Sich gesellschaftlich zu engagieren und für den Erhalt der Demokratie zu kämpfen, ist für Martin Neuhof einfach Ehrensache – und das bereits seit vielen Jahren. Schon 2014 gründete er mit zwei Mitstreitern die Initiative „No-Legida“. „Mehr als zwei Jahre haben wir die Plattform betreut und unzählige Demos begleitet, so dass Legida in Leipzig kaum Fuß fassen konnte. In dieser Zeit ist mein politisches Interesse gewachsen. Seitdem suchte ich immer wieder Anknüpfungspunkte, um meine Leidenschaft der Fotografie mit dem Politischen zu verknüpfen“, erklärt er.
Herzkämpfer sichtbar machen
Nach zwei Jahren gab es Legida nicht mehr, erinnert sich Martin Neuhof nicht ohne Stolz an den Erfolg der Initiative. Weil er seinen Aktivismus aber weiterleben wollte, rief er 2018 das Projekt „Herzkampf – die Unermüdlichen“ ins Leben. „Es gibt überall in Sachsen und darüber hinaus Menschen, die sich mit viel Herz und Seele für soziale und politische Themen einsetzen. Die wollte ich im Rahmen dieses Projektes mit meinen Mitteln sichtbar machen“, erinnert er sich an die Anfänge. Inzwischen hat der Fotograf mehr als 100 Herzkämpfer aus ganz Mitteldeutschland im Rahmen dieses Projektes mit der Kamera ins rechte Licht gerückt und in umfangreichen Interviews zu Wort kommen lassen – und es werden immer mehr. „Durch die Kampagne habe ich unglaublich viele aktive Leute kennengelernt. Es macht unheimlich viel Spaß, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen“, sagt der gelernte Mediengestalter, der im Rahmen des Projektes erstmals auch journalistische Interviews geführt hat.
Zu den „Leuten“, die er bislang interviewt hat, gehört unter anderem auch Thüringens langjähriger Ministerpräsident Bodo Ramelow. Mit dabei sind auch zahlreiche unbekannte Menschen, die sich auf dem Land ehrenamtlich für die Demokratie einsetzen. Aus Fotos und Interviews ist eine große Wander-Ausstellung mit mehr als 100 Fotoplatten (jeweils 90×90 cm) entstanden, die regelmäßig in ganz Deutschland zu sehen ist. Vor allem im Herbst ist diese Ausstellung gefragt, wenn an die Friedliche Revolution und die Geschehnisse rund um den 9. Oktober 1989 erinnert wird.
Podcast seit Juni
Im Juni 2025 hat der Leipziger das Projekt durch einen Podcast ergänzt, in dem er 14-tägig aktive Demokraten zu Wort kommen lässt. Am liebsten würde er den Podcast wöchentlich produzieren, doch das schafft er zeitlich nicht. Schließlich hat der Familienvater ja noch seinen Job als Fotograf, mit dem er Geld verdienen muss. „Ich merke, dass meine Energie auch langsam weniger wird. Man muss manchmal einfach eine Pause machen, sonst frisst es dich auf, wenn du immer nur Negatives hörst“, sagt der gelernte Mediengestalter. Deshalb hatte er Anfang 2025 eine Phase, in der er nicht an dem Projekt gearbeitet hat. Auch Anfang des kommenden Jahres nimmt er sich gemeinsam mit der Familie eine Auszeit in Thailand und Malaysia – und das nicht nur zum Entspannen sondern auch für neue Inspirationen. „Wenn man loslässt, kommt die Kreativität. Die Idee für ‚Herzkampf‘ hatte ich zum Beispiel auf einer Israel-Reise unter der Dusche“, verrät der Fotograf. Dass er mit diesem Projekt – gemeinsam mit den Projekten „GOLD for Leipzig“ und „Kunstfreiheit.art“ – tatsächlich den Leipziger Marketingpreis mit nach Hause nehmen durfte, obwohl die Marketingwelt nicht sein Ding ist, hätte er nicht für möglich gehalten. „Ich freue mich sehr, dass ich beim Marketingpreis die Bühne bekommen habe, mein Herzensprojekt zu präsentieren – auch wenn ich mir durch den Preis und die vielen Kontakte bei der Preisverleihung mehr nachhaltige Unterstützung für das Projekt gewünscht hätte“, sagt er.
Opa entfacht Liebe zum Fotografieren
Die Liebe zum Fotografieren begann für Martin Neuhof schon in der Kindheit – danke seines Opas, der in der DDR als ein Meisterfotograf aktiv war – unter anderem in der Zeit der Montagsdemonstrationen in Leipzig. „Ich erinnere mich genau, wie ich bei meinem Opa Friedrich Gahlbeck in der Dunkelkammer stand und er mir zeigte, wie er seine Schwarz-Weiß-Fotos entwickelte. Diese Erfahrung hat mich geprägt und meine Leidenschaft für die Fotografie geweckt“, erinnert sich Neuhof. Seit 2010 ist er selbst als selbständiger Fotograf unterwegs. Dabei stellt er vor allem Menschen und deren Handeln in den Fokus. „Ich habe vor einigen Jahren gemerkt, dass eine Festanstellung nichts für mich ist. Deswegen habe ich den Schritt in die Selbständigkeit gewagt.“ Und er hat diesen Schritt bis heute nicht bereut.
Vor einigen Jahren machte Martin Neuhof als Fotograf sogar international von sich reden, als ein Bild von ihm beim internationalen Wettbewerb des Portals „500px“ zum besten Portraitfoto des Jahres gekürt wurde. Dieses Porträtfoto war deshalb auch in zwei Galerien der kanadischen Metropole Toronto zu sehen. Das Foto zeigte zwei Frauen, Kopf an Kopf, wie im berühmten Ying und Yang chinesischer Philosophie miteinander verwoben. Ursprünglich war das Bild mit dem Titel „Unsere Insel“ für einen Fotoband mit Kollegen gedacht gewesen, der allerdings nicht zustande kam.
Stand: 20.12.2025














