Die historische Kultkneipe Naumanns Gaststube befindet sich im Felsenkeller Leipzig. Letzterer wurde 1890 als Ballhaus für die Leipziger Brauerei von Carl Wilhelm Naumann errichtet, nach welcher die Gaststube heute benannt ist. Im 20. Jahrhundert handelte es sich hierbei um eine Arbeiterkneipe, welche ein bedeutender Versammlungsort der Arbeiterbewegung war. Nach der Schließung des Felsenkellers in den späten 1980er Jahren wurde nach einer aufwändigen Sanierung ab 2014 zuletzt auch Naumanns Gaststube im Oktober 2021 mit bis zu 100 Plätzen wiedereröffnet. In der urgemütlichen und rustikalen Kneipe können die Gäste gutbürgerliche Hausmannskost genießen.
Vom Ballhaus zur Lokalität der Arbeiterbewegung
Der Felsenkeller ist auch über die Stadtgrenzen hinaus ein beliebter Veranstaltungsort, der fast jedem Leipziger ein Begriff ist. Weniger bekannt ist die urgemütliche Naumanns Gaststube im Felsenkeller. Der Felsenkeller wurde im Jahr 1890 als Ballhaus im neobarocken Gewand für die Brauerei der Familie Naumann mit Saal, Terrassen, Garten und Kinderspielplatz errichtet. Teil des Ensembles war auch eine Gaststube, in deren Räumlichkeiten sich 130 Jahre später nach aufwendiger Sanierung und Restaurierung Naumanns Gaststube befindet.
Neben seiner Nutzung für Veranstaltungen diente der Festsaal im Felsenkeller in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auch als einer der bedeutendsten Versammlungsorte der deutschen Arbeiterbewegung. Unter den prominenten Gästen dieser Zusammenkünfte waren auch Karl Liebknecht, Clara Zetkin, Ernst Thälmann und Rosa Luxemburg. Letztere hielt hier am 27. Mai 1913 ihre berühmte Rede „Zur weltpolitischen Lage“, in welcher sie vor Hass und Krieg warnte.
Verfall, Schließung, Sanierung
Aufgrund seines baulichen Verfalls musste der Felsenkeller Ende der 1980er Jahre über mehrere Jahrzehnte geschlossen bleiben. Dank eines überarbeiteten Konzepts des Felsenkeller-Geschäftsführers Jörg Folta wurde das beliebte Veranstaltungshaus inklusive Tanzlokal und Ballsaal seit 2014 schrittweise umfassend saniert. Der rund 800 Quadratmeter große Biergarten eröffnete 2015 und hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Während er sich in der Adventszeit in einen kleinen Weihnachtsmarkt verwandelt, schmückt den Biergarten in den Sommermonaten ein auffälliges historisches Karussell, welches von den Chaplins stammen soll und eine beliebte Fotokulisse darstellt. Zuletzt wurde auch die historische Gaststube, welche bis in die 1980er Jahre als Felsenkeller Gaststube bekannt war, aufwändig restauriert und im Oktober 2021 als Naumanns Gaststube wiedereröffnet.
Rinderfeuerfleisch und Naumanns Granat zwischen Nil-Krokodil und Afrika-Masken
Da bei einer Renovierung des Felsenkellers in den 1980er Jahren dessen gesamtes Fotoarchiv verloren ging, wurde die Einrichtung mit Hilfe von Zeitzeugen, alten Berichten, Veranstaltungshinweisen und gefundenen Einrichtungsgegenständen zusammengestellt und versucht, diese möglichst originalgetreu zu rekonstruieren. Das freigelegte, original erhaltene Parkett von 1890, ebenso wie die einst eingelagerten Stühle in dunkelgrün und bordeauxrot, verleihen dem Saal ein historisches Ambiente.
Durch die außergewöhnliche Gestaltung von Naumanns Gaststube mit zum Teil skurrilen Artefakten aus der Geschichte des Felsenkellers und Teilen seiner Originalausstattung wird eine verwunschene Kneipenatmosphäre geschaffen. Ausgestellt sind unter anderem diverse Zeitungsartikel und historische Veranstaltungsplakate, welche an die Geschichte des Felsenkellers als Ort der Arbeiterbewegung erinnern. In Gedenken an die Gründer des Felsenkellers schmückt ein Gemälde mit einem Abbild der Brüder Naumann eine Wand des Lokals. Die skurrile Gestaltung des Tresens legt die Vermutung nahe, ein Reisender hätte sämtliche Souvenirs seiner Weltreise ausgestellt, darunter diverse Tierköpfe, eine Schmetterlingssammlung, afrikanische Masken, ein Säbel und Segelschiffmodelle. Kaum zu übersehen, hängt ein riesiges hölzernes Nil-Krokodil über der Bar, welches die Brüder Naumann von einer Ägypten-Reise aus einer Grabkammer mitgebracht haben sollen. An den Ecken des Tresens befinden sich Schnitzereien von Figuren der Osterinseln.
Abwechslungsreiche Gastronomie
Passend zum Charme der einst historischen Arbeiterkneipe wurde auch das gastronomische Angebot gestaltet. Die Speisekarte umfasst verschiedene, zum Teil modern interpretierte, gutbürgerliche Gerichte. Dazu zählt etwa das klassische italienische Arbeitergericht Ossobuco, sächsisches Rinderfeuerfleisch und Soljanka. Die Getränkeauswahl reicht von einer großer Auswahl an Fassbieren, darunter das rote, feinherbe Lagerbier „Naumanns Granat“, bis hin zu regionalen Getränken, wie der „Connewitzer Kastanienlikör“.
Im Nebenraum der Gaststube befindet sich das Lesezimmer „Rosas Salon“ mitsamt einer Bibliothek, welche Werke und Schriften von Rosa Luxemburg beherbergt und gänzlich der Revolutionärin gewidmet ist. Gaststube und Lesezimmer bieten Platz für bis zu 100 Gäste.
Stand: 25.02.2025














