Foto: Leipzig - Dölitzer Wassermühle

Dölitzer Wassermühle

Vollhardtstraße 16 | Ortsteil: Dölitz-Dösen
Inhalt des Beitrags
Audiobeitrag: Dölitzer Wassermühle

Die große Vision ist es, in einem Mühlenmuseum mit Schau-Mahlgang tiefer in die Historie einzutauchen. Davon ist der Verein Grün-Alternatives-Zentrum Leipzig, der sich seit April 1990 dem Erhalt der Wassermühle in Dölitz verschrieben hat, noch weit entfernt. Dem Verein ist es aber gelungen, die letzte erhaltene Wassermühle Leipzigs zu retten und das Areal an der Vollhardtstraße zu einem Umweltzentrum auszubauen.

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Fotogalerie - Dölitzer Wassermühle

Mühle gehört einst zu Rittergut und Schloss


Urkundlich erwähnt wird die Dölitzer Wassermühle, die seit ihrer Entstehung immer zum Rittergut sowie späteren
Schloss Dölitz gehört, erstmals um 1540. Heinrich der Fromme übergibt sie der Familie von Crostewitz als Lehen. Das Schloss gibt es nicht mehr, nachdem seine von den Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg übrig gebliebenen Reste abgerissen wurden.

Die ersten Mühlen auf dem Gebiet des Stadtteils sind freilich älter. Dölitz entsteht aus einer slawischen Besiedlung, wird als „Doluz“ erstmals 1262 erwähnt. Eine Mühle wird damals vermutlich aus dem Leinegraben gespeist, wie auch Horst Immisch in seiner bei Pro Leipzig erschienenen Geschichte von Dölitz ausweist. 

Um 1200 beginnt die Anlage des Mühlgrabens. Die benachbarten Dörfer Dölitz, Lößnig und Connewitz errichten die heutige Mühlpleiße gemeinsam, um ihre Mühlen zu betreiben. Sie zweigt am Wehr Markkleeberg von der Pleiße ab, um dann nördlich des Wildparkes wieder in die Pleiße zu münden. Die Connewitzer Mühle wird im Zweiten Weltkrieg zerstört.

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Mühle brennt während der Völkerschlacht ab


Auf eine Mühle haben die Lehnsherren immer viel Wert gelegt, da diese einen ansehnlichen Gewinn für sie erwirtschaftet. Als Mahl-, Schneide- und Ölmühle gibt es für die Dölitzer Anlage immer genügend zu tun. Verschiedene, freigelegte Grundmauern im Hauptgebäude zeugen davon, dass die Mühle über die Jahrhunderte mehrfach um- und ausgebaut wird. Im Dreißigjährigen Krieg verarmt, verkauft die Familie von Crostewitz die Mühle 1636 an den Leipziger Kaufherren
Georg Winkler.

Einschneidend ist der Oktober 1813. Während der Kämpfe um das Dölitzer Torhaus in der Völkerschlacht bei Leipzig brennt die Mühle am 13. Oktober 1813 nach dem Beschuss durch österreichische Truppen fast vollständig ab. Die Geschehnisse sind von Gottlieb Vollhardt festgehalten worden, der neben der Mühle ein Wohnhaus besitzt. Heute ist im Vollhardthaus eine Galerie untergebracht, in der wechselnde Ausstellungen zu sehen sind.

Das heutige Haupthaus wird bereits 1814/15 als zweigeschossiger Fachwerkbau in einem geschlossenen Vierseitenhof neu errichtet. Auch das Grundwehr entsteht neu. Aus dieser Zeit sind das Hauptgebäude sowie das Obermüllerhaus erhalten geblieben. Die Mühle wird danach von verschiedenen Pächtern betrieben.

Mit der Erfindung des Motors wird das große Mühlensterben eingeläutet. Die neue Technik macht auch vor dem letzten Müller Klemm nicht Halt. 1920 bis 1951 wird die Mühle als Wohnhaus und Lagerraum benutzt. Danach pachtet ein Müller Eschenhorn aus Lindenthal die Mühle für 30 Jahre von der Stadt Leipzig, um sie auf eigene Kosten instand zu setzen und wieder in Betrieb zu nehmen. Nach seinem Tod 1967 arbeitet die Mühle noch einige Jahre als Schrotmühle für ein Futtermittelwerk. 1974 wird sie dann endgültig stillgelegt. Danach ist das Gelände zunächst dem Verfall preisgegeben.

Grün-Alternatives-Zentrum reaktiviert Gelände


Eine Interessengemeinschaft „Technische Denkmale“ will sie zwar 1985 rekonstruieren. Doch das bleibt bis zur
Friedlichen Revolution Utopie. Erst dem Verein Grün-Alternatives-Zentrum gelingt es, das Gelände ab April 1990 zu reaktivieren und Schritt für Schritt als Standort für sein Umweltzentrum auszubauen.

Zunächst werden das Dach und das Fachwerk am Mühlenhauptgebäude gesichert. Später wird eine Strahlträgerkonstruktion eingebaut. Das frühere Obermüllerhaus, der Seitenflügel des Hofes, wird in Lehmbauweise erneuert. Weitere Fachwerkhäuser, wie das sogenannte Breunsdorf-Haus, komplettieren den Mühlenhof.

Jenes Fachwerkhaus, eine ehemalige denkmalgeschützte Scheune, muss in Breunsdorf der Braunkohle weichen. Es wird vom Verein zerlegt, nach Dölitz transportiert und dort wieder aufgebaut. Seit Juli 2007 ist im Erdgeschoss des Breunsdorfhauses ein Naturkindergarten beheimatet. Oben befinden sich Wohnungen. Das zweite Fachwerkhaus, das den Hof im Osten begrenzt, wird 1999 einer Familie aus Dahlitzsch abgekauft, abgetragen und in Dölitz wieder aufgebaut.

Wasserrad erzeugt „grünen Strom“


Die Mühlpleiße wird ebenfalls genutzt. Allerdings nicht, um wie einst Getreide zu mahlen. Mit dem Wasserrad und seinen 36 Schaufeln wird inzwischen Strom erzeugt. Es wird 2005 durch Mühlenbauer
Gottfried Schumann aus dem sächsischen Mulda angefertigt. Das Wasserrad besteht aus nordischem Lärchenholz und ist wohl auch ein optischer Blickfang für alle Besucher. Über eine Welle ist ein Generator angeschlossen, mit dem „grüner Strom“ erzeugt wird.

Der Ausbau des Mühlenhofes geht Schritt für Schritt voran. Wann ein Mühlenmuseum öffnen kann, ist allerdings offen. Der Verein Grün-Alternatives-Zentrum ist beim Ausbau auf Fördermittel angewiesen, die derzeit nur spärlich fließen. Er bietet regelmäßig Projekttage für Kinder und Jugendliche an, die sich über Wasser, Energie oder den Mühlenbetrieb informieren wollen. Entstanden ist auch eine Pflanzenkläranlage.

Die Dölitzer Wassermühle ist ein fester Bestandteil des Tags des offenen Denkmals, der jährlich am zweiten Sonntag im September stattfindet. Es werden dort Führungen, Ausstellungen, Kaffee und Kuchen sowie Kinderaktivitäten angeboten.

Stand: 14.09.2025

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Historisches Bildmaterial - Dölitzer Wassermühle

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