Ursprünglich endet der Karl-Heine-Kanal noch abrupt an der Luisenbrücke. Das will der Förderverein für den Durchstich vom Karl-Heine-Kanal zum Elster-Saale-Kanal, der sich seit 2001 Verein Wasser-Stadt-Leipzig nennt, ändern. Sein Ziel ist es, die Visionen Karl Heines von der Anbindung Leipzigs an die Saale und damit an die Nord- und Ostsee zu befördern. Um für die Idee zu werben, wird im Mai 2001 erstmals ein Wasserfest organisiert.
Mittlerweile ist der Karl-Heine-Kanal längst mit dem Lindenauer Hafen verbunden. Zum Elster-Saale-Kanal (auch Leipzig-Saale-Kanal) fehlen aber noch etwa 75 Meter. Dennoch ist der Ausbau von Leipzigs Wasserstraßen, beflügelt auch von den gefluteten Braunkohlerestlöchern im Leipziger Neuseenland – vorangeschritten. Das Leben am Wasser ist längst zurückgekehrt – wie es sich nach der Friedlichen Revolution nur wenige Enthusiasten vorstellen können. „Vielleicht wird unser Leipziger Wasserfest einmal so bekannt wie das Honky Tonk“, hoffen die Initiatoren. Das Kneipenfestival Honky Tonk gibt es inzwischen in Leipzig nicht mehr. Das Leipziger Wasserfest, mittlerweile ein dreitägiges Spektakel im August, ist hingegen eine feste Größe im Leipziger Veranstaltungskalender geworden.
2025 feierte die Veranstaltung ihren 25. Geburtstag. Als Wasserfest am Wege erfindet es sich immer wieder neu. 2009 wird für den Ausbau des Lindenauer Hafens sogar mit einem Flugtag geworben. Die Akteure springen mit selbstgebauten Flugobjekten ins Hafenbecken. Es gibt jedes Jahr spektakuläre Angebote, wie das Fischerstechen. Dabei versuchen zwei Teams, jeweils Ruderer und Stecher, sich mit einer langen Stange gegenseitig aus dem Boot zu stoßen.
Entenrennen wird ein Publikumsmagnet
Mit dem Leipziger Entenrennen wird 2003 ein besonderes Spektakel gestartet. Dabei werden „Rennenten“ für einen guten Zweck an der Sachsenbrücke in das Elsterflutbett gekippt. Die Zuschauer können auf die Sieger tippen und Preise gewinnen. Das wird rasch zum Publikumsmagneten. Der Erlös kommt immer einem Zweck zugute, der mit dem Thema Wasser in Leipzig verbunden ist. So werden beispielsweise ein barrierefreier Bootssteg oder auch Angelsteg, ein Ruderboot für Kinder oder ein Rettungsboot für den Kulkwitzer See gefördert.
Die Organisation des Entenrennens hat aber Tücken – bis hin zur nicht immer ausreichenden Fließgeschwindigkeit der Weißen Elster. Deshalb muss der Verein das Entenrennen mehrfach absagen und setzt es nach 2019 ab. Der Clara-Zetkin-Park als Veranstaltungsort des Wasserfestes wird ebenfalls aufgegeben. Dort ist zwar eine Veranstaltung mit regelrechtem Volksfestcharakter entstanden. Doch der organisatorische Aufwand ist riesig. „Unsere eigentliche Idee, für die Gewässerverbindung zu werben, konnten wir dort nicht wirklich umsetzen“, erzählt Sabine Heymann, die Vorsitzende des Vereins Wasser-Stadt Leipzig. Deshalb beschränkt sich das Wasserfest künftig auf das Areal am Lindenauer Hafen sowie am Stadtteilpark Plagwitz mit dem Karl-Heine-Kanal.
Geschichte ist inzwischen die alljährliche Bootsparade auf den Gewässern, bei der auch Wassergefährte der Marke Eigenbau mitfahren durften. Oftmals waren bis zu 100 Boote unterwegs. Doch es wurden zusehends weniger, die Genehmigung durch die Behörden schwieriger, angemeldete Teilnehmer erschienen oftmals nicht. Ebenfalls spektakulär: Die Ruderbundesliga, die renommierte Rennserie der bundesweit besten Vereine im Damen- und Herrenachter, wird in den Jahren 2018 und 2019 auf der 350 Meter langen Strecke auf dem Elsterflutbett zwischen Sachsenbrücke und Rennbahnsteg ausgetragen. Hier ist eine Wiederholung nicht ausgeschlossen. „Wenn es sich ergibt, denken wir gern neu nach“, so Heymann.
Jedes Jahr spektakuläre Angebote
2025 bot der Verein erstmals eine Entenrallye im Lindenauer Hafen an. Anders als das Entenrennen ist dies aber keine Lotterie. Die Leute bekommen die Enten in die Hand. Premiere hatte ebenfalls ein Drachenboot-Wettbewerb. Dabei müssen die Teams ihr Boot an einer Markierung ausrichten. Wer das Drachenboot deutlich in die eigene Richtung verschieben kann, gewinnt. Ein Hafen-Trödelmarkt wurde 2025 ebenfalls erstmals organisiert.
Schute Luise ist im Einsatz
2025 saniert der Verein seine Schute Luise. Das ist ein 9 Meter langes und ca. 2 Meter breites Wasserfahrzeug mit flachem Schiffsboden ohne Kiel, senkrechten Seitenwänden und ebenflächigen senkrechten oder geneigten Bug- und Heckteilen. Schuten wurden früher auf flachen Gewässern für den Transport von Salz, Kohle, Getreide und Baustoffen eingesetzt, darunter auch beim Bau des Karl-Heine-Kanals. Heute dienen sie vor allem touristischen Zwecken.
Im Juli 2002 hat der Verein zwei historische Schuten erworben, die zunächst gemeinsam mit Jugendlichen rekonstruiert werden sollen. Weil die in einem schlechten Zustand sind, wird dann aber eine neue Schute gebaut. Sie ist seit Juli 2005 unterwegs – muss überholt werden. „Sie ist ein Aushängeschild für unseren Verein, muss unbedingt im Einsatz bleiben“, so Heymann. Und ist zuversichtlich, dass dies gelingt.
Die ehemalige Verladestation im Stadtteilpark Plagwitz am Karl-Heine-Kanal ist zum Vereinshaus ausgebaut worden. Das kann auch für private Feiern gemietet werden. Zum Wasserfest entsteht am Vereinshaus regelmäßig eine Pirateninsel mit speziellen Angeboten für Kinder. Jedes Jahr beteiligt sich der Verein Wasser-Stadt Leipzig am Frühjahrsputz, um die Gewässer vom Müll zu befreien.
Stand: 06.08.2025














