Foto: Leipzig – Kino der Jugend

Kino der Jugend / IG Fortuna

Eisenbahnstraße 162 | Ortsteil: Volkmarsdorf
Inhalt des Beitrags
Audiobeitrag: Kino der Jugend / IG Fortuna

Fortuna ist eine Glücksgöttin. Deshalb hat sich die Interessengemeinschaft IG Fortuna, die in der Eisenbahnstraße 162 einen Kultursaal für den Leipziger Osten schaffen will, ihren Namen gegeben. Die IG hat es inzwischen geschafft, die 1928 in der stillgelegten Gasanstalt eröffneten Fortuna-Lichtspiele vor dem Abriss zu bewahren. Jenes Haus wurde 1889 als Generatorengebäude der Gasanstalt Ost erbaut und ist ab 1946 als Kino der Jugend bekannt. 1987 ist das Gebäude in einem derart maroden Zustand, dass es schließen muss. Das Kino mit seiner Art-déco-Fassade steht unter Denkmalschutz. Eine Initiative aus dem Viertel sammelt mehr als 2.000 Unterschriften, um das Gebäude nicht weiter dem Verfall preiszugeben. Durch ehrenamtliches Engagement wird 2016 zumindest erreicht, dass sich die Stadt Leipzig zum Erhalt des Gebäudes bekennt und erste Sicherungsmaßnahmen erfolgen können. So ein Kultursaal wird im Viertel dringend gebraucht.

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Fotogalerie - Kino der Jugend / IG Fortuna

Stadtrat billigt einen Rettungsplan


Leipzigs Stadtrat hat inzwischen einen Rettungsplan für die Immobilie gebilligt. Die IG Fortuna kann das Gremium bei einem Konzeptverfahren überzeugen und erhält das Erbbaurecht. Im März 2021 hat die Initiative die Schlüssel fürs Kino bekommen, seitdem Projekte gemacht und mit Sondergenehmigung das Foyer für eine eingeschränkte Nutzung geöffnet. Von Mai bis Oktober werden beispielsweise Lichtshows, Klanginstallationen, Kunstausstellungen geboten.

Damit scheint die Zukunft des ehemaligen Kinos zwar gesichert. Doch die Absprachen mit den städtischen Ämtern ziehen sich hin. Es fehlt an Geld, um die ehrgeizigen Baupläne umzusetzen. Das Interesse an einer Wiedereröffnung ist groß, wie alljährlich Führungen zum Tag des offenen Denkmals sowie beim Tag der Industriekultur beweisen.

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Gas für Reudnitz und Sellerhausen


Das Kino befindet sich auf einem Areal, das auch als Industriedenkmal interessant ist. Der Gasbeleuchtungs-Aktien-Verein Reudnitz-Sellerhausen errichtet 1865 an der Wurzner Straße eine kleine Gasanstalt, die 1872 von der Thüringischen Gasgesellschaft erworben und in den nächsten Jahrzehnten bis an die
Eisenbahnstraße erweitert wird. Bis 1862 wird auf dem Gelände Gas aus Knochen und Schlachtabfällen produziert. Das Unternehmen baut mehrere Gebäude und sogar ein Gasometer, um Reudnitz und Sellerhausen mit Gas zu versorgen. Wegen Geruchsbelästigung und verstärkter Bebauung des Umfeldes mit Wohngebäuden wird die Produktion aber beendet. Die Gasanstalt Ost stellt zunächst auf Kohlevergasung um, die Produktion an diesem Ort wird um 1925 eingestellt. Sie ist unwirtschaftlich geworden.

Aus Fortuna Lichtspielen wird Kino der Jugend


1928 ziehen die „Fortuna Lichtspiele“ in die ehemalige Generatorhalle. Der Leipziger Osten ist zu diesem Zeitpunkt eine beliebte Vergnügungsmeile. Das Kino erhält nach Plänen des Leipziger Architekten
Willy Kögler eine verputzte Schaufassade mit mächtigem Staffelgiebel zur Eisenbahnstraße. In der Mitte des Art-Déco-Giebels über dem Eingang ist noch immer die aus Zementguss gefertigte Glücksgöttin Fortuna zu sehen. Die eiserne Konstruktion der alten Industriehalle wird durch eine sogenannte Rabitzdecke kaschiert, die eine Wölbung nach oben zulässt. Die „Fortuna Lichtspiele“ haben zunächst 989 Sitzplätze. Dekorationsmaler Paul Edlich steuert eine eindrucksvolle Innenbemalung bei. Eröffnet wird das Kino am 23. Dezember 1928 mit dem Stummfilm „Ungarische Rhapsodie“.

Es entsteht eines der größten Filmtheater Leipzigs. Das spätere Kino der Jugend wird mehrmals umgebaut. Zuletzt in den 1980er Jahren. So wird die vor der Leinwand liegende Bühne verbreitert, die Zahl der Sitzreihen reduziert. Das ermöglicht, das Kino als Raum für Konzerte zu nutzen. DDR-Kultbands wie Kerth, Renft, City, Standhaft und Silly sind hier aufgetreten. „Geiles Kino“ schreibt Silly auf ein Plakat, das bei Ausstellungen im Foyer zu sehen ist.

Im Jahr 2017 ist es gelungen, das Dach abzudichten und eine Notinstallation für die Dachentwässerung zu errichten. Engagierte Ehrenamtler rund um die IG Fortuna haben das Gebäude von Schutt und Müll weitgehend beräumt. Gutachten belegen, dass das denkmalgeschützte Gebäude saniert werden kann. Die massiven Außenmauern des ehemaligen Industriegebäudes sind in einem guten Zustand. Weitgehend erhalten möchte der Verein den Zugangs- und Eingangsbereich mit Kassenhäuschen, das Treppenhaus samt der Fußbodenfliesen, die Türen und Fenster. Wiederhergestellt werden muss das Vordach vor dem Hauptzugang.

Veranstaltungssaal und Programmkino im Blick


Geplant ist, eine große Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren – zu diesem Zweck müssen zusätzliche Holzbohlen gebaut werden. Die künftigen Betreiber stellen sich vor, im Kellerbereich ein kleineres Programmkino sowie Bewegungsräume für Sport und Tanz einzurichten. Der Saal soll mit etwa 360 Sitzplätzen und 600 Stehplätzen weitestgehend erhalten werden.

Visionen gibt es inzwischen für das gesamte Areal. Die ans ehemalige Kino der Jugend angrenzenden Flächen bieten viel Potenzial, um sie als Kreativquartier für den Leipziger Osten zu entwickeln. Momentan ist dort die Abteilung Stadtbeleuchtung des städtischen Verkehrs- und Tiefbauamtes ansässig. Von dort aus warten rund 70 Beschäftigte alle Laternen und Ampeln in Leipzig. Im Gebäude, das von der Wurzner Straße aus zugänglich ist, haben auch die Verkehrsmanagementzentrale sowie die Leitstelle zur Beleuchtungssteuerung ihr Domizil.

IG Fortuna setzt auf Lagerhalle


Auf dem Gelände sind die Fahrzeuge der Stadtbeleuchtung abgestellt, hinzu kommen Materiallager und Reparaturwerkstatt. Das Amt nutzt Freiflächen als Lager, darunter die noch in Reststücken vorhandenen Gasometer. Für die Stadtbeleuchtung wird zwar ein Neubau erwogen – doch das ist Zukunftsmusik. Die IG Fortuna hofft, künftig wenigstens die dem Kinosaal benachbarte Lagerhalle nutzen zu dürfen. Von dort aus kann dann Schritt für Schritt die künftige Baustelle organisiert werden und vielleicht ein Freisitz öffnen. Ziel ist es, auch während der Bauphase sichtbar zu bleiben. Im Gespräch ist, für die Stadtbeleuchtung eine Leichtbauhalle als Lager auf dem Areal zu errichten. Wann das ehemalige Kino als Kulturzentrum wieder öffnen kann, ist offen.

Stand: 14.09.2025

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Historisches Bildmaterial - Kino der Jugend / IG Fortuna

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