ist das Engagement des Hochbetagten. Der Ausgleich mit Polen in einem nimmermüden Dialog der gegenseitigen Verständigung ist ihm eine Herzensangelegenheit. In Leipzigs Partnerstadt Krakow genießt Magirius höchstes Ansehen. Daneben kümmert er sich engagiert um das Andenken ehemaliger jüdischer Bürger der Stadt Leipzig, die in den NS-Vernichtungslagern ermordet wurden. Wenn anlässlich des jährlichen Gedenktages an die Reichspogromnacht Stolpersteine vor ehemaligen Wohnstätten Leipziger Juden geputzt werden, ist Friedrich Magirius dabei.

Die Stadt Leipzig verleiht im Mai 2022 ihrem hochverdienten Bürger Friedrich Magirius die Ehrenbürgerwürde. Sie gilt einer Jahrhundertleistung.

Stand: 15.02.2022

Bildergalerie - Magirius, Friedrich