Sie ist eine Erfolgsgeschichte: Die Ökofete, die jedes Jahr im Juni zum Abschluss der Leipziger Umwelttage in den Clara-Zetkin-Park einlädt. Wer es nicht glaubt, braucht sich bloß durch die Menschenmassen im Park drängeln, die entlang von mehr als 130 Ständen schlendern. Die Ökofete ist Sommerfest und Umweltverbrauchermesse zugleich. Die Besucher informieren sich dort über aktuelle Trends rund um Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, probieren Bio-Köstlichkeiten und vieles mehr. Veranstalter ist der Umweltbund Ökolöwe, der die regionalen Verbände, Organisationen, Initiativen und Unternehmen dazu einlädt.
Umweltbund bei Stilllegung des Tagebaus Cospuden aktiv
Begonnen hat alles im Juni 1990 am Auensee, der von den Organisatoren der Aktion per Radtross vom Neuen Rathaus aus angesteuert wird. Der frisch gegründete Umweltbund Ökolöwe will darauf aufmerksam machen, dass für das Fahrrad als umweltfreundlichstes Verkehrsmittel viel zu wenig getan wird. Der Ökolöwe „brüllt“ offiziell seit 23. November 1989. An jenem Tag vereinen sich Mitglieder kirchlicher Umweltgruppen und des damaligen Kulturbundes zur ersten unabhängigen Umweltorganisation Leipzigs, die während des Zusammenbruchs des alten DDR-Systems entsteht.
Natürlich thematisieren die Öko-Aktivisten auch schon vor 1989 Umweltsünden. Im Jahr 1988 entsteht beispielsweise eine umfangreiche Radverkehrsstudie, die über den Kulturbund der DDR in nur zehn Exemplaren erscheinen darf – allerdings ohne kirchliche Gruppen als Mitautoren zu nennen. Auch auf die enorme Verschmutzung der Pleiße weisen die Bürgerrechtler hin und entrümpeln den Fluss mehrfach. Größter Erfolg des Umweltbundes ist wenige Monate nach seiner Gründung die Stilllegung des Tagebaus Cospuden. Der Protest führt letztlich zur Rekultivierung der geschundenen Landschaft sowie zum Landschaftsprojekt Cospudener See.
Inzwischen sind die Ökolöwen in der Umweltszene Leipzigs ein fester Begriff geworden. Normalität bestimmt ihre Arbeit, spektakuläre Aktionen sind eher selten. Die Umweltschützer arbeiten mit Behörden und Arbeitskreisen zusammen, kümmern sich um Verkehrsplanung und ein angenehmes Wohnumfeld, pflegen Streuobstwiesen, beraten Leute im ökologisch betriebenen Stadtgarten Connewitz oder bemühen sich um ein verstärktes „Car-Sharing“, um den Autoverkehr einzudämmen. Die „Höhle des Löwen“ wird 1990 im Haus der Demokratie in Connewitz eingerichtet. Neben seiner Geschäftsstelle betreibt der Umweltbund dort auch die Umweltbibliothek.
Erste Ökofete führt per Radtross zum Auensee
Die erste Ökofete findet am Auensee statt. Gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube (SPD) fahren rund 1.000 Menschen mit dem Fahrrad dorthin. Sie werben für den Ausbau von Radwegen. Auf der Ökofete gibt es heiße Debatten darüber, ob das Auto künftig wirklich das Maß aller Dinge im Stadtverkehr ist, um die jahrelang verdrängten Taubenzecken, um zu hohe Nitratwerte im Trinkwasser und vieles mehr.
Ökofete wird Umwelt-Familienfest
Inzwischen hat die Ökofete sich zum größten Umweltfest Mitteldeutschlands entwickelt. Sie versteht sich als Impulsgeber, der nicht nur einen nachhaltigeren Lebensstil, sondern auch einen Bewusstseinswandel anregt. Dabei gibt der Veranstalter strenge Kriterien vor. Die Vereine und Initiativen sollen den Leipzigern zeigen, dass und wie sie nachhaltig leben können. Denn die Veranstalter wollen nicht nur von Verzicht reden, sondern vor allem Alternativen aufzeigen. Es wird viel Wert darauf gelegt, dass die Großveranstaltung im Clara-Zetkin-Park so umweltschonend wie möglich über die Bühne geht. So werden viele Waren mit Lastenrädern herangeholt. Wenn schon ein Auto zum Transport notwendig ist, dann sollte es wenigstens ein „geteiltes“ über Carsharing sein. Die Leipziger Gruppe ist jedes Jahr Hauptsponsor. Getreu dem Motto „Aus Leipzig für Leipzig“ für eine bessere Welt, präsentiert sie sich ebenso wie Ämter der Stadt Leipzig auf diesem Öko-Familienfest.
Stand: 26.06.2024














