Nichts erinnert mehr an den einstigen Namen. Ein „verlorener Ort“ ist der Sachsenplatz trotzdem nicht wirklich. Der Platz, der seinen Namen im Jahre 2002 offiziell ablegt, ist inzwischen wieder dicht bebaut. Ein Museumskarree, zu dem das Museum der bildenden Künste, Hotels, Bürohäuser, Restaurants, die Tourist-Information Leipzig sowie das Haus Böttchergäßchen des Stadtgeschichtlichen Museums gehören, ist hier nach der Neubebauung entstanden.
Bebauung wird bei schwerem Luftangriff zerstört
Das Häuserkarree zwischen Salzgäßchen und Brühl gehört bis in die 1940er Jahre hinein zu den am eng bebautesten Gebieten in der ganzen Stadt Leipzig. Das ändert sich schlagartig mit dem schweren Luftangriff der Alliierten am 4. Dezember 1943. An jenem Tag werden die Häuser weitestgehend dem Erdboden gleichgemacht. Auch das Zimmermannsche Kaffeehaus, in dem einst Johann Sebastian Bach mit seinem studentischen Collegium musicum zu Konzerten aufspielt, gehört zu den Bombenopfern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg werden die Trümmer weggeräumt. Die Fläche bleibt danach viele Jahre unbebaut. Die trostlose Trümmerfläche wird zunächst provisorisch genutzt, indem verschiedene Baracken aufgestellt werden. An der Ecke Brühl/Reichsstraße können die unteren Etagen eines Gebäudes des Bekleidungshauses Hollenkamp teilweise noch genutzt werden. Später wird das Gebäude ebenso wie das Messehaus Union abgerissen. Am Salzgäßchen entsteht bereits zwischen 1961 und 1964 „als Begrenzung“ ein sechsgeschossiger Neubau mit Wohnungen, der heute immer noch die Pinguin-Eisbar beherbergt.
Name soll Rolle der Sachsen würdigen
1967 lobt der Rat der Stadt einen Gestaltungswettbewerb für das Areal aus, um es aufzuwerten. Einen Preis gibt es nicht – auch die in der Ausschreibung geforderte Freilichtbühne entsteht nie. Die Planung wird mehrmals überarbeitet. Ein halbes Jahr nach der Grundsteinlegung kann der Platz am 5. Oktober 1969 feierlich eingeweiht werden. Anlass ist der 20. Jahrestag der Gründung der DDR. Den Namen Sachsenplatz bekommt das Areal bereits am 9. Mai 1969 – als eine Würdigung der Sachsen in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, wie es damals heißt.
Als ein markantes Gebäude ist auf dem Sachsenplatz das Ausstellungs- und Informationszentrum mit fächerförmigem Dach entstanden, das als Leipzig-Information touristische Dienstleistungen anbietet. Gebaut wird ein Stahlskelettbau mit großer gläserner Fassade. Er beherbergt auch die Mokka-Bar. Im Obergeschoss bietet die Leipzig-Information neben einem Kinosaal weitere Konferenz- und Veranstaltungsräume an. Die Reichsstraße wird zur Fußgängerzone umgestaltet. Dort werden drei Ladenpavillons angeordnet.
In der Mitte des Platzes entsteht eine große Freifläche, an der Seite zur Katharinenstraße kleinere Grünanlagen sowie drei Becken mit Wasserspielen. Ursprünglich sind es Fontänen, die ab 1971/72 von den Pusteblumen-Brunnen ersetzt werden. So nennt der Volksmund die bekannten Springbrunnen von Harry Müller, die inzwischen auf dem Richard-Wagner-Platz stehen. Markant ist eine fünf Meter hohe Keramiksäule, die Ereignisse der Leipziger Stadtgeschichte darstellt. Die hat der Künstler Herbert Viecenz 1972 geschaffen. Bei der Neubebauung des Areals wurde die Säule, die eigentlich eingelagert werden sollte, abgerissen. Die Keramikteile sind fest mit dem Betonkern verbunden, eine Bergung war nicht möglich. Viecenz gibt sein Kunstwerk daher schweren Herzens für den Abriss frei.
Leipzig-Information muss Museum weichen
Der Sachsenplatz wird im Jahre 1996 dazu auserkoren, hier einen Neubau für das Museum der bildenden Künste zu errichten. Zunächst müssen aber langwierige Verhandlungen geführt werden, damit die Stadt Leipzig das Areal erwerben kann. Die Grundstücke sind als Folge der einstigen engen Bebauung zerstückelt – Erbengemeinschaften und Eigentümer gibt es nicht nur in Deutschland. Am 11. Januar 1999 beginnen die Bauarbeiten, zunächst mit archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände. Die asbestverunreinigte Tourist-Information wird ebenso wie die Pavillons abgerissen, die „Pusteblumen“ zunächst eingelagert. Umgesetzt für den Bau des Bildermuseums wird ein Entwurf des Architekturbüros Karl Hufnagel, Peter Pütz und Michael Rafaelian aus Berlin. Dieser sieht rund um das quaderförmige Haus vier Eckbebauungen in Winkelform vor.
Das Bildermuseum kann am 4. Dezember 2004 offiziell eröffnet werden. Der Name Sachsenplatz wird bereits im August 2002 abgelegt. Das Böttchergäßchen, das Katharinen- und Reichsstraße verbindet, wird als Straßenname reaktiviert.
Stand: 04.01.2025











