Foto: Leipzig - Zum Arabischen Coffe Baum

Zum Arabischen Coffe Baum

Kleine Fleischergasse 4 | Ortsteil: Zentrum
Inhalt des Beitrags
Audiobeitrag: Zum Arabischen Coffe Baum

Vom starken August und dem „Scheelchen Heeßen“


Nur rund 100 Meter vom
Markt entfernt befindet sich das älteste Kaffeehaus Deutschlands. Im Lokal „Zum Arabischen Coffe Baum“ wird seit 1711 das liebste Getränk der „Kaffee-Sachsen“ ausgeschenkt. Bereits Johann Sebastian Bach setzte zu Lebzeiten mit seiner 1734 komponierten Kaffekantate der Kaffeeliebe der Sachsen ein Denkmal. Zu diesem Zeitpunkt wurde das orientalische Getränk in Sachsen bereits seit mehr als 40 Jahren ausgeschenkt. Da sächsische Truppen an der Befreiung Wiens von der türkischen Belagerung und den späteren Kämpfen beteiligt waren, gelangte mitsamt der Kriegsbeute in den 1690er Jahren auch der Kaffee nach Sachsen und entwickelte sich zum Modegetränk für jedermann. Nach dem „Café Procope“ in Paris ist das Leipziger Traditionshaus der letzte original erhaltene „Kaffeetempel“ und Geburtsort der europäischen Kaffeekultur.

Erstmals erwähnt wurde das Gebäude 1556 in den Ratsbüchern als „Auf dem Barfüßer Thor gelegenes Haus“, welches zeitgleich mit dem Alten Rathaus entstand. Im selben Jahr wurde das alte Hinterhaus vom Haus zur goldenen Schlange, seit 1750 Barthels Hof, abgetrennt und an ebendieser Stelle ein neues mit der Front zur Kleinen Fleischergasse als Renaissance-Bau errichtet. Im Laufe seiner wechselvollen Geschichte wurde das Haus häufig umgebaut und verändert, jedoch nie abgerissen. Das einstige Bürgerhaus ging im Jahr 1603 als Lehen an Anton Reuter, der das Brau- und Schankrecht erhielt. August der Starke soll hier 1694 nach der Eröffnung durch den Leipziger Gold- und Silberplätterer Adam Heinrich Schütze seine erste Tasse Kaffee getrunken haben und begeistert gewesen sein. Nach einem ersten umfassenden Um- und Neubau 1703 erhielt der Kaffeehausbetreiber Johann Lehmann am 14. Oktober 1707 von August dem Starken, der zu dieser Zeit im Königshaus übernachtete, den Titel „Königlich Pohlnischer und Churfürstlich Sächsischer Hofchocoladier“ und ließ das Gebäude 1718/19 vom Leipziger Maurermeister Adam Jacob zu einem modernen Kaffeehaus umbauen. Das Ergebnis seiner Bemühungen erlebte Lehmann aufgrund seines Todes 1719 nicht mehr.

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Fotogalerie - Zum Arabischen Coffe Baum

Am Eingang begrüßen ein Osmane und Amor mit einer Tasse Kaffee…


Im Zuge der Umgestaltung wurde vermutlich auch das über dem Hauseingang des Gebäudes in Stein gehauene Kaffeetürken-Relief in Form einer barocken Portalplastik angebracht. Es gilt als eines der künstlerisch wertvollsten erhalten gebliebenen Gastgewerbezeichen in Europa. Das Relief aus dem Jahr 1720 zeigt einen stattlichen, lebensgroßen Osmanen vor einem blühenden Kaffeebaum, der Amor eine Schale Kaffee reicht. Dieses Bild symbolisiert die Begegnung des christlichen Abendlandes mit dem islamischen Orient
. Das Motiv geht der Legende nach auf einen arabischen Kaffeebaum zurück, welcher zu ebendieser Zeit in einem Leipziger Garten blühte. Diese Sensation lockte Besucher von weit her in die Stadt. So hieß das Gebäude ab 1720 nicht mehr „Am Barfüßer Tor“, sondern war im Leipziger Adressbuch fortan unter Coffe Baum zu finden. Der Auftraggeber der Plastik ist unbekannt. Einer Legende zufolge soll allerdings August der Starke eine Liaison mit der Witwe Lehmann, die das Kaffeehaus überaus erfolgreich von 1719 bis 1742 bewirtschaftete, gehabt und sich mit dem Portal erkenntlich gezeigt haben. Damit drückte er ebenfalls seine Begeisterung für den ausgeschenkten Kaffee aus. Als möglicher Bildhauer wurde der Dresdner Benjamin Thomae, ein Schüler von Balthasar Permoser, vermutet. Im Zuge der Sanierung betonte Baumeister Adam Jacob die Mittelachse der Fassade neben dem Relief über dem Eingang durch Sandsteingewände und zwei barocke Fenstergiebel. Im Kaffeebaum wurden ab 1742 neben Kaffee auch Wein, Bier, Tee, kalte Speisen und Gebäck angeboten.

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Zu Besuch: Geistesgrößen der Kunst und Musik


Der Coffe Baum zog zahlreiche Persönlichkeiten aus der Welt der Musik und Kunst an. Seit 1708 tagte in Lehmanns Café bereits das von
Georg Philipp Telemann begründete Collegium Musicum. Im ersten Stock wurde 1878 das „Leipziger Künstler-Café“ gegründet, welches ab 1882 Treffpunkt des hier monatlich tagenden „Literaturzentrums Leipzig“ war. Große Bekanntheit erlangte das Kaffeehaus durch Robert Schumann und seine Freunde, die „Davidsbündler“, die sich hier zwischen 1833 und 1840 allabendlich an ihrem Stammtisch im Erdgeschoss trafen. An den berühmten Gast erinnern noch heute das „Schumann-Zimmer“. Die Namen aller Davidsbündler sind auf gravierten Messingschildern in der „Schumann-Ecke“ vermerkt.

Zwischen 1814 und 1911 war das Kaffeehaus im Besitz der Familie des Gastwirts Johann Andreas Poppe, der die ursprünglich dunkle Fassade in hellen Farbtönen verputzen ließ. Poppe verstand es, das Haus zu einem Anziehungspunkt für berühmte Geistesgrößen zu machen. Während ihrer Leipzig-Aufenthalte kehrten zahlreiche Prominente ein, darunter Johann Christoph Gottsched, Franz Liszt, Richard Wagner, Max Klinger und Gotthold Ephraim Lessing. Deshalb ist das Kaffeehaus auch als Station 15 auf der Leipziger Notenspur vertreten. Revolutionäre wie Robert Blum, Karl Liebknecht und August Bebel etablierten im Coffe Baum ihr zweites Wohnzimmer. Helmut Kohl und Lothar de Maizière erörterten hier die Chancen der deutschen Einheit.

Aufwendiger Umbau ab 1998


Nach einem Brand 1926 wurden die überputzten Fenstergewände des Coffe Baums aus rotem Porphyrtuff freigelegt. Da eine neue Gewerbeordnung den Betrieb nicht länger gestattete, musste das Gasthaus 1990 schließen. Nach aufwendigen Umbau- und Renovierungsarbeiten ab 1994 unter dem Bauleiter
Lothar Emmrich wurde das sich mittlerweile im Eigentum der Stadt Leipzig befindliche Kaffeehaus 1998 wieder eröffnet. Die dunkelrot-grauen Fenstereinfassungen, die das Gebäude einst optisch prägten, wurden durch eine weiße Fassade mit zarten Vergoldungen über einfachen Fensterscheiben mit Renaissancegewänden ersetzt. Damit entspricht die Fassadenfarbigkeit jener, die sie Mitte des 19. Jahrhunderts besaß. Im Zuge der Renovierung konnten die gänzlich in Fachwerk ausgeführten Seiten- und das Hintergebäude erhalten werden. Hinter dem Gebäude befindet ich ein kleiner, glasüberdachter Innenhof. Der vor dem Coffe Baum befindliche Lipsia-Brunnen wurde 1913 von Max Lange geschaffen.

Künstlercafé, Café Français und Museum hinter historischen Mauern


Das sich über vier Etagen erstreckende Etablissement beherbergt zahlreiche Gasträume mit Cafés und Restaurants und rund 220 Plätzen. Im Erdgeschoss befinden sich das „Schumann-Zimmer“ und der „Kaisersaal“, im Zwischengeschoss der Raum „Zur gemütlichen Quetsche“. Das erste Obergeschoss beherbergt das traditionsreiche „Künstlercafé“. Der helle Raum ist in preußischem Blau gestaltet und mit originalen Lampen aus großen schmiedeeisernen Ringen mit Löwenkopfmotiven geschmückt. Im zweiten Stock befinden sich das „Wiener Café und das „Café Français“ nach original französischem Vorbild. Im dritten Obergeschoss entstand mit dem Museum zum Arabischen Coffe Baum eines der bedeutendsten Museen zur Thematik Kaffee weltweit, welches dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig angegliedert ist. Hier werden den Besuchern in 16 historischen Räumen anhand von Exponaten und Anekdoten die Geschichte der Leipziger Kaffeehauskultur und der sächsischen Kaffeegeschichte näher gebracht.

Neubeginn nach sechsjähriger Sanierung


Nachdem der Gastronom
Peter Steffen in Rente ging, wurde das Kaffeehaus im Dezember 2018 geschlossen. Ab 2019 erfolgte eine schrittweise Teilsanierung, de sich durch in der Corona-Pandemie ausgelöste Lieferengpässe und unvorhergesehene Herausforderungen in der Bausubstanz mehrfach verzögerte. Die ursprünglich mit 250.000 Euro kalkulierten Kosten stiegen auf rund 3,8 Millionen Euro, wovon der Freistaat Sachsen eine Million Euro beisteuerte. Nach rund sechs Jahren Schließzeit öffnete das Lokal im April 2025 unter den neuen Pächtern Henrik Dantz und Sven Gerling. Seit dem 1. Juli 2025 hat auch das Museum Zum Arabischen Coffe Baum bei freiem Einritt wieder geöffnet. Die Dauerausstellung wurde vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig unter Leitung der Kuratorin Dr. Maike Günther völlig neu konzipiert und modernen Anforderungen angepasst.

Stand: 05.01.2026

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Historisches Bildmaterial - Zum Arabischen Coffe Baum

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