Aus Erlen- und Fichtenholz entstehen charmante Burgen und Schlösser. Designerin Emma Brix hat sich von traditionellen Weihnachtspyramiden inspirieren lassen, erzgebirgisch angehauchte „Luftschlösser“ entwickelt und die Pyramiden neu interpretiert. Die aus Südkorea stammende Jeongyun Hyun malt hingegen mit Nadel und Faden. In kleinen runden oder fetten barocken Plastikrahmen sind so verspielte Stillleben mit Seepferdchen, Wandteppichen, Schädeln und vielen Spinnen entstanden. Moderne keramische Arbeiten, die sich zwischen Wandbild und Objekt bewegen, steuert Keramiker Karl Lobo bei. Das sind nur wenige der preisgekrönten Beispiele, die 2025 auf der Grassimesse präsentiert werden.
Die zeigt erneut neue Ideen und die Vielfalt der angewandten Kunst und des Designs und schärft ganz nebenbei das Bewusstsein für gestalterische Qualität. Etwa 140 Künstler und Designer aus Europa und Asien möchten bei der Grassimesse 2025 ihre aktuellen Arbeiten verkaufen. Dabei ist die Messe inzwischen selbst ein „schützenswertes Biotop“, wie Museumsdirektor Olaf Thormann formuliert. Vergleichbare Angebote in dieser Größe und Dichte gebe es nicht mehr in Deutschland, sagt er. Die international ausgerichtete Verkaufsmesse für angewandte Kunst und Produktdesign zählt längst zu den bedeutendsten ihrer Art in Europa.
Ein Gegenpol zur kommerziellen Massenware der Messe
Die Leipziger Grassimesse kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Erstmals findet sie im Jahr 1920 statt. Richard Graul, der damalige Direktor des Kunstgewerbemuseums, gründet sie als Verkaufsmesse im alten Grassimuseum am Königsplatz (heute: Wilhelm-Leuschner-Platz). Er wollte der kommerziellen Massenware, die an den Ständen der Leipziger Messe gezeigt wird, Objekte entgegensetzen, die durch einen hohen Qualitätsanspruch überzeugen. Wer ausstellen darf, wird durch eine Fachjury entschieden. Dadurch entwickelt sich die Messe rasch zu einem Forum für die Kunstgewerbe-Elite. Wer teilnehmen darf, erwirbt damit automatisch eine Art Gütesiegel für seine Arbeit. Von der Wiener Werkstätte bis zum Weimarer Bauhaus sind die besten Künstler ihrer Zeit vertreten. Mit dem Einzug der Grassimesse in den Neubau des Grassimuseums am Johannisplatz vergrößert sich auch die Ausstellungsfläche.
Ein „Archiv der Moderne“ entsteht
Zwischen 1920 und 1941 stellen etwa 1.500 Kunsthandwerker, Gestalter sowie Kunstschulen, Künstlervereinigungen und Firmen auf der Grassimesse aus. Sie stammen vorwiegend aus Deutschland, Österreich und Skandinavien. Viele der Arbeiten hat das Museum anschließend erworben, um ein „Archiv der Moderne“ für die künftigen Generationen aufzubauen. Mit Hilfe des Förderkreises des Museums, der Spenden für diverse Ankäufe einwirbt, ist das noch heute so.
Der Messe-Neustart im Jahr 1997
Die Grassimesse wird als Plattform für erlesene Handwerkskunst und originelles Produktdesign im Jahr 1997 wiederbelebt. Dazu haben neben dem Freundes- und Förderkreis des Museums auch die Familie Goerdeler beigetragen, die einen Preis stiftet. Seitdem findet die Grassimesse einmal jährlich am letzten Oktoberwochenende im GRASSI Museum für Angewandte Kunst statt. Renommierte Künstler bekommen ebenso ihre Chance wie junge Kunsthandwerker und Absolventen der Kunsthochschulen. Ästhetik, der Umgang mit Materialien und Funktionalität sowie das Eintauchen in gute Gestaltung stehen im Mittelpunkt. Gezeigt wird das Neueste aus den Bereichen Schmuck und Accessoires, Keramik und Porzellan, Mode und Textil, Möbel, Holz, Metall, Glas und Papier.
Spiegelungen mit Meisterwerken der Sammlung
290 Künstler und Designer aus der ganzen Welt haben sich im Jahr 2025 um die Teilnahme beworben, die Fachjury wählt 140 davon aus. Sie zeigen und verkaufen ihre Arbeiten an 75 Messeständen, die sich auf rund 4.000 Quadratmetern im Erdgeschoss, in den Ausstellungsräumen, der Pfeilerhalle und der Orangerie erstrecken.
Das Besondere: Exponate mischen sich wieder in die Dauerausstellung im ersten Stock. So entstehen Spiegelungen und Kontraste mit den Meisterwerken der Sammlung. Das sorgt für besondere Effekte. Ein Beispiel dafür ist eine Festtafel im Römischen Saal. Sonngard Marcks hat diese mit prachtvollem Geschirr, Blumen, Walderdbeeren, Zitronen, Artischocken, aber auch diversen Insekten und Krabbeltieren eingerichtet. Für ihre feine Fayencemalerei ist sie 2025 mit dem Grassipreis des Carl und Anneliese Goerdeler Stiftungsfonds ausgezeichnet worden. Jahr für Jahr vergibt die Fachjury verschiedene Preise.
Stand: 31.10.2025














