Der Handball-Club Leipzig, kurz HCL, gehört nicht nur zu den bekanntesten Leipziger Sportvereinen, er ist auch einer der erfolgreichsten Sportvereine der Stadt. Und nicht nur das. Mit insgesamt 38 nationalen und internationalen Titeln ist der HCL inklusive seiner Vorgängervereine SC Lokomotive Leipzig, BSG Rotation Leipzig-Mitte und SC Leipzig der erfolgreichste Handballverein Deutschlands. Mit 21 Deutschen Meistertiteln (inklusive der 13 DDR-Meister-Titel) ist der HCL immer noch Rekordmeister.
Vereinsgründung 1999, Ursprung in den 1960er Jahren
Gegründet wurde der Handball-Club Leipzig im November 1999, der sportliche Ursprung des Vereins liegt jedoch viel weiter zurück. Im Jahr 1963 entstand durch die Fusion der Handballsektionen des SC Lokomotive Leipzig und BSG Rotation Leipzig-Mitte der SC Leipzig. Dieser entwickelte sich zu den besten Handballvereinen der Welt. Neben 13 DDR-Meister-Titeln und zwei Pokalsiegen gewannen die Leipziger Handballerinnen 1966 und 1974 den Europapokal der Landesmeister, den Vorgängerwettbewerb der Champions League, und zweimal den EHF-Pokal (1986 und 1992). Nach der Auflösung des SC Leipzig im Jahr 1993 wechselte die gesamte Damenhandball-Abteilung zum wiedergegründeten VfB Leipzig. Dieser geriet jedoch Ende der 1990er Jahre in große finanzielle Nöte, die später in die Insolvenz des Stammvereins führten. Deswegen entschloss sich die Abteilung Ende 1999 zur Gründung eines eigenen Vereins – des Handball-Club Leipzig. Der setzte die Tradition seiner Vorgängervereine als erfolgreichster Verein im Frauenhandball schnell fort.
Zahlreiche Titel und Champions-League-Stammgast
Schon in der ersten Saison unter dem neuen Namen holten sich die Leipzigerinnen beim Finale in Riesa den DHB-Pokal. Im Finale setzten sie sich mit 30:25 gegen den TV Mainzlar durch. Bis 2016 folgten sechs weitere Pokalsiege und vier Deutsche Meistertitel. Außerdem war das Team zwischen 1998 und 2017 Stammgast in der Champions League. In diesem Zeitraum konnten sich die Leipzigerinnen 12 Mal in der Königsklasse mit den stärksten Vereins-Mannschaften Europas messen. 2012 erreichte das Team des späteren Bundestrainers Heine Jensen das Finale des EHF-Pokals, musste sich hier aber in Hin- und Rückspiel dem spanischen Top-Team S.D. Itxako geschlagen geben.
Insolvenz und Neuanfang
Während der Bundesligasaison 2016/17 wurde bekannt, dass die HC Leipzig Bundesliga GmbH mit 1,3 Millionen Euro verschuldet war. Deshalb musste sie Insolvenz anmelden. Im Sommer 2017 wurde dem Verein wegen der großen finanziellen Probleme die Lizenz für die Bundesliga verweigert. Der Verein startete daraufhin einen Neuanfang. Mit dem Spielrecht der ehemaligen 2. Mannschaft, die im Insolvenzsommer die Deutsche B-Jugend-Meisterschaft gewinnen konnte, startete der HCL in der Saison 2017/18 in der 3. Liga – mit jungen Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs. Bereits 2019 schaffte die junge Mannschaft unter Trainer Jacob Dietrich den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Nach Platz drei in der Spielzeit 2024/25 ist das aktuelle Team um Trainer Erik Töpfer erstmals seit der Insolvenz auf dem besten Weg zurück in die 1. Bundesliga. Seit dem Neuanfang setzt der Verein unter dem Motto „Handball aus Leipzig mit Herz“ immer wieder auf Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs. Markenzeichen des Teams ist schneller und attraktiver Tempohandball.
Der HCL gehört seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Nachwuchsstützpunkten im deutschen Frauenhandball. Viele Meistertitel in der A- und B-Jugend belegen die kontinuierlich starke Ausbildungsarbeit, ebenso wie zahlreiche HCL-Spielerinnen, die in unterschiedlichen deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften spielen. So spielten mit Jana Walther, Lilly Glimm, Laura Sophie Klocke und Marlene Tucholke gleich vier HCL-Spielerinnen in der deutschen U19-Auswahl, die im Sommer 2025 erstmals in der deutschen Handballgeschichte den U19-Europameistertitel nach Deutschland holte.
Der HCL und seine Stars
Der HC Leipzig und seine Vorgängervereine haben in den vergangenen Jahrzehnten – vor allem vor der Insolvenz 2017 – auch immer wieder Stars hervorgebracht. Ehemalige Spielerinnen wie die gebürtige Leipzigerin und seit vielen Jahren in Dänemark lebende Grit Jurack oder die langjährige Nationalspielerin Ingrida Radzeviciute werden ebenso nach wie vor mit dem HC Leipzig in Verbindung gebracht wie Kerstin Mühlner, Nikola Pietzsch, Nora Reiche oder die langjährige Nationaltorhüterin Katja Schülke.
Gerade vor der Insolvenz war der HC Leipzig auch europaweit eine Top-Adresse für Spielerinnen und Trainer. So führte der ehemalige Bundestrainer Heine Jensen das HCL-Team von 2008 bis 2011 zweimal zum Deutschen Meistertitel (2009 und 2010). Zuvor hatte Jensens dänischer Landsmann Martin Albertsen, der später von 2014 bis 2020 die SG BBM Bietigheim zu zahlreichen Titeln führte, in der Saison 2005/06 zum Double aus Meisterschaft und Pokal geführt. Zu Aushängeschildern des HC Leipzig auf dem Parkett wurden in ihrer Zeit beim HC Leipzig unter anderem die polnische Rückraumspielerin Karolina Kudlacz (2006 bis 2017) und Else-Marthe Sørlie Lybekk. Die dänische Kreisläuferin trug von 2003 bis 2008 das HCL-Trikot und war lange Zeit auch Kapitänin.
Stand: 28.12.2025














