Es ist schon von weitem zu sehen und eines der bekanntesten Denkmäler in Leipzig. Das Völkerschlachtdenkmal wurde 1913 anlässlich des 100. Jahrestags der Völkerschlacht eingeweiht. Doch neben diesem symbolreichen Monument gibt es im heutigen Stadtgebiet von Leipzig noch viele kleine, manchmal etwas unscheinbare Denkmäler dieser Oktobertage des Jahres 1813. Die Apelsteine findet man an den wichtigen Plätzen der Schlacht. Doch wieso Apelsteine? Wer oder was war Apel? Und was hat es mit den Steinen auf sich?
Die Völkerschlacht bei Leipzig
Sie fand vom 16. bis 19. Oktober 1813 vor den Toren Leipzigs statt und ist die größte Schlacht des Befreiungskrieges. Hierbei schlossen sich schwedische, preußische, russische und österreichische Truppen zusammen um gegen Napoleons Armee anzutreten. Auf der Seite der Franzosen kämpften Anfangs noch Truppen aus Sachsen. Sie liefen am letzten Tag der Völkerschacht zu den Alliierten über. Damit war die Niederlage der napoleonischen Armee besiegelt.
In diesen Tagen Mitte Oktober 1813 trafen mehr als eine halbe Million Soldaten aufeinander. Schätzungsweise 90.000 bis 120.000 verloren auf dem Schlachtfeld ihr Leben. Und auch für die Bewohner von Leipzig waren die Tage der Völkerschlacht und die Wochen und Monate danach eine entbehrungsreiche Zeit voller Hunger, Krankheit und Tod.
Der Sohn des Ratsherrn Apel
Die Apelsteine gehen auf Theodor Apel zurück. Er wurde am 11. Mai 1811 als Sohn des Ratsherrn und Dichters Johann August Apel geboren. Während seiner Zeit auf der Nikolaischule freundete er sich mit Richard Wagner an, der ebenfalls einige Jahre dort Schüler war. Er studierte an den Universitäten Leipzig und Heidelberg Jura. Nach seinem Studium kehrte Apel in seine Heimat zurück und lebte auf dem Rittergut Ermlitz, das seinem Großvater gehörte.
Nach einem Sturz vom Pferd verlor er fast vollständig sein Augenlicht. Trotzdem engagierte sich Apel in seiner Geburtsstadt. So zum Beispiel an der Universität Leipzig – er war Mitglied der Corps Saxonia Leipzig. Zudem trat Apel, der sehr an der Geschichte Leipzig interessiert war, 1851 dem Verein zur Feier des 19. Octobers bei. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Apel – zwei Jahre vor der Völkerschlacht geboren – diese und ihre Folgen mehr oder weniger bewusst in den ersten Jahren seiner Kindheit miterlebte.
Zum 50 jährigen Gedenken an die Völkerschlacht ließ Apel zwischen 1861 und 1864 die Apelsteine errichten. Er starb am 20. November 1867 mit nur 56 Jahren.
Die Steine von Apel
Apel`s Anliegen mit den nach ihm benannten Steinen, waren die markanten Standorte der verschiedenen Truppen, jedoch nicht im Sinne einer beeindruckenden Schlacht, sondern eher als Mahnmal an das damit verbundene Unheil. Dabei unterschied er die Verbündeten und die napoleonischen Truppen. Und das spiegeln die Steine wider. Sie alle sind etwa 1,50 Meter hohe viereckige Steinsäulen, auf deren oberen Ende die Himmelsrichtungen angegeben sind.
Es gibt zwei Arten Apelsteine, die sich in den oberen Enden unterscheiden. Eine ganze Reihe der Steine haben abgerundete Abschlüsse, andere enden spitz wie eine Pyramide. An den Stellen, an denen ein „abgerundeter“ Apelstein steht, hatten Napoleons sowie polnische und sächsische Truppen Stellung genommen. Diese Steine sind mit einem großen „N“ gekennzeichnet und erhielten bei der Nummerierung die ungeraden Zahlen.
Die „spitzen“ Apelsteine stehen hingegen für die Verbündeten. Zu ihnen gehörten die schwedischen, russischen, preußischen und österreichischen Truppen. Auf diesen Steinen findet man ein großes „V“ und eine Nummerierung mit geraden Zahlen. Im Mittelteil aller Apelsteine gibt es weitere Angaben über die jeweiligen Einheiten vor Ort. Zu diesen Daten gehören der Befehlshaber, die Stärke der Truppe, die Kampfrichtung – seitlich der Steine durch einen Pfeil gekennzeichnet – und das Datum der Schlacht. Die Sockel der Steine sind mit dem Namen des damaligen Bildhauers A. F. Aster und dem Aufstellungsjahr gekennzeichnet.
Bis 1864 ließ Apel nach diesem Prinzip insgesamt 44 Steine anfertigen und aufstellen. Dabei finanzierte er auch dieses Vorhaben aus eigener Tasche. Theodor Apel hatte für diese Steine 60 Standorte vorgesehen und war dabei nicht überzeugt, alle Stätten damit gekennzeichnet zu haben. Nach seinen Tod wurden vier weitere Apelsteine errichtet. Zudem stiftete sein Sohn 1889 der Stadt Leipzig 15.000 Mark. Mit einem Teil der Zinsen sollten die Kosten der Unterhaltung der Apelsteine beglichen werden.
Da die Apelsteine ursprünglich aus weichem Sandstein gefertigt waren, mussten sie im Laufe der Jahre erneuert und durch Kopien aus härterem Gestein ersetzt werden. Einige von ihnen wurden, aufgrund späterer Bebauungspläne, von ihrem ursprünglichen Standort entfernt und etwas versetzt.
Trotz allem erzählen die Apelsteine die Geschichte einer großen Schlacht. Will man sie alle sehen, könnte man eine „Wanderung“ von über 100 Kilometern unternehmen. Diese würde von Markkleeberg (Apelstein 44) über Kleinzschocher (Aplestein 26), Möckern (Apelstein 25 und 17), Lindenthal (Apelstein 14 und 46) und Wiederitzsch (Apelstein 21) führen. Weiter durch das Stadtzentrum von Leipzig in Richtung Schönefeld Ost (z.B. Apelstein 38) und dann über Holzhausen (Apelstein 27), Lössig (Apelstein 33) und Liebertwolkwitz (Apelstein 9) in Richtung Probstdeuben (Apelstein 12).
Neben den Apelsteinen und dem Völkerschlachtdenkmal findet man in Leipzig heute noch zahlreiche weitere Denkmäler zur Völkerschacht, darunter Brückensprengungsdenkmal, Friccius-Denkmal, Kugeldenkmal Möckern, Napoleonstein, Denkmal auf dem Monarchenhügel, Galgenberg-Denkmal, Poniatowski-Denkmal, oder die Österreicher-Denkmale in Lößnig, Kleinzschocher, Paunsdorf und Holzhausen.
Wer sich für diese Thematik interessiert, der sollte sich die von Steffen Poser im Passage-Verlag herausgegebene Publikation „Denkmale zur Völkerschlacht“ zulegen. Neben einer Darstellung von über 70 Denkmalen, Gedenksteinen und Gedenktafeln, werden auch die Russische Gedächtniskirche St. Alexej und das Torhaus Dölitz vorgestellt.
Stand: 22.05.2025














